Nora_7 hat geschrieben: Do 21. Mär 2024, 19:30
Die alten Temperaturgrenzen für das verbrauchte Kühlwasser werden angehoben, da ja auch die Flüsse wärmer sind. Paralle wird an Kühlwasserreservoirs und optimierte Kühlkreisläufe gearbeitet. Ich glaube nicht, dass man alte AKWs auf Natriumkühlung umstellen kann.
Natrium war nur für Primärkreisläufe im Gespräch. Beim "Schnellen Brüter" und in ferner Zukunft vielleicht für Fusionkraftwerke. Für die Abgabe der Abwärme in die Umwelt ist das keine Option, bzw macht keinen Unterschied. Jedes thermische Kraftwerk (nuklear, fossil, auch solarthermisch) erzeugt pro kWh Strom ungefähr doppelt so viel Wärme. Das ist auch eine physikalische Grenze, d.h. diese Wärme muss letztlich an Luft (über (Fluss)Wasser in den Kühltürmen) oder direkt an (Fluss)Wasser abgegeben werden, sonst funktioniert das Kraftwerk nicht.
Wenn direkt an zB Flusswasser gekühlt wird, mag das mit den Temperaturgrenzen bis zu einem gewissen Grad gehen. Allerdings ist ein Fluss, der eh schon warm ist bzw wenig Wasser hat, dann ziemlich wahrscheinlich biologisch tot wegen Sauerstoffmangel. D.h. er kippt um, Fische und alle anderen Lebewesen im Wasser sterben. Vögel, Amphibien und Säugetiere finden dort kein Futter mehr. Das erholt sich auch nicht so schnell, weil die Fortpflanzungszyklen unterbrochen werden.
Egal ob an Flusswasser oder über Kühltürme an die Luft (da wird das Flusswasser von oben verregnet), wird einfach eine bestimmte Menge Wasser pro kWh Wärme benötigt. Wie viel hängt von der Temperatur des Wassers ab, denn die Wärmekapazität pro Kubikmeter Wasser ist eine physikalische Konstante. Je wärmer das Flusswasser, desto mehr davon wird gebraucht - und die Kühlanlagen ggf aus/umgebaut, um mehr Wasser umzusetzen.
Aber ab einem gewissen (Niedrig)Wasserstand und_oder einer gewissen Temperatur des Flusswassers ist einfach nicht mehr genug Wärmekapazität zum kühlen vorhanden. Egal welche Technik und egal ob der Fluss dabei ökologisch stirbt.
Naja, und die anderen Probleme bleiben eben auch. Viel zu teuer, hohes Gefahrenpotenzial, erhebliche politische und gesellschaftliche Folgekosten, Abhängigkeit von problematischen Lieferstaaten und zukünftig gefährliche Unwägbarkeiten des Betriebs durch absehbare Wetterextreme. Der Strombedarf hat sich seit 2000 verdoppelt, der Anteil der Kernenergie halbiert. Heisst: Es gibt keinen Netto-Zuwachs. Von einer Renaissance kann keine Rede sein. Wirtschaftlich war sie nie und wird es auch nicht werden. Den 50 Bauprojekten weltweit stehen 200 AKWs gegenüber, die demnächst das Ende ihrer Lebenszeit erreichen. Das ist fast die Hälfte des Bestands. Da lässt sich auch nichts schnell modernisieren, denn die kritischen Bestandteile des Primärkreislaufs sind durch Strahlung und Temperatur spröde. Ein Austausch dieser Teile käme praktisch einem Neubau gleich.
So wie Lottospiel die Sondersteuer für Menschen ist, die Statistik nicht verstanden haben, ist Kernenergie in der realen Welt nur für Menschen plausibel, die nicht rechnen können - oder wollen.