Momo58 hat geschrieben: Do 15. Feb 2024, 17:29
Hej Pi,
dass ich nicht als Frau leben darf
Das ist Kopfkino pur. Das ist so eine übliche Redewendung, dass ich genau das hinterfragen möchte. Ein Crossdresser mag WIE eine Frau leben, empfindet sich aber trotzdem als ganzer Kerl. Du fühlst dich als Frau und möchtest einfach du selbst sein und natürlich kein Klischee bedienen. Da sehe ich schon eine Tendenz in Richtung Transidentität. Wenn dein gefühltes Geschlecht weiblich ist, dann lebst du nicht wie eine Frau, dann bist du eine Frau. Das könnte durch ein Karyogramm, also durch die grafische Darstellung der x und y Chromosomen entweder ausgeschlossen oder nachgewiesen werden. Es könnte sogar sein, dass du schon seit deiner Geburt aufgrund einer Genmutation ein weibliches Gehirn hast. Das ist zwar wissenschaftlich umstritten, aber ich selbst bin der lebende Beweis dafür, dass die Brücken zwischen meinen beiden Gehirnhälften eindeutig weiblich sind.
Auch rechtlich brauchst du keine Bedenken haben, denn du bist durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz geschützt. Kleidung, Make up wird für dich bald ganz normal sein. Eine Perücke mag für den Anfang richtig sein, aber lass deine Haare möglichst lange wachsen, denn die eigenen Haare sehen einfach besser aus als eine Perücke.
Das Schamgefühl ist eine soziologisch aufgezwungene Angelegenheit. Schon in frühester Kindheit wird einem das eingetrichtert. Es ist eine Art Ur-Angst . Nur ist Angst ein schlechter Ratgeber. Gibst du der Angst nach, wird sie in kurzer Zeit noch stärker zuschlagen. Vertraue auf deine eigene Wahrnehmung.
Was meinst du mit "Weiblichkeit ausleben"? Schon das klingt nach Klischee. Es ist egal wie man das sieht. Egal welches Geschlecht du empfindest, du bist immer noch der selbe Mensch mit den selben Problemen, Gedanken, Gefühlen. Es gibt also gar nichts auszuleben.
Natürlich gibt es einzelne Menschen, die mit dem Finger auf dich zeigen. Dafür gibts Therapeuten, die dich stark machen, um mit solchen Typen umgehen zu können. Den meisten Menschen ist dein gefühltes Geschlecht total egal.
Liebe Grüße
Manuela
Interessanterweise habe ich mich nie so als richtiger Kerl gefühlt. Das habe ich erst letztens erkannt. Ich fühle mich zwar wohl, wenn die Frau in mir sich nicht zeigt. Aber ich hab festgestellt, dass ich mir als Mensch wohlfühle. Nicht unbedingt als Mann. Obwohl ich halt mit dem zwischen meinen Beinen glücklich bin, fühle ich mich nicht als richtiger Mann. Das war aber immer schon so. Mein Zwillingsbruder und ich haben immer schon uns eher mit Mädchen umgeben und waren sehr irritiert über die coolen Jungs. Aber das haben wir nie hinterfragt. Jetzt hinterfrage ich vieles aus meiner Kindheit, Jugend. Als Mann fühle ich mich meist nur, wenn man das von mir erwartet. Z.B. von meiner Freundin.
Mit Weiblichkeit ausleben meine ich erstmal das ich mit kleiden und Schminken kann, wann ich möchte. Aber auch das ich mich bewegen darf, wie ich möchte. Das bemerke ich jetzt auch immer wieder. Da versteckt sich irgendetwas in mir, was jetzt immer wieder rauslommt,wenn ich alleine bin.
Und ich möchte gerne mit anderen Frauen über alles reden können. Letztens haben sich Freundinnen über Schuhe unterhalten und ich wollte unbedingt mitmachen.
Sowas halt.
Was die Perücke angeht. Ich habe netterweise von der Seite meiner Mutter erblichen Haarausfall geerbt. Also lang wachsen lassen ist keine Option. Daher Perücke als beste Variante.
Zum Schamgefühl. Ja, diese Angst sitzt schon sehr tief bei mir. Wahrscheinlich seit meiner Kindheit. Da habe ich erstmal gemerkt, dass man, wenn man anders ist, sofort auffällt und gemobbt werden kann. Seit jeher bin ich sehr scbüc,zurückhaltend und unauffällig. Gute Kombi um als geborener und sichtbarer Mann mit Frauenkleidern rumzulaufen. Aber ja, damit muss ich klarkommen. Dieser Angst muss ich mich stellen.
Da werd ich mit meiner Therapeutin dran arbeiten.
Der Teil mit dem Karyogramm hat mich kurz erschreckt. Im ersten Moment dachte ich: interessant, damit könnte man das prüfen. Und dann kamen die Zweifel. Was wenn das Ergebnis sagt, dass ich ein Mann bin? Was bin ich dann wirklich? Usw. Also auf jeden Fall spannend, aber ich merke, dass ich immer noch auf der Suche bin, wo ich hingehöre.
Danke, dass ihr mir allle so viel Hinweise, Unterstützung und Ratschläge gibt
Ich fühle mich sehr wohl in diesem Forum. Endlich merke ich, dass ich meine Gedanken loswerden kann und es andere gibt, die ähnliches erleben