Tja das habe ich auch fast zu spät gemerkt"¦..manchmal_melissa hat geschrieben: Mi 29. Dez 2021, 12:38 Heute weiß ich, dass ich sie durch mein Schweigen erst recht gefährdete. Aber ich war wie gelähmt, konnte das Thema nicht ansprechen und machte meine ganzen Sehnsüchte und Bedürfnisse mit mir selbst aus.
Melissas Memoiren - # 3
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Re: Melissas Memoiren
Liebe Grüße
Tom
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manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren
Vergebliche Annäherungsversuche
An jenem Abend in 2017 fragte mich meine Freundin nach einer Rückenmassage. Relativ schnell beschloss ich, in dieser ruhigen Situation das Thema anzusprechen. Ich hatte ein, zwei Stunden Zeit, mich moralisch auf das Gespräch vorzubereiten und war fest entschlossen, es dieses Mal durchzuziehen. Ich gab mir viel Mühe, zündete einige Kerzen an und sorgte für eine entspannte Atmosphäre. Meine Freundin verdächtigte mich schon, etwas anderes im Sinn zu haben. Doch es kam natürlich anders.
Ich massierte sie für etwa zehn Minuten, ohne etwas zu sagen. Es fiel mir auch in diesem Moment immer noch sehr schwer. Ein falscher Gedanke, ein Wort zu einem anderen Thema von ihrer Seite, ein Stressmoment oder eine kleine Meinungsverschiedenheit im Vorfeld hätten gereicht, um mich zum Schweigen zu bringen. Aber an diesem Abend musste es sein. Mein Herz klopfte so laut, dass ich Angst hatte, sie würde es hören. Ich war unendlich nervös. "Erinnerst du dich noch an die Mottowoche, als ich als Frau verkleidet war?", fragte ich mit brüchiger Stimme. "Na klar!" Die schnelle und unbekümmerte Antwort war genau das, was ich brauchte. "Weißt du auch noch, als ich nach der letzten Ferienfreizeit sagte, wie viel Spaß mir das gemacht hat?" Dieses Mal bejahte sie schon zögerlicher, mit fragendem Unterton. Aber es gab zum Glück kein zurück mehr.
Von hier startete ich einen langen Monolog, der immer wieder von sehr langen Pausen unterbrochen war. Ich sagte ihr, dass ich oft an diese Erlebnisse denken muss. Dass es mir jedes mal wirklich großen Spaß gemacht hat. Dass ich manchmal diese Sehnsucht habe: die Sehnsucht, es nochmal zu tun. Mich, ja, das klingt vielleicht komisch, nochmal als Frau zu verkleiden. Meine Freundin antwortete nichts. Ich erzählte und massierte einfach weiter. Dass ich es mir selbst nicht wirklich erklären könne. Dass das Bedürfnis irgendwann einfach da war. Dass ich alles Äußerliche an Frauen einfach spannend finde: die lackierten Nägel, die hohen Schuhe, Kleider, Röcke, Strumpfhosen, Unterwäsche und natürlich die Schminke. Dass es mich deshalb reizt, diese Dinge selbst zu tragen. Auch wenn das alles irgendwie aus mir herausbrach und ich stundenlang hätte erzählen können, so redete ich doch sehr langsam, mit vielen Pausen und sehr bedacht. Ich legte jedes Wort auf die Goldwaage, wollte bloß keinen falschen Eindruck erwecken oder sie einschüchtern, wartete immer auch auf eine vermeintliche Antwort. Aber meine Freundin schwieg. Erst als ich nicht mehr wusste, was ich sagen soll und langsam auch keine Kraft mehr zum Massieren hatte, fragte ich aktiv nach einer Antwort. Erst da wurde mir klar, dass sie beinahe schon schlief. Ich fragte sie, ob sie überhaupt alles mitbekommen habe. Sie bestätigte müde, schon im Halbschlaf, dann war sie endgültig eingeschlafen.
Ich war im ersten Moment sauer, weil es so ein wichtiger Moment für mich war, und ihr war er es nicht wert, wach zu bleiben. Auf der anderen Seite konnte sie ja nicht wissen, worauf die Massage herauslaufen sollte. Es war ein langer, harter Tag gewesen, und ich konnte ihr einfach nicht böse sein, auch weil mir klar war, wie müde sie gewesen sein musste. Auch ich legte mich schlafen, mit einem mulmigen, gemischten Gefühl. Ich war extrem erleichtert, ihr endlich davon erzählt zu haben und auch ein bisschen stolz auf mich, dass ich mich endlich getraut habe. Trotzdem hing ich wieder einmal in der Luft. Ich dachte mir noch, dass es so schlimm nicht sein könnte für sie, sonst wäre sie ja nicht eingeschlafen, aber ich hatte auch Angst vor dem nächsten Morgen. Irgendwie hätte ich gern gleich eine Antwort gehabt. Rückblickend war es vielleicht gar kein so schlechtes Timing wie zuerst angenommen, weil die Katze aus dem Sack war und erst mal keine Konfrontation im engeren Sinn stattfand. Das Thema wurde in den Raum geworfen, ohne dass einer von uns den anderen im Schock verletzen oder irrationale Entscheidungen fällen konnte. Trotzdem war ich weiterhin nervös, denn den schwierigeren Teil des Gesprächs erwartete ich noch.
Der nächste Morgen begann wie gewohnt. Wir wachten auf, ich setzte Kaffee auf, ging ins Bad. Keiner verlor auch nur ein Wort über den vorherigen Abend. Mit etwas Abstand war mir das alles sehr peinlich. Zwischendurch dachte ich schon, sie hätte meinen Monolog doch nicht mehr mitbekommen. Ich hoffte sogar darauf. In meiner altbekannten Manier, alles zu zerdenken, schlussfolgerte ich aus ihrer Nichtreaktion blankes Desinteresse, vielleicht sogar Angst oder Fremdscham vor meiner weiblichen Seite. Ich beschloss schnell, das Thema von mir aus erst mal nicht mehr anzusprechen. Das wäre wieder mal ein riesengroßer Fehler gewesen, aber zum Glück kam es wieder anders. Als ich ihr den fertigen Kaffee brachte, eröffnete meine Freundin das Gespräch. Sie müsse jetzt doch nochmal nachfragen. Ich habe da gestern Dinge gesagt, die sie nicht ganz versteht. Etwas nach dem Motto "Sehnsucht, sich als Frau zu verkleiden"? Es tue ihr Leid, dass sie eingeschlafen war und sich deshalb nicht alles gemerkt hat, das habe nichts mit dem Thema oder mit mir zu tun. Aber sie wolle jetzt doch wissen, was es damit genau auf sich habe.
Da saßen wir nun wieder. Ich wiederholte im Großen und Ganzen den Monolog des Vortages, nur schneller und präziser. Wir sprachen über die Mottowoche und dass sie mir die Freude an dem Tag damals angemerkt hatte. Doch es geschah etwas merkwürdiges. Etwas, das ich nie erwartet hätte und was ich von ihr auch so nicht kannte: Sie wischte das Thema weg. Ich war mehr oder weniger machtlos. "Ja, das ist natürlich aufregend für euch Jungs, wenn ihr mal eine Frau sein könnt. Das sind ja lauter Sachen, die ihr sonst nie macht. Da könnt ihr euch die Haare machen, die Nägel machen, und so weiter. Ist doch klar, dass das was besonderes ist!" Ich hatte keine Ahnung, was ich darauf antworten sollte. "Das muss dir doch auch nicht peinlich sein, dass dir das Spaß gemacht hat. Ist doch ganz normal!" Der Verlauf des Gesprächs gefiel mir überhaupt nicht. Sie tat das, wenn überhaupt, als schräges Hobby ab. Ich hätte einschreiten müssen, ihr sagen, dass sie da was falsch verstanden hat, dass da mehr ist. Aber ich war sprachlos. Ich hatte die möglichen Gespräche so oft durchgekaut, dass ich dachte, auf alles vorbereitet zu sein. Aber mit dieser Gleichgültigkeit erwischte sie mich völlig auf dem falschen Fuß. Ich verfiel in alte Muster, Schadensbegrenzung, Rückzug war angesagt. Ich widersprach ihr nicht. Es war, so wirkte es in dem Moment, alles umsonst gewesen. Sie verstand es nicht oder wollte es nicht verstehen. Statt das Richtige zu tun und die Kraft aufzubringen, ihr meine Sicht auf die Dinge zu erklären, ging ich den Weg des geringsten Widerstandes und knickte ein. Damit war das Gespräch dann auch schon beendet.
Heute weiß ich, dass ihre Reaktion reiner Selbstschutz war. Sie wollte es nicht wahrhaben. Sie hätte die Dimension meiner "Macke", die mehr ist als das, schon zu diesem Zeitpunkt verstehen können, aber sie weigerte sich. Im Grunde verfolgte sie die gleichen Denkmuster wie ich zwei Jahre vorher: Ist vielleicht nur eine Phase. Geht bestimmt wieder weg. Könnte man ja mal an Fasching machen, lustiger Gag, aber sonst"¦ Ich kann es ihr nicht verübeln. Ich wäre an der Stelle am Zug gewesen, die Dinge geradezurücken. Aber ich traute mich wie gesagt nicht und begnügte mich damit, dass sie den Grundgedanken nicht völlig krank oder pervers fand.
Diese nicht völlige Ablehnung meiner Bedürfnisse machte mir ein wenig Hoffnung und war, neben dem zumindest angeknacksten, aber immer noch dicken Eis, das einzig positive Resultat dieses Gesprächsversuchs. Ich schöpfte den Mut daraus, zumindest das Verkleidungsspiel noch etwas auszureizen. Als der nächste Fasching vor der Tür stand, ging ich zum ersten Mal recht offensiv an das Thema heran. Es war wie bisher: In einem geschützten Umfeld, in dem man sich zur Not auf den Spaßfaktor berufen kann, konnte ich viel freier meine weibliche Seite zeigen als sonst. Nur dass ich mich jetzt, wo zumindest ein paar Karten auf dem Tisch lagen, auch traute, Initiative zu zeigen. Wir sprachen über mögliche Kostüme und ich musste nicht versuchen, das Gespräch geschickt zu lenken, sondern schlug einfach vor, als Frau zu gehen. Meine Freundin wusste ja jetzt sowieso, dass es mir gefiel, also hatte ich nichts zu verlieren. Sie willigte ein, schneller als gedacht. Es war überhaupt kein Thema. Sogar meinen Eltern erzählten wir beiläufig davon, dass ich als Frau gehen würde. Wir beratschlagten uns schon, wessen Klamotten und Schuhe ich tragen könnte, weil mir ihre ja nicht passten. Es lief alles perfekt, und ich freundete mich schon mit dem Gedanken an, dass es auf diese Weise funktionieren könnte. Dann eben doch nur zu besonderen Anlässen, mal an Fasching, mal zu einer Mottoparty, das musste reichen.
Aber es reichte nicht. Wir waren terminlich verhindert und konnten an Fasching nicht in unsere Heimat, eine kleine Faschingshochburg im Vergleich zur öden Großstadt, in der wir lebten. Dort waren kaum Veranstaltungen, und die reizten uns auch nicht wirklich. Unsere Kostümideen wurden aufs nächste Jahr vertagt und mir wurde schnell wieder klar, dass es auf diese Weise doch nicht funktionieren würde. Und so war ich schnell wieder da, wo ich eigentlich nicht mehr hinwollte: auf der Berg- und Talbahn von guten und schlechten Phasen, ständig zwischen Verdrängung und endgültigem Outing.
An jenem Abend in 2017 fragte mich meine Freundin nach einer Rückenmassage. Relativ schnell beschloss ich, in dieser ruhigen Situation das Thema anzusprechen. Ich hatte ein, zwei Stunden Zeit, mich moralisch auf das Gespräch vorzubereiten und war fest entschlossen, es dieses Mal durchzuziehen. Ich gab mir viel Mühe, zündete einige Kerzen an und sorgte für eine entspannte Atmosphäre. Meine Freundin verdächtigte mich schon, etwas anderes im Sinn zu haben. Doch es kam natürlich anders.
Ich massierte sie für etwa zehn Minuten, ohne etwas zu sagen. Es fiel mir auch in diesem Moment immer noch sehr schwer. Ein falscher Gedanke, ein Wort zu einem anderen Thema von ihrer Seite, ein Stressmoment oder eine kleine Meinungsverschiedenheit im Vorfeld hätten gereicht, um mich zum Schweigen zu bringen. Aber an diesem Abend musste es sein. Mein Herz klopfte so laut, dass ich Angst hatte, sie würde es hören. Ich war unendlich nervös. "Erinnerst du dich noch an die Mottowoche, als ich als Frau verkleidet war?", fragte ich mit brüchiger Stimme. "Na klar!" Die schnelle und unbekümmerte Antwort war genau das, was ich brauchte. "Weißt du auch noch, als ich nach der letzten Ferienfreizeit sagte, wie viel Spaß mir das gemacht hat?" Dieses Mal bejahte sie schon zögerlicher, mit fragendem Unterton. Aber es gab zum Glück kein zurück mehr.
Von hier startete ich einen langen Monolog, der immer wieder von sehr langen Pausen unterbrochen war. Ich sagte ihr, dass ich oft an diese Erlebnisse denken muss. Dass es mir jedes mal wirklich großen Spaß gemacht hat. Dass ich manchmal diese Sehnsucht habe: die Sehnsucht, es nochmal zu tun. Mich, ja, das klingt vielleicht komisch, nochmal als Frau zu verkleiden. Meine Freundin antwortete nichts. Ich erzählte und massierte einfach weiter. Dass ich es mir selbst nicht wirklich erklären könne. Dass das Bedürfnis irgendwann einfach da war. Dass ich alles Äußerliche an Frauen einfach spannend finde: die lackierten Nägel, die hohen Schuhe, Kleider, Röcke, Strumpfhosen, Unterwäsche und natürlich die Schminke. Dass es mich deshalb reizt, diese Dinge selbst zu tragen. Auch wenn das alles irgendwie aus mir herausbrach und ich stundenlang hätte erzählen können, so redete ich doch sehr langsam, mit vielen Pausen und sehr bedacht. Ich legte jedes Wort auf die Goldwaage, wollte bloß keinen falschen Eindruck erwecken oder sie einschüchtern, wartete immer auch auf eine vermeintliche Antwort. Aber meine Freundin schwieg. Erst als ich nicht mehr wusste, was ich sagen soll und langsam auch keine Kraft mehr zum Massieren hatte, fragte ich aktiv nach einer Antwort. Erst da wurde mir klar, dass sie beinahe schon schlief. Ich fragte sie, ob sie überhaupt alles mitbekommen habe. Sie bestätigte müde, schon im Halbschlaf, dann war sie endgültig eingeschlafen.
Ich war im ersten Moment sauer, weil es so ein wichtiger Moment für mich war, und ihr war er es nicht wert, wach zu bleiben. Auf der anderen Seite konnte sie ja nicht wissen, worauf die Massage herauslaufen sollte. Es war ein langer, harter Tag gewesen, und ich konnte ihr einfach nicht böse sein, auch weil mir klar war, wie müde sie gewesen sein musste. Auch ich legte mich schlafen, mit einem mulmigen, gemischten Gefühl. Ich war extrem erleichtert, ihr endlich davon erzählt zu haben und auch ein bisschen stolz auf mich, dass ich mich endlich getraut habe. Trotzdem hing ich wieder einmal in der Luft. Ich dachte mir noch, dass es so schlimm nicht sein könnte für sie, sonst wäre sie ja nicht eingeschlafen, aber ich hatte auch Angst vor dem nächsten Morgen. Irgendwie hätte ich gern gleich eine Antwort gehabt. Rückblickend war es vielleicht gar kein so schlechtes Timing wie zuerst angenommen, weil die Katze aus dem Sack war und erst mal keine Konfrontation im engeren Sinn stattfand. Das Thema wurde in den Raum geworfen, ohne dass einer von uns den anderen im Schock verletzen oder irrationale Entscheidungen fällen konnte. Trotzdem war ich weiterhin nervös, denn den schwierigeren Teil des Gesprächs erwartete ich noch.
Der nächste Morgen begann wie gewohnt. Wir wachten auf, ich setzte Kaffee auf, ging ins Bad. Keiner verlor auch nur ein Wort über den vorherigen Abend. Mit etwas Abstand war mir das alles sehr peinlich. Zwischendurch dachte ich schon, sie hätte meinen Monolog doch nicht mehr mitbekommen. Ich hoffte sogar darauf. In meiner altbekannten Manier, alles zu zerdenken, schlussfolgerte ich aus ihrer Nichtreaktion blankes Desinteresse, vielleicht sogar Angst oder Fremdscham vor meiner weiblichen Seite. Ich beschloss schnell, das Thema von mir aus erst mal nicht mehr anzusprechen. Das wäre wieder mal ein riesengroßer Fehler gewesen, aber zum Glück kam es wieder anders. Als ich ihr den fertigen Kaffee brachte, eröffnete meine Freundin das Gespräch. Sie müsse jetzt doch nochmal nachfragen. Ich habe da gestern Dinge gesagt, die sie nicht ganz versteht. Etwas nach dem Motto "Sehnsucht, sich als Frau zu verkleiden"? Es tue ihr Leid, dass sie eingeschlafen war und sich deshalb nicht alles gemerkt hat, das habe nichts mit dem Thema oder mit mir zu tun. Aber sie wolle jetzt doch wissen, was es damit genau auf sich habe.
Da saßen wir nun wieder. Ich wiederholte im Großen und Ganzen den Monolog des Vortages, nur schneller und präziser. Wir sprachen über die Mottowoche und dass sie mir die Freude an dem Tag damals angemerkt hatte. Doch es geschah etwas merkwürdiges. Etwas, das ich nie erwartet hätte und was ich von ihr auch so nicht kannte: Sie wischte das Thema weg. Ich war mehr oder weniger machtlos. "Ja, das ist natürlich aufregend für euch Jungs, wenn ihr mal eine Frau sein könnt. Das sind ja lauter Sachen, die ihr sonst nie macht. Da könnt ihr euch die Haare machen, die Nägel machen, und so weiter. Ist doch klar, dass das was besonderes ist!" Ich hatte keine Ahnung, was ich darauf antworten sollte. "Das muss dir doch auch nicht peinlich sein, dass dir das Spaß gemacht hat. Ist doch ganz normal!" Der Verlauf des Gesprächs gefiel mir überhaupt nicht. Sie tat das, wenn überhaupt, als schräges Hobby ab. Ich hätte einschreiten müssen, ihr sagen, dass sie da was falsch verstanden hat, dass da mehr ist. Aber ich war sprachlos. Ich hatte die möglichen Gespräche so oft durchgekaut, dass ich dachte, auf alles vorbereitet zu sein. Aber mit dieser Gleichgültigkeit erwischte sie mich völlig auf dem falschen Fuß. Ich verfiel in alte Muster, Schadensbegrenzung, Rückzug war angesagt. Ich widersprach ihr nicht. Es war, so wirkte es in dem Moment, alles umsonst gewesen. Sie verstand es nicht oder wollte es nicht verstehen. Statt das Richtige zu tun und die Kraft aufzubringen, ihr meine Sicht auf die Dinge zu erklären, ging ich den Weg des geringsten Widerstandes und knickte ein. Damit war das Gespräch dann auch schon beendet.
Heute weiß ich, dass ihre Reaktion reiner Selbstschutz war. Sie wollte es nicht wahrhaben. Sie hätte die Dimension meiner "Macke", die mehr ist als das, schon zu diesem Zeitpunkt verstehen können, aber sie weigerte sich. Im Grunde verfolgte sie die gleichen Denkmuster wie ich zwei Jahre vorher: Ist vielleicht nur eine Phase. Geht bestimmt wieder weg. Könnte man ja mal an Fasching machen, lustiger Gag, aber sonst"¦ Ich kann es ihr nicht verübeln. Ich wäre an der Stelle am Zug gewesen, die Dinge geradezurücken. Aber ich traute mich wie gesagt nicht und begnügte mich damit, dass sie den Grundgedanken nicht völlig krank oder pervers fand.
Diese nicht völlige Ablehnung meiner Bedürfnisse machte mir ein wenig Hoffnung und war, neben dem zumindest angeknacksten, aber immer noch dicken Eis, das einzig positive Resultat dieses Gesprächsversuchs. Ich schöpfte den Mut daraus, zumindest das Verkleidungsspiel noch etwas auszureizen. Als der nächste Fasching vor der Tür stand, ging ich zum ersten Mal recht offensiv an das Thema heran. Es war wie bisher: In einem geschützten Umfeld, in dem man sich zur Not auf den Spaßfaktor berufen kann, konnte ich viel freier meine weibliche Seite zeigen als sonst. Nur dass ich mich jetzt, wo zumindest ein paar Karten auf dem Tisch lagen, auch traute, Initiative zu zeigen. Wir sprachen über mögliche Kostüme und ich musste nicht versuchen, das Gespräch geschickt zu lenken, sondern schlug einfach vor, als Frau zu gehen. Meine Freundin wusste ja jetzt sowieso, dass es mir gefiel, also hatte ich nichts zu verlieren. Sie willigte ein, schneller als gedacht. Es war überhaupt kein Thema. Sogar meinen Eltern erzählten wir beiläufig davon, dass ich als Frau gehen würde. Wir beratschlagten uns schon, wessen Klamotten und Schuhe ich tragen könnte, weil mir ihre ja nicht passten. Es lief alles perfekt, und ich freundete mich schon mit dem Gedanken an, dass es auf diese Weise funktionieren könnte. Dann eben doch nur zu besonderen Anlässen, mal an Fasching, mal zu einer Mottoparty, das musste reichen.
Aber es reichte nicht. Wir waren terminlich verhindert und konnten an Fasching nicht in unsere Heimat, eine kleine Faschingshochburg im Vergleich zur öden Großstadt, in der wir lebten. Dort waren kaum Veranstaltungen, und die reizten uns auch nicht wirklich. Unsere Kostümideen wurden aufs nächste Jahr vertagt und mir wurde schnell wieder klar, dass es auf diese Weise doch nicht funktionieren würde. Und so war ich schnell wieder da, wo ich eigentlich nicht mehr hinwollte: auf der Berg- und Talbahn von guten und schlechten Phasen, ständig zwischen Verdrängung und endgültigem Outing.
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Re: Melissas Memoiren
Hallo Melissa,
es war wieder sehr schön das nächste Kapitel deines Lebens zu lesen. An der einen und anderen Stelle habe ich mich voll wiedergefunden.
Ich wünsche dir für das neue Jahr und die Zukunft nur das Beste.
Liebe Grüße
Kathrin
es war wieder sehr schön das nächste Kapitel deines Lebens zu lesen. An der einen und anderen Stelle habe ich mich voll wiedergefunden.
Ich wünsche dir für das neue Jahr und die Zukunft nur das Beste.
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Re: Melissas Memoiren
Danke, liebe Kathrin, wünsche ich dir auch!
Ich denke, dass es vielen so geht. Das Outing und die Folgen ist ja immer wieder Thema in verschiedenen Threads und Vorstellungen. Deshalb war es mir auch sehr wichtig, mein Empfinden möglichst nachvollziehbar zu rekonstruieren. Vieles wirkt ja auf mich selbst aus der Retrospektive irrational und es ist gar nicht so einfach, das dann rational zu erklären. Auf der anderen Seite werden andere Betroffene jeweils ziemlich genau wissen, was ich meine. Zum Mut machen hat diese Katastrophe von Erstgespräch zwar noch nicht gereicht, aber ich hoffe das kommt noch.
Liebe Grüße,
Melissa
Ich denke, dass es vielen so geht. Das Outing und die Folgen ist ja immer wieder Thema in verschiedenen Threads und Vorstellungen. Deshalb war es mir auch sehr wichtig, mein Empfinden möglichst nachvollziehbar zu rekonstruieren. Vieles wirkt ja auf mich selbst aus der Retrospektive irrational und es ist gar nicht so einfach, das dann rational zu erklären. Auf der anderen Seite werden andere Betroffene jeweils ziemlich genau wissen, was ich meine. Zum Mut machen hat diese Katastrophe von Erstgespräch zwar noch nicht gereicht, aber ich hoffe das kommt noch.
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Re: Melissas Memoiren
Halllo meine liebe Melissa,
ich denke du bekommst es ganz prima hin alles rational zu erklären.
Für mich ist mein Erstgespäch (vor 6 Jahren) nachdem auch ich ewig gebraucht habe meinen Mut zusammen zu fassen und der Moment gepasst hat noch schlechter wie für dich verlaufen.
Daher bin ich umso gespanter auf den nächsten Eintrag im Therad deiner Memoiren.
Bleib schön gesund.
Liebe Grüße
Kathrin
ich denke du bekommst es ganz prima hin alles rational zu erklären.
Ich denke schon das du mit deinem Beitrag der einen oder anderen Person schon irgendwie indrirekt Mut gemacht hast. Denn damit hast du gezeigt das ein Outing nicht immer glatt und geradlinig über die Bühne gehen kann und muss. Ebenso zeigst du uns und mir damit das es durchaus auch für ein Outing einen zweiten Versuch geben kann.manchmal_melissa hat geschrieben: Do 6. Jan 2022, 14:13 Zum Mut machen hat diese Katastrophe von Erstgespräch zwar noch nicht gereicht, aber ich hoffe das kommt noch.
Für mich ist mein Erstgespäch (vor 6 Jahren) nachdem auch ich ewig gebraucht habe meinen Mut zusammen zu fassen und der Moment gepasst hat noch schlechter wie für dich verlaufen.
Daher bin ich umso gespanter auf den nächsten Eintrag im Therad deiner Memoiren.
Bleib schön gesund.
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Kathrin
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Re: Melissas Memoiren
Der Nagellackentferner - Teil 1
Auch wenn es noch in meiner Macht gestanden hätte, die Dinge aus eigener Kraft zum Guten zu wenden, kann man das gescheiterte Gespräch wohl als tragisch bezeichnen. Ich hätte auf so viele mögliche Fragen eine gut reflektierte Antwort parat gehabt, aber auf diesen Verlauf war ich einfach nicht vorbereitet gewesen. Er brachte genau die Ängste und Zweifel wieder zurück, gegen die ich zuvor mühsam angekämpft hatte. Und der negative Ausgang lähmte mich noch mehr als zuvor, das erneute Gespräch zu suchen. Vorher hatte ich mir irgendwann eine gesunde, wenn auch furchtbar naive Nichts-zu-verlieren-Mentalität aufgebaut, danach war davon nur ein Scherbenhaufen übrig. Ich hatte alles zu verlieren. Es war durchaus möglich, dass sich hinter dem Desinteresse eine Ablehnung verbarg, die sich bei erneutem Nachhaken oder einer weiteren Öffnung gegen meine Person wenden könnte. Davor hatte ich panische Angst. Also zog ich mich erneut tief zurück, wir schwiegen das Thema tot und ich grübelte weiter.
Wie bereits geschrieben kam ich schnell zu dem Entschluss, dass ich ohne meine weibliche Seite nicht kann und ihr ein Ausleben unter dem Radar nicht gerecht würde. Mir war klar, dass alles auf ein weiteres Gespräch herauslief, dass wir einen gemeinsamen Umgang mit dem Thema finden mussten. Ich hoffte nur inständig, dass dieser Umgang nicht aus einer Trennung bestand. Nicht falsch verstehen: Ich glaube nicht daran, dass für alle von uns der eine Mensch vorbestimmt ist, mit dem man sein ganzes Leben verbringt. Dafür sind die Dinge zu komplex und volatil. Wir leben mit ständigen Veränderungen unseres Umfelds, unserer Beziehungen, da kann es schonmal vorkommen, dass ein Mensch heute vertraut und morgen fremd wirkt. Es mag auch Beziehungen geben, in denen das Crossdressing nur eines von vielen Themen ist, die zwischen den Partnern stehen. Bei uns war das aber alles nicht so. Wenn ich zuvor schrieb, dass der Rest meines Lebens super lief, meinte ich damit immer auch unsere Beziehung. Wir waren und sind einfach ein super Team, ergänzen uns großartig und kommen verdammt nah an die Idealvorstellung der "Seelenverwandtschaft" heran. Ich glaubte und glaube nicht, noch einmal eine Frau finden zu können, die mich so gut versteht und mir so viel gibt. Es war eigentlich alles perfekt. Und genau da lag das Problem: Alles war gut, eigentlich, aber das Crossdressing stand zwischen uns. Es war das einzige Thema, das aus meiner Sicht das Potential hatte, uns auseinander zu bringen. Dieser eine Fehler im System drohte alles andere zu gefährden. Meine Freundin gab das zu dem Zeitpunkt noch nicht zu, aber sie spürte, dass da mehr war. Ich wusste es sowieso. Aber ich hatte solche Angst sie zu verlieren, gerade nach dem missglückten Gespräch, dass ich es von nun an noch viel schwerer hatte. Auch sie hatte diese Ängste, weshalb sie lieber hoffte, das Thema vergessen zu können, als mich um Aufklärung zu bitten.
Dieser Konflikt, Crossdressing gegen Beziehung, spitzte sich immer mehr zu. Die Zwickmühle, in der ich seit Jahren feststeckte, wurde immer enger. Es fühlte sich an, als müsste ich entweder meine Beziehung oder meine weibliche Seite aufgeben. Aber so einen Teil von sich selbst, seine Identität, die kann man nicht aufgeben. Crossdressing ist kein Hobby, obwohl ich es selbst schon so bezeichnet habe, um es irgendwie erklärbar zu machen. Crossdressing ist (in meinem Fall) der Ausdruck einer Form von Transidentität. Diese Frau in mir, sie ist immer da. Mal ist sie stärker, mal schwächer, aber sie ist ein Teil von mir. Ich bin diese Frau. Aber ich bin eben auch und vor allem ein Mann. Meistens sogar. Ich fühle mich wohl in meiner Haut. Nur manchmal braucht diese Frau, braucht meine weibliche Seite, brauche ich mehr Raum. Dann muss ich mich und meine Identität entfalten können. Schöne Dinge tragen, meinen Körper pflegen, mich weiblich fühlen und komplett zur Frau verwandeln. Es ist ein Grundbedürfnis. Und Grundbedürfnisse gehen nie weg. Man kann sie ignorieren, man kommt auch eine Zeit lang klar, aber irgendwann kommen sie zurück. Das alles wurde mir zu diesem Zeitpunkt immer bewusster und es jagte mir extrem große Angst ein, weil es mit meiner Beziehung unvereinbar schien. So unendlich leid es mir für meine Freundin tat, mich gab es nur im Doppelpack. Es blieb nur noch zu hoffen, dass sie mich akzeptiert, wie ich bin.
Während ich das klärende Gespräch mit meiner Freundin vor mir herschob, wurde das Verlangen, mich als Frau zurechtzumachen, wieder immer größer. Wie schon zuvor spukte der Gedanke immer mehr in meinem Kopf herum, ich war beinahe auf jede gepflegte Frau in der S-Bahn neidisch und träumte nachts auch immer öfter davon, mich endlich nochmal zu verwandeln. Durch meine Gelähmtheit und zusätzlichen Stress in Studium und Beruf passierte wieder monatelang nichts, außer dass ich mir regelmäßig den Kopf darüber zerbrach und mich immer mehr vor einer Konfrontation fürchtete. Es gab wieder mehrere Tage, an denen ich mir auf dem Heimweg von der Arbeit fest vorgenommen hatte: "Heute spreche ich es an!" Aber es kam nie dazu. Ich ließ mich immer von Kleinigkeiten entmutigen oder vertagte es auf später, morgen, übermorgen"¦
Falls das manchen wie eine Wiederholung vorkommt, würde mich das nicht wundern. Es war wie schon oft zuvor, und es war gefühlt ausweglos. Ich steckte fest. Einfach drüber reden, das wäre die Lösung gewesen, das raten wir hier oft anderen Betroffenen in der gleichen Situation, aber es ging nicht. Ich konnte nicht darüber reden. Ich will nicht ausschließen, dass ich es vielleicht irgendwann geschafft hätte, aber das hätte noch Monate, vielleicht Jahre gedauert. Genauso gut hätte ich mein Geheimnis auch mit uns Grab nehmen können. Zu groß war die Angst, nicht akzeptiert zu werden. Ich konnte ja keine Alternative anbieten. Ich bin so, leb damit, oder geh. Diese Ausweglosigkeit verletzte mich. Und meine Freundin, das wusste ich, würde ich damit nur noch mehr verletzen.
Meiner weibliche Seite aber passte der Stillstand überhaupt nicht. Sie rang immer mehr nach Luft, versuchte sich freizuschwimmen, wollte endlich wieder raus. Und so kam es, wie es kommen musste: Sie brach sich einfach Bahn...
Auch wenn es noch in meiner Macht gestanden hätte, die Dinge aus eigener Kraft zum Guten zu wenden, kann man das gescheiterte Gespräch wohl als tragisch bezeichnen. Ich hätte auf so viele mögliche Fragen eine gut reflektierte Antwort parat gehabt, aber auf diesen Verlauf war ich einfach nicht vorbereitet gewesen. Er brachte genau die Ängste und Zweifel wieder zurück, gegen die ich zuvor mühsam angekämpft hatte. Und der negative Ausgang lähmte mich noch mehr als zuvor, das erneute Gespräch zu suchen. Vorher hatte ich mir irgendwann eine gesunde, wenn auch furchtbar naive Nichts-zu-verlieren-Mentalität aufgebaut, danach war davon nur ein Scherbenhaufen übrig. Ich hatte alles zu verlieren. Es war durchaus möglich, dass sich hinter dem Desinteresse eine Ablehnung verbarg, die sich bei erneutem Nachhaken oder einer weiteren Öffnung gegen meine Person wenden könnte. Davor hatte ich panische Angst. Also zog ich mich erneut tief zurück, wir schwiegen das Thema tot und ich grübelte weiter.
Wie bereits geschrieben kam ich schnell zu dem Entschluss, dass ich ohne meine weibliche Seite nicht kann und ihr ein Ausleben unter dem Radar nicht gerecht würde. Mir war klar, dass alles auf ein weiteres Gespräch herauslief, dass wir einen gemeinsamen Umgang mit dem Thema finden mussten. Ich hoffte nur inständig, dass dieser Umgang nicht aus einer Trennung bestand. Nicht falsch verstehen: Ich glaube nicht daran, dass für alle von uns der eine Mensch vorbestimmt ist, mit dem man sein ganzes Leben verbringt. Dafür sind die Dinge zu komplex und volatil. Wir leben mit ständigen Veränderungen unseres Umfelds, unserer Beziehungen, da kann es schonmal vorkommen, dass ein Mensch heute vertraut und morgen fremd wirkt. Es mag auch Beziehungen geben, in denen das Crossdressing nur eines von vielen Themen ist, die zwischen den Partnern stehen. Bei uns war das aber alles nicht so. Wenn ich zuvor schrieb, dass der Rest meines Lebens super lief, meinte ich damit immer auch unsere Beziehung. Wir waren und sind einfach ein super Team, ergänzen uns großartig und kommen verdammt nah an die Idealvorstellung der "Seelenverwandtschaft" heran. Ich glaubte und glaube nicht, noch einmal eine Frau finden zu können, die mich so gut versteht und mir so viel gibt. Es war eigentlich alles perfekt. Und genau da lag das Problem: Alles war gut, eigentlich, aber das Crossdressing stand zwischen uns. Es war das einzige Thema, das aus meiner Sicht das Potential hatte, uns auseinander zu bringen. Dieser eine Fehler im System drohte alles andere zu gefährden. Meine Freundin gab das zu dem Zeitpunkt noch nicht zu, aber sie spürte, dass da mehr war. Ich wusste es sowieso. Aber ich hatte solche Angst sie zu verlieren, gerade nach dem missglückten Gespräch, dass ich es von nun an noch viel schwerer hatte. Auch sie hatte diese Ängste, weshalb sie lieber hoffte, das Thema vergessen zu können, als mich um Aufklärung zu bitten.
Dieser Konflikt, Crossdressing gegen Beziehung, spitzte sich immer mehr zu. Die Zwickmühle, in der ich seit Jahren feststeckte, wurde immer enger. Es fühlte sich an, als müsste ich entweder meine Beziehung oder meine weibliche Seite aufgeben. Aber so einen Teil von sich selbst, seine Identität, die kann man nicht aufgeben. Crossdressing ist kein Hobby, obwohl ich es selbst schon so bezeichnet habe, um es irgendwie erklärbar zu machen. Crossdressing ist (in meinem Fall) der Ausdruck einer Form von Transidentität. Diese Frau in mir, sie ist immer da. Mal ist sie stärker, mal schwächer, aber sie ist ein Teil von mir. Ich bin diese Frau. Aber ich bin eben auch und vor allem ein Mann. Meistens sogar. Ich fühle mich wohl in meiner Haut. Nur manchmal braucht diese Frau, braucht meine weibliche Seite, brauche ich mehr Raum. Dann muss ich mich und meine Identität entfalten können. Schöne Dinge tragen, meinen Körper pflegen, mich weiblich fühlen und komplett zur Frau verwandeln. Es ist ein Grundbedürfnis. Und Grundbedürfnisse gehen nie weg. Man kann sie ignorieren, man kommt auch eine Zeit lang klar, aber irgendwann kommen sie zurück. Das alles wurde mir zu diesem Zeitpunkt immer bewusster und es jagte mir extrem große Angst ein, weil es mit meiner Beziehung unvereinbar schien. So unendlich leid es mir für meine Freundin tat, mich gab es nur im Doppelpack. Es blieb nur noch zu hoffen, dass sie mich akzeptiert, wie ich bin.
Während ich das klärende Gespräch mit meiner Freundin vor mir herschob, wurde das Verlangen, mich als Frau zurechtzumachen, wieder immer größer. Wie schon zuvor spukte der Gedanke immer mehr in meinem Kopf herum, ich war beinahe auf jede gepflegte Frau in der S-Bahn neidisch und träumte nachts auch immer öfter davon, mich endlich nochmal zu verwandeln. Durch meine Gelähmtheit und zusätzlichen Stress in Studium und Beruf passierte wieder monatelang nichts, außer dass ich mir regelmäßig den Kopf darüber zerbrach und mich immer mehr vor einer Konfrontation fürchtete. Es gab wieder mehrere Tage, an denen ich mir auf dem Heimweg von der Arbeit fest vorgenommen hatte: "Heute spreche ich es an!" Aber es kam nie dazu. Ich ließ mich immer von Kleinigkeiten entmutigen oder vertagte es auf später, morgen, übermorgen"¦
Falls das manchen wie eine Wiederholung vorkommt, würde mich das nicht wundern. Es war wie schon oft zuvor, und es war gefühlt ausweglos. Ich steckte fest. Einfach drüber reden, das wäre die Lösung gewesen, das raten wir hier oft anderen Betroffenen in der gleichen Situation, aber es ging nicht. Ich konnte nicht darüber reden. Ich will nicht ausschließen, dass ich es vielleicht irgendwann geschafft hätte, aber das hätte noch Monate, vielleicht Jahre gedauert. Genauso gut hätte ich mein Geheimnis auch mit uns Grab nehmen können. Zu groß war die Angst, nicht akzeptiert zu werden. Ich konnte ja keine Alternative anbieten. Ich bin so, leb damit, oder geh. Diese Ausweglosigkeit verletzte mich. Und meine Freundin, das wusste ich, würde ich damit nur noch mehr verletzen.
Meiner weibliche Seite aber passte der Stillstand überhaupt nicht. Sie rang immer mehr nach Luft, versuchte sich freizuschwimmen, wollte endlich wieder raus. Und so kam es, wie es kommen musste: Sie brach sich einfach Bahn...
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Re: Melissas Memoiren
Liebe Melissa,
ich bleibe dabei, du schreibst mir wirlich aus der Seele.
Denn auch in diesem Abschnitt habe ich mich wiedergefunden.
Ganz liebe Grüße
Kathrin
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Re: Melissas Memoiren
Hi Kathrin,
Dann bin ich mal gespannt, ob das so weitergeht. Hast du mal überlegt, auch deine Geschichte aufzuschreiben? Es würde mich interessieren, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen und warum es sich so unterschiedlich entwickelt hat.
Liebe Grüße,
Melissa
Dann bin ich mal gespannt, ob das so weitergeht. Hast du mal überlegt, auch deine Geschichte aufzuschreiben? Es würde mich interessieren, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen und warum es sich so unterschiedlich entwickelt hat.
Liebe Grüße,
Melissa
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Re: Melissas Memoiren
Hi Melissa,
ich habe darüber eigentlich noch nicht nachgedacht. Jedoch kann ich das wirklich mal anfangen. Ich werde das dann aber bestimmt nicht als Thread machen, dann als PN.
Liebe Grüße
Kathrin
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Re: Melissas Memoiren
Der Nagellackentferner - Teil 2
Zwischen 2018 und 2019 musste meine Freundin für mehrere Monate beruflich in eine andere Stadt. Ich beschloss schnell, sie auf keinen Fall vorher oder währenddessen auf das Thema anzusprechen. Ich wollte unbedingt verhindern, dass sie weit weg ist und sich irgendetwas beängstigendes ausmalt, während ich allein zu Hause bin. Diese Distanz wollte ich von vornherein vermeiden. Ich wollte die Zeit nutzen, mir in Ruhe Gedanken zu dem Thema machen, mich perfekt vorbereiten, und wenn sie wiederkommen würde, nicht direkt, aber ein paar Wochen später, würde ich es nochmal versuchen. Soweit der offizielle Plan, den ich mir immer wieder einredete. Aber abgesehen davon, dass ich es wahrscheinlich doch wieder nicht geschafft hätte, den Mund aufzumachen, war das Kind da schon in den Brunnen gefallen. Seitdem klar war, dass sie länger weg sein würde, gärte in meinem Hinterkopf eine Idee, gegen die ich ankämpfte, aber nach all der Unterdrückung keine Chance hatte.
Wenn sie weg ist, dann könnte ich doch"¦
Ich wehrte mich lange gegen diesen Gedanken, versuchte ihn wegzuschieben. Ganze drei Wochen lang schaffte ich das. Ich wusste, dass es falsch wäre, etwas hinter ihrem Rücken zu tun. Aber irgendwann knickte ich ein. Es war zu viel geworden. Die Möglichkeit, mich endlich, wenn auch begrenzt, ausleben zu können, fraß sich immer mehr in meine Gedanken. Meine Freundin hatte zwar die meisten Sachen mitgenommen, aber ihren großen Fundus an verschiedenen Nagellacken hatte sie dagelassen, sogar meine Lieblingsfarbe. Das sollte es werden. Endlich nochmal die Nägel hübsch lackieren. Das stellte ich mir ohne Erfahrung auch deutlich einfacher vor, als mich z.B. zu schminken. Wäre ja nicht so wild, könnte man einfach wieder rückgängig machen, würde keiner merken. Keine Klamotten, die ich zerreißen, keine Absätze, die ich abbrechen könnte. Es schien perfekt, um meiner großen Angst, erwischt zu werden, zu entkommen.
Ich ließ also für ein paar Wochen still und heimlich meine Nägel wachsen, damit sie schön lang waren und möglichst weiblich aussahen. Kurz, bevor ich es endlich tun wollte, fiel mir irgendwann die unangenehme Situation nach Laras Übernachtungsparty wieder ein. Ich musste das Zeug ja auch irgendwie wieder abbekommen. Dieser Einfall rettete mich vor einer Blamage, denn meine Freundin hatte für sich genau eine Nagellackfarbe zusammen mit dem Nagellackentferner mitgenommen. Aber er stellte mich natürlich auch vor ein Problem: Mir fehlte der Entferner. Spätestens an der Stelle stand mein Vorhaben nochmal auf der Kippe. Ich wollte ja auf keinen Fall, dass man mich erwischen kann. Aber ich musste definitiv einen Nagellackentferner kaufen, um meinen Plan in die Tat umzusetzen. Diese kleine Hürde ließ mich ernsthaft überlegen, es sein zu lassen. Ein Teil von mir wusste auch weiterhin, dass es meiner Freundin gegenüber nicht fair ist, aber der andere Teil wollte es unbedingt. Es war zu spät. Ich war so nah dran, die Vorfreude war schon so groß, ich konnte nicht mehr zurück. Das aufgestaute Verlangen von mehreren Jahren hatte mich fest im Griff. Ich musste mir endlich die Nägel lackieren. Ich musste diesen Nagellackentferner haben.
Ein paar Tage später fuhr ich eigens für mein Vorhaben zu dm. Heute würde ich das auch nicht mehr so machen, ist es doch viel unauffälliger, wenn man noch zusätzlich ein paar Dinge für den täglichen Bedarf kauft. Ich war entsprechend nervös und redete mir ständig ein: "Was ist schon dabei? Ich bin eben ein junger Mann, der für seine Freundin einen Nagellackentferner kauft." Trotzdem klopfte mein Herz wie verrückt und ich wandelte sehr gehetzt durch den Drogeriemarkt. Glücklicherweise wusste ich, wo der Nagellack steht, ging geradewegs auf das Regal zu, schnappte mir eine Flasche Entferner der Eigenmarke und rannte danach förmlich zur Kasse. Ich wollte nur noch raus. Wahrscheinlich war mein Kopf knallrot. Die von mir erwarteten fragenden Blicke des Personals blieben natürlich aus und auch sonst interessierten sich herzlich wenig Leute für mich. Ich bezahlte sogar noch in bar, damit mein Einzelkauf noch nicht mal auf irgendwelchen Kontoauszügen auffallen würde, so paranoid war ich. Danach fuhr ich zitternd nach Hause. Das alles war so unfassbar aufregend. Zu Hause schritt ich direkt zur Tat, ließ alles andere stehen und liegen. Ich holte den pinken Nagellack aus seiner Box, riss etwas Klopapier zum Unterlegen ab und wollte loslegen. Meine Hände zitterten heftig. Ich musste mehrfach wieder absetzen, bevor ich überhaupt den ersten Pinselstrich machen konnte. Ich versuchte mich zu beruhigen, atmete tief durch, und konnte irgendwann endlich beginnen.
Es war nochmal ganz anders, es selbst zu tun. Mir wurden ja vorher schon zweimal die Nägel lackiert, bei Lara und natürlich für die Mottowoche. Ich war geschminkt worden und hatte sogar schon ganz freiwillig und allein mein Outfit für die Mottowoche angezogen, immer und immer wieder. Aber dieses Mal war das erste Mal, dass ich selbst, völlig frei und ohne äußere Einflüsse, ohne einen Anlass und aus eigenem Antrieb einen Schritt in die weibliche Welt machte. Einfach, weil ich es konnte. Einfach, weil ich es wollte. Ohne eine Ausrede parat haben zu müssen oder mich "zwingen" zu lassen. Ohne mir selbst etwas vorzumachen. Mit dem ersten Zug Nagellack auf meinem linken Daumennagel wurde mir das alles schlagartig bewusst. Ich mache das gerade wirklich! Es war einer der prägendsten Momente auf meinem Weg zur Teilzeitfrau. Dieses Gefühl der Selbstermächtigung war wie ein Rausch. So etwas hatte ich noch nie zuvor erlebt. Das Gefühl begleitete mich durch den gesamten Prozess des Lackierens, der aufgrund mangelnder Erfahrung länger dauerte als erwartet. Und auch als ich fertig war, riss es nicht ab. Ich betrachtete das Ergebnis und war glücklich. Von ein paar technischen Unsauberheiten abgesehen, sah alles ganz stimmig und weiblich aus. Ich genoss das Gefühl, auf meine Hände, auf Frauenhände zu blicken. Das war mein Werk gewesen, und es fühlte sich so richtig an"¦
Zwischen 2018 und 2019 musste meine Freundin für mehrere Monate beruflich in eine andere Stadt. Ich beschloss schnell, sie auf keinen Fall vorher oder währenddessen auf das Thema anzusprechen. Ich wollte unbedingt verhindern, dass sie weit weg ist und sich irgendetwas beängstigendes ausmalt, während ich allein zu Hause bin. Diese Distanz wollte ich von vornherein vermeiden. Ich wollte die Zeit nutzen, mir in Ruhe Gedanken zu dem Thema machen, mich perfekt vorbereiten, und wenn sie wiederkommen würde, nicht direkt, aber ein paar Wochen später, würde ich es nochmal versuchen. Soweit der offizielle Plan, den ich mir immer wieder einredete. Aber abgesehen davon, dass ich es wahrscheinlich doch wieder nicht geschafft hätte, den Mund aufzumachen, war das Kind da schon in den Brunnen gefallen. Seitdem klar war, dass sie länger weg sein würde, gärte in meinem Hinterkopf eine Idee, gegen die ich ankämpfte, aber nach all der Unterdrückung keine Chance hatte.
Wenn sie weg ist, dann könnte ich doch"¦
Ich wehrte mich lange gegen diesen Gedanken, versuchte ihn wegzuschieben. Ganze drei Wochen lang schaffte ich das. Ich wusste, dass es falsch wäre, etwas hinter ihrem Rücken zu tun. Aber irgendwann knickte ich ein. Es war zu viel geworden. Die Möglichkeit, mich endlich, wenn auch begrenzt, ausleben zu können, fraß sich immer mehr in meine Gedanken. Meine Freundin hatte zwar die meisten Sachen mitgenommen, aber ihren großen Fundus an verschiedenen Nagellacken hatte sie dagelassen, sogar meine Lieblingsfarbe. Das sollte es werden. Endlich nochmal die Nägel hübsch lackieren. Das stellte ich mir ohne Erfahrung auch deutlich einfacher vor, als mich z.B. zu schminken. Wäre ja nicht so wild, könnte man einfach wieder rückgängig machen, würde keiner merken. Keine Klamotten, die ich zerreißen, keine Absätze, die ich abbrechen könnte. Es schien perfekt, um meiner großen Angst, erwischt zu werden, zu entkommen.
Ich ließ also für ein paar Wochen still und heimlich meine Nägel wachsen, damit sie schön lang waren und möglichst weiblich aussahen. Kurz, bevor ich es endlich tun wollte, fiel mir irgendwann die unangenehme Situation nach Laras Übernachtungsparty wieder ein. Ich musste das Zeug ja auch irgendwie wieder abbekommen. Dieser Einfall rettete mich vor einer Blamage, denn meine Freundin hatte für sich genau eine Nagellackfarbe zusammen mit dem Nagellackentferner mitgenommen. Aber er stellte mich natürlich auch vor ein Problem: Mir fehlte der Entferner. Spätestens an der Stelle stand mein Vorhaben nochmal auf der Kippe. Ich wollte ja auf keinen Fall, dass man mich erwischen kann. Aber ich musste definitiv einen Nagellackentferner kaufen, um meinen Plan in die Tat umzusetzen. Diese kleine Hürde ließ mich ernsthaft überlegen, es sein zu lassen. Ein Teil von mir wusste auch weiterhin, dass es meiner Freundin gegenüber nicht fair ist, aber der andere Teil wollte es unbedingt. Es war zu spät. Ich war so nah dran, die Vorfreude war schon so groß, ich konnte nicht mehr zurück. Das aufgestaute Verlangen von mehreren Jahren hatte mich fest im Griff. Ich musste mir endlich die Nägel lackieren. Ich musste diesen Nagellackentferner haben.
Ein paar Tage später fuhr ich eigens für mein Vorhaben zu dm. Heute würde ich das auch nicht mehr so machen, ist es doch viel unauffälliger, wenn man noch zusätzlich ein paar Dinge für den täglichen Bedarf kauft. Ich war entsprechend nervös und redete mir ständig ein: "Was ist schon dabei? Ich bin eben ein junger Mann, der für seine Freundin einen Nagellackentferner kauft." Trotzdem klopfte mein Herz wie verrückt und ich wandelte sehr gehetzt durch den Drogeriemarkt. Glücklicherweise wusste ich, wo der Nagellack steht, ging geradewegs auf das Regal zu, schnappte mir eine Flasche Entferner der Eigenmarke und rannte danach förmlich zur Kasse. Ich wollte nur noch raus. Wahrscheinlich war mein Kopf knallrot. Die von mir erwarteten fragenden Blicke des Personals blieben natürlich aus und auch sonst interessierten sich herzlich wenig Leute für mich. Ich bezahlte sogar noch in bar, damit mein Einzelkauf noch nicht mal auf irgendwelchen Kontoauszügen auffallen würde, so paranoid war ich. Danach fuhr ich zitternd nach Hause. Das alles war so unfassbar aufregend. Zu Hause schritt ich direkt zur Tat, ließ alles andere stehen und liegen. Ich holte den pinken Nagellack aus seiner Box, riss etwas Klopapier zum Unterlegen ab und wollte loslegen. Meine Hände zitterten heftig. Ich musste mehrfach wieder absetzen, bevor ich überhaupt den ersten Pinselstrich machen konnte. Ich versuchte mich zu beruhigen, atmete tief durch, und konnte irgendwann endlich beginnen.
Es war nochmal ganz anders, es selbst zu tun. Mir wurden ja vorher schon zweimal die Nägel lackiert, bei Lara und natürlich für die Mottowoche. Ich war geschminkt worden und hatte sogar schon ganz freiwillig und allein mein Outfit für die Mottowoche angezogen, immer und immer wieder. Aber dieses Mal war das erste Mal, dass ich selbst, völlig frei und ohne äußere Einflüsse, ohne einen Anlass und aus eigenem Antrieb einen Schritt in die weibliche Welt machte. Einfach, weil ich es konnte. Einfach, weil ich es wollte. Ohne eine Ausrede parat haben zu müssen oder mich "zwingen" zu lassen. Ohne mir selbst etwas vorzumachen. Mit dem ersten Zug Nagellack auf meinem linken Daumennagel wurde mir das alles schlagartig bewusst. Ich mache das gerade wirklich! Es war einer der prägendsten Momente auf meinem Weg zur Teilzeitfrau. Dieses Gefühl der Selbstermächtigung war wie ein Rausch. So etwas hatte ich noch nie zuvor erlebt. Das Gefühl begleitete mich durch den gesamten Prozess des Lackierens, der aufgrund mangelnder Erfahrung länger dauerte als erwartet. Und auch als ich fertig war, riss es nicht ab. Ich betrachtete das Ergebnis und war glücklich. Von ein paar technischen Unsauberheiten abgesehen, sah alles ganz stimmig und weiblich aus. Ich genoss das Gefühl, auf meine Hände, auf Frauenhände zu blicken. Das war mein Werk gewesen, und es fühlte sich so richtig an"¦
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Re: Melissas Memoiren
Das Gefühl kenne ich nur zu gutmanchmal_melissa hat geschrieben: Mi 12. Jan 2022, 14:50 Mit dem ersten Zug Nagellack auf meinem linken Daumennagel wurde mir das alles schlagartig bewusst. Ich mache das gerade wirklich! Es war einer der prägendsten Momente auf meinem Weg zur Teilzeitfrau. Dieses Gefühl der Selbstermächtigung war wie ein Rausch. So etwas hatte ich noch nie zuvor erlebt. Das Gefühl begleitete mich durch den gesamten Prozess des Lackierens, der aufgrund mangelnder Erfahrung länger dauerte als erwartet. Und auch als ich fertig war, riss es nicht ab. Ich betrachtete das Ergebnis und war glücklich. Von ein paar technischen Unsauberheiten abgesehen, sah alles ganz stimmig und weiblich aus. Ich genoss das Gefühl, auf meine Hände, auf Frauenhände zu blicken. Das war mein Werk gewesen, und es fühlte sich so richtig an"¦
.Es ist auch heute noch eine schönes Gefühl den Nagellack auf meinen Fingern zu spüren und zu sehen....
Liebe Grüße
Tom
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Re: Melissas Memoiren
Der Nagellackentferner - Teil 3
Jetzt hatte ich Blut geleckt. "Warum eigentlich nur die Fingernägel?", schoss es mir durch den Kopf. Ich könnte doch auch gleich die Zehennägel mitlackieren. Allerdings waren meine Beine und leider auch Füße zu dem Zeitpunkt noch recht stark behaart. Zum Glück hatte meine Freundin von sich aus ein paar Wochen zuvor gesagt, dass ich die Haare an den Füßen ruhig mal trimmen könnte. Das war natürlich eine Steilvorlage. Und wer trimmt, kann auch gleich rasieren, gerade wenn noch Zeit zum Nachwachsen ist. Im Nu waren meine Strümpfe ausgezogen und die Arbeit ging weiter. Ich rasierte meine Füße erst bis zum Knöchel und lackierte dann meine Zehennägel in der gleichen Farbe wie zuvor die Fingernägel. Meine Frauenhände bei der Arbeit zu sehen löste das nächste Glücksgefühl aus. Zudem sahen meine kleinen Füße so echt süß aus. Ich schaute nur noch an mir herunter. Es war total verrückt. Und es machte mich übermütig. Eigentlich passten mir die Klamotten meiner Partnerin ja nicht. Auf ein Teil hatte ich aber unterbewusst trotzdem schon ein Auge geworfen, was mir in dieser Situation zum Verhängnis wurde. "Sie hat doch dieses eine, recht weite Sommerkleid"¦", dachte ich mir und schämte mich im gleichen Moment dafür. Aber auch hier war es schon lange zu spät. Wie heißt es in Dürrenmatts "Die Physiker" so passend? Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden. Es hatte nur einen genügend starken Auslöser gebraucht, um es zu tun. Der war jetzt da. Meine weibliche Seite hatte endgültig die Oberhand. Als der Nagellack auch auf den Zehen getrocknet war, ging ich zum Schrank meiner Freundin und öffnete ihn. Tatsächlich, ihr Sommerkleid hing noch dort, ein einfaches, cremefarbenes Chiffonkleid mit breiten Trägern und einem elastischen Taillenbund. Auf dem Schrankboden standen zudem ihre ebenfalls zurückgelassenen schwarzen Pumps, eine bis zwei Nummern zu groß. Ich nahm beides heraus. In dem Moment war mir alles andere egal. Es gab nur mich und dieses Kleid, diese Schuhe. Zuerst schlüpfte ich in das Sommerkleid, von oben, und zog es langsam hoch. Es passte. Der Gummibund rutschte einfach über meine Hüften und auch die Träger konnte ich ohne Probleme über die Schultern ziehen. Dann zog ich noch die Pumps an. Wirklich laufen konnte ich darin nicht, sie waren einfach zu groß. Aber ich schaffte es trotzdem vor den Spiegel.
Ich war überwältigt. Klar, der Look war nicht so perfekt wie bei der Mottowoche. Meine Beine waren behaart und auch die ganz und gar männlichen Aspekte wie Brust, Schultern und Gesicht versuchte ich auszublenden. Es war auch nicht die Optik, sondern wieder dieses Gefühl der Selbstermächtigung, das mich packte. Das im Spiegel war ich, und ich sah durch meine alleinige Intention so aus. Dort stand, wenn auch mit deutlichen Abstrichen, eine Frau. Ich konnte alles sein, was ich möchte, das wurde mir spätestens in diesem Augenblick bewusst. Und es war so unglaublich banal! Ich hatte mir die Nägel lackiert, ein Kleid und hohe Schuhe an. Was war schon dabei? Es nahm dem Ganzen irgendwie den Schrecken, es fühlte sich aufregend, aber gleichzeitig verblüffend normal an. Mir wurde klar: Das einzige, was meiner weiblichen Seite immer im Weg stand, war ich selbst.
Und meine Beziehung. Der Gedanke fühlte sich an, als hätte mir jemand einen Eimer Wasser ins Gesicht geschüttet. Von einem Moment auf den anderen fühlte sich alles falsch an. Ich sah grotesk aus im Spiegel und noch viel schlimmer: Ich hatte meine Freundin hintergangen. Es fühlte sich an, als hätte ich sie betrogen. Ich stieg aus den Schuhen, streifte hektisch das Kleid ab und ließ es zu Boden fallen. Ich ging ins Bad und fing sofort an, meine Nägel wieder abzulackieren. Es konnte nicht schnell genug gehen. Ich fühlte mich schrecklich. Ich räumte den Nagellack behutsam zurück in seine Box, sammelte das Kleid und die Schuhe vom Boden auf und räumte auch sie möglichst originalgetreu zurück in den Schrank. Ich hatte mir sogar gemerkt, wo genau und in welche Richtung das Kleid gehangen hatte. Keine zwanzig Minuten nach meinem Hochgefühl sah alles so aus, als wäre nie etwas dergleichen passiert. Mittlerweile war das schlechte Gewissen einer Art Melancholie gewichen, die sich das unbeschwerte Gefühl von zuvor zurückwünschte. Die Erinnerung an mein Spiegelbild erfüllte mich wieder mit Freude, aber sie war auch von den Vorwürfen geprägt, die ich mir machte. Immerhin hatte ich mich gut vorbereitet und hatte keine Spuren hinterlassen. Einzig der Nagellackentferner stand noch im Bad und erinnerte an meine vermeintlichen Schandtaten. Erst wollte ich ihn wegkippen und die Verpackung entsorgen, aber ich entschied mich anders. Meine Freundin war noch ein paar Monate weg, vielleicht ergab sich ja nochmal eine Gelegenheit"¦ Ich wollte auf keinen Fall wieder etwas kaufen müssen, also beschloss ich, ihn zu verstecken. Ich suchte nicht lange und stellte ihn hinter meine Nachttischschublade, wo ein kleiner Hohlraum war, sodass man die Schublade trotzdem komplett schließen konnte.
Mir ist bewusst, dass das alles total wirr klingen muss. Hochgefühl, Scham, Hochgefühl, Scham, und am Ende doch heimlich die nächste Maniküre planen? Aber so war es, leider. Eine Achterbahn der Gefühle. Ich war hin- und hergerissen zwischen der Freude über meine neu gewonnene Weiblichkeit und der Traurigkeit über mein Fehlverhalten. In den nächsten Tagen machte ich erstmal ganz normal weiter und versuchte, alles erst mal zu vergessen. Das klappte ganz gut, weil ich durch meine Aktion etwas Druck ablassen konnte und der Drang, sich als Frau zurechtzumachen, nicht mehr so groß war wie vorher. Eine Woche danach besuchte ich meine Freundin, schwieg aber zu dem Vorfall. Es tat mir jetzt schon leid, weil ich wusste, dass ich sie verletzt hatte. Natürlich fragte ich mich, wie ich in Zukunft damit umgehen sollte. Es ihr erzählen, quasi als Gesprächseinstieg, und dann alle Karten auf den Tisch legen? Doch ich wollte nicht so negativ besetzt in das Thema Crossdressing starten. Einfach unter den Tisch fallen lassen, als wäre es nie passiert? Das passte mir schon eher, fühlte sich aber auch nicht wirklich fair an. Ich hatte auch ein wenig Angst vor mir selbst. Angst davor, einfach so weiterzumachen. Die Büchse der Pandora war geöffnet und es hatte keinerlei Konsequenzen für mich. Ich glaube heute, dass ich das auch getan hätte. Nicht bewusst, aber schleichend wäre ich durch meine Unfähigkeit, über das Thema zu reden, einfach in ein Doppelleben abgerutscht. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich mir regelmäßig die Nägel lackiert, mich am Kleiderschrank meiner Freundin bedient und eventuell sogar mal geschminkt. Vielleicht wäre ich sogar so weit gegangen, mir Kleidung, Schuhe oder eine Perücke zu kaufen und sie zu verstecken. Das Ganze wäre vermutlich so lange gut gegangen, bis ich erwischt worden wäre.
Aber so weit kam es gar nicht erst. Die Schwelle, mir heimlich weitere Dinge zu kaufen, war am Anfang zum Glück noch relativ hoch. So richtig glücklich war ich aber mit keiner der Alternativen, die mir zur Verfügung standen. Also tat ich erst mal das, was ich am besten konnte: nichts. Ich fiel wieder in meine altbekannte Lethargie. Der Nagellackentferner schlummerte weiter in meiner Nachttischschublade, aber ich traute mich auch erstmal nicht mehr, ihn und damit natürlich den Nagellack zu verwenden. Im Grunde war alles wieder wie vorher, nur dass noch mehr Unsichtbares zwischen mir und meiner Freundin stand. Und schon wenige Wochen später wurde mir die Entscheidungsfreiheit, ob und wie ich das alles meiner Freundin gegenüber kommuniziere, schmerzlich genommen"¦
Jetzt hatte ich Blut geleckt. "Warum eigentlich nur die Fingernägel?", schoss es mir durch den Kopf. Ich könnte doch auch gleich die Zehennägel mitlackieren. Allerdings waren meine Beine und leider auch Füße zu dem Zeitpunkt noch recht stark behaart. Zum Glück hatte meine Freundin von sich aus ein paar Wochen zuvor gesagt, dass ich die Haare an den Füßen ruhig mal trimmen könnte. Das war natürlich eine Steilvorlage. Und wer trimmt, kann auch gleich rasieren, gerade wenn noch Zeit zum Nachwachsen ist. Im Nu waren meine Strümpfe ausgezogen und die Arbeit ging weiter. Ich rasierte meine Füße erst bis zum Knöchel und lackierte dann meine Zehennägel in der gleichen Farbe wie zuvor die Fingernägel. Meine Frauenhände bei der Arbeit zu sehen löste das nächste Glücksgefühl aus. Zudem sahen meine kleinen Füße so echt süß aus. Ich schaute nur noch an mir herunter. Es war total verrückt. Und es machte mich übermütig. Eigentlich passten mir die Klamotten meiner Partnerin ja nicht. Auf ein Teil hatte ich aber unterbewusst trotzdem schon ein Auge geworfen, was mir in dieser Situation zum Verhängnis wurde. "Sie hat doch dieses eine, recht weite Sommerkleid"¦", dachte ich mir und schämte mich im gleichen Moment dafür. Aber auch hier war es schon lange zu spät. Wie heißt es in Dürrenmatts "Die Physiker" so passend? Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden. Es hatte nur einen genügend starken Auslöser gebraucht, um es zu tun. Der war jetzt da. Meine weibliche Seite hatte endgültig die Oberhand. Als der Nagellack auch auf den Zehen getrocknet war, ging ich zum Schrank meiner Freundin und öffnete ihn. Tatsächlich, ihr Sommerkleid hing noch dort, ein einfaches, cremefarbenes Chiffonkleid mit breiten Trägern und einem elastischen Taillenbund. Auf dem Schrankboden standen zudem ihre ebenfalls zurückgelassenen schwarzen Pumps, eine bis zwei Nummern zu groß. Ich nahm beides heraus. In dem Moment war mir alles andere egal. Es gab nur mich und dieses Kleid, diese Schuhe. Zuerst schlüpfte ich in das Sommerkleid, von oben, und zog es langsam hoch. Es passte. Der Gummibund rutschte einfach über meine Hüften und auch die Träger konnte ich ohne Probleme über die Schultern ziehen. Dann zog ich noch die Pumps an. Wirklich laufen konnte ich darin nicht, sie waren einfach zu groß. Aber ich schaffte es trotzdem vor den Spiegel.
Ich war überwältigt. Klar, der Look war nicht so perfekt wie bei der Mottowoche. Meine Beine waren behaart und auch die ganz und gar männlichen Aspekte wie Brust, Schultern und Gesicht versuchte ich auszublenden. Es war auch nicht die Optik, sondern wieder dieses Gefühl der Selbstermächtigung, das mich packte. Das im Spiegel war ich, und ich sah durch meine alleinige Intention so aus. Dort stand, wenn auch mit deutlichen Abstrichen, eine Frau. Ich konnte alles sein, was ich möchte, das wurde mir spätestens in diesem Augenblick bewusst. Und es war so unglaublich banal! Ich hatte mir die Nägel lackiert, ein Kleid und hohe Schuhe an. Was war schon dabei? Es nahm dem Ganzen irgendwie den Schrecken, es fühlte sich aufregend, aber gleichzeitig verblüffend normal an. Mir wurde klar: Das einzige, was meiner weiblichen Seite immer im Weg stand, war ich selbst.
Und meine Beziehung. Der Gedanke fühlte sich an, als hätte mir jemand einen Eimer Wasser ins Gesicht geschüttet. Von einem Moment auf den anderen fühlte sich alles falsch an. Ich sah grotesk aus im Spiegel und noch viel schlimmer: Ich hatte meine Freundin hintergangen. Es fühlte sich an, als hätte ich sie betrogen. Ich stieg aus den Schuhen, streifte hektisch das Kleid ab und ließ es zu Boden fallen. Ich ging ins Bad und fing sofort an, meine Nägel wieder abzulackieren. Es konnte nicht schnell genug gehen. Ich fühlte mich schrecklich. Ich räumte den Nagellack behutsam zurück in seine Box, sammelte das Kleid und die Schuhe vom Boden auf und räumte auch sie möglichst originalgetreu zurück in den Schrank. Ich hatte mir sogar gemerkt, wo genau und in welche Richtung das Kleid gehangen hatte. Keine zwanzig Minuten nach meinem Hochgefühl sah alles so aus, als wäre nie etwas dergleichen passiert. Mittlerweile war das schlechte Gewissen einer Art Melancholie gewichen, die sich das unbeschwerte Gefühl von zuvor zurückwünschte. Die Erinnerung an mein Spiegelbild erfüllte mich wieder mit Freude, aber sie war auch von den Vorwürfen geprägt, die ich mir machte. Immerhin hatte ich mich gut vorbereitet und hatte keine Spuren hinterlassen. Einzig der Nagellackentferner stand noch im Bad und erinnerte an meine vermeintlichen Schandtaten. Erst wollte ich ihn wegkippen und die Verpackung entsorgen, aber ich entschied mich anders. Meine Freundin war noch ein paar Monate weg, vielleicht ergab sich ja nochmal eine Gelegenheit"¦ Ich wollte auf keinen Fall wieder etwas kaufen müssen, also beschloss ich, ihn zu verstecken. Ich suchte nicht lange und stellte ihn hinter meine Nachttischschublade, wo ein kleiner Hohlraum war, sodass man die Schublade trotzdem komplett schließen konnte.
Mir ist bewusst, dass das alles total wirr klingen muss. Hochgefühl, Scham, Hochgefühl, Scham, und am Ende doch heimlich die nächste Maniküre planen? Aber so war es, leider. Eine Achterbahn der Gefühle. Ich war hin- und hergerissen zwischen der Freude über meine neu gewonnene Weiblichkeit und der Traurigkeit über mein Fehlverhalten. In den nächsten Tagen machte ich erstmal ganz normal weiter und versuchte, alles erst mal zu vergessen. Das klappte ganz gut, weil ich durch meine Aktion etwas Druck ablassen konnte und der Drang, sich als Frau zurechtzumachen, nicht mehr so groß war wie vorher. Eine Woche danach besuchte ich meine Freundin, schwieg aber zu dem Vorfall. Es tat mir jetzt schon leid, weil ich wusste, dass ich sie verletzt hatte. Natürlich fragte ich mich, wie ich in Zukunft damit umgehen sollte. Es ihr erzählen, quasi als Gesprächseinstieg, und dann alle Karten auf den Tisch legen? Doch ich wollte nicht so negativ besetzt in das Thema Crossdressing starten. Einfach unter den Tisch fallen lassen, als wäre es nie passiert? Das passte mir schon eher, fühlte sich aber auch nicht wirklich fair an. Ich hatte auch ein wenig Angst vor mir selbst. Angst davor, einfach so weiterzumachen. Die Büchse der Pandora war geöffnet und es hatte keinerlei Konsequenzen für mich. Ich glaube heute, dass ich das auch getan hätte. Nicht bewusst, aber schleichend wäre ich durch meine Unfähigkeit, über das Thema zu reden, einfach in ein Doppelleben abgerutscht. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich mir regelmäßig die Nägel lackiert, mich am Kleiderschrank meiner Freundin bedient und eventuell sogar mal geschminkt. Vielleicht wäre ich sogar so weit gegangen, mir Kleidung, Schuhe oder eine Perücke zu kaufen und sie zu verstecken. Das Ganze wäre vermutlich so lange gut gegangen, bis ich erwischt worden wäre.
Aber so weit kam es gar nicht erst. Die Schwelle, mir heimlich weitere Dinge zu kaufen, war am Anfang zum Glück noch relativ hoch. So richtig glücklich war ich aber mit keiner der Alternativen, die mir zur Verfügung standen. Also tat ich erst mal das, was ich am besten konnte: nichts. Ich fiel wieder in meine altbekannte Lethargie. Der Nagellackentferner schlummerte weiter in meiner Nachttischschublade, aber ich traute mich auch erstmal nicht mehr, ihn und damit natürlich den Nagellack zu verwenden. Im Grunde war alles wieder wie vorher, nur dass noch mehr Unsichtbares zwischen mir und meiner Freundin stand. Und schon wenige Wochen später wurde mir die Entscheidungsfreiheit, ob und wie ich das alles meiner Freundin gegenüber kommuniziere, schmerzlich genommen"¦
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kathrin84
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Re: Melissas Memoiren
Hallo Melissa,
Danke für den schönen und emotionalen Post in deinem Thread.
Ich bin sehr gespannt wie es dir weiter ergangen ist, und hoffe sehr dass es dir gut geht.
Liebe Grüße
Kathrin
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Ich bin sehr gespannt wie es dir weiter ergangen ist, und hoffe sehr dass es dir gut geht.
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Kathrin
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Sarah_78
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Re: Melissas Memoiren
Hallo Melissa,
das ist super geschrieben. Auch ich erkenne mich auch in Deinen Texten wieder. Bin total gespannt, wie es weitergeht.
das ist super geschrieben. Auch ich erkenne mich auch in Deinen Texten wieder. Bin total gespannt, wie es weitergeht.
Liebe Grüße Sarah
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manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren
Der Nagellackentferner - Teil 4
Meine Freundin und ich besuchten uns in dieser Zeit alle zwei bis drei Wochen. Meistens kam ich zu ihr, weil es logistisch einfacher war. Aber manchmal wollte sie auch nochmal nach Hause kommen, einfach um im vertrauten Umfeld ihre Ruhe zu haben. Ich wusste natürlich, dass das irgendwann passieren würde, aber wähnte mich in Sicherheit. Der Nagellackentferner war gut versteckt und sonst hatte ich sehr akribisch alle Spuren entfernt. Ich fühlte mich sogar so sicher, dass ich den Nagellackentferner ganz vergaß. Zu sicher"¦
Im Grunde war die ganze Geschichte wieder mehr als tragisch gelaufen. In ihrer WG hatte meine Freundin nur eine Waschmaschine im Keller, bei der man für jeden Waschgang 50 Cent einwerfen musste. Das war ihr auf Dauer zu blöd und zu teuer, also brachte sie an den Wochenenden, an denen sie zu Hause war, öfter mal dreckige Wäsche mit, um sie zu Hause zu waschen und sauber wieder mitzunehmen. Da unsere Maschine nicht ganz voll wurde, fragte sie mich, ob ich auch noch etwas zum Waschen hätte. Und tatsächlich, in der Wäschetonne fanden sich noch ein paar Unterhosen und Strümpfe von mir, die wir mit hineinwerfen konnten. Die Wäsche schleuderte und trocknete, während wir ein schönes gemeinsames Wochenende verbrachten. Sonntags hängte sie dann alles ab und legte mir auch meine Sachen zusammen. Ich lag währenddessen auf dem Bett und las einen Zeitungsartikel auf dem Handy. Normalerweise hätte sie meine Sachen einfach neben mich aufs Bett gelegt, damit ich sie selbst wegräume. Aber irgendwie war sie an dem Tag so gut gelaunt, dass sie meine Unterhosen und Socken gleich selbst wegräumte. Und wo lagere ich die? Richtig, in der Nachttischschublade. Ich ahnte überhaupt nichts böses, kam überhaupt nicht auf die Idee, dass es gleich brenzlig werden könnte. Sie räumte einfach alles weg, machte die untere Nachttischschublade schon wieder zu - und stockte plötzlich.
"Warum hast du denn Nagellackentferner hinter deiner Nachttischschublade stehen?"
Ich war wie vom Blitz getroffen. Es war das gleiche Gefühl, wie wenn einem plötzlich einfällt, dass man etwas wichtiges vergessen hat. Nur viel, viel schlimmer. Ich schaute sie an, war aber sprachlos. Was sollte ich darauf antworten? Ich holte tief Luft und seufzte leise. In dem Moment war mir klar, dass ich aus der Nummer nicht mehr herauskam. "Den habe ich mir gekauft," entgegnete ich. "Warum kaufst du denn einen Nagellackentferner?" Das war genau die richtige, entwaffnende Frage. Ich konnte ihr nur noch die Wahrheit sagen: "Weil ich mir die Nägel lackiert habe." In der Luft lag eine außergewöhnliche Spannung. Es war kurz still und wir waren uns in diesem Moment seltsam fremd. Das war eine Seite an mir, die sie nicht kannte, die ich geheim gehalten hatte. Sie war tief verletzt, ich fühlte mich schuldig. Das Thema stand offensichtlicher als je zuvor zwischen uns. "Warum?", fragte sie etwas verwirrt. "Weil ich nochmal wissen wollte, wie das ist." Sie nickte wissend. Meine Freundin schien langsam zu begreifen, dass das alles mit meinem Wunsch, mich öfter mal als Frau zurechtzumachen, zusammenhing. Und dass es eben keine Phase war, dass weder sie noch ich diesen Wunsch verdrängen konnten.
Es war nochmal kurz still, dann wurde es unangenehm für mich. Sie bombardierte mich mit berechtigten Fragen und noch berechtigteren Vorwürfen. Warum ich das heimlich mache. Was ich mir dabei gedacht habe. Ob ich eine Frau sein möchte. Warum ich nichts gesagt habe. Dass das zu viel für sie sei. Wir waren an einem Tiefpunkt.
Ich wusste immer noch nicht, was ich sagen sollte. Sie war endlos enttäuscht, dass ich es heimlich getan hatte und versucht hatte, es auch weiter vor ihr zu verheimlichen. Aus ihrer Perspektive war die kleine Macke, dass ihr Freund sich in Frauenkleidern wohlfühlt, bei der erstbesten Gelegenheit zu einem ernsthaften Problem geworden. Wenn es so dringend war, dass ich es sofort heimlich machen musste, wenn sie mal nicht da war, war das Bedürfnis ja sehr stark. Dadurch machte sie sich sehr viele Sorgen, dass sie mich als Mann verlieren würde, ich doch ganz eine Frau sein wollte. Da half auch mein Widerspruch wenig. Ich versuchte zu erklären, dass ich nur manchmal eine Frau sein möchte, dass ich mich wohlfühle als Mann, dass ich sie liebe.
Aber es hatte an der Stelle keinen Wert. Selbst wenn ich das alles hätte plausibel erklären können, was ich damals noch nicht konnte, hätte ich damit nicht mehr erreicht. Die Wunde war zu frisch und zu groß. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir mal mehr Distanz zwischen uns hatten, als in diesem Moment. Alles schien ein unüberwindbares Hindernis zu sein. Ich bekam schreckliche Angst, sie zu verlieren, und musste weinen. Ich flehte sie sogar an, bei mir zu bleiben.
Und sie blieb, bis heute. "Deshalb verlasse ich dich doch nicht!", sagte sie damals. Und sie tröstete mich. Verkehrte Welt. Ich hatte sie so sehr verletzt und trotzdem war ich es, der von ihr getröstet wurde. Am Ende herrschte so etwas wie eine vorsichtige Aufbruchstimmung. Die Katze war wieder ein Stück mehr aus dem Sack und irgendwie waren wir uns einig, dass wir das schon hinbekommen. Aber es war die mit Abstand größte Belastung für unsere Beziehung bisher, das war uns beiden bewusst. Und auch wenn wir uns einredeten, dass uns das nicht auseinander bringt, hatten wir beide eine Riesenangst genau davor. Sie wusste immer noch nicht, wie sie mit alldem umgehen sollte. Und auch ich wusste ja noch nicht genau, was ich wollte. Meine Freundin bat mich, nichts mehr hinter ihrem Rücken zu tun, und ich versprach es ihr. Dann einigten wir uns, das Gespräch erst mal zu beenden und alles sacken zu lassen. Es war uns klar, dass wir unser Problem nicht an einem Tag lösen konnten.
Am Sonntagabend fuhr sie planmäßig zurück in ihre WG. Den Nagellackentferner fasste ich nicht mehr an. Auch ihren Schrank ließ ich von da an in Ruhe, obwohl ich ihr von dem Kleid und den Schuhen an dem Tag gar nichts erzählt hatte. Das traute ich mich erst viel später. Von diesem Punkt aus hätten wir anfangen können, sogar müssen, an unserer Beziehung zu arbeiten. Aber es dauerte trotzdem nochmal fast ein ganzes Jahr, bis alle Karten auf dem Tisch lagen. Wir mieden das Thema beide. Es rückte in den Hintergrund, hinter den alltäglichen Stress. Dadurch stand es auch gar nicht mehr so stark zwischen uns und wir verstanden uns gut. Trotzdem war uns beiden klar, dass da ein Damoklesschwert über unserer Beziehung hing. Doch dieses Mal standen die skurrilen Zufälle auf meiner Seite und ich traute mich, wenn auch wieder viel zu spät, ins kalte Wasser zu springen"¦
Meine Freundin und ich besuchten uns in dieser Zeit alle zwei bis drei Wochen. Meistens kam ich zu ihr, weil es logistisch einfacher war. Aber manchmal wollte sie auch nochmal nach Hause kommen, einfach um im vertrauten Umfeld ihre Ruhe zu haben. Ich wusste natürlich, dass das irgendwann passieren würde, aber wähnte mich in Sicherheit. Der Nagellackentferner war gut versteckt und sonst hatte ich sehr akribisch alle Spuren entfernt. Ich fühlte mich sogar so sicher, dass ich den Nagellackentferner ganz vergaß. Zu sicher"¦
Im Grunde war die ganze Geschichte wieder mehr als tragisch gelaufen. In ihrer WG hatte meine Freundin nur eine Waschmaschine im Keller, bei der man für jeden Waschgang 50 Cent einwerfen musste. Das war ihr auf Dauer zu blöd und zu teuer, also brachte sie an den Wochenenden, an denen sie zu Hause war, öfter mal dreckige Wäsche mit, um sie zu Hause zu waschen und sauber wieder mitzunehmen. Da unsere Maschine nicht ganz voll wurde, fragte sie mich, ob ich auch noch etwas zum Waschen hätte. Und tatsächlich, in der Wäschetonne fanden sich noch ein paar Unterhosen und Strümpfe von mir, die wir mit hineinwerfen konnten. Die Wäsche schleuderte und trocknete, während wir ein schönes gemeinsames Wochenende verbrachten. Sonntags hängte sie dann alles ab und legte mir auch meine Sachen zusammen. Ich lag währenddessen auf dem Bett und las einen Zeitungsartikel auf dem Handy. Normalerweise hätte sie meine Sachen einfach neben mich aufs Bett gelegt, damit ich sie selbst wegräume. Aber irgendwie war sie an dem Tag so gut gelaunt, dass sie meine Unterhosen und Socken gleich selbst wegräumte. Und wo lagere ich die? Richtig, in der Nachttischschublade. Ich ahnte überhaupt nichts böses, kam überhaupt nicht auf die Idee, dass es gleich brenzlig werden könnte. Sie räumte einfach alles weg, machte die untere Nachttischschublade schon wieder zu - und stockte plötzlich.
"Warum hast du denn Nagellackentferner hinter deiner Nachttischschublade stehen?"
Ich war wie vom Blitz getroffen. Es war das gleiche Gefühl, wie wenn einem plötzlich einfällt, dass man etwas wichtiges vergessen hat. Nur viel, viel schlimmer. Ich schaute sie an, war aber sprachlos. Was sollte ich darauf antworten? Ich holte tief Luft und seufzte leise. In dem Moment war mir klar, dass ich aus der Nummer nicht mehr herauskam. "Den habe ich mir gekauft," entgegnete ich. "Warum kaufst du denn einen Nagellackentferner?" Das war genau die richtige, entwaffnende Frage. Ich konnte ihr nur noch die Wahrheit sagen: "Weil ich mir die Nägel lackiert habe." In der Luft lag eine außergewöhnliche Spannung. Es war kurz still und wir waren uns in diesem Moment seltsam fremd. Das war eine Seite an mir, die sie nicht kannte, die ich geheim gehalten hatte. Sie war tief verletzt, ich fühlte mich schuldig. Das Thema stand offensichtlicher als je zuvor zwischen uns. "Warum?", fragte sie etwas verwirrt. "Weil ich nochmal wissen wollte, wie das ist." Sie nickte wissend. Meine Freundin schien langsam zu begreifen, dass das alles mit meinem Wunsch, mich öfter mal als Frau zurechtzumachen, zusammenhing. Und dass es eben keine Phase war, dass weder sie noch ich diesen Wunsch verdrängen konnten.
Es war nochmal kurz still, dann wurde es unangenehm für mich. Sie bombardierte mich mit berechtigten Fragen und noch berechtigteren Vorwürfen. Warum ich das heimlich mache. Was ich mir dabei gedacht habe. Ob ich eine Frau sein möchte. Warum ich nichts gesagt habe. Dass das zu viel für sie sei. Wir waren an einem Tiefpunkt.
Ich wusste immer noch nicht, was ich sagen sollte. Sie war endlos enttäuscht, dass ich es heimlich getan hatte und versucht hatte, es auch weiter vor ihr zu verheimlichen. Aus ihrer Perspektive war die kleine Macke, dass ihr Freund sich in Frauenkleidern wohlfühlt, bei der erstbesten Gelegenheit zu einem ernsthaften Problem geworden. Wenn es so dringend war, dass ich es sofort heimlich machen musste, wenn sie mal nicht da war, war das Bedürfnis ja sehr stark. Dadurch machte sie sich sehr viele Sorgen, dass sie mich als Mann verlieren würde, ich doch ganz eine Frau sein wollte. Da half auch mein Widerspruch wenig. Ich versuchte zu erklären, dass ich nur manchmal eine Frau sein möchte, dass ich mich wohlfühle als Mann, dass ich sie liebe.
Aber es hatte an der Stelle keinen Wert. Selbst wenn ich das alles hätte plausibel erklären können, was ich damals noch nicht konnte, hätte ich damit nicht mehr erreicht. Die Wunde war zu frisch und zu groß. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir mal mehr Distanz zwischen uns hatten, als in diesem Moment. Alles schien ein unüberwindbares Hindernis zu sein. Ich bekam schreckliche Angst, sie zu verlieren, und musste weinen. Ich flehte sie sogar an, bei mir zu bleiben.
Und sie blieb, bis heute. "Deshalb verlasse ich dich doch nicht!", sagte sie damals. Und sie tröstete mich. Verkehrte Welt. Ich hatte sie so sehr verletzt und trotzdem war ich es, der von ihr getröstet wurde. Am Ende herrschte so etwas wie eine vorsichtige Aufbruchstimmung. Die Katze war wieder ein Stück mehr aus dem Sack und irgendwie waren wir uns einig, dass wir das schon hinbekommen. Aber es war die mit Abstand größte Belastung für unsere Beziehung bisher, das war uns beiden bewusst. Und auch wenn wir uns einredeten, dass uns das nicht auseinander bringt, hatten wir beide eine Riesenangst genau davor. Sie wusste immer noch nicht, wie sie mit alldem umgehen sollte. Und auch ich wusste ja noch nicht genau, was ich wollte. Meine Freundin bat mich, nichts mehr hinter ihrem Rücken zu tun, und ich versprach es ihr. Dann einigten wir uns, das Gespräch erst mal zu beenden und alles sacken zu lassen. Es war uns klar, dass wir unser Problem nicht an einem Tag lösen konnten.
Am Sonntagabend fuhr sie planmäßig zurück in ihre WG. Den Nagellackentferner fasste ich nicht mehr an. Auch ihren Schrank ließ ich von da an in Ruhe, obwohl ich ihr von dem Kleid und den Schuhen an dem Tag gar nichts erzählt hatte. Das traute ich mich erst viel später. Von diesem Punkt aus hätten wir anfangen können, sogar müssen, an unserer Beziehung zu arbeiten. Aber es dauerte trotzdem nochmal fast ein ganzes Jahr, bis alle Karten auf dem Tisch lagen. Wir mieden das Thema beide. Es rückte in den Hintergrund, hinter den alltäglichen Stress. Dadurch stand es auch gar nicht mehr so stark zwischen uns und wir verstanden uns gut. Trotzdem war uns beiden klar, dass da ein Damoklesschwert über unserer Beziehung hing. Doch dieses Mal standen die skurrilen Zufälle auf meiner Seite und ich traute mich, wenn auch wieder viel zu spät, ins kalte Wasser zu springen"¦