Sind wir egoistisch?
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Lebensplanung, Standorte
Lana
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Sind wir egoistisch?

Post 1 im Thema

Beitrag von Lana »

Um Malvines Thema nicht zu kapern, starte ich mal ein neues zu den Fragen, die Vicky hier stellt:
Vicky_Rose hat geschrieben: So 29. Sep 2024, 16:00 Wir leben gegen unsere Wünsche und Notwendigkeiten. Wir wollen für unsere Partnerinnen jemand sein, der ihren Wünschen entspricht und vergewaltigen uns selber. Leben wir unser Leben, sehen wir uns als egoistisch. Das ist ein Dilemma. Ich bin für Rücksicht, aber nicht für faule Kompromisse.

Heißt das Problem "Malvine", "Vicky" oder "xxx"? Ich glaube nicht. Aber vielleicht hat unser Probem mit der Bewertung unserer eigenen Person zu tun ? Wie können wir uns leben ohne egoistisch zu sein ? Das ist vielleicht die Kernfrage. Oder ?
Ich glaube, das ist interessant genug, um sich ein paar Gedanken dazu zu machen.

Dilemma bedeutet ja, dass es keine Lösung geben kann, die die widerstreitenden Positionen so miteinander integriert, dass beide gut damit leben können. Ein Dilemma entsteht regelmäßig dann, wenn eine Position die andere ausschließt. Das ist auch hier der Fall:
Wir würden gerne als Frau leben / Frau sein, tun es aber nur sehr eingeschränkt, weil wir glauben, dass sei unserer Partnerin gegenüber unfair oder egoistisch.

Die Kernfrage ist aber nicht, wie wir uns leben können ohne egoistisch zu sein, weil die das Dilemma nur endlos replizieren würde. Es wird nämlich immer ein "aber" geben, das der perfekten Lösung im Weg steht.

Im Grunde ist es doch viel einfacher:
Entweder wir leben einfach, oder wir suchen nach Gründen, warum es nicht geht.


Ich versuche mal anhand der Kleidung zu erklären, wie es bei mir war. Kleidung steht eher symbolisch für meine Befindlichkeit, also bitte nicht nur aus Äußere beziehen.

Ich empfand es immer sehr mühsam, mich diesem dauerndem Wechsel zwischen M und Fr auszusetzen. Anfangs dachte ich, es läge an der Heimlichkeit meines Tuns, aber als diese Hürde beseitigt war, stellte sich kaum Erleichterung ein. Es blieb anstrengend, mal Mann zu sein und lieber Frau sein zu wollen, aber nicht zu können oder zu dürfen.

Besser wurde es für mich tatsächlich erst, als ich die Möglichkeit hatte, andauernd das zu tragen, was mir gefällt und wozu ich gerade in der Stimmung bin. Egoistisch kam es mir nicht vor, eher war es sowas ähnliches wie Mich-Ehrlich-Machen, Zu-Mir-Stehen, Echt-Sein. In meiner früheren männlichen Version lief ich doch meist rum wie Falschgeld, zumindest fühlte es sich so an.

Heute kann ich tragen was ich möchte. Bin ich mit meiner Partnerin unterwegs, gibt es kleine Einschränkungen (die in die selbe Richtung gehen wie hier oft geäußert: nicht zu auffällig / bunt / kurz / sexy...) Damit kann ich gut leben. Ich strebe kein Passing an und mache die Erfahrung, dass es akzeptiert wird. Niemand muss leiden, wenn ich das tue, niemandem wird was weggenommen. Wenn es meiner Partnerin dennoch mal nicht gut geht mit meinem Äußeren, dann muss ich damit klar kommen, und sie muss damit klar kommen. Natürlich reden wir darüber. Manchmal kann ich kleine Dinge ändern, um ihr entgegen zu kommen. Manchmal geht es nicht. Meistens ist es OK so wie es ist.

Was hat das nun mit den Gefühlen von Trauer zu tun, die man hat, wenn man sich wieder zurück verwandelt?
So wie ich es sehe, bekommt man diese Gefühle erst dann in den Griff, wenn man diesen Wandel mit selbstverständlicher Lakonie akzeptieren kann. Das gelingt am ehesten, wenn man nicht diesen inneren Gegensatz überbetont, sondern versucht, innerlich eins mit sich zu werden.
Ich habe dann gar nicht bewusst das Gefühl, mich zu "verwandeln". Selbst wenn ich es tue. Es passiert einfach, weil es ein ganz normaler Teil meines Alltags geworden ist, den ich nicht mehr hinterfrage. Es ist integriert in meiner Persönlichkeit und kann es ohne schlechte Gefühle für mich annehmen. Als Geschenk, nicht als Problem.

Wie kommt man dahin?
Da gibt es wohl so viele Wege, wie es Menschen gibt. Hilfreich ist die Beschäftigung mit den Themen , Selbstliebe, Aufmerksamkeit, Bindungstrauma, innere Kinder...
Das ist aber nur dann erfolgversprechend, wenn man sich offen darauf einlassen kann und einen langen Atem mitbringt. Der Prozess braucht Unterstützung und Begleitung, wenn man sich nicht unterwegs verlieren will.
Irgendwann stellt man dann fest, dass viele unserer Probleme in Wirklichkeit ganz anders gelagert sind, als wir es dachten. Meistens fällt ab dem Zeitpunkt die Bearbeitung leichter, und Dinge lösen sich.

Beispiel:
In jungen Jahren war ich sehr fasziniert von sexy Damenunterwäsche und hätte viel darum gegeben, wenn meine damalige Freundin sie getragen hätte. Mochte sie aber nicht. Mein Problem war also: wie kann ich sie trotzdem dazu überreden? Ich habe damals viel Energie darauf verwendet, mir "Strategien" auszudenken, dieses "Problem" zu lösen.
Irgendwann zog ich die Sachen aus Frust einfach selbst an. Und sofort war der Druck weg, sie ihr weiter aufzudrängen. Es sollte noch lange dauern, bis ich verstand, dass es nie darum ging, dass sie diese Sachen trägt, sondern dass ich sie wohl angeschafft hatte, um sie selbst zu tragen, davon aber zunächst nichts wusste. Mein ursprüngliches "Problem" war also nichts als eine Projektion.

Ist dieser gefühlte Egoismus aus Vickys Beitrag nicht etwas ähnliches? Vielleicht keine Projektion im psychologischen Sinne, aber doch eine unbewusste Strategie, nicht zu stark mit unserem eigentlichen inneren Wesen in Kontakt zu kommen?
Aus Angst. Angst vor dem, was wir dort finden könnten, wenn wir es wirklich zulassen würden, wirklich öffnen könnten? Weil es dann kein Zurück mehr gäbe? Aber wäre das so schlimm, wenn wir endlich leben könnten?

Für mich ist die Kernfrage somit:
Wie überwinden wir diese Angst vor uns selbst?

LGL
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 2 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Liebe Lana,

Du hast perfekt ausgedrückt, was ich mit meiner Frage provozieren wollte. Der Ausweg aus einem Dilemma ist die Möglichkeit eines "dritten Wegs". Und der liegt mMn in einer Verschiebung der Perspektive. Dan lösen sich viele Dinge. Richtiig, aber auch problematisch ist für mich der Satz:
Lana hat geschrieben: Mo 30. Sep 2024, 02:59 Der Prozess braucht Unterstützung und Begleitung, wenn man sich nicht unterwegs verlieren will.
Ich stimme dem voll und ganz zu, aber woher nimmt man die, wenn man voller Angst ist, abgelehnt zu werden ? Hier taucht ein Konglomerat von Aspekten auf, die schwer zu sortieren ist. Ein paar Stichworte: Ängste in verschiedenen Formen und Ursachen, Selbstsicherheit, Reaktionen der Partnerin, Reaktionen aus der Umwelt, vermeintliche Reaktionen, die vielleicht gar nicht so zutreffen, Projektionen etc. Das bekommt man alleine kaum auf die Reihe. Ich habe Jahrzehnte gebraucht, um an die Stelle zu kommen, an der ich heute stehe. Gut kann ich mich noch an die Zeiten erinnern, in der es kein Internet gab und damit auch keine Möglichkeiten für Austausch und Unterstützung. Das Thema Trans war da ein noch viel größerer Dämon als heute.

Das was DU schreibst, ist für mich von so viel Wert, denn nur wenn wir gemeinsam an solchen Fragen arbeiten, können wir uns von den unseren inneren Problemen befreien. Viele haben schon vieles geschafft und meine eigenen Erfahrungen gehen auch in die Richtung. Aus meiner Sicht ist es zentral, dass noch viel mehr zu ähnlichen Einsichten und Konsequenzen für sich selber kommen.

Und ich bin in dieser Frage auch noch lange nicht "fertig". Ich bin gespannt, wie es weiter geht ....

P.S. Da fällt mir noch ein Aspekt ein, den ich für sehr wichtig halte. Es ist die Frage, wohin will ich ? Was ist das Ziel in meinem Leben ? Wie komme ich dort hin ? Ich kann das von mir nicht mit Sicherheit beantworten. Es dürfte aber viel helfen, wenn man das Dilemma für sich lösen will. Steht das nicht am Anfang ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 3 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Lana, hallo Vicky Rose,

was bitte anderes als egoistisch sollen wir sein, wo wir doch vom Kindergarten an auf Egoismus eingeschworen werden. Als Mann spielen wir dann vielleicht den "harten Kerl", der gerne seine Frau und seine Kinder verprügelt, oder darauf brennt, sich als Held im Krieg erschießen zu lassen. Nur wer kann bitte mit einer solchen Rolle wirklich etwas anfangen? Die meisten versuchen dann, sich einfach irgendwie durch zu mogeln. Wie "Mann" wirklich geht, lernen wir weder im Kindergarten oder der Schule noch bei unseren Vätern, die es selbst nicht gelernt haben.

Einige brechen dann aus, und gehen zu einer Selbsthilfegruppe. Dort erfahren sie, dass sie im falschen Körper geboren sind, was sich mit Hormonen und OP korrigieren lässt. Wirklich glücklich werden mit dieser Korrektur nach meiner Erkenntnis nur wenige. Die meisten dürften sich danach einfach nur zurück ziehen, und mit der neuen Rolle hoffentlich besser klar kommen. Nicht wenige treibt es aber zu Verzweiflung und Selbstmord.

Wer ist nun der Egoist? Einer dieser Nachbarn, die sich ständig für den eigenen Vorteil gegeneinander aufhetzen, und damit einen Kleinkrieg führen, oder ich, wenn ich einfach nur das anziehe, was mir gefällt, und auf die Geschlechter-Klischees einen großen Haufen scheiße?

LG Nicole
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 4 im Thema

Beitrag von Helga »

Um auf die Eingangsfrage "sind wir egoistisch?" zurückzukommen: Ja, sind wir, dürfen wir auch, müssen wir sogar. Es gibt soetwas wie "gesunden" Egoismus, der uns davor schützt uns für andere völlig zu verausgaben. Gerade in den Beziehungsfeldern Kinder, Partnerschaft, pflegebedürftige Angehörige ... ist jede Form des Egoismus, auch wenn diese nur dem Selbstschutz dient, stigmatisiert. Das ist nicht nur ein Trans- oder Crossdresser- Thema sondern kann Menschen jeden Geschlechts und jeder Bevölkerungsgruppe betreffen. Im Verhältnis zu unseren Arbeitgebern haben wir in den letzten Jahren mittlerweile gelernt uns abzugrenzen, im privaten Bereich ist dies leider noch ziemlich unpopulär. Peter Alexander sang bereits vor etwa einem halben Jahrhundert: "Denk doch auch mal an Dich", ein Lied das vornehmlich an cis- Frauen adressiert war. Wir müssen diese Schnulze nicht gut finden, sollten uns die Botschaft aber zu Herzen nehmen.
Sicherlich lässt sich gesunder Egoismus durch eine Grauzone in einen ungesunden Egoismus steigern. In der Grauzone wird das, was wir als angemessen empfinden von anderen subjektiv als Zumutung empfunden. Der ungesunde Egoismus beginnt dort, wo die Zumutung objektiv vorhanden ist.
Die Grenzen sind idividuell unterschiedlich und lassen sich im Zweifel nur durch vorsichtiges Austesten bestimmen, sowie durch beharrliches anstossen verschieben.
Lana hat geschrieben: Mo 30. Sep 2024, 02:59 aber doch eine unbewusste Strategie, nicht zu stark mit unserem eigentlichen inneren Wesen in Kontakt zu kommen?
Aus Angst. Angst vor dem, was wir dort finden könnten,
Ein interessanter Gedanke. Das, was wir in uns finden ist so weit von dem binären Idealbild entfernt, welches wir in unserer Sozialisierung und Erziehung immer wieder vorgeführt und eingebleut bekommen haben, dass wir Mühe haben uns selbst zu akzeptieren. Oder ein ähnliches Bild wurde uns möglicherweise als Abklatsch des Bösen präsentiert, wodurch wir Angst vor uns selbst bekommen. Wie lässt sich das überwinden? Wie kommen wir zu Selbstakzeptanz und überwinden die Angst vor uns selbst? Aus meiner Sicht über einen ganzheitlichen Ansatz: Über unsere verklärte Sicht aus dem Jahr 2024 hinterfragen wir das Weltbild von 1974. Für die Gesellschaft im Allgemeinen für unsere Eltern, Lehrer und andere nahestehende Personen im Besonderen. Wir schauen uns diesen winzigen Teller an, über dessen Rand unsere Eltern nie geblickt haben, kommen zu dem Schluss, dass sie nicht besser wissen konnten und halten ihnen zugute, dass sie es in ihrer Beschränktheit nur gut gemeint haben. Wir löschen die Teile unseres Weltbildes, die uns selbst im Wege stehen und fügen Erkenntnisse ein, die wir in späten Jahren gewonnen haben. Dann klappt es mit der Selbstakzeptanz und der Überwindung der Angst vor sich selbst. Aber klar: Dieser Prozess braucht Jahre.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 30. Sep 2024, 08:20 Da fällt mir noch ein Aspekt ein, den ich für sehr wichtig halte. Es ist die Frage, wohin will ich ? Was ist das Ziel in meinem Leben ? Wie komme ich dort hin ?
Liebe Vicky, auch wenn es abgedroschen klingt: Der Weg ist das Ziel. Der einzige Zielpunkt, den wir im Leben mit Sicherheit erreichen, ist der Tod. Ein Ziel, das bei einigermaßen Gesundheit nicht wirklich erstrebenswert sein sollte. Wer sich zusehr mit der Zielsuche beschäftigt wird bestenfalls bei der 42 landen und läuft dabei Gefahr das Wesentliche zu übersehen. Die Zeit, das Leben, alles ist ständig im Fluss. Es mag zwar Meilensteine geben, aber es gibt keine wirklichen Zielpunkte. Sobald wir ein vermeintliches Ziel erreicht haben fragen wir uns "war das jetzt wirklich alles" oder fallen in ein tiefes Loch in dem Glauben, das nichts mehr kommt.
Es ist besser den Status Qou zu nehmen, zu schauen, was sich gegebenenfalls verbessern lässt und sich einfach nur überraschen zu lassen, was noch alles auf uns zukommt.
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 5 im Thema

Beitrag von Helga »

Nicole Fritz hat geschrieben: Mo 30. Sep 2024, 21:30 Wie "Mann" wirklich geht, lernen wir weder im Kindergarten oder der Schule noch bei unseren Vätern, die es selbst nicht gelernt haben.
Liebe Nicole, da streifst du ein Grundproblem aller Gesellschaften unserer Erde und vermutlich des ganzen Kosmos: Mann oder Frau sein muss gelernt werden, weil es halt nicht von Geburt an in den Menschen verankert ist. Abgesehen von unseren Fortpflanzungsorganen, die unseren Eltern bei der Zuordnung eine trügerische Sicherheit suggerieren, sind wir von Geburt an eigentlich Mischwesen aus Anteilen, die nach jahrtausendealten Klischees teilweise dem männlichen als auch dem weiblichen Spektrum zugeordnet werden können. Erst unsere "Lehrjahre" versuchen dies zu ordnen indem die "falschen" Anteile unterdrückt werden. Es gibt aber weder falsche Anteile noch falsche Körper. Wir werden erst dann mit uns selbst klarkommen, wenn wir uns selbst in unserer Gesamtheit akzeptieren.
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 6 im Thema

Beitrag von Lina »

Mich könnte es allmählich interessieren, ob eure Partner den gar nicht selber was tun, wo sie sich selber am höchsten prioritieren. Wenn "nein" glaube ich, dass es wichtig wäre schnellstmöglich herauszufinden, warum nicht.
Joo
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 7 im Thema

Beitrag von Joo »

Hallo Lana,
diese Frage beschäftigt mich auch immer wieder. Bin ich egoistisch, weil ich mich nicht verstecke? Ist es Egoismus, der mich dazu bringt die weibliche Kleidung zu tragen nach der es mich drängt? Warum ist es egoistisch wenn ich so sein will wie ich bin? Ist es nicht vielmehr der träge Egoismus meiner Mitmenschen, die in ihrem Weltbild verharren und glauben ihre Norm sei das Normale, nicht bedenkend, dass diese Norm nur der simplen Tatsache an fehlender Erkenntnis zu verdanken ist. Die Norm ist immer auch eine Reduktion, ein Ausschluss, die Vielfallt, das Einmalige, das Individuelle wird man dort nicht finden. Ja ich weiß um den Konflikt, den ich mit der Art wie ich mich kleide, zwischen mir und meiner Partnerin auslöse, aber ich fürchte es gibt keine Lösung. Toleranz ist nicht temporär. Diese Kleidung ist authentischer Bestandteil meines Wesens. Natürlich bin ich frei, kann mich auch anderst kleiden, aber wer will sich schon immer "verkleiden". Selbst als Mann gab es Kleider in denen ich mich unwohl fühlte, Kleider, die nicht meinem Stil entsprachen. Welches Interesse kann jemand haben mich in eine solche "Zwangsjacke" zu stecken? Ich verlange nicht, dass irgendjemand akzeptiert, also gutheißt wie ich mich kleide, aber auf der Toleranz bestehe ich. Übrigens, eine zeitlich begrenzte Toleranz ist das Gegenteil von Toleranz, nämlich die vorprogrammiert Intoleranz.

Liebe Grüße
Joo
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Die Toleranz der Anderen ist meine Freiheit.
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 8 im Thema

Beitrag von Lana »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 30. Sep 2024, 08:20 Richtig, aber auch problematisch ist für mich der Satz:
Lana hat geschrieben: Mo 30. Sep 2024, 02:59 Der Prozess braucht Unterstützung und Begleitung, wenn man sich nicht unterwegs verlieren will.
Ich stimme dem voll und ganz zu, aber woher nimmt man die, wenn man voller Angst ist, abgelehnt zu werden ? Hier taucht ein Konglomerat von Aspekten auf, die schwer zu sortieren ist. Ein paar Stichworte: Ängste in verschiedenen Formen und Ursachen, Selbstsicherheit, Reaktionen der Partnerin, Reaktionen aus der Umwelt, vermeintliche Reaktionen, die vielleicht gar nicht so zutreffen, Projektionen etc. Das bekommt man alleine kaum auf die Reihe.
Ich habe lange überlegt, ob ich den banalen Hinweis auf externe Begleitung überhaupt schreiben soll. Weil es zumindest in der Anfangsphase gar nicht möglich ist, sich die nötige Unterstützung zu suchen. Zu diffus ist das Gesamtbild, zu unkonkret die Fragen, bei denen man Hilfe bräuchte, zu schwankend die eigene Wahrnehmung, als dass man daraus ein stabiles Konzept stricken könnte, das einem auf dem weiteren Weg hilfreich wäre...
Ja, ich stimme dir zu, dass es eigentlich gar nicht geht. Und ich kenne es selbst auch so, wie Du es bescheibst. Letztlich werden wir nicht umhin kommen, uns dieser Situation iterativ zu nähern. Kleine Schritte im Nebel, erstmal blind in irgend eine Richtung, immer in der Hoffnung, etwas mehr Klarheit zu finden. Es wird Irrwege geben, Rückschläge, Frustration...
Und wir werden uns hoffnungslos einsam und verloren fühlen dabei.

Aber irgendwann hat man das kleine Glück, ein bisschen weiter zu sehen als bisher, ein paar Konturen in der Nebelsuppe zu erkennen, schemenhaft zunächst, dann vielleicht deutlicher; zu spüren, ja, jetzt geht es in die richtige Richtung. Hoffentlich! Vielleicht?
Das ist der Punkt, wo Hilfe von außen sinnvoll wird. Bis dahin müssen wir uns leider selbst vorantasten, ich sehe keine andere Möglichkeit.

Lana hat geschrieben: Mo 30. Sep 2024, 02:59 P.S. Da fällt mir noch ein Aspekt ein, den ich für sehr wichtig halte. Es ist die Frage, wohin will ich ? Was ist das Ziel in meinem Leben ? Wie komme ich dort hin ? Ich kann das von mir nicht mit Sicherheit beantworten. Es dürfte aber viel helfen, wenn man das Dilemma für sich lösen will. Steht das nicht am Anfang ?
Nein. Es wurde schon geschrieben: "Der Weg ist das Ziel". Im Prinzip steckt da alles drin, was man wissen muss.

Ich versuche es mal ein bisschen anders zu erklären:
Wieder ausgehend vom orientierungslosen Suchen im Nebel, das nur dann überhaupt erfolgreich sein kann, wenn ich mich irgendwann mal auf den Weg mache, egal wohin, egal in welche Richtung, egal mit welchem Ziel. Einfach nur bewegen. Bewegung heißt Entwicklung. Ohne Bewegung entwickeln wir uns nicht weiter. Es ist unmöglich, immer am selben Punkt stehen zu bleiben und sich einzubilden, man könne seine Persönlichkeit weiterentwickeln.
Das bedeutet, Entwicklung ist nie zielgerichtet, zumindest nicht in ihrer Initialphase. Sie beginnt einfach, ohne ein Ziel zu haben.
Wenn wir uns auf den Weg machen, begegnen uns äußere Reize und Einflüsse, wir treffen auf andere Menschen mit ihren eigenen Standpunkten, gleichen uns mit ihnen ab, übenehmen manches, verwerfen andereres. Das geschieht überwiegend intuitiv. Das bedeutet, wir übernehmen nicht Dinge und Eigenheiten bewusst deswegen, weil sie uns beim Erreichen eines bestimmten Ziels nützlich sein könnten. Das wäre die klassische Strategie extrinsischen Lernens, bei dem die inneren Beweggründe keine große Rolle spielen.

Es geht mir hier aber genau darum, was mich im Inneren ausmacht. Das kann ich nur erfahren, wenn ich mich meiner inneren Wirklichkeit öffne. Dazu gehört es, intrinsisch motivierte Dinge zuzulassen, möglichst wertfrei, um erst in einem nachgelagerten Schritt zu entscheiden und zu werten, ob ich sie in meinem Leben haben möchte und in welchem Ausmaß.

Erst an dieser Stelle kommt die Frage des Ziels:
Wohin führt mich die Annahme dieser meiner inneren Bedürfnisse, wenn ich mich auf sie einlasse? Möchte ich dorthin? Kann ich es mit dem vereinbaren, was mein bisheriges Leben prägt, was mein Leben ausmacht? Falls nicht: Wie kann ich mich für die "richtige" Richtung entscheiden?

Es ist klar, dass der Gedanke, ein Ziel zu haben, einem bei dieser Entscheidung sehr hilfreich erscheint. Ich glaube aber, dass es einschränkt, weil man immer versucht sein wird, Entscheidungen diesem Ziel unterzuordnen, sie darauf auszurichten. Das kann auch unbewusst geschehen.

Letztlich nehmen wir uns dadurch die Freiheit, das zu werden, was wir eigentlich sind.

Das ist mein Ziel:
Herauszufinden, wer ich eigentlich bin, und dieses Leben zu leben.

LGL
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 9 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Nicole,
Nicole Fritz hat geschrieben: Mo 30. Sep 2024, 21:30 was bitte anderes als egoistisch sollen wir sein, wo wir doch vom Kindergarten an auf Egoismus eingeschworen werden.
Dein Schluss ist naheliegend, lässt aber außer acht, dass wir uns weiter entwickeln im Leben. Klar werden viele Dinge im Kindesalter (und teilweise schon vor der Geburt) gesetzt. Sie prägen uns das ganze Leben hindurch. Manche davon sind echt harte Nüsse, die kaum veränderbar sind. Meist sind das die Eigenschaften, die wir am wenigsten gut an uns leiden können, und die wir am schwersten in den Griff bekommen. Das frustriert, und wir suchen eine From der Kompensation. Das kann Sucht jedweder Art sein, Gewalt, Depresssion...

Es geht aber auch anders, nämlich dass wir irgendwann lernen, dass diese Kompensationshandlungen nur unsere problematischen Eigenschaften vertstetigen. Sie machen es uns immer schwerer, sie hinter uns zu lassen. Das geht nur, wenn wir uns damit anfreunden können, das auch sie ein Teil von uns sind. Man sagt auch, dass man lernen muss, sie in seiner Persönlichkeit zu integrieren. Aber das weißt du sicherlich alles schon.

Um zum Thema zurück zu kommen:
Egosimus im Rahmen dieser Diskussion bezieht sich darauf, die Belange, die unser Transsein oder CD ausmachen, so weit in unser Leben zu integrieren, dass wir gut damit umgehen können. Damit erlauben wir uns, uns selbst gut zu behandeln, indem wir anerkennen, dass wir so sind wie wir sind. Wenn wir das wirklich leben, gibt es Reibungspunkte in unserem persönlichen Umfeld. Du schilderst selbst ein paar davon.

Ich denke, es ist unvermeidlich, sich diesen Punkten zu stellen und zu schauen, wie man einen Weg finden kann, der allen Bedürfnissen möglichst gerecht wird: Meinen eigenen hinsichtlich dem Ausleben meiner Identität, und denen von anderen Personen, die damit Schwierigkeiten haben. Vielleicht braucht es an dieser Stelle eine gesunde Portion Selbst-Vertrauen, um sich treu zu bleiben, um sich nicht in irgendwelchen faulen Kompromissen zu verlieren. Ich würde das nicht "Egosimus" nennen.

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Re: Sind wir egoistisch?

Post 10 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Helga,
Helga hat geschrieben: Mo 30. Sep 2024, 22:07 Wir schauen uns diesen winzigen Teller an, über dessen Rand unsere Eltern nie geblickt haben, kommen zu dem Schluss, dass sie nicht besser wissen konnten und halten ihnen zugute, dass sie es in ihrer Beschränktheit nur gut gemeint haben.
Danke für dieses schöne, aber auch traurige Bild!

Ich möchte noch was zu "gut gemeint" schreiben, ohne den blöden Spruch dazu zu zitieren.

Natürlich müssen wir unterstellen,d ass unsere Eltern es erstmal "gut" mit uns Kindern gemeint haben. Der Maßstab waren die sittlichen und moralischen Vorstellungen ihrer Zeit, die uns oft unreflektiert, in jedem Falle aber ungefragt, übergestülpt wurden. Was daraus geworden ist, weiß jeder, der irgendwann damit angefangen hat, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Das Thema Eltern ist dabei immer das schwerste, finde ich. Weil ich ihnen eben keinen bösen Willen unterstellen kann, und trotzdem sehe, was sie angerichtet haben mit dem kleinen Menschen, der ich damals war. Sie wussten es wohl nicht besser, konnten nicht anders handeln im Rahmen ihres Horizonts, des winzigen Tellers. Und trotzdem kommt manchmal Wut auf in mir, weil so viel kaputt gegangen ist. Nicht nur bei mir, auch bei ihnen. Die wirkliche Tragik ist, dass sie das spüren, aber nicht verstehen können, woher es kommt. Es fehlen die Worte, die Konzepte, um sich dem Thema auch nur anzunähern. Sie leiden darunter, und doch kann ich nicht helfen. Ich dringe nicht durch, bin zu weit jeseits ihres kleinen Tellers, sie hören mich nicht. Und zugleich kann ich nicht dorthin zurück, in diesen kleinen Teller, wo wir noch eine gemeinsame Sprache hatten, uns verständigen konnten. Glaubten wir zumindest. Aber der Horizont war zu eng, die Worte nicht ausreichend, um das zu erklären, worum es wirklich geht. So sehe ich diesen kleinen Teller heute aus der Ferne, von außen, und bin froh, ihm entronnen zu sein. Und auch wenn ich es irgendwie geschafft habe, habe ich nicht die Möglichkeit, anderen dabei zu helfen. Das würde meine Kräfte übersteigen, zu viel Angst hätte ich davor, zurück zu fallen in diese alte Welt, die als abgelegter Teil in mir weiter existiert. Sie hat noch keinen guten Platz gefunden, ich habe meinen Frieden mit ihr noch nicht gemacht, sie ist noch nicht integriert. Ob ich es jemals schaffe?

Meine Transidentitätist unheimlich hilfreich bei der Abgrenzung. In gewissem Sinne ist sie sicherlich auch eine Flucht, eine From der Kompensation, zur Verleugnung dieses kleinen Tellers in mir drin. Vielleicht fällt es mir auch deswegen nicht schwer, mich auf diese neue Welt einzulassen, sie zum Leben zu erwecken, Ängste zu ignorieren. Weil alles besser ist als der Schritt zurück, dahin, wo ich hergekommen bin, da wo sich Leben nicht als Leben anfühlt. Ich trete dem heute recht entschieden entgegen, und dabei kann es sicherlich vorkommen, dass ich übers Ziel hinaus schieße bei der Abgrenzung. Das wirkt dann wohl von außen wie Egoismus. Aber ist es Selbstschutz, und in diesem Bereich meiner Persönlichkeit kann ich nicht besonders rücksichtsvoll handeln, wenn ich nicht unter die Räder kommen will.

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Re: Sind wir egoistisch?

Post 11 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Lina,
Lina hat geschrieben: Di 1. Okt 2024, 00:42 Mich könnte es allmählich interessieren, ob eure Partner den gar nicht selber was tun, wo sie sich selber am höchsten prioritieren. Wenn "nein" glaube ich, dass es wichtig wäre schnellstmöglich herauszufinden, warum nicht.
ich habe nun wiederholt über Deine Frage nachgedacht, aber ihr Sinn erschließt sich mir nicht.

Möchtest Du damit andeuten, dass unser Tun sehr wohl egoistisch ist, und dass es nur möglich ist, weil unsere Partner nicht selbst egoistisches Verhalten an den Tag legen?

Oder willst Du darauf hinaus, dass wir uns zu viele Gedanken machen, weil wir zu viel über uns nachdenken, aber egositisches Verhalten unserer Partner gar nicht wahrnehmen, obwohl es vorhanden ist?

Oder denkst Du, dass unser Verhalten gar nicht egoistisch ist, weil sonst automatisch unser Partner auch welches zeigen müsste?

Oder ganz was anderes?

Vielleicht möchtest Du ja aufklären, was Du mit Deiner Frage bezweckst?

LGL
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 12 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Joo,
Joo hat geschrieben: Di 1. Okt 2024, 07:31 Ist es nicht vielmehr der träge Egoismus meiner Mitmenschen, die in ihrem Weltbild verharren und glauben ihre Norm sei das Normale, nicht bedenkend, dass diese Norm nur der simplen Tatsache an fehlender Erkenntnis zu verdanken ist. Die Norm ist immer auch eine Reduktion, ein Ausschluss, die Vielfallt, das Einmalige, das Individuelle wird man dort nicht finden.
ich würde es eher Bequemlichkeit nennen, wenn jemand nicht über seinen eigenen Tellerrand hinausschuaen möchte. Egoismus erfordert schon ein bisschen Eigeninitiative, nicht nur bloßes Beharren in alten Strukturen :wink:
Joo hat geschrieben: Di 1. Okt 2024, 07:31Ja ich weiß um den Konflikt,[...] Natürlich bin ich frei, kann mich auch anders kleiden, aber wer will sich schon immer "verkleiden". Selbst als Mann gab es Kleider in denen ich mich unwohl fühlte, Kleider, die nicht meinem Stil entsprachen. Welches Interesse kann jemand haben mich in eine solche "Zwangsjacke" zu stecken?
Du beschreibst, dass es eben keine freie Entscheidung ist, wir nicht wirklich die "Wahl" haben, ob wir Damenkleidung tragen, oder uns in die Konventionen fügen. Daher rührt ja der ganze Konflikt, sonst könnten wir uns einfach anders anziehen.
Weil es aber so ist, dass wir unsere Kleidung nicht deswegen tragen, um andere zu ärgern, zu provozieren, halte ich es auch nicht für Egoismus. Wir folgen damit einem inneren Bedürfnis, zu dem ich an anderer Stelle schon viel geschrieben habe. Dass im Rahmen dieser "Bedürfnisbefriedigung" natürlich eine Wahl zwischen mehr oder weniger "konfliktträchtigen" Kleidungsstücken besteht, ist jedoch ein wichtiger Punkt, mit dem man einigen Druck aus dem Konflikt mit der Partnerin rausnehmen kann. Viele hier im Forum leben nach genauen Absprachen mit ihrer Partnerin, seien es zeitliche, örtliche oder stilistische Einschränkungen, die um des lieben Frieden willens in Kauf genommen werden. Das ist in meinen Augen das Gegenteil von Egoismus. Ob und wie das funktioniert, muss aber jeder für sich selbst herausfinden.

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Re: Sind wir egoistisch?

Post 13 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Natürlich sind wir egoistisch. Jeder Mensch braucht eine gewisse Portion Egoismus um nicht völlig unter die Räder zu kommen. Die Frage ist nur, ob es gesunder oder ungesunder Egoismus ist.
Gesunder Egoismus dient dem Selbstschutz und der Selbstbehauptung und zwar soweit es geht ohne die Mitmenschen zu beeinträchtigen. Ungesund wird es, wenn die Beeinträchtigung der Mitmenschen willentlich in Kauf genommen oder sogar angestrebt wird.

Wenn ich feststelle, dass jemandem eine bestimmte Tätigkeit - sei es Schlagzeug spielen, Marathon laufen, Crossdressen oder sonst etwas - gut tut. Wie egoistisch muß ich dann sein um zu versuchen dies zu unterbinden? Insbesondere wenn ich mit dieser Person in einer Partnerschaft lebe oder es mein Kind ist?
Na klar, muß ich nicht unbedingt jubeln aber nach einem gemeinsamen Weg suchen das möglich zu machen muß schon drin sein. Oder?

LG, Shoshana
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Lavendellöwin
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 14 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Lana hat geschrieben: Do 3. Okt 2024, 02:11 Liebe Lina,
Lina hat geschrieben: Di 1. Okt 2024, 00:42 Mich könnte es allmählich interessieren, ob eure Partner den gar nicht selber was tun, wo sie sich selber am höchsten prioritieren. Wenn "nein" glaube ich, dass es wichtig wäre schnellstmöglich herauszufinden, warum nicht.
ich habe nun wiederholt über Deine Frage nachgedacht, aber ihr Sinn erschließt sich mir nicht.

Möchtest Du damit andeuten, dass unser Tun sehr wohl egoistisch ist, und dass es nur möglich ist, weil unsere Partner nicht selbst egoistisches Verhalten an den Tag legen?

Oder willst Du darauf hinaus, dass wir uns zu viele Gedanken machen, weil wir zu viel über uns nachdenken, aber egositisches Verhalten unserer Partner gar nicht wahrnehmen, obwohl es vorhanden ist?

Oder denkst Du, dass unser Verhalten gar nicht egoistisch ist, weil sonst automatisch unser Partner auch welches zeigen müsste?

Oder ganz was anderes?

Vielleicht möchtest Du ja aufklären, was Du mit Deiner Frage bezweckst?

LGL

Hey...

ich hab da auch 2 Varianten, Lina ist manchmal schon etwas schwer zu verstehen.

Entweder will Lina sagen, das trotz Partnerschaft 2 Individuen da sind die auch völlig frei und unabhängig ihr Leben leben dürfen

oder

es könnte heissen, das auch die Partnerperson eventuell Züge hat die egoistisch sind/wirken und man das ganze dann
gegeneinander aufrechnen kann. Das wäre aber Mist, weil eine Partnerschaft überwiegend bedingungsfrei
und vorbehaltlos sein sollte.

Ich meine ich bin doch mit einer Person zusammen, weil ich sie überwiegend gerne so mag wie sie ist und nicht
damit ich sie an meine Vorstellungen angleiche. Das hat doch auf Dauer keine Basis nur die eigenen Vorstellungen zu
projizieren.
Nein, wirklich so zu sein wie man ist ist nicht egoistisch, es ist wahrhaft, die Natürliichkeit der eigenen Person.
Egoistisch ist nur eine Projektion von aussen..und das ist nicht die eigene Wesenheit.
Der Fehler ist auch, Leben wie es ist immer werten zu wollen.

Ich weiss wir hatten die Frage hier auch schon öfter, was würdet ihr tun, wie würdet ihr leben, was würdet ihr
meinetwegen anziehen wenn ihr alleine auf einer Insel sein würdet.
Rock oder Hose, Bluse oder Hemd?
Ich würde mir selbst, genau wie hier in Gesellschaft, die Angleichung meines Körpers wünschen.
Das ist für mich der Kern von, nennt es trans* sein, nichts anderes. Das hat nichts mit Egoismus, sondern mit leiden
zu tun...das Ziel ist aber nicht zu leiden. Das Leiden aufzulösen..

schönen Feiertag euch, Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Anja61
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Re: Sind wir egoistisch?

Post 15 im Thema

Beitrag von Anja61 »

Liebe Marie,

da klingelt etwas bei mir: das Leiden aufzulösen, das finde ich ganz wichtig. Du wünscht Dir eine Transition Deines Körpers. Das kann ich gut nachvollziehen, obwohl ich das nicht komplett brauche. Gesundheitlich spricht auch bei mir einiges dagegen.
Ich hätte wenigstens gerne physisch weibliche Brüste. Das ist aber auch nicht so einfach...Meine Frau und mein Kardiologe müssten schon damit einverstanden sein, dass ich einschlägige Hormonpräparate nehme.

Jedenfalls wünsche ich Dir, dass Du Deinen Weg gehen kannst, wie Du es Dir vorstellst. Ich selbst versuche das auch so gut, wie möglich und möchte gar nicht mehr leiden...


Liebe Grüße
Anja
"Mein Name ist Mensch"

Rio Reiser
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