Reagieren Betroffene intolerant auf abweichendes Verhalten?
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Joan Autumn
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Reagieren Betroffene intolerant auf abweichendes Verhalten?
"Sie (meine Familie) sind sogar ein wenig stolz, dass der intoleranteste in unserer Familie nun gerade ein Bigender ist". Warum habe ich das geschrieben? Weil Joan mich in nur eineinhalb Jahren verändert hat und, wie ich glaube, war es höchste Zeit.
Michi hat den obigen Satz in meinem zweiten Beitrag auf diesem Forum so kommentiert, das wohl "gerüchteweise" Betroffene besonders intolerant auf abweichendes Verhalten reagieren. Ja, stimmt, wie ich es heute sehe, zumindest gab es laut meiner Frau dafür schon früh deutliche Anzeichen, die sie irritierten. Ich selbst fand mich eigentlich überhaupt nicht intolerant. Sollte es Euch also interessieren, schreibe ich gern hier darüber, aber das Thema ist etwas komplex und es ist nicht mit einem Absatz getan. Dazu habe ich Joan viel zu lange verhindert und ihr Unrecht getan. Denn ihre Verleugnung ist meiner Meinung nach das Resultat einer Entwicklung, die so gar nicht erst hätte passieren dürfen, aber auch der Zeit geschuldet ist, in der ich aufgewachsen bin und später meiner eigenen Ignoranz.
Die andere Seite. Da ich erst im Sommer 2020 meine weibliche Hälfte erkannt habe als das was "Sie" ist, habe ich "Sie" drei Monate später meiner Frau vorgestellt, Weihnachten unseren Kindern und jetzt meiner jüngeren Schwester. Es gab keine Alternative. Joan war da, neu geboren und sie war und ist jetzt für mich das, was sie vorher nie war: schön. (Ich meine nicht optisch.) Sie weiter zu verleugnen. Unmöglich.Vorbei. Schluß aus. Ich hätte alles in Kauf genommen. Ich habe sie mir nicht gewünscht. Nun gibt es Sie und Ihn, zwei in Einem.
Ich möchte in dem, was hier noch von mir kommen mag, niemanden verletzen, weil ich vielleicht aus Unwissenheit nicht alles richtig ausdrücke. Meine Geschichte ist meine Geschichte und sie ist so, wie sie sich zugetragen hat. Ich bin hier neu, ich habe nicht das erlebt was ihr erlebt habt, oder genau ähnliches, ich weiß nicht viel, aber ich weiß, ich habe offenbar andere Schlüsse daraus gezogen. Ich gebe mir Mühe und bin ehrlich. Aber ich möchte auch nicht langweilen. Deshalb freue ich mich über Anregungen, Fragen und Beiträge.
Ich werde gern versuchen, meiner Selbstverleugnung samt Intoleranz, mit weiteren Beiträgen auf den Grund zu gehen. Das geht nur anhand meiner Geschichte: Wie ich ahnungslos vom Apfel gegessen habe, wie ich aus meinem Paradies vertrieben wurde, wie mein geheimer Garten aussah, wie ein junger weißer Mann sein musste, mein Verhältnis zur LGBQTa+ Community und was meine Frau schon vor unserer Hochzeit spürte und warum sie noch mit mir zusammen ist. All das dient dazu, zu erklären, wie es bloss sein kann, sich so lange nicht mit sich selbst und einer "fremden" Welt auseinandersetzen zu wollen, nicht wissen und verstehen will oder wie Mann dies erfolgreich verhindert. Das ist jetzt schon ziemlich lang geworden. Kürzer kann ich leider nicht. Ich trau"™ mich jetzt und schick das ab.
Michi hat den obigen Satz in meinem zweiten Beitrag auf diesem Forum so kommentiert, das wohl "gerüchteweise" Betroffene besonders intolerant auf abweichendes Verhalten reagieren. Ja, stimmt, wie ich es heute sehe, zumindest gab es laut meiner Frau dafür schon früh deutliche Anzeichen, die sie irritierten. Ich selbst fand mich eigentlich überhaupt nicht intolerant. Sollte es Euch also interessieren, schreibe ich gern hier darüber, aber das Thema ist etwas komplex und es ist nicht mit einem Absatz getan. Dazu habe ich Joan viel zu lange verhindert und ihr Unrecht getan. Denn ihre Verleugnung ist meiner Meinung nach das Resultat einer Entwicklung, die so gar nicht erst hätte passieren dürfen, aber auch der Zeit geschuldet ist, in der ich aufgewachsen bin und später meiner eigenen Ignoranz.
Die andere Seite. Da ich erst im Sommer 2020 meine weibliche Hälfte erkannt habe als das was "Sie" ist, habe ich "Sie" drei Monate später meiner Frau vorgestellt, Weihnachten unseren Kindern und jetzt meiner jüngeren Schwester. Es gab keine Alternative. Joan war da, neu geboren und sie war und ist jetzt für mich das, was sie vorher nie war: schön. (Ich meine nicht optisch.) Sie weiter zu verleugnen. Unmöglich.Vorbei. Schluß aus. Ich hätte alles in Kauf genommen. Ich habe sie mir nicht gewünscht. Nun gibt es Sie und Ihn, zwei in Einem.
Ich möchte in dem, was hier noch von mir kommen mag, niemanden verletzen, weil ich vielleicht aus Unwissenheit nicht alles richtig ausdrücke. Meine Geschichte ist meine Geschichte und sie ist so, wie sie sich zugetragen hat. Ich bin hier neu, ich habe nicht das erlebt was ihr erlebt habt, oder genau ähnliches, ich weiß nicht viel, aber ich weiß, ich habe offenbar andere Schlüsse daraus gezogen. Ich gebe mir Mühe und bin ehrlich. Aber ich möchte auch nicht langweilen. Deshalb freue ich mich über Anregungen, Fragen und Beiträge.
Ich werde gern versuchen, meiner Selbstverleugnung samt Intoleranz, mit weiteren Beiträgen auf den Grund zu gehen. Das geht nur anhand meiner Geschichte: Wie ich ahnungslos vom Apfel gegessen habe, wie ich aus meinem Paradies vertrieben wurde, wie mein geheimer Garten aussah, wie ein junger weißer Mann sein musste, mein Verhältnis zur LGBQTa+ Community und was meine Frau schon vor unserer Hochzeit spürte und warum sie noch mit mir zusammen ist. All das dient dazu, zu erklären, wie es bloss sein kann, sich so lange nicht mit sich selbst und einer "fremden" Welt auseinandersetzen zu wollen, nicht wissen und verstehen will oder wie Mann dies erfolgreich verhindert. Das ist jetzt schon ziemlich lang geworden. Kürzer kann ich leider nicht. Ich trau"™ mich jetzt und schick das ab.
Es gibt nur zwei Tage im Leben, die Du nicht ändern kannst: Gestern und Morgen. (Dalai Lama)
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Violetta Arden
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Re: Reagieren Betroffene intolerant auf abweichendes Verhalten?
...da gibt es viele Beispiele, wo sich im nachhinein herausstellt, was an Leidenschaften in Personen steckte, die sie nicht offen zeigen konnten oder durften. Die sich dann auch besonders gegen Schwule, Lesben und Transpersonen positioniert haben, wohl auch zum eigenen Schutz, damit niemand auf die Idee kommen könnte, dass man selber......
Kenne ich auch von mir selber irgendwie. Als die CD Leidenschaft oder die Lust, sich in eine Frau zu verwandeln noch geheim war. Da habe ich mich wohl auch öfters nicht verständnisvoll gezeigt obwohl ich genau das Gegenteil sagen wollte. Das habe ich mitlerweile auch ablegen können und kann auch dafür Position beziehen wenn der Gesprächspartner nicht weiß, dass ich im Grunde eine Part-Time-Lady bin.
Schönen Abend noch
Gerda
Kenne ich auch von mir selber irgendwie. Als die CD Leidenschaft oder die Lust, sich in eine Frau zu verwandeln noch geheim war. Da habe ich mich wohl auch öfters nicht verständnisvoll gezeigt obwohl ich genau das Gegenteil sagen wollte. Das habe ich mitlerweile auch ablegen können und kann auch dafür Position beziehen wenn der Gesprächspartner nicht weiß, dass ich im Grunde eine Part-Time-Lady bin.
Schönen Abend noch
Gerda
Mein weibliches Ich ist ein Teil von mir und lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ungenützte Zeit lässt sich nie mehr zurückholen.
Lebe Dein Leben.
Mein Blog:
https://violettaarden9.blogspot.com/
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Joan Autumn
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Re: Reagieren Betroffene intolerant auf abweichendes Verhalten?
Vielen Dank für Euer Interesse. Ich war im Schreibfluss, deshalb heute gern ein weiterer Teil zum Paradies.
Mit etwa 12 war die Welt noch in Ordnung. Ich war mit meiner Familie im Weihnachtsurlaub, teilte mit meiner Großmutter ein Hotelzimmer und las der Pate. Das Buch war eigentlich nicht für mich, man bemerkte es aber erst, als ich später bei einem Abendessen eine Frage zu der Sexszene stellte. Futsch war es weg. Ich "verliebte" mich dort das erste Mal in ein Mädchen, entdeckte die Weiblichkeit. Zuhause stiftete ich Freunde an, Jungen wie Mädchen, mit mir bunte Fingerringe selbst zu basteln, bis es ihnen zu langweilig wurde. Mit dreizehn ging ich mit Kopftuch und rotem Lippenstift in den Supermarkt. Die Verkäuferin guckte zwar komisch, aber das konnte ich verstehen. War mir egal. Und fand ich auch nicht schlimm. Meine Eltern waren mit sich und meiner neuen Schwester beschäftigt. Merkten nichts.
In den Ferien, wieder in den Bergen, schlich ich um den ersten richtigen Ring. So einen, den man zum Dirndl trägt. Meine Großmutter spendete die fehlenden Märker. Natürlich schlüpfte ich auch in die Schuhe meiner Mutter, aber es waren eben nicht meine. Deshalb gründete ich mit einem Freund eine Theatergruppe und sammelte Damenschuhe. Ich fand das schon ungewöhnlich, hab sie auch versteckt, aber da ich dabei ein gutes Gefühl hatte, konnte es doch nicht so schlimm sein. Ich war im Paradies. Leider fanden meine Eltern es schlimm. Sehr schlimm. Das hatte ich nicht erwartet. Und hier setzt die erste Verdrängung ein. Schlimm, darf man nicht, tut man nicht, lass"™ das, mach"˜ das ja nicht wieder. Warum darf ich das nicht? Ich weiß es nicht - mehr. Mein Paradies war verloren und ich konzentrierte mich eine zeitlang zu 100 Prozent erstmal auf den Jungen in mir. Dennoch lackierte ich mir mit 14 die Nägel herrlich rot und konnte der Entdeckung durch meine Mutter nur mit einem beherzten Sprung aus dem Fenster entkommen. Dazu begann ich Strumpfhosen zu tragen, auch in der Schule und wenn ich meine Großmutter in den Ferien besuchte. Nun geheim, ich wollte nie wieder entdeckt werden und mich rechtfertigen für etwas, das mir gut tat. Stop.
Einhalten. Ich stelle die Frage, was hätte ich getan, sollte ich bei einem unserer Kinder eine weibliche Schuh-/Kleidersammlung entdeckt haben? Am einfachsten ist es, das zu verbieten, das macht "man" nicht. Alles andere bedeutet eine richtige Auseinandersetzung. Was hat der Junge bloß? Was ist das, was wird das? Was steckt dahinter? Mit meinem Wissen von heute, ja, verstehen, erklären und unterstützen. Wege finden. Aber damals? Ich? Nein. Meine Frau? Ja. Sie würde diesen Weg gehen (wie jetzt). Sie will alles nur verstehen. Sie geht den Dingen auf den Grund und findet dann einen Weg. Ich sah überhaupt keinen Weg, wie sollte ich den Dingen auf den Grund gehen? Es gab kein Internet. Meine Eltern hätten gemusst. Und dann wären Sie mit mir zu Psychologen gerannt. Hätte das funktioniert? Nein, ich wollte nicht mehr entdeckt werden und hätte mich auch vor Fremden nicht ausgezogen. Man sagt einfach, man macht das nicht mehr, und los ist man das Problem (lol). Aber, wenn man etwas nicht darf, dann macht man es vielleicht heimlich weiter. Doch das erledigte sich für mich erstmal von selbst, denn meine Weiblichkeit trat in den Schatten und eine neue Weiblichkeit erschien und die ersten Anzeichen von Verleugnung zeigten sich.
Das war"™s für heute, ich hoffe, es ist nicht zu lang geworden. Und Danke für Eure Danke bisher.
Liebe Grüße
Joan
Mit etwa 12 war die Welt noch in Ordnung. Ich war mit meiner Familie im Weihnachtsurlaub, teilte mit meiner Großmutter ein Hotelzimmer und las der Pate. Das Buch war eigentlich nicht für mich, man bemerkte es aber erst, als ich später bei einem Abendessen eine Frage zu der Sexszene stellte. Futsch war es weg. Ich "verliebte" mich dort das erste Mal in ein Mädchen, entdeckte die Weiblichkeit. Zuhause stiftete ich Freunde an, Jungen wie Mädchen, mit mir bunte Fingerringe selbst zu basteln, bis es ihnen zu langweilig wurde. Mit dreizehn ging ich mit Kopftuch und rotem Lippenstift in den Supermarkt. Die Verkäuferin guckte zwar komisch, aber das konnte ich verstehen. War mir egal. Und fand ich auch nicht schlimm. Meine Eltern waren mit sich und meiner neuen Schwester beschäftigt. Merkten nichts.
In den Ferien, wieder in den Bergen, schlich ich um den ersten richtigen Ring. So einen, den man zum Dirndl trägt. Meine Großmutter spendete die fehlenden Märker. Natürlich schlüpfte ich auch in die Schuhe meiner Mutter, aber es waren eben nicht meine. Deshalb gründete ich mit einem Freund eine Theatergruppe und sammelte Damenschuhe. Ich fand das schon ungewöhnlich, hab sie auch versteckt, aber da ich dabei ein gutes Gefühl hatte, konnte es doch nicht so schlimm sein. Ich war im Paradies. Leider fanden meine Eltern es schlimm. Sehr schlimm. Das hatte ich nicht erwartet. Und hier setzt die erste Verdrängung ein. Schlimm, darf man nicht, tut man nicht, lass"™ das, mach"˜ das ja nicht wieder. Warum darf ich das nicht? Ich weiß es nicht - mehr. Mein Paradies war verloren und ich konzentrierte mich eine zeitlang zu 100 Prozent erstmal auf den Jungen in mir. Dennoch lackierte ich mir mit 14 die Nägel herrlich rot und konnte der Entdeckung durch meine Mutter nur mit einem beherzten Sprung aus dem Fenster entkommen. Dazu begann ich Strumpfhosen zu tragen, auch in der Schule und wenn ich meine Großmutter in den Ferien besuchte. Nun geheim, ich wollte nie wieder entdeckt werden und mich rechtfertigen für etwas, das mir gut tat. Stop.
Einhalten. Ich stelle die Frage, was hätte ich getan, sollte ich bei einem unserer Kinder eine weibliche Schuh-/Kleidersammlung entdeckt haben? Am einfachsten ist es, das zu verbieten, das macht "man" nicht. Alles andere bedeutet eine richtige Auseinandersetzung. Was hat der Junge bloß? Was ist das, was wird das? Was steckt dahinter? Mit meinem Wissen von heute, ja, verstehen, erklären und unterstützen. Wege finden. Aber damals? Ich? Nein. Meine Frau? Ja. Sie würde diesen Weg gehen (wie jetzt). Sie will alles nur verstehen. Sie geht den Dingen auf den Grund und findet dann einen Weg. Ich sah überhaupt keinen Weg, wie sollte ich den Dingen auf den Grund gehen? Es gab kein Internet. Meine Eltern hätten gemusst. Und dann wären Sie mit mir zu Psychologen gerannt. Hätte das funktioniert? Nein, ich wollte nicht mehr entdeckt werden und hätte mich auch vor Fremden nicht ausgezogen. Man sagt einfach, man macht das nicht mehr, und los ist man das Problem (lol). Aber, wenn man etwas nicht darf, dann macht man es vielleicht heimlich weiter. Doch das erledigte sich für mich erstmal von selbst, denn meine Weiblichkeit trat in den Schatten und eine neue Weiblichkeit erschien und die ersten Anzeichen von Verleugnung zeigten sich.
Das war"™s für heute, ich hoffe, es ist nicht zu lang geworden. Und Danke für Eure Danke bisher.
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Re: Reagieren Betroffene intolerant auf abweichendes Verhalten?
Mit Mitte 15 verblasste meine Weiblichkeit und ihr sichtbaren Ausdruck zu geben, bis sie ganz verschwand. Andere Gefühle traten auf und nahmen Besitz. Ich hatte glückliche und unglückliche Beziehungen, Liebesfreude und Liebeskummer, so wie es eben passiert. Bundeswehr, Ausbildung durchlief ich rein männlich und das war gut. Überhaupt wollte ich männlich sein und Frauen gefallen. Ich glaube, ich habe den Wunsch typisch weibliche Ausdrucksweisen zu tragen in dieser Zeit verdrängt. Und ich war oberflächlich fixiert. Ich dachte, ich bin jetzt wie alle anderen Jungs und alle anderen Jungs sind wie ich. Hetero. Und, wenn sie das nicht sind, sind sie schwul. Meine Mutter und meine Schwester hatten homosexuelle Paare in ihrem Freundeskreis, ich fand die okay, deren Ding, aber über die üblichen Gespräche hinaus keinen Zugang. Hier habe ich auch geblockt, denke ich heute.
Denn natürlich war sie nicht verschwunden, zeigte sich nur nicht. Und darüber war ich vielleicht froh, denn sie gehörte auch in diese Ecke abweichenden Verhaltens. Ich dagegen wollte das richtige Format der Norm sein. So erinnere ich mich noch sehr gut, dass ich es furchtbar fand, dass ich, als ich mit meiner Freundin in einem Lokal aß, von einem schwulen Pärchen angemacht wurde. So empfand ich es. Heute glaube ich, sie wollten nur nett sein. Aber das sind so kleine, harmlos wirkende Schlüsselerlebnisse, die Türen öffnen oder schließen. Diese schloß sich, und alles was anders war gab es für mich nicht und interessierte mich auch nicht und lehnte ich - unbewusst - ab.
Und so erging es auch ihr, als Sie wieder auftauchte. Sie war nicht geliebt, sie war Verlangen, das nicht gestillt werden konnte, sie war geheim, verdächtig und nicht zu trauen. Sie kam wieder, obwohl ich das nicht wollte. Eine Auseinandersetzung fand nicht statt. Denn auch die, wäre ja vielleicht gefährlich gewesen. Was war ihr Verlangen? Das machte mir Angst. Was ich nicht ablehnte, was mir gut gefiel war Travestie. Das war übersteigert, das war Kunst, aber mir durfte keine zu nahe kommen. Kamen sie auch nicht. Ich glaube, ich hatte nur Angst vor Entdeckung.
Liebe Grüße
Joan
PS. Ich sehe gerade auf Netflix Pose und bin wieder mal geplättet. Wie schön ist das denn und schwierig gleichermaßen. Die Serie verdeutlicht nochmal "alte" Zeiten, die noch lange nicht vorbei sind. Haß, Gewalt, Diskriminierung, Abschätzung, Berührungsängste, Aids. Wo war ich nur all die Jahre. Nur mit mir beschäftigt. Dort wie hier im Forum, damals wie heute geht es um einen respektvollen, zugewandten Umgang untereinander und mit unseren Partnerinnen oder Partnern und überhaupt. Keine(r) hat sich ausgesucht was sie oder er ist. Das muss man verstehen. Dann machen Kleider nicht den Menschen, aber den Menschen glücklich.
Denn natürlich war sie nicht verschwunden, zeigte sich nur nicht. Und darüber war ich vielleicht froh, denn sie gehörte auch in diese Ecke abweichenden Verhaltens. Ich dagegen wollte das richtige Format der Norm sein. So erinnere ich mich noch sehr gut, dass ich es furchtbar fand, dass ich, als ich mit meiner Freundin in einem Lokal aß, von einem schwulen Pärchen angemacht wurde. So empfand ich es. Heute glaube ich, sie wollten nur nett sein. Aber das sind so kleine, harmlos wirkende Schlüsselerlebnisse, die Türen öffnen oder schließen. Diese schloß sich, und alles was anders war gab es für mich nicht und interessierte mich auch nicht und lehnte ich - unbewusst - ab.
Und so erging es auch ihr, als Sie wieder auftauchte. Sie war nicht geliebt, sie war Verlangen, das nicht gestillt werden konnte, sie war geheim, verdächtig und nicht zu trauen. Sie kam wieder, obwohl ich das nicht wollte. Eine Auseinandersetzung fand nicht statt. Denn auch die, wäre ja vielleicht gefährlich gewesen. Was war ihr Verlangen? Das machte mir Angst. Was ich nicht ablehnte, was mir gut gefiel war Travestie. Das war übersteigert, das war Kunst, aber mir durfte keine zu nahe kommen. Kamen sie auch nicht. Ich glaube, ich hatte nur Angst vor Entdeckung.
Liebe Grüße
Joan
PS. Ich sehe gerade auf Netflix Pose und bin wieder mal geplättet. Wie schön ist das denn und schwierig gleichermaßen. Die Serie verdeutlicht nochmal "alte" Zeiten, die noch lange nicht vorbei sind. Haß, Gewalt, Diskriminierung, Abschätzung, Berührungsängste, Aids. Wo war ich nur all die Jahre. Nur mit mir beschäftigt. Dort wie hier im Forum, damals wie heute geht es um einen respektvollen, zugewandten Umgang untereinander und mit unseren Partnerinnen oder Partnern und überhaupt. Keine(r) hat sich ausgesucht was sie oder er ist. Das muss man verstehen. Dann machen Kleider nicht den Menschen, aber den Menschen glücklich.
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Re: Reagieren Betroffene intolerant auf abweichendes Verhalten?
Ich denke, das ist der Schlüsselsatz zu einem tieferen Verständnis des Ganzen. Sehr gut geschrieben!Joan Autumn hat geschrieben: Sa 29. Jan 2022, 08:09 Keine(r) hat sich ausgesucht was sie oder er ist. Das muss man verstehen. Dann machen Kleider nicht den Menschen, aber den Menschen glücklich.
Herzliche Grüße
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Re: Reagieren Betroffene intolerant auf abweichendes Verhalten?
Die Frage ist ja, wie ich als Betroffener auf abweichendes Verhalten reagiert habe. Über die Zeit vor meiner Ehe kann ich mich bis auf das schon geschilderte Ereignis nicht erinnern, auf jeden Fall wollte ich nicht mit mit Homosexualität in Verbindung gebracht werden. Und diese "Berührungsängste" waren wohl so deutlich, dass meine Frau, wie sie mir kürzlich erzählte, gerade das als einen möglichen Hinweis sah, ob ich nicht zumindest Bi wäre. Sie spürte ja, dass dort etwas war, wusste nur nicht was. Die Geheime "Sie" ausleben, kann ja so geheim gar nicht sein. Die Gefühlswelt davor, dabei und danach kennen bestimmt viele von Euch. Ich hatte hinterher immer ein furchtbar schlechtes Gewissen und das Gefühl meine Familie irgendwie betrogen zu haben. Mit mir selbst, lol.
Meine Frau entschied damals für sich mich so zu nehmen wie ich war. Für mich ist heute das Gute, dass es nun nichts Geheimes mehr zwischen uns gibt, sie mich so kennt wie ich bin und mich akzeptiert. Es hätte ihr nur viele, viele Jahre vorher sehr geholfen, zu wissen was los ist, zu wissen wozu sie keinen Zugang hatte. Das ist ein riesiger Wermutstropfen. Aber irgendwie hat alles seine Zeit. Die berühmte Fahrradkette.
Ich möchte das wieder gut machen. Ich habe ein großes Glück, eine tolerante und verständnisvolle Frau zu haben. Sie findet Joan eine weitere Bereicherung in unserem sowieso schon ereignisreichen Leben, liebt aber ihn, und freut sich, dass es in dem bisherigen Männerhaushalt nun endlich jemanden gibt, die Lust zum Shoppen hat, über Make up locker mitreden kann und auch verstehen lernt, wie sich Frau fühlt. Ich arbeite weiter an mir. Mein Weg fängt gerade erst an. Ich persönlich finde es ein Geschenk mich sowohl als Mann und als Frau zu fühlen. Ich lerne die Welt mit neuen Augen zu sehen. Ich schaue mir Menschen genauer an, möchte Anteil zu nehmen. Mir gefällt nicht alles, was ich sehe, aber das ist mein Ding. Es ist nicht an mit zu urteilen. Bin offener. Mir ist nicht wichtig, was sie tragen, welche sexuelle Orientierung sie haben"¦ ihre Geschichten interessieren mich, wie sie geworden sind, was sie sind. Ja, besser spät als nie.
Leider ist es nun doch mehr meine Geschichte geworden. Besser wäre ein anderer Titel und der Beitrag hätte vermutlich an eine andere Stelle gehört. Euch einen schönen Abend und Danke fürs lesen und die Ermunterung, überhaupt etwas zu schreiben, auch, wenn es nicht ganz das geworden ist, was es eigentlich werden sollte.
Liebe Grüße
Joan
Meine Frau entschied damals für sich mich so zu nehmen wie ich war. Für mich ist heute das Gute, dass es nun nichts Geheimes mehr zwischen uns gibt, sie mich so kennt wie ich bin und mich akzeptiert. Es hätte ihr nur viele, viele Jahre vorher sehr geholfen, zu wissen was los ist, zu wissen wozu sie keinen Zugang hatte. Das ist ein riesiger Wermutstropfen. Aber irgendwie hat alles seine Zeit. Die berühmte Fahrradkette.
Ich möchte das wieder gut machen. Ich habe ein großes Glück, eine tolerante und verständnisvolle Frau zu haben. Sie findet Joan eine weitere Bereicherung in unserem sowieso schon ereignisreichen Leben, liebt aber ihn, und freut sich, dass es in dem bisherigen Männerhaushalt nun endlich jemanden gibt, die Lust zum Shoppen hat, über Make up locker mitreden kann und auch verstehen lernt, wie sich Frau fühlt. Ich arbeite weiter an mir. Mein Weg fängt gerade erst an. Ich persönlich finde es ein Geschenk mich sowohl als Mann und als Frau zu fühlen. Ich lerne die Welt mit neuen Augen zu sehen. Ich schaue mir Menschen genauer an, möchte Anteil zu nehmen. Mir gefällt nicht alles, was ich sehe, aber das ist mein Ding. Es ist nicht an mit zu urteilen. Bin offener. Mir ist nicht wichtig, was sie tragen, welche sexuelle Orientierung sie haben"¦ ihre Geschichten interessieren mich, wie sie geworden sind, was sie sind. Ja, besser spät als nie.
Leider ist es nun doch mehr meine Geschichte geworden. Besser wäre ein anderer Titel und der Beitrag hätte vermutlich an eine andere Stelle gehört. Euch einen schönen Abend und Danke fürs lesen und die Ermunterung, überhaupt etwas zu schreiben, auch, wenn es nicht ganz das geworden ist, was es eigentlich werden sollte.
Liebe Grüße
Joan
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