Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt
Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt - # 2

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Patricia
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 16 im Thema

Beitrag von Patricia »

Ulrike-Marisa hat geschrieben: So 1. Sep 2024, 23:36 hallo Leute, wir sind in Deutschland
Und genau deswegen ist es um so schlimmer wenn ein Drittel der Stimmen in den besagten Ländern an eine rechtsextreme Partei geht.

Damals waren es Juden, heute sind es Menschen mit Migrationshintergrund, Flüchtlinge und queere Menschen. Das was sich in der Zeit von 1933 bis 1945 abgespielt hat, darf sich niemals mehr wiederholen!!!
Ich nehme seit einiger Zeit immer mehr wahr, dass es einen Rechtsruck in der Gesellschaft gibt. Auch den den Parteien und Menschen in der Mitte wie bei der CDU. Wenn ich Aussagen über links-grün versiefte Menschen oder die bösen Linken höre, dann schlägt es bei mir Alarm.
Der (Rechts)populismus gibt eben sehr einfache Antworten für komplizierte Antworten. Die und die sind schuld...so funktioniert das mit der AfD und leider auch BSW.

Es ist wahr, die Wahlergebnisse sind der Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte geschuldet, jedoch kann es keine Entschuldigung dafür sein, wenn eine Partei zu wählen welche in den genannten Bundesländern als gesichert rechtsextrem gilt. Diese Parte ist keine demokratische Partei, im Gegenteil, wer den Wahlkampf etwas beobachtet hat kann eindeutig ihre faschistischen, demokratiezerstörenden Absichten gut erkennen.
Ich hoffe jedoch, dass die Wahlergebnisse endlich einen Weckruf für alle anderen Parteien darstellen. Konzentriert euch endlich mal darauf miteinander zu arbeiten, statt sich ständig zu beschuldigen wer es jetzt verbockt hat.

eine nachdenkliche Patricia an einem schwarzem Tag für die Demokratie.
Lana
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 17 im Thema

Beitrag von Lana »

Patricia hat geschrieben: Mo 2. Sep 2024, 05:21 Es ist wahr, die Wahlergebnisse sind der Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte geschuldet, [...]
Ich hoffe jedoch, dass die Wahlergebnisse endlich einen Weckruf für alle anderen Parteien darstellen. Konzentriert euch endlich mal darauf miteinander zu arbeiten, statt sich ständig zu beschuldigen wer es jetzt verbockt hat.
Ob dein Ruf erhört wird?
Noch wichtiger wäre es, eine Politik im Sinne der Mehrheit zu machen. In einer Demokratie sollte das selbstverständlich sein. Stattdessen verkünden führende Vertreter der Regierungsparteien, dass es ihnen egal ist, was ihre Wähler denken, und treiben eine wirtschaftschädliche Politik und Sozialabbau voran, die als einziges Ziel die "Kriegstüchtigkeit" zu haben scheint. Ansonsten kein Plan, wie die tatsächlichen Probleme dieses Landes angegangen werden sollen.

Die Afd ist keine Lösung. Das wissen auch viele von denen, die sie gewählt haben.
Sie eignet sich aber hervorragend, um den etablierten Parteien einen Denkzettel zu verpassen.

Man kann nur hoffen, dass das endlich bei denen angekommen ist.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Anne-Mette
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 18 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

die Verantworung haben die Wählenden; denn die Partei hat sehr deutlich gemacht, für was sie steht. In diesem Punkt ist ihr nicht vorzuwerfen

Da müssen Wählende schon recht dumm sein, wenn sie die AFD wählen - oder sie machen das aus voller Überzeugung - warum auch sonst???

So eine Wahl ist kein Spiel - und Brandstiftern stellt man nicht brandbeschleunigende Mittel und ein Feuerzeug zur Verfügung.

Es ist es kein "normaler demokratischer Vorgang", wenn in Deutschland der latent schlummernden Rechtslastigkeit auf vielen Ebenen ein Gesicht oder eher eine fiese Fratze gegeben wird.

Wir sollten uns unserer Verantwortung bewusst sein!

Gruß
Anne-Mette
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 19 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

SPIEGEL

Es klingt wie eine Drohung

Die Botschaften Möllers sind dagegen klar. Das -»Brandmauergerede-« über die AfD müsse nun aufhören. Die -»Gestaltungsmacht-«, die seine Partei nun bekommen habe, -»werden wir nutzen-«, auch in Bezug auf die Wahl von Landesrichtern und Ähnlichem. Und: Man werde nicht mehr hinnehmen, -»dass man uns weiter total ausgrenzt-«.

Es klingt wie eine Drohung. Und tatsächlich haben sie nun eine neue Machtoption.

Mit gut 32 Prozent hat die rechtsextreme AfD in Thüringen ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl erreicht, über neun Prozentpunkte hinzugewonnen. In der Geschichte der Bundesrepublik ist damit das erste Mal eine rechtsextreme Partei stärkste Kraft geworden.


Quelle: https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... a3c3caa3c0
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 20 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Wir sollten nicht vergessen, dass die Hampel Katastrophenpartei dieses Dilemma zu verantworten hat!
Bin Mann, bleibe Mann, aber festliche Glanzkleider überziehen ist für mich berauschend!
_Janine_
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 21 im Thema

Beitrag von _Janine_ »

Anne-Mette hat geschrieben: Mo 2. Sep 2024, 08:33 Moin,

die Verantworung haben die Wählenden; denn die Partei hat sehr deutlich gemacht, für was sie steht. In diesem Punkt ist ihr nicht vorzuwerfen

Da müssen Wählende schon recht dumm sein, wenn sie die AFD wählen - oder sie machen das aus voller Überzeugung - warum auch sonst???

So eine Wahl ist kein Spiel - und Brandstiftern stellt man nicht brandbeschleunigende Mittel und ein Feuerzeug zur Verfügung.

Es ist es kein "normaler demokratischer Vorgang", wenn in Deutschland der latent schlummernden Rechtslastigkeit auf vielen Ebenen ein Gesicht oder eher eine fiese Fratze gegeben wird.

Wir sollten uns unserer Verantwortung bewusst sein!

Gruß
Anne-Mette
Die Wählenden haben es aus voller Überzeugung getan, die Partei wurde nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Ausrichtung gewählt.
Zudem kann man bei einem Wahlergebnis von über 30% nicht mehr von einer Protestwahl sprechen, sondern eher von einer "Überzeugungswahl".

Spannend finde ich (wie bereits schon bei der Europawahl), dass bei dieser Wahl viele Entscheidungen und Aussagen auch wieder unter dem Gesichtspunkt der Bundespolitik getroffen wurden.
Natürlich gibt es hier Kritikpunkte, jedoch sollten bei Landtagswahlen eher die Dinge entscheidend sein, die auch im jeweiligen Bundesland wichtig sind. Klar kann man u.a. über den Bundesrat Einfluss nehmen, jedoch stellt sich die Frage, ob man deswegen unbedingt den Landtag so zusammensetzen muss oder ob man nicht eher darauf geschaut hätte, inwiefern sich die jeweilige Parteien auch für das Menschen im Bundesland einsetzen. Das kam generell immer viel zu kurz. Es ging primär um Bundes- und Außenpolitik, die auf Länderebene oft nur eine kleine Rolle spielt.

Letztendlich lässt sich mit der Emotionalität der beste Wahlkampf führen und wie man sieht, auch am besten Wahlen gewinnen.
Rationalität und Faktenbasiertheit lassen sich schwerer vermarkten und vermitteln, denn sie erfordern oftmals auch eine Auseinandersetzung damit.
Sie sind "anstrengender".
Es ist einfacher, mittels Feindbilder vermeintliche Gründe für Situationen zu erschaffen. Schuldzuweisungen gelingen einfacher als komplexe Auseinandersetzungen, Diskussionen und Kompromisse.

Die Wähler der AfD erhoffen sich mit der Wahl eine Rettung aus einer Notlage, die es nüchtern betrachtet nicht gibt. Sie wählen den einfachen Weg, mit dem Finger auf andere zu zeigen und vermeintlich einfache Antworten zu haben. Diese lassen sich gut in 30-Sekunden-Clips auf YouTube, Insta und TikTok verbreiten, die insbesondere bei den Jüngeren gut ankommen.
Doch die Lösungen der Probleme der heutigen Zeit lassen sich nicht in 30 Sekunden erklären oder gar lösen. Sie erfordern größere Anstrengungen und Auseinandersetzungen, als einfach z.B. die "Ausländer" rauszuschmeißen oder die Fördermittel an der einen Stelle zu streichen, um sie dann vermeintlich an der anderen Stelle einsetzen zu können.

So etwas interessiert die Leute aber nicht, sie wollen meist nur "in Ruhe gelassen" werden.
Nur: Sie werden eigentlich schon die ganze Zeit in Ruhe gelassen.
Keiner zwingt sie, zu gendern (eher andersherum: es ist in mehreren Bundesländern verboten).
Keiner zwingt sie, kein Fleisch mehr zu essen,
Ölheizung kann drinbleiben (das Habeck-Gesetz wurde hochgradig "entschärft")
Verbrenner kann weiter gefahren werden (Verbrenner-Verbot kommt von der EU)
etc. etc.

Man kann sein Leben so leben, wie man möchte. Und man könnte damit glücklich sein.
Man könnte glücklich und zufrieden damit sein, in diesem Land zu leben und all die Freiheiten zu genießen.
Man könnte glücklich damit sein, dass man so frei in so vielem ist (insbesondere als weißer, heterosexueller Mann).
Man könnte glücklich damit sein, insbesondere in den neuen Bundesländern, dass man so viele Vorzüge genießen kann, die es in der DDR nicht gab.
Man könnte einfach nur glücklich damit sein, "man selbst sein zu können".

Aber stattdessen trägt man unglaublichen Hass in sich, der all das überschattet.
Der das eigene Leben so dominiert, dass all die vorher genannten Dinge anscheinend unwichtig sind.

Wäre es nur so, dass dieser Hass einfach nur in Sprache vorgetragen wird. Dass man unzufrieden ist, dass man bestimmte Leute nicht mag, das wäre alles legitim. Nur wenn man, angetrieben von diesen Gefühlen, Personen in Regierungspositionen befördert, die gelinde gesagt, anderen Menschen schaden möchten, dann ist das ein Problem.
Wenn man aufgrund seiner eigenen Unzufriedenheit anderen Schaden zufügt, die für diese Unzufriedenheit nicht das Geringste können. Die unter dieser Wahlentscheidung zu leiden haben. Und zwar wirklich zu leiden haben, nicht a la "Man darf nichts mehr sagen" (doch, darf man, in den Talkshows sind die AfD und BSW Vertreter omnipräsent und auch sonst ist alles erlaubt, so lange es nicht strafrechtlich relevant ist - und selbst dann verschwindet ein Höcke nicht im Knast, sondern darf weiter machen).

Jeder darf unzufrieden sein, jeder darf unglücklich sein.
Aber die Lösung dieser Probleme dann im Heil der Wahl einer Partei zu suchen, die außer einfachen Antworten keine konkreten Lösungen bietet, ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Insbesondere auch für einen selbst, denn es wurde schon vielfach aufgezeigt, dass letztendlich nur die reichsten Bewohner des Landes von einer AfD profitieren werden. Alle anderen gesellschaftlichen Schichten werden zumindest wirtschaftlich in Schwierigkeiten geraten (gesellschaftlich, sozial und all die anderen Bereiche sowieso).

Leider wird vermutlich selbst dann wieder ein Sündenbock gefunden werden, denn die Zustimmung zu dieser Partei und anderen Ausprägungen ist in einem Stadium, dass eher zu einer Religionsgemeinschaft als einer Partei gehört. Und da wird es immer Gründe geben, dass nicht die eigene Gemeinschaft Schuld an etwas trägt.

Und wenn es ganz hart kommt, dann wusste man am Ende eben von nichts. Man war ja nur ein kleines Licht.
Patricia
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 22 im Thema

Beitrag von Patricia »

Danke _Janine_!

genau das ist das was mir so viel Angst bereitet. Die Geschichte wiederholt sich...
Jaddy
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 23 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Lana hat geschrieben: Mo 2. Sep 2024, 08:32Noch wichtiger wäre es, eine Politik im Sinne der Mehrheit zu machen. In einer Demokratie sollte das selbstverständlich sein.
Aus meiner Sicht ist die Frage eher, ob die Mehrheit sich klar ist, was in ihrem Sinne ist, wo die Prioritäten liegen und die Ursachen dafür. Nach vorne geschoben werden Themen, die objektiv betrachtet eigentlich eher Prio 3 sind und sich mit etwas gutem Willen, Organisation und Geld aus Berlin lösen liessen. Dazu kommt Unfug und sinnloser Hass gegen irgendwelche Randgruppen, die weder reale Probleme verursachen, noch an irgendetwas schuld sind. Mit anderen Worten: Ablenkung, Sündenböcke und Stimmung statt überlegter Entscheidungen.

Dagegen gehen jene Themen unter, die seit Jahren sichtbar schlimmer werden, aber sowohl von extrem(istisch)en, populistischen (aka "die angebliche Mehrheit") und auch "Konservativen" überhaupt nicht beachtet und sogar verleugnet werden. Gegenden überaltern und werden unattraktiv. Die Versorgung ist akut gefährdet, weil sich Läden und Dienstleistungen nicht mehr lohnen. Fähige Menschen ziehen weg. Betriebe haben keinen Grund sich dort anzusiedeln oder zu expandieren. Verkehrsanbindungen werden eher schlechter. Bildungsangebote werden weniger. Sozialarbeit und Angebote für Jugendliche und Erwachsene werden eher abgebaut. Und die Großthemen habe ich gar nicht gesehen: Altersarmut wg zu wenig Rentenpunkten. Gesundheitsversorgung und Pflege generell. Folgekosten der Klimakrise werden heftiger, Anpassungs und Vorsorgemassnahmen teurer. Wichtige Grundversorgung wurde privatisiert und für viele sehr teuer. Bei vielen Grundlagen des Wohlstands, sogar Medikamenten, sind wir wg des neoliberalen Wirtschaftskurses seit den 80ern international abhängig von nicht wohlgesonnenen Staaten. Usw.

Trotzdem wählen die Leute seit Jahrzehnten Menschen von gestern, in einer Art trotzigem Festhalten an Ideen, die nicht mehr funktionieren, bzw noch nie funktioniert haben. Und irgendwelche Lautsprecher, die Unfug verbreiten, sich Stammtisch-Empörung anschliessen oder gar Benzin ins Feuer giessen, statt die komplexe Realität und die Zusammenhänge zu erklären und an tatsächlichen Lösungen zu arbeiten. Spoiler: Selbst wenn alle Gefüchteten ausgewiesen wären, alle Grenzen zu und Polizei überall rum stände, wäre kein einziges Problem da oben gelöst.

Ich fände gut, wenn wir wie hoffentlich die USA mit Harris, die Polit-Horror-Clowns von der Bühne holen würden, damit tatsächliche Probleme besprochen und angegangen werden können. Und natürlich extremistische und verfassungsfeindliche Leute und Gruppen komplett aus dem Verkehr ziehen. Die helfen uns nix.

Die "Zeit" hatte vor drei Tagen einen Artikel dazu. Etwas anspruchsvoll formuliert, aber genau was ich oben meine. Hat übrigens mit den Grünen eher nichts zu tun. Die sind nur der punching ball, an denen sich die Gestrigen abarbeiten. Hervorhebungen von mir:
[...] Denn bis vor Kurzem konnten sich die Menschen in den reichen Ländern sagen (oder einreden), dass der weit überwiegende Teil ihres Tuns überhaupt kein Gegenstand von moralischen Urteilen oder auch nur Erwägungen sein konnte, weil dieses Tun keine oder fast keine negativen Wirkungen für Dritte hatte.
[...] Lange Zeit konnte die grüne Kritik am Autofahren, am Fliegen, am Fleischessen, am Kleiderkonsum, am Tourismus und all dem als moralisierend gewertet und zurückgewiesen werden, weil die Nebenfolgen dieses Tuns als marginal gelten durften. [...]

[und der Neoliberalismus, die schwarze Null, die Privatisierung, Abbau von Sozialstaat und sozialen Angeboten und der folgenden Entsolidarisierung, etc. betrieben vor allem von CxU, FDP und Schröder, geduldet vom Rest der SPD]

Das allerdings galt nur in jenen selig-unseligen Jahrzehnten, als die reichen westlichen Länder die Nebenfolgen und Kollateralschäden ihrer Lebensweise, [...] abschieben konnten — in die Meere, in die Atmosphäre, in die Böden, in den Globalen Süden und in die Zukunft. Diese Phase ist jedoch vorbei. Ende, aus, over. Aus zwei Gründen: Zum einen hat der Westen immer weniger die Macht, die geopolitischen Nebenwirkungen seiner fossilen Lebensweise in Schach zu halten. Russland oder Saudi-Arabien spielen nun einfach mit den Milliarden, die sie aus dem Westen über all die Jahrzehnte bekommen haben, ihr eigenes Spiel. Zweitens und vor allem: Die Nebenfolgen der westlichen Lebensweise waren immer schon kumulativ, die Fässer liefen voll. Nun hat sich so viel angehäuft, dass die Zukunft, in die man alles abgeschoben hat, in der Gegenwart angekommen ist. [...] Fast alle Fässer sind mittlerweile so voll, dass jeder weitere Tropfen sie zum Überlaufen bringen kann.
[...]
Die Welt außerhalb der Moral verwandelt sich also in eine voll moralisierte Welt, das ist so leicht zu verstehen und dabei so schwer zu bewältigen, dass der Gedanke wahrscheinlich gerade deshalb so hart bekämpft wird. Mit allen Mitteln. Eines der harmloseren Mittel besteht in der Vorstellung, dass die Epoche der Nebenfolgenverantwortung allein durch technischen Fortschritt wieder zum Verschwinden gebracht werden kann.
[...]
Zu den weniger harmlosen Mitteln, um die neue Epoche zu verleugnen, gehört überall in den westlichen Ländern der Versuch, die neuen Anforderungen durch einen entfesselten Egoismus auszugleichen. Schluss mit dem verträumten Altruismus, mit dieser Werteduseligkeit! Stattdessen Amerika/Deutschland/Großbritannien zuerst!
[...]
Die meisten Menschen verstehen oder spüren vermutlich, dass weder technische Wunder noch verschärfte Ruchlosigkeit allein die Nebenfolgenfreiheit zurückbringen werden. Deswegen erleben wir in verschiedenen politischen und kulturellen Varianten einen regelrechten Aufstand gegen die Welt der Nebenfolgen, in die man geraten ist, gegen die Vertreibung aus dem Paradies der Privilegien, gegen den Verlust der Naivität. Das ist es, was den Westen zutiefst bewegt und verstört.
[...]
Und solange sich das nicht ändert, werden Markus Söder und all die anderen versuchen, am Aufstand gegen die Welt der Nebenfolgen, gegen das Erwachsensein-Sollen und gegen die materiellen Realitäten teilzuhaben, indem sie die Grünen beschimpfen, bekämpfen und verballhornen. [...] Damit stellen sich die anderen Parteien jedoch nicht nur frontal gegen die Grünen, sondern auch mit dem Rücken zu einem großen Teil der Wirklichkeit auf, jener Wirklichkeit, die sie bearbeiten müssen, wenn sie regieren. CDU, CSU und FDP basteln sich damit also ihre eigene Legitimationsfalle und sind vorerst im 21. Jahrhundert nur bedingt regierungsfähig.

Nicht die Grünen sind es nämlich, die die Lebensweise der Menschen moralisieren. Die Lebensweise der (meisten) Menschen selbst hat neue moralische Tatbestände geschaffen und schafft sie jeden Tag ein wenig mehr. Wenn die westlichen Gesellschaften weiter mit ihren kumulativen Nebenfolgen die Freiräume zumöbeln, dann werden sie irgendwann an dieser Moralisierung ersticken. Und dafür können die Grünen dann ausnahmsweise mal nichts.
(https://www.zeit.de/politik/deutschland ... ettansicht)

Wer's knackiger haben will: Die etwas polemische Variante war am Tag davor auch in der Zeit: https://www.zeit.de/kultur/2024-08/gese ... ettansicht
_Janine_
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 24 im Thema

Beitrag von _Janine_ »

Jeden Satz kann ich unterstreichen, vielen Dank dafür, Jaddy!
Sehr gut ge- und beschrieben!
Lavendellöwin
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 25 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Jaddy hat geschrieben: Mo 2. Sep 2024, 10:57 Wer's knackiger haben will

Danke..

im Grunde sind die Verlierer nicht die SPD und die Grünen in Sachsen und Thüringen,
denn sie waren dort nie besonders stark.

Die Verlierer sind die FDP und die CDU die sich nicht klar gegen die AFD positionieren konnte. Oder wollte?
Und das dann erwartet wird das alle Merz den Steigbügel halten und dann wieder nichts passiert,
ist ziemlich kurzsichtig..


aber ja...

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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 26 im Thema

Beitrag von Juliane »

Kerstin hat geschrieben: So 1. Sep 2024, 23:03 Dann wird's aber eng mit der Auswahl. Die AfD ist in Bayern dritt stärkste Kraft nach der CSU und den freien Wählern.

https://www.landtagswahl2023.bayern.de/

Nö, Bajuwarien liegt sowieso viel zu weit weg und war zuletzt vor ca. 25 Jahren für die Durchreise wichtig.
Inzwischen machen die Knie beim Bergwandern nicht mehr mit und lange Autofahrten sind auch nicht mehr
mein Ding.
Es gibt auch in der Umgebung viele schöne und sehenswerte Orte.
Die mich kennen mögen mich. Die mich nicht mögen können mich. Frei nach Konrad Adenauer
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 27 im Thema

Beitrag von Rusza »

In meinem persönlichen als auch räumlichen Umfeld haben sie fast alle die AfD gewählt.Mich wundert es nicht.Deswegen ziehe ich aber nicht aus Sachsen weg.Warum auch ? Mittlerweile habe ich vor einigen unserer neuen Mitbürger mehr Angst als vor den AfD-Anhängern.So kann ich die Bürger zum Teil verstehen,wenn sie AfD oder BSW wählen.Natürlich bin ich keine Symphatisantin dieser Parteien.Meine Partei bleibt die Linke.Dafür bin ich allerdings früher oft genug belehrt worden,das man solch eine Partei nicht wählen darf.
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 28 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

conny hat geschrieben: So 1. Sep 2024, 22:55
Magdalena hat geschrieben: So 1. Sep 2024, 22:16 Innere Sicherheit, glaube ich, liegt im Mittelpunkt.
Wo ist diese in Sachsen anders als in Bundesländern in denen die AfD nicht so erfolgreich ist?
Das hängt mit der Bevölkerungsstruktur zusammen - ländlich, überaltert, kaum moderne Industrie, Frauenmangel. Wollen einfach gesagt haben, wo es lang geht, solange sie darin einen Nutzen für sich sehen. DDR-Versorgungsmentalität - der Staat streitet nicht, sondern kümmert sich um mich.



Sehr gut finde ich diese Zusammenfassung der ARD: https://www.tagesschau.de/inland/innenp ... n-100.html

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Zuletzt geändert von Nora_7 am Mo 2. Sep 2024, 14:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 29 im Thema

Beitrag von MelanieD »

Kerstin hat geschrieben: So 1. Sep 2024, 21:56 Und gerade die Grünen sind ja *****. (editiert) Es ist sinnfrei ihre Lügen aufzuzählen denn die Liste geht inzwischen gen unendlich.
Genau diese sinnfreien Verallgemeinerungen und Totschlag Argumente machen mir Angst, verhindern sie doch jeden rationalen Diskurs. Im Falle der AFD ist das natürlich gewollt, genau wie BSW nutzen (und schüren sie!) die Ängste in der Bevölkerung. Eine sehr unschöne Entwicklung, dass die etablierten Parteien inzwischen größtenteils meinen ins gleiche Horn zu tuten zu müssen. (ko)

Was "Lügen" angeht: da wurde vor allem in der Presse gelogen, genauer: Springer Presse. Einfach mal (bei beliebigen anderen Medien) nachlesen, wie dort gezielt auf Habeck und EEG geschossen wurde, oder "Verbrenner-Aus" (dass es faktisch gar nicht gibt). (In dem Zusammenhang natürlich interessant nachzuschauen, wem Springer inzwischen größtenteils gehört, um zu verstehen, warum man dort lieber auf fossile Energien setzt).


Was demokratisch wäre: Ein Problem möglichst genau zu beschreiben (z.B. die "Migration" ist nur ein allgemeines Wort, keine Beschreibung!), die Zusammenhänge verstehen ("Jedes komplexe System hat eine einfache, leicht verständliche und leider auch falsche Lösung"), dann einen Lösungraum aufmachen und demokratisch und auf Fakten(!) Basis entscheiden, was die beste Lösung ist.


Das ist in der Demokratie genau wie in der Arbeit: Auf "die da oben" meckern ist so einfach und so wertlos. Es wird so wenig bringen, außer ein paar alten und neuen Drecksnazis wieder die Macht.


Frau kann jetzt die Politik der Grünen aus diversen Gründen gut oder schlecht finden ("alles Lüge" ist nur Gezeter, kein Grund), aber ich hätte schon angenommen, dass gerade hier im Forum eine gewisses Wohlwollen dafür herrscht, wie sich die Grünen und auch gerade einzelne ihrer PolitikerInnen für LGBTQ* und damit für uns hier einsetzen.


Ich bin erschüttert. Von den Wahlergebnissen und von solchen Bemerkungen wie oben.


EOT
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Re: Ein verstörender Vorgang, dass eine "gesichert rechtsextreme Partei" in D eine Landtagswahl gewinnt

Post 30 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

_Janine_ hat geschrieben: Mo 2. Sep 2024, 09:59 So etwas interessiert die Leute aber nicht, sie wollen meist nur "in Ruhe gelassen" werden.
Nur: Sie werden eigentlich schon die ganze Zeit in Ruhe gelassen.
Keiner zwingt sie, zu gendern (eher andersherum: es ist in mehreren Bundesländern verboten).
Keiner zwingt sie, kein Fleisch mehr zu essen,
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Verbrenner kann weiter gefahren werden (Verbrenner-Verbot kommt von der EU)
etc. etc.

Man kann sein Leben so leben, wie man möchte. Und man könnte damit glücklich sein.
Man könnte glücklich und zufrieden damit sein, in diesem Land zu leben und all die Freiheiten zu genießen.
Man könnte glücklich damit sein, dass man so frei in so vielem ist (insbesondere als weißer, heterosexueller Mann).
Man könnte glücklich damit sein, insbesondere in den neuen Bundesländern, dass man so viele Vorzüge genießen kann, die es in der DDR nicht gab.
Man könnte einfach nur glücklich damit sein, "man selbst sein zu können".
So einfach ist es nicht. Der Druck wird immer intensiver. Wenn Energie stetig kräftig teurer wird, dann bleibt Geld weder für Lebensfreude, noch für Investitionen in neue Heizungen und Autos übrig. Besonders in Regionen mit hohem Rentneranteil tritt Verarmung ein.

Die Wähler sehen Prioritäten falsch gesetzt, andere Gruppen als bevorzugt an (Migranten - es geht nicht wirklich um die Menge, sondern deren Kosten). Und Gendern muss man nicht selbst - richtig - aber man bekommt es jeden Tag von den ÖR aufgezwungen. Die Sehnsucht nach einer heilen Welt mit dem Staat als Kümmerer ist groß bei der Ost-Landbevölkerung.

Nora_7
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