Aus Nele wird Peer aus Peer wird Nele
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Kathi87
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Aus Nele wird Peer aus Peer wird Nele
Huhu ihr Lieben,
ich habe bei Facebook ein Video einer jungen Dame gefunden, die sich für eine Detransition entschieden hat.
https://www.funk.net/channel/reporter-1 ... er-1709617
Ich finde Nele ist ein Beispiel dafür, wie wichtig eine vernünftige Begleittherapie und der Ausschluss von Komorbiditäten ist.
Liebe Grüße
Katharina
ich habe bei Facebook ein Video einer jungen Dame gefunden, die sich für eine Detransition entschieden hat.
https://www.funk.net/channel/reporter-1 ... er-1709617
Ich finde Nele ist ein Beispiel dafür, wie wichtig eine vernünftige Begleittherapie und der Ausschluss von Komorbiditäten ist.
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Es ist besser, für das was man ist, gehasst,
Als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden.
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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Aus Nele wird Peer aus Peer wird Nele
Hallo Kathi,
so sehe ich das auch. Als Nele sagte, dass der Therapeut mehr geredet als sie, ist es mir kalt den Rücken hinunter gelaufen. So etwas ist schrecklich. Für mich scheint sich der Therapeut wichtiger genommen zu haben als Nele.
Aber anders herum ist es auch nicht einfach. Wer soll den die Entschaidung über die Transition treffen ? Nele war sich sicher und hat das vertreten. Wer will ihr widersprechen ? Wäre das nicht respektlos ? Wie kann man die Qualität des Therapeuten erkennen, vorausgesetzt, man sieht in ihm eine Hilfe und kein notwendiges Übel ?
so sehe ich das auch. Als Nele sagte, dass der Therapeut mehr geredet als sie, ist es mir kalt den Rücken hinunter gelaufen. So etwas ist schrecklich. Für mich scheint sich der Therapeut wichtiger genommen zu haben als Nele.
Aber anders herum ist es auch nicht einfach. Wer soll den die Entschaidung über die Transition treffen ? Nele war sich sicher und hat das vertreten. Wer will ihr widersprechen ? Wäre das nicht respektlos ? Wie kann man die Qualität des Therapeuten erkennen, vorausgesetzt, man sieht in ihm eine Hilfe und kein notwendiges Übel ?
Viele Grüße
Vicky
Respekt ist nicht teilbar.
Vicky
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Kathi87
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Re: Aus Nele wird Peer aus Peer wird Nele
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 7. Dez 2020, 14:44
Aber anders herum ist es auch nicht einfach. Wer soll den die Entschaidung über die Transition treffen ? Nele war sich sicher und hat das vertreten. Wer will ihr widersprechen ? Wäre das nicht respektlos ? Wie kann man die Qualität des Therapeuten erkennen, vorausgesetzt, man sieht in ihm eine Hilfe und kein notwendiges Übel ?
Hallo Vicky,
die Entscheidung muss sie selber treffen bzw jede Person selber treffen, aber sie hat auch mit einer Essstörung angefangen zeitgleich mit der Erkenntnis das sie Trans sei und an dem Punkt hätte der Therapeut hellhörig werden müssen und das genau abklären müssen.
In den Leitlinien steht ja auch das Begleiterkrankungen als Ursache ausgeschlossen werden müssen und ich glaube das viele Therapeuten sich das zu einfach machen.
Mein Therapeut hat mich jedesmal zum reflektieren gebracht ob ich es wirklich möchte und der nächste Schritt sein muss.
So kann ich heute sagen, ich habe mich darauf eingelassen und bin mir zu 100% sicher das ich alles richtig gemacht habe.
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Jaddy
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Re: Aus Nele wird Peer aus Peer wird Nele
Dass die Quote an Detransitionierenden irgendwo bei 1% liegt und viele davon mehr daran scheitern, ihr neues Leben auch gegen ihre Umwelt leben zu können/dürfen, ist aber bekannt, oder? Also woher kommt der "Glaube, dass viele Therapeuten sich das zu einfach machen"? Seit wann ist Glaube da von Belang und wie viele ist "viele"? Sorry, aber das klingt mir ein bisschen zu stammtischig auf einzelne Pressemeldungen bezogen.Kathi87 hat geschrieben: Mo 7. Dez 2020, 15:36In den Leitlinien steht ja auch das Begleiterkrankungen als Ursache ausgeschlossen werden müssen und ich glaube das viele Therapeuten sich das zu einfach machen.
Im übrigen ist es in vielen anderen Bereichen selbstverständlich, weitreichende, das Leben nachhaltig verändernde Entscheidungen zu treffen. Berufswahl, Kinder, Familie, Umzüge, gefährliche Entscheidungen gegenüber Naturgesetzen... Dass das nicht 100%ig klappt, ist völlig klar und höchstens ein bisschen Dorftratsch wert.
Aber okay, wie wär's: Kinder kriegen, heiraten, Haus bauen nur mit vorhergender und begleitender Therapie? Wie wäre es mit Therapiezwang vor oder während des Crossdressens? Schon allein, weil es häufig nicht nur um eine einzelne Person und ihre Lebensentscheidung geht. Das liesse sich am Beispiel Crossdressing mühelos anhand von Forumsbeiträgen hier "belegen". Genauso belegen, wie jede Detransitionsgeschichte.
Ansonsten: Beratung und Aufklärung sind prima. Begleitende Therapie, Komorbidität hinterfragen auch. Aber dass viele trans Personen eher eine erhebliche Verstärkung ihres Leidensdruck durch zu geringe Kapazitäten und tw echt hahnebüchen stereotypen-gläubige Therapeutys erfahren, ist hoffentlich auch bekannt. Und das ist nicht nur "geglaubt".
Das Versorgungssystem ist rotten. Die "Begutachtungsanleitungen" gerade noch mal auf den Stand des vergangenen Jahrtausends einzementiert. Der Stand der Technik wird zugunsten viel teurerer, schmerzhafterer und langwieriger Prozeduren ignoriert, um Pfründe zu sichern. Dreissig Prozent der Betroffenen kommen offiziell gar nicht vor und gucken in die Röhre. Und überall kommen jetzt diese radikalen, prinzipiell transfeindlichen Gruppen mit ihrer "es ist nur ein Phase", "die sind zu jung für die Entscheidung" und anderer Propaganda hoch. Es wäre deshalb wirklich sehr gut, in Diskussionen über Transition, Therapeutys, Detransition sehr sehr vorsichtig, achtsam und informiert zu argumentieren.
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Kathi87
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Re: Aus Nele wird Peer aus Peer wird Nele
Huhu Jaddy,
Ich versuche mit dem Handy vernünftig zu antworten.
Anstatt glaube hätte ich vielleicht eher meiner Meinung nach.
Woher kommt dieses Bild?
Ich lese hier in Forum immer wieder, ich war 3x bei meinem Thera und schon habe ich die Empfehlung für die HRT, da kann mir niemand erzählen das Komorbiditäten ausgeschlossen werden. Also, klar kann man den Thera auch hinters Licht führen nur um das zu bekommen was man augenscheinlich will, aber das ist nicht der Sinn...
Das war nicht nur auf die Detransition bezogen.
In meinen Augen vergleichst du gerne Äpfel mit Birnen, Kinder kriegen oder Haus bauen, hat in meinen Augen nichts mit einer Transition zu tun. Ich denke auch es gibt ein paar Menschen die sollten lieber keine Kinder in die Welt setzen, aber ich habe noch nie davon gehört das jemand ein Haus baut weil er vielleicht mit dem Rollenbild nicht klar kommt.
Anders gesagt, weil ich denke ich habe Krebs bekomme ich noch keine Chemotherapie, das wird vorher alles abgeklärt da es so viele Risiken hat, eine Transition birkt auch Risiken die vernünftig abgeklärt werden sollten.
Aber mich beschleicht das Gefühl sehr oft, eine vernünftige Begöeitung ist gar nicht gewollte, da die Maßnahmen zu lange dauern, schnell schnell ist das Ziel und nicht immer gut, ein Therapeut sollte auch mal die Bremse ziehen.
Ich kann nur aus meiner Erfahrung reden, ich habe am Anfang wöchentliche Therapie Termine gehabt und das über 3 Monaten bevor mein Therpeut überhaupt über eine Indikation nach gedacht hat und so sollte es sein.
Du schreibst es liegt bei 1% ich glaube es gibt durch die dunkel Ziffer keinerlei Valide Daten.
Ich versuche mit dem Handy vernünftig zu antworten.
Anstatt glaube hätte ich vielleicht eher meiner Meinung nach.
Woher kommt dieses Bild?
Ich lese hier in Forum immer wieder, ich war 3x bei meinem Thera und schon habe ich die Empfehlung für die HRT, da kann mir niemand erzählen das Komorbiditäten ausgeschlossen werden. Also, klar kann man den Thera auch hinters Licht führen nur um das zu bekommen was man augenscheinlich will, aber das ist nicht der Sinn...
Das war nicht nur auf die Detransition bezogen.
In meinen Augen vergleichst du gerne Äpfel mit Birnen, Kinder kriegen oder Haus bauen, hat in meinen Augen nichts mit einer Transition zu tun. Ich denke auch es gibt ein paar Menschen die sollten lieber keine Kinder in die Welt setzen, aber ich habe noch nie davon gehört das jemand ein Haus baut weil er vielleicht mit dem Rollenbild nicht klar kommt.
Anders gesagt, weil ich denke ich habe Krebs bekomme ich noch keine Chemotherapie, das wird vorher alles abgeklärt da es so viele Risiken hat, eine Transition birkt auch Risiken die vernünftig abgeklärt werden sollten.
Aber mich beschleicht das Gefühl sehr oft, eine vernünftige Begöeitung ist gar nicht gewollte, da die Maßnahmen zu lange dauern, schnell schnell ist das Ziel und nicht immer gut, ein Therapeut sollte auch mal die Bremse ziehen.
Ich kann nur aus meiner Erfahrung reden, ich habe am Anfang wöchentliche Therapie Termine gehabt und das über 3 Monaten bevor mein Therpeut überhaupt über eine Indikation nach gedacht hat und so sollte es sein.
Du schreibst es liegt bei 1% ich glaube es gibt durch die dunkel Ziffer keinerlei Valide Daten.
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Jaddy
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Re: Aus Nele wird Peer aus Peer wird Nele
Mal vorneweg: Ich war gestern sehr ärgerlich und auch etwas unfair in meinen Formulierungen und bitte das zu entschuldigen. In meinem Umfeld sehe ich hauptsächlich jene, die massiv Probleme haben, überhaupt vernünftige Therapeutys und andere Fachmenschen zu finden. Lange Wartezeiten, wehrige Kassen, häufig mangelnde Fachkenntnisse auf dem Stand der Zeit. Statt die Versorgung zu verbessern wird zunehmend eine anti-trans Propaganda gemacht, die auch jene instrumentalisiert, bei denen _auch_ der Versorgungsmangel zu Rückentscheidungen führt.
Es gibt, denke ich, von beidem was. Sowohl die Neles, die voller Überzeugung (woher auch immer) durch die Transition gehen, wo alle Therapeutys - Indikation, Begleitung, Gutachten, OP-Vorgespräche - ihnen ihre Ernsthaftigkeit abnehmen. Es gibt auch jene, die zusätzlich andere psychische Probleme haben, die nichts mit trans zu tun haben müssen - aber können. Es gibt aber kein Instrument zur Feststellung, was genau im Einzelfall gegeben ist. Wann verlängert eine "Bremse" nur das Leid, wann wäre mehr Reflektion geboten?
Gerade Nele ist aber ein Beispiel für eine ganz andere Fragestellung. Ihr eigentliches Problem war eine bestimmte negative Körperwahrnehmung, aber die einzig Lösung, die sie finden konnte - Medien, Internet, wohl auch Therapeutys - war eine Transition. "Du möchtest deine feminine Erscheinung los werden / ändern, okay, dann musst du komplett als Mann leben". Das ist eine völlig willkürliche und unnötige Verknüpfung.
Bei dir klingt es auch so, als ob eine körperliche Veränderung und_oder eine neue Zuordnung im Genderverse - ich betrachte das als wirklich getrennte Dinge - ein vollkommen andere Sache wäre, als andere Entscheidungen, die den Lebensweg nachhaltig prägen. Warum denkst du so? Warum ist das so viel höher, als eine Entscheidung für eine Lebenspartnerschaft, für Kinder oder eine Investition, die über die nächsten 30 Jahre das eigene materielle Befinden beeinflussen wird? Übrigens hab ich in der angeheirateten Verwandtschaft mehrere Fälle von Ehe, Haus, Kinder, um dem vorgegebenen Rollenbild zu entsprechen. Sowohl in der 30+ Generation, als auch bei deren Eltern. Und bei den Eltern sind die Trennungen und psychischen Leiden am von anderen erwarteten Lebensweg schon angekommen. Wo ist da der Unterschied, ob ein Mensch lieber Künstly werden oder ohne Brüste leben möchte, wenn es zur gleichen Kollision mit der Umgebung führt?
Warum wird eine freiwillige Mastektomie oder eine Hormonumstellung so viel drastischer wahrgenommen als ins Kloster zu gehen oder sich einer anderen - oder gar keiner - Religion anzuschliessen? Das wäre vor einigen Generationen hierzulande noch undenkbar gewesen. In einigen Ländern ist es das heute noch.
Ich möchte auf ein paar Punkte aufmerksam machen, die mir zu wenig beachtet, bzw überhaupt nicht gedacht zu werden scheinen.
Erstens wird mE körperliches Wohlbefinden und der Wunsch nach Modifikationen unzulässig stark mit Gender verknüpft. Körper- und Genderdysphorie können aber einzeln und getrennt auftreten - und haben nicht zwingend ein anderes, behandelbares Problem als Ursache. Eine Frau, die freiwillig ohne Brüste leben will, ein Mann, der freiwillig ohne Hoden und_oder Penis leben will, sind aber systemisch "undenkbar". Dazu mal ein Ausschnitt aus einem Text, den ich heute morgen gelesen habe (Fetlife):
Zweitens wird die doppelt binäre Trennwand (cis/trans + m/w) durch das trans Prozedere selbst eher höher gezogen, als abgebaut. Freigabe für medizinische Massnahmen ohne Gender- oder Körperdysphorie sind praktisch nicht machbar. Keine Endos, keine Chirurgys lassen sich darauf ein, nicht einmal mit einer Bestätigung, dass du nach allen bekannten Instrumenten weisst, was du da willst und die Konsequenzen akzeptierst. D.h. Nele hatte nur die Wahl, entweder Dysphorie "wegtherapieren" good luck with that, oder aber die Diagnose "trans" akzeptieren, und zwar binär, weil im psycho-medizinischen System nichts anderes vorkommt. Keine Ahnung, was für sie das beste ist, aber ich vermute mal, keine von beiden Alternativen.
Drittens, ja, Hormone sind keine Smarties. Aber sie verursachen auch keine Schäden wie zum Beispiel Nikotin, Alkohol oder ein ungeschicktes Überholmanöver. Die tatsächlichen medizinischen Risiken sind vergleichsweise gering. Du hast mehrere Jahre Zeit, das zu überlegen und wenn es sich als falsche Entscheidung herausstellt, musst du eben in Zukunft je nachdem weitere Shirts oder nen Rasierer kaufen - und ja, Nachwuchs gibt's ggf nicht mehr. Aber du bist danach nicht weniger lebensfähig. Auch nicht bei einer Mastek, Orchi, Hysterektomie. Life happens.
Mal konstruktiv gedacht, und da treffen wir uns vermutlich: Ich möchte mehr Aufklärung und Beratung. Mehr peer und bessere Fachleute. Ich möchte ein System beseitigen, das mittels hoher Einstiegshürden erst erheblichen Druck im Kessel erzeugt und nur durch unnötig überhöhte Entscheidungen Möglichkeiten eröffnet. Ich möchte, dass Menschen Dinge probieren können, das geht nämlich, offen darüber reden, sich umentscheiden, frühere Entscheidungen darstellen, ohne von anderen niedergemacht oder instrumentalisiert zu werden. Ich möchte, dass Leben als veränderlich, stufenlos anpassbar gesehen wird und ein sich nicht once and for all auf eine von zwei Möglichkeiten festlegen muss.
Dann hätte Nele vielleicht gar nichts gemacht oder wäre einfach eine lesbische Frau ohne Brüste oder hätte ganz anders über ihren Körper nachgedacht. Aber wer in einer Welt lebt, in der die Leute nur Hammer kennen, lernt eben Probleme auch nur als Nägel zu betrachten.
(verdammt ist das wieder lang geworden...)
Es gibt, denke ich, von beidem was. Sowohl die Neles, die voller Überzeugung (woher auch immer) durch die Transition gehen, wo alle Therapeutys - Indikation, Begleitung, Gutachten, OP-Vorgespräche - ihnen ihre Ernsthaftigkeit abnehmen. Es gibt auch jene, die zusätzlich andere psychische Probleme haben, die nichts mit trans zu tun haben müssen - aber können. Es gibt aber kein Instrument zur Feststellung, was genau im Einzelfall gegeben ist. Wann verlängert eine "Bremse" nur das Leid, wann wäre mehr Reflektion geboten?
Gerade Nele ist aber ein Beispiel für eine ganz andere Fragestellung. Ihr eigentliches Problem war eine bestimmte negative Körperwahrnehmung, aber die einzig Lösung, die sie finden konnte - Medien, Internet, wohl auch Therapeutys - war eine Transition. "Du möchtest deine feminine Erscheinung los werden / ändern, okay, dann musst du komplett als Mann leben". Das ist eine völlig willkürliche und unnötige Verknüpfung.
Bei dir klingt es auch so, als ob eine körperliche Veränderung und_oder eine neue Zuordnung im Genderverse - ich betrachte das als wirklich getrennte Dinge - ein vollkommen andere Sache wäre, als andere Entscheidungen, die den Lebensweg nachhaltig prägen. Warum denkst du so? Warum ist das so viel höher, als eine Entscheidung für eine Lebenspartnerschaft, für Kinder oder eine Investition, die über die nächsten 30 Jahre das eigene materielle Befinden beeinflussen wird? Übrigens hab ich in der angeheirateten Verwandtschaft mehrere Fälle von Ehe, Haus, Kinder, um dem vorgegebenen Rollenbild zu entsprechen. Sowohl in der 30+ Generation, als auch bei deren Eltern. Und bei den Eltern sind die Trennungen und psychischen Leiden am von anderen erwarteten Lebensweg schon angekommen. Wo ist da der Unterschied, ob ein Mensch lieber Künstly werden oder ohne Brüste leben möchte, wenn es zur gleichen Kollision mit der Umgebung führt?
Warum wird eine freiwillige Mastektomie oder eine Hormonumstellung so viel drastischer wahrgenommen als ins Kloster zu gehen oder sich einer anderen - oder gar keiner - Religion anzuschliessen? Das wäre vor einigen Generationen hierzulande noch undenkbar gewesen. In einigen Ländern ist es das heute noch.
Ich möchte auf ein paar Punkte aufmerksam machen, die mir zu wenig beachtet, bzw überhaupt nicht gedacht zu werden scheinen.
Erstens wird mE körperliches Wohlbefinden und der Wunsch nach Modifikationen unzulässig stark mit Gender verknüpft. Körper- und Genderdysphorie können aber einzeln und getrennt auftreten - und haben nicht zwingend ein anderes, behandelbares Problem als Ursache. Eine Frau, die freiwillig ohne Brüste leben will, ein Mann, der freiwillig ohne Hoden und_oder Penis leben will, sind aber systemisch "undenkbar". Dazu mal ein Ausschnitt aus einem Text, den ich heute morgen gelesen habe (Fetlife):
O-Ton einer cis butch Lesbe.During the scheduling process and the day of breast cancer surgery #1, a lumpectomy of the tumor and removal of a lymph node, they asked me well over a hundred questions. I had discussed my gender presentation as well as my relationship with my breasts as a butch dyke with my surgeon in detail. I remember one talk about mastectomy with reconstruction and I stopped her and said "I"™m a butch dyke. My relationship with my breasts has always been finding what I need to wear to make them disappear under my shirt. If you take stuff out, you are NOT putting any back in!"
Zweitens wird die doppelt binäre Trennwand (cis/trans + m/w) durch das trans Prozedere selbst eher höher gezogen, als abgebaut. Freigabe für medizinische Massnahmen ohne Gender- oder Körperdysphorie sind praktisch nicht machbar. Keine Endos, keine Chirurgys lassen sich darauf ein, nicht einmal mit einer Bestätigung, dass du nach allen bekannten Instrumenten weisst, was du da willst und die Konsequenzen akzeptierst. D.h. Nele hatte nur die Wahl, entweder Dysphorie "wegtherapieren" good luck with that, oder aber die Diagnose "trans" akzeptieren, und zwar binär, weil im psycho-medizinischen System nichts anderes vorkommt. Keine Ahnung, was für sie das beste ist, aber ich vermute mal, keine von beiden Alternativen.
Drittens, ja, Hormone sind keine Smarties. Aber sie verursachen auch keine Schäden wie zum Beispiel Nikotin, Alkohol oder ein ungeschicktes Überholmanöver. Die tatsächlichen medizinischen Risiken sind vergleichsweise gering. Du hast mehrere Jahre Zeit, das zu überlegen und wenn es sich als falsche Entscheidung herausstellt, musst du eben in Zukunft je nachdem weitere Shirts oder nen Rasierer kaufen - und ja, Nachwuchs gibt's ggf nicht mehr. Aber du bist danach nicht weniger lebensfähig. Auch nicht bei einer Mastek, Orchi, Hysterektomie. Life happens.
Mal konstruktiv gedacht, und da treffen wir uns vermutlich: Ich möchte mehr Aufklärung und Beratung. Mehr peer und bessere Fachleute. Ich möchte ein System beseitigen, das mittels hoher Einstiegshürden erst erheblichen Druck im Kessel erzeugt und nur durch unnötig überhöhte Entscheidungen Möglichkeiten eröffnet. Ich möchte, dass Menschen Dinge probieren können, das geht nämlich, offen darüber reden, sich umentscheiden, frühere Entscheidungen darstellen, ohne von anderen niedergemacht oder instrumentalisiert zu werden. Ich möchte, dass Leben als veränderlich, stufenlos anpassbar gesehen wird und ein sich nicht once and for all auf eine von zwei Möglichkeiten festlegen muss.
Dann hätte Nele vielleicht gar nichts gemacht oder wäre einfach eine lesbische Frau ohne Brüste oder hätte ganz anders über ihren Körper nachgedacht. Aber wer in einer Welt lebt, in der die Leute nur Hammer kennen, lernt eben Probleme auch nur als Nägel zu betrachten.
(verdammt ist das wieder lang geworden...)