Kerstin hat geschrieben: Di 20. Feb 2024, 19:03
In Leichen Bergen zu wühlen ist definitiv nix für mich.
Moin Kerstin
Es sind nur noch Skelette - zum Glück!!
Allerdings ist so etwas wirklich nicht jedermanns/fraus Sache.
Ich war ja ehrenamtlich in Fürth und Umgebung von 1990 bis 2008 mit unserer Gruppe unterwegs und es ist natürlich auch zu solchen Ausgrabungen gekommen.
Manches Mal war uns wirklich nicht so wohl dabei, z.B. auf einem Kirchhof. Aber, auch so etwas gehört zur Archäologie und viele Erkenntnisse sind eben durch ausgegrabene Grabstätten gewonnen worden.
Das hier ist jetzt natürlich ein prominentes Beispiel an prominentem Ort und eine Zeitungsanzeige wert.
Aber - irgendwann- und wo mussten diese Grabstätten zwangsläufig wieder auftauchen - alleine durch das Wachstum der Stadt. Das war zu erwarten.
Es tauchen ja auch in Amerika und in Europa immer wieder Massengräber aus der Zeit der spanischen Grippe auf - und das war gleich nach dem ersten Weltkrieg - also nicht so lange her.
Andere, manchmal schlimmere Massengräber werden in der Regel nur in der Fachliteratur behandelt - die diversen Schlachtfelder aus der Vergangenheit tragen hier einiges dazu bei.
Und damit meine ich jetzt nicht den letzten Krieg, sondern die diversen Feldzüge von Napoleon und anderen - die meinten, ihr Territorium wäre zu klein - oder der Nachbar ist blöd, oder was auch immer.
Und das waren nicht gerade wenige.
Das einzige Problem, dass sich immer wieder stellt ist die Frage: Wie trocken ist die Grabungsstelle?
Im Sandboden sollten solche Funde kein Stirnrunzeln erzeugen, aber unter gewissen Umständen können sich Viren und andere Krankheitserreger in einem feuchten Umgebungsklima über die Jahrhunderte erhalten.
Und hier geht es nicht nur um Gräber - auch Aborte und Latrinen aus vergangenen Zeiten können solche Gefahren bergen.
Das hat uns immer mehr Sorge gemacht, als der Fund eines, oder mehrerer Skelette.
Kleine Anekdote:
Da ja die Gelder für Archäologie nicht unbedingt reichlich fließen, haben wir einem befreundeten Verein in Hessen unterstützt.
Eine Kirche von einem aufgegebenen Ort war zu dokumentieren. Es waren mehrere Grabungsschnitte geplant.
Da ich um die Kirche natürlich mit dem unvermeidlichen rechnete, habe ich mir den Grabungsschnitt an der Gebäudemauer geschnappt.
Zu Zweit haben wir dann den Seiteneingang freigelegt. Als Befunde war noch die Fundamentierung und die massive Türschwelle erhalten.
Zu meinem Pech hat sich beim Abziehen des Planums (Vorbereitung zum Zeichnen) eine längliche Bodenverfärbung genau quer zur Schwelle gezeigt.
Der Anfang war im Innenraum und das Ende draußen vor der Tür.
Kurze Info zum Grabungsleiter (vom Amt), nach seinem o.k. angefangen der Sache nachzugraben.
Klar - ein Grab. Es musste allerdings älter sein, als die Kirche. Klar - wer legt einem schon absichtlich einen Schwellenstein quer über den Bauch.
Lange Rede kurzer Sinn. Es handelte sich um eine ca. 50jährige Frau aus dem 15./16. Jhdt., die an der Außenseite des Vorgängerbaus (viel kleiner) beigesetzt worden war.
Das konnten die hauptamtlichen an Hand der wenigen Beigaben feststellen.
Was mich aber fertig gemacht hat, war - die Sonne kommt raus und bescheint unseren idyllisch gelegenen Grabungslatz im Wald und keine 2 Minuten später lässt sich eine Schmeißfliege auf dem Schädel der armen Frau nieder.
Laut dem Archäologen riechen die das immer noch. BÖRKS!
Wenn ich zurückblicke, hat mir diese Tätigkeit echt viel Spaß gemacht und mit den richtigen Leuten kann man da schon ganz schön was auf die Beine stellen.
Wir haben ja auch Brennversuche (Keramik) gemacht, oder einen Lehmbackofen gebaut um den Menschen das ganze etwas anschaulicher zu machen.
Das war eine gute Abwechslung zum grauen Bürojob unter der Woche.
LG Christiane