EmmiMarie hat geschrieben: Mo 8. Jan 2024, 18:49
Ich fühle dabei irgendwie verletzt und nicht wahrgenommen.
Ja, das ist schon hart und wir finden es einfach dreist, unverschämt und können es nicht fassen, das uns das widerfährt.
Was ich mir nach so einer Situation dann immer denke - und eine ähnliche hatte ich letztens auch - dass sich cis schon ihr ganzes Leben mit diesen Situationen rumärgern müssen und gar nicht mehr zählen wie oft das vorkommt bzw. es noch nie anders erlebt haben. Wir kennen es halt, das beachtet werden, wenn es um mehr als nur hübsch und artig sein angeht. Dazu eine kleine Anekdote.....
Vor paar Wochen war ich in einer grossen Baumarktkette, Werkzeug kaufen. Ich brauchte mehrere Ringschlüssel und Gabelschlüssel. Nun muss ich sagen, dass es - nach meiner Beobachtung - versch. Zonen in solchen Baumärkten gibt. Zonen für die Tim Allen's (Schrauben, Machinen, Werkzeug usw.), Zonen für die gute Hausfrau (Gardinen, Haushaltsmittel, Gartenmöbel usw.) und Mischzonen (Farben, Blume, Bäder). In all diesen Zonen scheint das weibliche Geschlecht mehr oder weniger geduldet zu sein, da ja eigentlich ohnehin der Baumarkt an sich, ein eher angeeignetes Metier der Frau ist. Naja, ich musste also in einer dieser scheinbaren No-Go-Areas: ins Werkzeugland.
Ich muss dazu sagen, dass es mir heut irgendwie schwerer fällt mich darin zurecht zu finden - Klamottenladen geht heute komischerweise viel einfacher - trotzdem habe ich alles daran gesetzt, das zu kaufen, was ich brauchte. Ich stand dann also etwas länger als früher vor diesen Werkzeugregalen, habe alles genau betrachtet, die Schilder über den Regalen genau studiert (habe ich früher nie beachtet), da kamen paar Handwerkerjungs mit einem Verkäufer im Schlepptau, drängten sich direkt vor mich, haben sich über die Regale hergemacht und gefachsimpelt, was denn das beste Werkzeug für ihr Problem wäre. Ich wurde verdrängt, musste Platz machen und mir wurde offensichtlich überhaupt nicht zugetraut, dass ich aus diesen Regalen was gebrauchen könnte. Okay, es kann auch nur ein subjektives Gefühl gewesen sein aber die Art und Weise, wie ich ausgegrenzt wurde, war schon sehr auffällig. Zumal sie das bei den daneben stehenden anderen Kunden nicht gemacht haben. Diese wurden beachtet, um Platz gebeten ('dürfen wir mal...?!'). Ich meine, man merkt, wenn man geschätzt wird und wenn nicht....
Dieses Erlebnis hat mir mal wieder wirklich klar gemacht, was nun meine Position zu sein scheint. Und so erlebe ich immer wieder mal Situation, in denen ich mich mehr behaupten muss als früher und wenn ich dann mal Gehör finde, muss ich meine Kompetenz mehr als meine männl. Kollegen unter Beweis stellen. Obendrein muss ich mir dann sehr oft deren dummes Gelaber anhören, das vielfach einfach nur Ablenkungsmanöver und Blendereien sind, worauf ihr Gegenüber auch noch hereinfällt. Dann kann ich es mal wieder nicht fassen, wie ungerecht die Welt ist. Dann kann ich mich darüber aufregen, weiss aber dass ich es eh nicht ändern werde und dann folge ich dem Rat von Kolleginnen und Freundinnen, die einfach nur abwinken und eine dermaßen krasse Mir-Egal-Haltung angenommen habe, wo ich sage, dass ich die wahrscheinlich im Leben nicht erreichen werde, da ich - auch in diesem Punkt - niemals cis sein werde, so traurig das auch ist, dass man ihnen solche Umstände neidet.