Versiebenfachung der Straftaten in Bayern
Versiebenfachung der Straftaten in Bayern

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Jasmine
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Versiebenfachung der Straftaten in Bayern

Post 1 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Über diesen Artikel bin ich gerade gestolpert:
https://www.n-tv.de/panorama/Hasskrimin ... 64959.html
Zitat:
Versiebenfachung der Straftaten
Hasskriminalität gegen LGBTQ in Bayern stark gestiegen

Nachdenkliche Grüße Jasmine
Blossom
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Re: Versiebenfachung der Straftaten in Bayern

Post 2 im Thema

Beitrag von Blossom »

Die Zahl ist insgesamt gestiegen - doch letztlich ist es nur eine Statistik, die keine absolute Aussagekraft hat. Schließlich hat sich der Rahmen der Erfassung erweitert.
Auch das Straftaten übergreifend verschiedenen Bereichen zugeordnet werden können, stellt ein Problem dar.

Dennoch bedenklich, aber in meinen Augen auch einer gewissen "Verrohung" unserer Gesellschaft geschuldet.

Hier eine Statistik der "Anzahl der polizeilich erfassten Delikte gegen die sexuelle Orientierung in Deutschland-¹ von 2001 bis 2021". Eine aktuellere konnte ich nicht finden.
https://de.statista.com/statistik/daten ... utschland/

Das Bayern, mit einem Ministerpräsidenten, der die Lage noch zusätzlich befeuert, momentan vorne liegt wundert mich nicht. Vermutlich dürfte die Zahl noch weitaus höher liegen, da laut anderen Statistiken etwa 40% der Betroffenen angeben, erst gar keine Anzeige zu erstatten, da diese eh nichts bringen würde. Ein weiterer Punkt: Oftmals bemüht die Polizei nur den Tathergang, nicht aber das zugrunde liegende Motiv. Insofern finden viele Straftaten erst gar keinen Eingang in die Statistik.


Änderung betraf Rechtschreibfehler ... lächel
Zuletzt geändert von Blossom am Mo 13. Mär 2023, 14:36, insgesamt 1-mal geändert.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
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Jaddy
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Re: Versiebenfachung der Straftaten in Bayern

Post 3 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Kriminalstatistik ist eine äusserst knifflige Sache. Sowohl die offiziellen Zahlen, wie auch das persönliche Bauchgefühl. Gibt es eine Verrohung der Gesellschaft? Oder sind wir aufmerksamer und registrieren Fälle, die früher als Bagatelle abgetan worden wären? Queerfeindliche Taten werden werden überhaupt erst seit kurzer Zeit erfasst. Die Meldequote steigt, seit die Betroffenen mehr Vertrauen in die Polizei setzen können und Kampagnen offensiv dazu auffordern. Nunja, wenigstens bei Queers, die nicht aus anderen Gründen häufig zurecht wenig Vertrauen in Polizei haben.

Ich kenne viele Jüngere, nicht nur Queers, die keine Anzeige erstatten würden. Weil sie zum Beispiel Rassismus und andere Gewalt durch Polizei erleben. Sobald eins nicht (mehr) im weissen, relativ wohlhabenden, bürgerlichen Umfeld verankert ist, tritt häufig eine Desillusionierung ein, die jede Kontaktvermeidung mit Staat und System besser erscheinen lässt. Das ist aber auch seit Jahrzehnten so.

Die Zahl der gemeldeten Gewaltdelikte geht seit 3 Jahrzehnten eher zurück, auch wenn Bild und andere Springer-Produkte konstant etwas anderes suggerieren. Wo Initiativen gestartet werden, gehen die Zahlen hoch, z.B. bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, aber offenbar nicht die Taten selber.

Kleine Anekdote: Ende 90er gab es nach Medienberichten in "Bremen die höchste Vergewaltigungsquote Deutschlands!" (also pro Kopf). Von den Zahlen der angezeigten Vergewaltigungen stimmte das. Und gleichzeitig war Bremen damals das einzige Bundesland, das eine integrierte Initiative hatte aus geschulter Polizei (Polizistinnen!), Ärztys, Staatsanwaltschaft, Beratung, Betreuung, etc. Hier trauten sich die Betroffenen die Anzeigen, weil sie sorgsam aufgenommen wurden, statt durch die Mühle gedreht zu werden. Ach guck, wie das wohl in Bayern, Hessen, Berlin ausgesehen hätte? Vermutlich ähnlich.

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Bremen lediglich mehr vorheriges Dunkelfeld aufgerollt hat. Dunkelfeldanalyse selbst ist auch wieder knifflig. Wer befragt welche Menschen wie, mit welchen Fragen, in welchem Kontext. Welche Merkmalsgruppen sind abgebildet bei Befragten und Befragenden? Werden die Menschen in ihrem Kontext angesprochen durch Methode, Sprache, usw.?

Es liegt noch viel im argen und manches wird auch nicht besser. Ich wünsche mir tatsächlich mehr Polizei. Aber eine bessere. Nicht militärischer, hochgerüsteter, sondern geschulter, auch sortierter. Mehr Deeskalationstraining. Ausbildung in psychologischer Ersthilfe. Stabile, kompetente, souveräne, achtsame - und diverse Menschen, die vor allem hilfreich sein wollen. Dann sind mir die Zahlen eher egal.
Blossom
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Re: Versiebenfachung der Straftaten in Bayern

Post 4 im Thema

Beitrag von Blossom »

Jaddy hat geschrieben: Mo 13. Mär 2023, 12:07 Kriminalstatistik ist eine äusserst knifflige Sache. Sowohl die offiziellen Zahlen, wie auch das persönliche Bauchgefühl. Gibt es eine Verrohung der Gesellschaft? Oder sind wir aufmerksamer und registrieren Fälle, die früher als Bagatelle abgetan worden wären? Queerfeindliche Taten werden werden überhaupt erst seit kurzer Zeit erfasst.
Danke, du hast es umfassender ausgedrückt ... Ich denke, es ist ein wenig von allem.
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