manchmal_melissa hat geschrieben: So 3. Okt 2021, 18:32
Hallo Alyssa,
ich kann natürlich nicht für dich sprechen, weil ich deine Situation nicht kenne, aber mein Eindruck ist: Moral muss man sich leisten
wollen. Solange sich jeder selbst der Nächste ist, wird das nichts mit dem Klimaschutz und anderen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Es muss sich jeder, der irgendwie privilegiert ist, und zumindest bei uns ist das die große Mehrheit (auch die Mittelschicht, zu der du garantiert nicht gehörst, wenn du jeden Euro nachzählen musst), zurücknehmen. Denn, und das wird in dem Interview mehr als deutlich: in letzter Konsequenz wird es teurer, wenn wir nichts tun und nur nach uns selbst schauen.
Liebe Grüße,
Melissa
Ich stimme mit dieser Aussage überein. Es ist nicht die Frage, ob wir uns Moral leisten können, sondern ob wir uns Moral leisten wollen.
Jeder Mensch, auch die Ärmsten unter uns, kann was dazu beitragen. Möglichkeiten gibt es dazu viele. Auch ich habe früher ähnlich argumentiert. Ich habe behauptet Lebensmittel, welche ökologischer angebaut werden, kann ich mir nicht leisten, dies und jenes kann ich mir nicht leisten, bis ich begriff, dass ich damit falsch liege.
Ich kann mit Kleinigkeiten anfangen. Ich achte beim Nahrungskauf heutzutage vermehrt darauf Bio-Produkte aus Deutschland, vorzugsweise aus meiner Region zu kaufen. Zu meiner großen Überraschung gebe ich deutlich weniger Geld aus und werfe auch deutlich weniger weg, weil es nicht so schnell gammelt wie Billigware aus dem Discounter. Auch wenn es mir manchmal schwerfällt achte ich darauf, dass die Ware, die ich kaufe, regional erzeugt wird, wodurch sich ihr CO2-Fingerabdruck verringert und es stärkt auch unsere eigene Landwirtschaft. Ganz toll finde ich dabei, dass sich die von mir produzierte Müllmenge um Einiges reduziert hat, denn das Gemüse auf dem Markt ist selten in Plastik verpackt. Ich esse weniger Billig-Fleisch und kaufe stattdessen Fleisch höherer Qualität. Es gibt zwar seltener Fleisch, dafür ist es leckerer. Ich laufe zum Einkauf zu Fuß und fahre nicht mit dem Auto, ok zugegeben das muss sich frau erlauben können (aus zeitlichen Gründen). Jede Änderung zugunsten der Umwelt oder zugunsten von Menschen ist nützlich, denn wenn wir uns alle uns endlich dazu bekennen, dass wir nur diese eine Welt haben und sie schützen müssen, wird es dieser Welt was bringen.
Was Kleidung angeht, so kaufe ich meine Klamotten neuerdings im Second Hand Laden (danke, dass du es mir gezeigt hast Miri

) Und plötzlich habe ich deutlich bessere Klamotten als die Billigware, die ich meinte mir beim Kik oder Ähnlichen kaufen zu müssen.
Mittlerweile denke ich, dass eine Aussage wie:
"Ich kann mir Moral nicht leisten" schlichtweg als "Ich bin zu bequem in meinem Leben was ändern zu wollen" zu verstehen ist.
Ich verstehe es wenn Menschen sagen, sie wollen an ihrem Leben nichts ändern, denn auch ich höre diese Stimme in meinem Kopf, auch ich will eine gewisse Form von Luxus und Bequemlichkeit, aber es geht einfach nicht mehr lange gut.
Ich habe drei Kinder und mittlerweile mache ich mir weniger Sorgen darum, wie die Welt sein wird, wenn ich mal alt bin, sondern vielmehr darum, welche Welt ich meinen Kindern und meinen Enkeln hinterlasse. Ich bin zwar mit meinen bald 46 Jahren noch recht jung, aber ich habe schon einiges erlebt und ich hatte das Privileg, in einer kriegsfreien Region ohne große Umweltktastrophen aufzuwachsen, in der die Beschaffung von Nahrung und
sauberen! Wassers kein Problem gewesen ist. Dies ist jedoch für unsere Kinder nicht mehr wirklich gesichert.
LG
Patricia