Der erste niederschmetternde Tag
Der erste niederschmetternde Tag - # 2

Lebensplanung, Standorte
Pikachu
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 16 im Thema

Beitrag von Pikachu »

Maike hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 17:08 Hallo Pi,

Deine Situation und Fragen kann ich gut nachvollziehen - sie sind auch Teil meiner Transidentität / Transition. An dieser Stelle nur ein paar Punkte aus eigener Erfahrung:
- Das Thema Scham hat mich auch sehr beschäftig. Es war mit ein Grund, dass ich meine Transidentität nicht offen angehen konnte. Nora Dahmer hat hierfür den Begriff "Schamkäfig" geprägt, den ich sehr passend finde. Ihr Buch war für mich sehr lesenswert.
Ich hab mir das Buch angeschaut. Das klingt sehr interessant. Danke auch für deine Hinweise und Erfahrungen (flo)

Ja, das mit den Beinhaaren war halt sehr real. Man sieht den Unterschied sehr stark. Ich finde es schön, kann aber so langsam verstehen, dass es sie schockiert hat. Hab an dem Tag erstmal nur mich gedacht
Pikachu
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 17 im Thema

Beitrag von Pikachu »

Momo58 hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 17:29 Hej Pi,
dass ich nicht als Frau leben darf
Das ist Kopfkino pur. Das ist so eine übliche Redewendung, dass ich genau das hinterfragen möchte. Ein Crossdresser mag WIE eine Frau leben, empfindet sich aber trotzdem als ganzer Kerl. Du fühlst dich als Frau und möchtest einfach du selbst sein und natürlich kein Klischee bedienen. Da sehe ich schon eine Tendenz in Richtung Transidentität. Wenn dein gefühltes Geschlecht weiblich ist, dann lebst du nicht wie eine Frau, dann bist du eine Frau. Das könnte durch ein Karyogramm, also durch die grafische Darstellung der x und y Chromosomen entweder ausgeschlossen oder nachgewiesen werden. Es könnte sogar sein, dass du schon seit deiner Geburt aufgrund einer Genmutation ein weibliches Gehirn hast. Das ist zwar wissenschaftlich umstritten, aber ich selbst bin der lebende Beweis dafür, dass die Brücken zwischen meinen beiden Gehirnhälften eindeutig weiblich sind.

Auch rechtlich brauchst du keine Bedenken haben, denn du bist durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz geschützt. Kleidung, Make up wird für dich bald ganz normal sein. Eine Perücke mag für den Anfang richtig sein, aber lass deine Haare möglichst lange wachsen, denn die eigenen Haare sehen einfach besser aus als eine Perücke.

Das Schamgefühl ist eine soziologisch aufgezwungene Angelegenheit. Schon in frühester Kindheit wird einem das eingetrichtert. Es ist eine Art Ur-Angst . Nur ist Angst ein schlechter Ratgeber. Gibst du der Angst nach, wird sie in kurzer Zeit noch stärker zuschlagen. Vertraue auf deine eigene Wahrnehmung.
Was meinst du mit "Weiblichkeit ausleben"? Schon das klingt nach Klischee. Es ist egal wie man das sieht. Egal welches Geschlecht du empfindest, du bist immer noch der selbe Mensch mit den selben Problemen, Gedanken, Gefühlen. Es gibt also gar nichts auszuleben.
Natürlich gibt es einzelne Menschen, die mit dem Finger auf dich zeigen. Dafür gibts Therapeuten, die dich stark machen, um mit solchen Typen umgehen zu können. Den meisten Menschen ist dein gefühltes Geschlecht total egal.

Liebe Grüße
Manuela
Interessanterweise habe ich mich nie so als richtiger Kerl gefühlt. Das habe ich erst letztens erkannt. Ich fühle mich zwar wohl, wenn die Frau in mir sich nicht zeigt. Aber ich hab festgestellt, dass ich mir als Mensch wohlfühle. Nicht unbedingt als Mann. Obwohl ich halt mit dem zwischen meinen Beinen glücklich bin, fühle ich mich nicht als richtiger Mann. Das war aber immer schon so. Mein Zwillingsbruder und ich haben immer schon uns eher mit Mädchen umgeben und waren sehr irritiert über die coolen Jungs. Aber das haben wir nie hinterfragt. Jetzt hinterfrage ich vieles aus meiner Kindheit, Jugend. Als Mann fühle ich mich meist nur, wenn man das von mir erwartet. Z.B. von meiner Freundin.

Mit Weiblichkeit ausleben meine ich erstmal das ich mit kleiden und Schminken kann, wann ich möchte. Aber auch das ich mich bewegen darf, wie ich möchte. Das bemerke ich jetzt auch immer wieder. Da versteckt sich irgendetwas in mir, was jetzt immer wieder rauslommt,wenn ich alleine bin.
Und ich möchte gerne mit anderen Frauen über alles reden können. Letztens haben sich Freundinnen über Schuhe unterhalten und ich wollte unbedingt mitmachen.
Sowas halt.

Was die Perücke angeht. Ich habe netterweise von der Seite meiner Mutter erblichen Haarausfall geerbt. Also lang wachsen lassen ist keine Option. Daher Perücke als beste Variante.
Zum Schamgefühl. Ja, diese Angst sitzt schon sehr tief bei mir. Wahrscheinlich seit meiner Kindheit. Da habe ich erstmal gemerkt, dass man, wenn man anders ist, sofort auffällt und gemobbt werden kann. Seit jeher bin ich sehr scbüc,zurückhaltend und unauffällig. Gute Kombi um als geborener und sichtbarer Mann mit Frauenkleidern rumzulaufen. Aber ja, damit muss ich klarkommen. Dieser Angst muss ich mich stellen.
Da werd ich mit meiner Therapeutin dran arbeiten.

Der Teil mit dem Karyogramm hat mich kurz erschreckt. Im ersten Moment dachte ich: interessant, damit könnte man das prüfen. Und dann kamen die Zweifel. Was wenn das Ergebnis sagt, dass ich ein Mann bin? Was bin ich dann wirklich? Usw. Also auf jeden Fall spannend, aber ich merke, dass ich immer noch auf der Suche bin, wo ich hingehöre.
Danke, dass ihr mir allle so viel Hinweise, Unterstützung und Ratschläge gibt (he)
Ich fühle mich sehr wohl in diesem Forum. Endlich merke ich, dass ich meine Gedanken loswerden kann und es andere gibt, die ähnliches erleben
Susette
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 18 im Thema

Beitrag von Susette »

Das ist sehr schön, dass Du Dich hier wohlfühlst.
Nur höre ich da heraus, dass Du (so ähnlich zumindest wie ich) unehrlich zu Dir warst... selbst, als Du die Beziehung zu Deiner jetzigen Freundin aufgenommen hast.
Das, was Du da gerade geschildert hast find ich zumindest viel harmloser als das, was Deine Freundin evtl. aktuell vermuten könnte.
In Deinem Falle würde ich nicht lange warten und mit ihr schnellstens das Gespräch suchen.
Weil das klingt so für mich, als wenn es gerade aus Dir herausbricht, was schon immer in Dir war.
Alles ohne Gewähr ;) Das musst Du wissen.
Zudem ist die Katze zum Teil eh schon aus dem Sack und ein wirkliches Zurück zum Vorher gibt es nicht mehr.

Wenn Du magst, schildere ich Dir hier mal, wie das bei mir gelaufen ist. Und das ist dann eher kein Beispiel, welchem man nacheifern möchte.
Weil da ist ein Kind im Spiel, welches zwischenzeitlich bei "uns" entstand.
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 19 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin II,
Susette hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 22:41 Wenn Du magst, schildere ich Dir hier mal, wie das bei mir gelaufen ist. Und das ist dann eher kein Beispiel, welchem man nacheifern möchte.
DU hast doch DEINE Themen.
Vielleicht solltest du dabei bleiben.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 20 im Thema

Beitrag von Wally »

Pikachu hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 22:23 Der Teil mit dem Karyogramm hat mich kurz erschreckt. Im ersten Moment dachte ich: interessant, damit könnte man das prüfen. Und dann kamen die Zweifel. Was wenn das Ergebnis sagt, dass ich ein Mann bin? Was bin ich dann wirklich? Usw. Also auf jeden Fall spannend, aber ich merke, dass ich immer noch auf der Suche bin, wo ich hingehöre.
Das Karyogramm kann in seltenen Einzelfällen einen physischen "Beweis" für Transidentität liefern; bei den meisten von uns ist es ganz normal männlich. Auch bei mir ist es so, trotzdem bin ich nicht nur subjektiv, sondern sogar mehrfach gutachterlich bestätigt "transsexuell" (seinerzeit als Grundlage für die Mamma-Augmentation, vor 3 Jahren erneut für die Personenstandsänderung begutachtet); dass diese Einstufung richtig war, hat sich in den 25 Jahren seit meinem chirurgischen Brustaufbau klar gezeigt: diese Maßnahme erwies sich seitdem als dauerhaft segensreich für mich.

Ich bin zwar persönlich auch der Meinung, dass unsere Besonderheit (möglicherweise auch schon im bloßen Crossdress-Bereich) auf physisch-geschlechtlichen Eigenheiten unseres Gehirns beruht; wissenschaftlich ist das aber bis heute nicht wirklich erwiesen, obwohl es schon einige Hinweise in dieser Richtung gibt. Der langen Rede kurzer Sinn: irgendeinen verlässlichen, physischen Test auf Transidentität gibt's leider (noch?) nicht. Schade, weil uns das vieles einfacher machen könnte.
Herzliche Grüße
Wally
Blossom
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 21 im Thema

Beitrag von Blossom »

Pikachu hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 11:47 Ich möchte nicht als "typische" Klischee-Frau gesehen werden
Darf einmal nachfragen, was ich mir darunter vorzustellen habe?
Momo58 hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 17:29 Ein Crossdresser mag WIE eine Frau leben,
Verstehe ich nicht wirklich ... bislang verstand ich es so, dass es ein Crossdresser mag, von Zeit zu Zeit in die Rolle einer Frau zu "schlüpfen". Es zu mögen WIE eine Frau zu leben, bedeutet für mich, eine zu sein.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
Billie Jean King (*1943)
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 22 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Blossom hat geschrieben: Fr 16. Feb 2024, 18:08 Es zu mögen WIE eine Frau zu leben, bedeutet für mich, eine zu sein.
Spannend, wie ein Satz verstanden werden kann.

Wie eine Frau zu leben = in der Art einer Frau zu leben, aber keine zu sein (wie steht hier für einen Vergleich, der zwischen zwei ungleichen "Positionen" gezogen wird)

oder

wie eine Frau zu leben = in der Art einer Frau zu leben und dadurch zu einer werden, weil eine Unterscheidung nicht mehr möglich ist.

Ich finde diese Begriffe, genau wie der Begriff "als Frau leben" dahingehend problematisch, da er falsch verstanden werden kann. Das trifft ja schon auf den Begriff "Frau" zu. Welche Perspektive ist denn hier gemeint, eine biologische, eine seelische, eine genetische, eine philosophische, eine ... ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 23 im Thema

Beitrag von Susette »

Sehe ich ähnlich wie Vicky_Rose.

Eine Frau zu sein ist ein sehr kompexes Konstrukt für mich, was mehr als nur die temporäre Verwandlung beinhaltet. Oder eben auch nicht? Wenn man sich für den Moment als Frau fühlt, hat man nicht zwingenderweise die anatomischen Gegebenheiten.
Daher bin ich da der Meinug, dass diese Ansichten sehr variabel und typabhängig sind und es da kein Patentrezept gibt.
Wally
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 24 im Thema

Beitrag von Wally »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 16. Feb 2024, 20:05
Spannend, wie ein Satz verstanden werden kann.
Wie eine Frau zu leben = in der Art einer Frau zu leben, aber keine zu sein (wie steht hier für einen Vergleich, der zwischen zwei ungleichen "Positionen" gezogen wird)
oder
wie eine Frau zu leben = in der Art einer Frau zu leben und dadurch zu einer werden, weil eine Unterscheidung nicht mehr möglich ist.
Im Unterschied zwischen diesen beiden Interpretationen steckt ziemlich genau der (relative) Unterschied zwischen Transvestiten und Transsexuellen: für Transvestiten trifft eher erstere Interpretation zu, für Transsexuelle eher die zweite.

Noch deutlicher wird's, wenn man es geschlechtlich umdreht: ich habe nolens volens schon von Kind auf "wie ein Mann" gelebt (bzw. versucht zu leben); das war für mich aber auf Dauer unerträglich, weil ich nun mal kein Mann bin und trotz aller Bemühung auch nie wirklich einer werden konnte. Deshalb lebe ich jetzt als (nicht bloß wie) eine Frau. Und es geht mir nun endlich gut damit, obwohl's für Manche etwas kurios aussieht.
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 25 im Thema

Beitrag von Malvine »

Als...Wie...Frau...Weiblichkeit...hab ich noch was vergessen?
Ich für mich möchte nur so Leben, wie es mir gut tut und wie es sich für mich passend anfühlt. Sollen sich doch andere Menschen den Kopf über Definitionen zerbrechen um mich dann in eine Schublade zu stecken. Keiner von uns wird eine andere Persönlichkeit sein wenn er die Rolle wechselt - wir sind immer noch die gleichen Menschen, egal was wir tun. Unsere Persönlichkeit steck tief in uns drin - und das ist gut so. Wir passen unser Auftreten, unser Verhalten an die jeweiligen Situationen an - aber tun wir das nicht immer?
Ich wechsele gerne zwischen den Rollen, aber meine Seele nehme ich immer mit.

LG
Malvine
Nicht das schwarze Schaf ist anders, die Weißen sind alle gleich
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Re: Der erste niederschmetternde Tag

Post 26 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Malvine hat geschrieben: Sa 17. Feb 2024, 14:25 Ich für mich möchte nur so Leben, wie es mir gut tut und wie es sich für mich passend anfühlt. Sollen sich doch andere Menschen den Kopf über Definitionen zerbrechen um mich dann in eine Schublade zu stecken.
Das ist so wahr...

es geht doch in der Hauptsache immer darum, das man mit sich gut ist und das Herz zufrieden.
Wenn ich in den Spiegel schaue, möchte ich mich mit einem Lächeln im Gesicht sehen und sagen können,
alles ist schön. Das Leben ist gut wie es ist und ich wünsch mir, das ich genauso mal von dieser Welt Abschied nehmen kann.

Und nicht in dem Gedanken, ich habe alles falsch gemacht, etwas verpasst oder mich und andere nur enttäuscht.
Sicher ist das trotzdem mal so und das zieht dann auch im Herzen.

Was wissen denn die über mich die den Finger heben und sagen, das kannst du so nicht tun..weil, ja keine Ahnung warum weil.
Die Grenzen anderer sind nicht meine Grenzen, die ich mir auf die Schultern packen muss. Tut mir leid, wenn manche eine Schranke
im Kopf haben-not my life.
Ich tu was möglich ist-für andere und mich...

Macht es gut und habt es besser, Marie (flow)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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