Liebe Katja,Fuchs18 hat geschrieben: Fr 11. Dez 2020, 08:22 "Das einzige, was ich aber schon immer geglaubt habe und auch heute noch glaube ist, dass ich eigentlich nicht die bin, die ihm all das geben kann, was er braucht. Ich war seine erste und einzige Freundin. Er hat nie jemand anderen in seinem Leben gehabt. Jetzt erst wird mir klar wieso. Er hat es mir in dem Atemzug (als er mir erklärte er wär gern weiblicher) gleich mit erklärt.
Ich habe ihn auch gefragt ob ich eigentlich seine Alibi-Freundin war. Er sollte ehrlich antworten. Die Antwort war ein "Njein". Vielleicht ja - aber unser Beziehung habe sich dann ja vertieft und entwickelt bis zu dem Punkt heute, an dem ich nun seine so engste Vertraute bin, dass er mir dieses, sein größtes Geheimnis anvertraut. Ich denke damit kann ich irgendwie leben. Ob ich aber auch in Zukunft die bin, die er wirklich will und braucht, das ist dann wohl eine andere Frage... "
Kennt ihr das? Gibt es das öfter. Wenn jemand seine weibliche Stimme versucht zu unterdrücken und sich dann erstmal eine Freundin respektive Ehefrau zulegt, um wenigstens nach außen dem Wunsch-Standart gerecht zu werden?
Mich würden eure Erfahrungen und Meinungen dazu ehrlich interessieren.
LG Katja
wenn ich deine Worte lese, dann scheint es mir so, dass dein Partner dir sehr ehrlich geantwortet hat, und sogar eine Unsicherheit einräumt, die er möglicherweise erst im kritischen Rückblick eures Gesprächs so sieht, die aber grundsätzlich auch nicht völlig unnormal ist. Selbstverständlich kann man aus der Retrospektive Punkte erkennen, die man damals in der Phase des großen Verliebt-Seins völlig ausgeblendet hat.
Woher soll man denn in seiner Jugend so genau wissen, dass der Mensch, in den man sich verliebt, genau der Richtige ist? Klar, man hofft es vielleicht. Aber man hat doch noch keinerlei Erfahrung, gegen die man da abgleichen kann. Und da macht es auch keinen großen Unterschied, ob man nun gleich mit der ersten Freundin auf Dauer zusammenlebt, oder ob man davor mehrere kurze Liebschaften hatte. Ich war, wie wohl viele von uns, nie der Aufreißer, nicht mal ein kleiner. Ich habe es in meiner Jugend immer wieder erfolglos probiert. Meine Freundinnen habe ich stattdessen über schriftliche Kontakte gefunden, oder sie haben mich angebaggert.
Was auch ein Punkt ist, den viele kennen: Wenn ich eine neue Freundin hatte, traten meine weiblichen Anteile und mein Interesse an weiblicher Kleidung in den Hintergrund. Bei der Frau, die ich dann auch geheiratet hatte, waren es zwei Jahre, in denen ich kein Interesse mehr verspürte. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass es weg gegangen wäre. Um so heftiger kam es zwei Tage nach der Hochzeit zurück, als meine Frau Montag Morgen schon zur Arbeit gefahren war, und das (geliehene) Brautkleid am Schrank hing, welches sie am Nachmittag wegbringen wollte.
Erst Jahre später, durch den Austausch im Internet und die Beschäftigung mit dem Thema wurde mir nach der Scheidung (aus gänzlich anderen Gründen) endgültig klar, dass das niemals weggehen wird. Und ich habe angefangen, damit zu leben, und vor 10 Jahren habe ich angefangen, gegenüber meinen Freundinnen von Anfang an mit offenen Karten zu spielen.
Dein Partner und du, ihr habt das große Glück, dass ihr euch gleich auf Anhieb gefunden habt. Und nun hat er dir etwas anvertraut, was er die ganzen Jahre aus Scham und Angst, dich zu verlieren, vor dir verschwiegen hat.
Du solltest ihm also aus seiner Ehrlichkeit und selbstkritischen Betrachtung keinen Strick drehen.
Du solltest auch nicht krampfhaft nach Fehlern oder Makeln bei dir suchen, sondern darauf vertrauen, dass er sich dich aus ehrlicher Zuneigung gesucht hat, und dich immer noch liebt.
Verwechsle das bitte nicht mit schwulen Männern, wo das vermutlich noch bis in die 1990er Jahre gang und gäbe war, weil gesellschaftlich noch nicht toleriert, und auch noch strafbewehrt. Aber dein Partner steht doch nicht automatisch auf Männer, nur weil er sich weiblich fühlt. Das ist ein wohl immer noch weit verbreiteter Irrglaube.
Liebe Grüße
Michi