Hinzu kommt, dass ich in meiner derzeitigen Wahlheimat mit dem Crossdressing nicht rauskann, da es gegen die Kleidungsvorschriften verstoßen würde.
So bin ich die meiste Zeit des Jahres auf die Wohnung hier beschränkt.
Im letzten Sommer in Deutschland habe ich viel Zeit und Energie auf mein Outing in der Familie und im engeren Freundeskreis verwendet, was allerdings schon vor zwei Jahren losging. Damals, im Sommer 2019, passierte es in den allerletzen Tagen vor meiner Rückreise, so dass ich viele "irritierte Menschen" zurückließ, wie mir im nachhinein berichtet wurde. Das ist unglücklich gelaufen, hatte aber am Ende keine negativen Folgen. Inzwischen wissen die meisten Leute in meinem Bekanntenkreis bescheid und haben das interessiert bis positiv zur Kenntnis genommen. Teilweise jedoch auch mit einem Ich hab damit kein Problem, aber...
Ich komme während des Aufenthalts bei meinen Eltern unter, die auch seit einem Jahr Bescheid wissen. Allerdings lehte es meine Mutter damals strikt ab, dass ich in ihrer Gegenwart in Rock oder Kleid rumlaufe. Mein Vater reagierte ein bisschen offener, allerdings tut er sich irgendwie schwer mit dieser Vorstellung. Dennoch konnte ich sie nach sechs Wochen dazu überreden, zusammen mit mir im Kleid zum Essen auszugehen, was auch erstaunlich gut funktioniert hat. Wir hatten einen sehr entspannten Abend. Trotzdem glaube ich nicht, dass damit alles gut wäre, wenn ich nun andauernd in Damenkleidung unterwegs wäre. Was würden denn die Nachbarn sagen?
Ähnlich geht es mir mit guten Freunden, die Bedenken wegen ihrem Wohnumfeld haben, wenn sie derart auffälligen Besuch bekommen. Das Argument (?), dass sie ja nach meiner Abreise weiterhin mit ihren Nachbarn klarkommen müssen und sich ggf. für eine Freundschaft mit einer Person wie mir rechtfertigen müssten, steht dann im Raum.
Eigentlich sollte mir das alles egal sein, weil es für mich nunmal die eine Gelegenheit im Jahr ist, wo ich meine Weiblichkeit uneingeschränkt ausleben kann. Immer dann, wenn mir gerade danach ist, in der Form, die sich in dem Moment gut anfühlt.
Und genau das möchte ich dieses Jahr machen. Endlich die lästigen Umzieh-Aktionen in der Bahn oder im Auto hinter mir lassen und gleich so aus dem Haus gehen, wie ich mich fühle. Nicht immer mit einem Wäschesack losziehen müssen, in dem dann hoffentlich alles drin ist, was ich später gerne tragen möchte, und darauf vertrauen, dass die Vorauswahl schon zu meiner späteren Stimmung passen wird.
Ich möchte einfach so sein wie ich bin, ohne mir jedesmal langwierige Gedanken machen zu müssen. Allein die Auswahl des passenden Outfits finde ich schon schwierig genug. Deshalb ist mein Plan für diesen Sommer, mich von äußeren Einschränkungen, auch gefühlten, zu lösen und mich entsprechend meiner aktuellen Gefühlslage zu kleiden.
Was meint ihr, ist das zu selbstbezogen gedacht, schließlich bin ich ja nur zu Gast, und die Leute leben teilweise in eher konservativen, ländlichen Gegenden, wo jeder Jeden kennt?
Sollte ich jedesmal erst mit der besuchten Person abklären, ob das für sie OK ist, wenn ich als Frau aufftauche? Oder als Mann im Kleid? Oder reicht es, dass sie grundsätzlich über mich Bescheid weiß, weil ich mich ihr gegenüber geoutet habe, sie mich aber bisher nur in meiner männlichen Erscheinung kennt?
Wenn ihr sonst noch Anregungen oder Tipps habt, die potentielle Konflikte vermeiden helfen könnten, dann immer her damit!
LGL