Der schöne Schein
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Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Helga
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Der schöne Schein

Post 1 im Thema

Beitrag von Helga »

Das Zulassen der weiblichen Seite hat einen interessanten Nebeneffekt: Mensch kann sich wieder selbst überraschen. Als ich kürzlich in Begleitung mit dem Vorsatz Stiefeletten zu kaufen in die Innenstadt gegangen bin, kamen wir auf der Suche nach einem bestimmten Schuhgeschäft an einer Filiale von Peek und Cloppenburg vorbei. Beim Blick in die Schaufenster erspähte ich ein Kleid, das mich auf den ersten Blick faszinierte, vielleicht sogar etwas elektrisierte: Ein knöchellanges Abendkleid mit klarem, figurbetontem Schnitt, vorne relativ hoch geschlossen (was bei meinen haarigen Dekolleté sehr vorteilhaft ist) dafür am Rücken mit tiefem Wasserfall- Ausschnitt, angedeuteten Ärmeln, am Saum leicht ausgestellt aber- ohne weiteren Zierrat, dafür komplett mit silbernen Pailletten besetzt. Ein richtig glamouröser- - Glitzerfummel, der irgendwie nach Cannes, Hollywood oder Monte Carlo aussah.- https://www.peek-und-cloppenburg.de/p/4 ... bendkleid/

Als wir später auf dem Rückweg wieder am gleichen Kaufhaus vorbei kamen, bat ich meinen Begleiter mal eben hinein zu gehen. Erstaunlich welch gute Orientierung Frauen in Modegeschäften haben. Das Kleid war nach 3 Minuten im 1.OG aufgespürt. Am Ständer hing auch Größe 42, die Umkleiden waren direkt nebenan, also los?- Aufgrund des Weihnachtsgeschäftes hatte sich an den Kabinen eine Warteschlange gebildet. Eine streng aussehende Verkäuferin regelte den Zugang zu den Umkleidekabinen. Neben denen, die amprobieren wollten, standen auch diverse Begleitpersonen hier rum und warteten. Leider setzte jetzt mein Kopfkino ein: "Du nimmst das Kleid von Ständer, stellst dich in der Schlange an, wartest bis dir eine Kabine zugewiesen wird, gehst hinein, ziehst dich um. Dann kommst du wieder raus, damit dein Begleiter dich unter den Augen der Umstehenden von allen Seiten fotografieren kann". Die Aussicht hier und jetzt die erste Travestie- Show meines Lebens zu geben hat mich dann doch abgeschreckt und ich ließ von dem Vorhaben ab. (Was mich im Nachhinein ziemlich ärgert und den Vorsatz reifen ließ die Anprobe im neuen Jahr nachzuholen)

Das Erlebnis war aber mal wieder Anlass zur Selbstreflektion. Warum bin ich so scharf auf- einen Glitzerfummel bei dem mir, abgesehen vom Tuntenball, kein Anlass einfällt- ihn auch mal außerhalb der eigenen vier Wände zu tragen?- 
Ist das jetzt Oberflächlichkeit weil ich als etwas erscheinen will was ich nicht bin und nicht sein kann? Warum möchte ich mich anziehen wie ein Filmstar? Nebenbei: Auch als Crossdresser würde ich nie von "Verkleiden" sprechen oder schreiben sondern von Umziehen, Anziehen oder Zurechtmachen. Von außen betrachtet sind Crossdresser wohl die oberflächlichsten Menschen, die überhaupt vorstellbar sind. Das Aussehen wird so stark verändert dass eine völlig andere Person eines anderen Geschlechts dargestellt wird. Es ist aber trotzdem nicht oberflächlich, denn mit dieser Oberfläche versuche ich widerzuspiegeln was in meinem Innern vorgeht. Aber warum geht in meinem Innern ein glamouröses Abendkleid vor? Ich bin kein Party- Mensch, als Mann ein katastrophaler Tänzer (als Frau habe ich es bislang nie ausprobiert) und versuche Empfänge zu vermeiden.- 

Erklärungsversuch: Ich gehe mal ganz weit zurück. Das Jahr 1969. Ich konnte gerade laufen, die ersten Worte sprechen, hatte verstanden, das ich ein "Ich- Individuum" war und musste jetzt meine Persönlichkeit und meinen- Umgang mit anderen Menschen entwickeln. Entwicklungspsychologen bezeichnen dies als "Sozialisierung". Ein Prozess der in mehreren Abschnitten abläuft und vermutlich nie komplett beendet ist.
Ich wuchs am Rande- einer etwas beengten bäuerlichen Dorfgemeinschaft im nordwestlichen Niedersachsen- auf. Mangels anderer Informationen mußte ich mich (wie jedes Kleinkind) an Vorbildern orientieren. Die Sortierung männlich/ weiblich fiel nicht schwer, weil eindeutig, und war auch für mich zumindest damals unzweifelhaft. Wen gab es an männlichen Vorbildern? Zunächst einmal den Vater, dann den Großvater, verschiedene- Onkels, (der Einfachheit halber wurde alles was nicht Vater oder Großvater war als "Onkel" bezeichnet). Ein etwas derbes Völkchen. Meistens in Gummistiefeln und Plattdeutsch redend. Zu politischen Ereignissen gab es immer eine Meinung, wenn auch gefärbt durch die eigene Sozialisierungsphase, die zum großen Teil in der Zeit des braunen Reiches stattgefunden hatte. Gekennzeichnet war diese Gruppe durch den Spruch "Mann von Vierzig ohne Bauch ist ein Krüppel" oder durch diesen: "Schluck un Beer mööt dor ween, ok wenn de Kinder dat Stroh ut de Holschen freet" (Schluck und Bier müssen da sein, auch wenn die Kinder das Stroh aus den Holzschuhen fressen). Letzteres war zum Glück nie notwendig, zu essen gab es immer reichlich. Viel Fleisch, viel Kartoffeln, viel Fett. Entsprechend dünn war die Generation der Großväter vertreten. Es bestand das ungeschriebene Ethos möglichst bald nach der Hofübergabe von der gemeinsamen Tafel abzutreten, was durch reichhaltigen Konsum billiger Rauchwaren der Marke "Jagdruf" oder "Dannemann Fehlfarben" deutlich forciert werden konnte. Das vorgenannten Ethos bestand für die Großmütter offensichtlich nicht. Diese zähen alten Damen, selbst noch zu Kaisers Zeiten sozialisiert,- hatten auf den meisten Hofstellen das Sagen, ohne dies zu sehr nach Außen zu zeigen. Einige dieser Großmütter entzogen sich nach damaliger kindlicher Wahrnehmung einer eindeutigen Geschlechtszuordnung, neben Halbglatzen und Bärten hatten einige Sprache und Gebahren angenommen, die sonst eher als typisch männlich bezeichnet wurden. Womit wir zu den weiblichen Vorbildern kämen. Nicht dass der als männlich klassifizierte junge Erdenmensch sich von diesen etwas hätte abschauen dürfen. Backen und Kochen waren Geheimwissenschaften in die Männer nicht eingeweiht werden durften. An erster Stelle wäre natürlich die Mutter als Erstkontakt zur menschlichen Spezies zu nennen. Dann eine Menge Tanten (der Einfachheit halber wurde alles was nicht Mutter oder Großmutter war als "Tante" bezeichnet). Einige eher still und zurückhaltend, andere eher laut und ordinär. Alle irgendwie ein wenig beschränkt im Geiste. Der Tellerrand lag an der Dorfgrenze.- Kennzeichnend für diese Gruppe war, dass ihre Mitglieder- zu jedem Anlaß und bei jeder Witterung Röcke oder Kleider trugen, darüber meist eine Schürze oder Kittelschürze. In der Leibesfülle standen sie ihren Ehegatten meist nur unwesentlich nach. Schminken war unüblich, die entsprechenden Utensilien meiner- Mutter beschränkten sich auf einen Lippenstift und eine Puderdose.
Für alle galt:- Duschen war unbekannt, am Wochenende wurde gebadet, dazwischen gab es "Tosca" oder "Sir Irisch- Moos", beziehungsweise den Hinweis:"Es darf jeder wissen wie wir unser Geld verdienen!"- 
Dass das "Herz am rechten Fleck" gesessen hat, wie ein geflügelte Wort über Dorfbewohner behauptet, kann ich trotz der Doppeldeutigkeit des Ausdruckes nicht für-  die gesamte Landbevölkerung bestätigen. Einige waren doch sehr auf ihren eigenen Vorteil bedacht.- 

Wo sollte ich mich als heranwachsender- Junge bei diesen Vorbilder verorten? Wie sollte ich bei diesen Vorbildern ein Frauenbild entwickeln, mit dem ich mich irgendwann auf dies Suche nach einer Partnerin machen könnte? Und wie sollte meine damals noch verborgene weibliche Seite ihr eigenes Bild von sich selbst entwickeln?
Zum Glück gab es bereits damals ein Instrument, das auch heute noch wichtige Dienste bei der Sozialisierung von Kindern leistet: Das Fernsehen. Es gab nur drei Programme, die auch im Westen doppelt zensiert waren. Das erste mal durch die Rundfunkanstalten (die Beiräte besetzt mit Altnazis), dann durch Eltern und Großeltern. Alles was nicht deutsch sang wurde als "Pieterporter" oder Katzenmusik abgetan. Den "Beatclub" habe ich nie zu sehen bekommen, "disco" war so gerade erlaubt weil Ilja Richter so ein "Charmör" war. (Das heute so oft in historischer Verklärung herbeigesehnte Mehrgenerationenwohnen war damals die Hölle).
Aber immerhin versammelte sich die Großfamile damals in schöner Eintracht vor dem Fernseher (Streit war aufgrund des geringen Angebotes obsolet) und ließ sich die weite Welt präsentieren. In der klassischen Samstagabendunterhaltung gab es Frauen wie Daliah Lavi (https://youtu.be/kO2sQlsYqHs) Vicki Leandros (https://youtu.be/Ka89ORFu_Tc), Dalida (https://youtu.be/gpKPB2WhkkU), Katja Ebstein (https://youtu.be/smhpdO-2glM) und andere zu sehen. Große (zumindest wirkten sie so), schlanke Frauen in traumhaften Kleidern, die in kurzen Interviews einen intelligenten, weltgewandten Eindruck vermittelten. Diese schlanken, intelligenten Frauen stellten den absoluten Gegenentwurf zur Gruppe der Mutter und Tanten dar: Klein und kräftig, ideal geeignet für den Einsatz in der bäuerlichen Landwirtschaft. (Für den letzten Einschub, der Frauen als Handelsware klassifiziert möchte ich mich in aller Form entschuldigen- tatsächlich wurden aber derartige Kriterien bis in die 1980 bei der Wahl einer geeigneten Ehefrau für den Hoferben angesetzt. Treibende Kraft war hierbei insbesondere die Generation Großmutter.)- 

Kein Wunder also dass der kleine Junge diesen Gegenentwurf dankbar mit in sein Frauenbild aufnahm und sich später eine Partnerin suchte die eher diesem Gegenentwurf entsprach. Auch die verborgene weibliche Seite nahm diesen Gegenentwurf dankbar für sich auf. Fernsehen war bei uns bis weit in die 1980er schwarzweiß. Vielleicht erklärt sich daraus, dass ich noch immer sehr unsicher mit Farben bin.- 

Ich hatte das große Glück diesem dörflichen Mikrokosmos zu entkommen und das- Frauenbild meiner männlichen Seite weiter zu entwickeln und zu differenzieren und hoffe damit einigermaßen up to Date zu sein. Meine weibliche Seite hat das veränderte Frauenbild meiner männlichen Seite zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht für sich selbst übernommen. Warum sollte sie auch? Welche Frau will sich ihren Geschmack aufdiktieren lassen.- Da sie jahrzehntelang unterdrückt war, konnte sie ihr eigenes Bild von sich selbst noch nicht weiterentwickeln.- Ihr Stil steckt noch immer ein wenig in den frühen 1970er Jahren fest. Sie trägt gerne Kleider und Röcke, lange Haare, Pumps, tatsächlich auch Kittelschürzen aber sie schwärmt auch für glamouröse Abendkleider.- 

PS: Der vorstehende Text entspricht mutmaßlich nicht dem derzeitigen Erkenntnisstand der wissenschaftlichen Lehrmeinung sondern meinen eigenen Empfindungen und Interpretationen. Sollte ein Forenmitglied anderer Meinung sein freue ich mich auf eine rege aber konstruktive Diskussion. Ich habe dies nicht geschrieben um irgendjemanden zu ärgern, zu kränken oder gar zu beleidigen. Sollte dies doch passiert sein bitte ich um Nachricht damit wir diesen Punkt aufklären können, gerne auch per PN.
Liebe Grüße
Helga
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Re: Der schöne Schein

Post 2 im Thema

Beitrag von Angelique »

Hallo Helga,

erstmal Danke für diesen Einblick ins dörfliche Lebenn der 60er Jahre. Einiges habe ich auch in meiner Kindheit und Jugend so kennengelernt (Kittelschürze!)

Um auf Deine eigentliche Frage bzw. Beobachtung einzugehen:
Helga hat geschrieben: Mo 30. Dez 2019, 08:44 Das Erlebnis war aber mal wieder Anlass zur Selbstreflektion. Warum bin ich so scharf auf einen Glitzerfummel bei dem mir, abgesehen vom Tuntenball, kein Anlass einfällt ihn auch mal außerhalb der eigenen vier Wände zu tragen?
Ist das jetzt Oberflächlichkeit weil ich als etwas erscheinen will was ich nicht bin und nicht sein kann? Warum möchte ich mich anziehen wie ein Filmstar? Nebenbei: Auch als Crossdresser würde ich nie von "Verkleiden" sprechen oder schreiben sondern von Umziehen, Anziehen oder Zurechtmachen. Von außen betrachtet sind Crossdresser wohl die oberflächlichsten Menschen, die überhaupt vorstellbar sind. Das Aussehen wird so stark verändert dass eine völlig andere Person eines anderen Geschlechts dargestellt wird. Es ist aber trotzdem nicht oberflächlich, denn mit dieser Oberfläche versuche ich widerzuspiegeln was in meinem Innern vorgeht. Aber warum geht in meinem Innern ein glamouröses Abendkleid vor? Ich bin kein Party- Mensch, als Mann ein katastrophaler Tänzer (als Frau habe ich es bislang nie ausprobiert) und versuche Empfänge zu vermeiden.
Ich definiere mich auch als Crossdresser/Teilzeitfrau und auch ich habe das Bedürfniss tolle Kleider zu tragen (Je Prinzessinenhafter desto besser). Woran mag das liegen? Ich überzeichne Weiblichkeit. Nach dem Motto "wenn schon, dann aber doll!"
Ich gehe eher selten raus und trotzdem ziehe ich auch in meinen eigenen 4 Wänden das volle Programm durch, Damenunterwäsche, Strümpfe/Strumpfhose, komplettes Make-up usw. obwohl vieles vielleicht nicht notwendig ist weil sieht ja eh keiner außer meiner Frau.
Was geht dabei in meinem Inneren vor? Ich habe eine Idealvorstellung einer weiblichen Person die ich darstellen möchte und die hat irgendwie garnichts oder nur wenig mit den Frauen der heutigen Zeit zu tun. Meine Idealvorstellung ist eher so 50er Jahre. Allerdings nur was die Kleidung betrifft! Ich habe aber keine Erklärung warum das so ist. Frühkindliche Prägung kann es eigentlich nicht sein, ich wurde erst 1963 geboren.

Tja, warum nur...

LG Angelique
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Re: Der schöne Schein

Post 3 im Thema

Beitrag von Josii »

Helga hat geschrieben: Mo 30. Dez 2019, 08:44Warum bin ich so scharf auf- einen Glitzerfummel bei dem mir, abgesehen vom Tuntenball, kein Anlass einfällt- ihn auch mal außerhalb der eigenen vier Wände zu tragen?- 
Moin Helga, kann ich soooo gut nachvollziehen. Warum??????? Wegen diesem EINEN Augenblick!!!!! (he) Siehe meine Signatur. LG Josii
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Re: Der schöne Schein

Post 4 im Thema

Beitrag von Andrea K »

Liebe Helga,

ganz hervorragen be- und vor allem geschrieben. Respekt! Es war mir eine Freude diesen vollendet formulierten Beitrag zu lesen. Zumal ich vieles Wort für Wort nachvollziehen kann. Etwas weiter südlich im nördlichsten Teil von Nordrhein-Westfalen unweit der Grenze zu Niedersachsen in ländlicher Umgebung aufgewachsen ist mir das alles nicht fremd. Nur mit dem Glitzerfummeln, damit hatte ich es noch nie, aber das ist eine andere Geschichte.

Liebe Grüße
Andrea
Joe95
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Re: Der schöne Schein

Post 5 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Sehr schön und auch unterhaltsam geschrieben.
Helga hat geschrieben: Mo 30. Dez 2019, 08:44 Warum bin ich so scharf auf einen Glitzerfummel bei dem mir, abgesehen vom Tuntenball, kein Anlass einfällt ihn auch mal außerhalb der eigenen vier Wände zu tragen?
Weil es ein schönes Kleid ist.
Hätte ich auch nur annähernd eine Figur, die da rein passt, würde ich es auch haben wollen.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
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Re: Der schöne Schein

Post 6 im Thema

Beitrag von Viktoria-TV »

Das Erlebnis war aber mal wieder Anlass zur Selbstreflektion. Warum bin ich so scharf auf einen Glitzerfummel bei dem mir, abgesehen vom Tuntenball, kein Anlass einfällt ihn auch mal außerhalb der eigenen vier Wände zu tragen?
Hallo Helga,

danke für deinen sehr persönlichen Text. Der Grund, warum ich von solchen Kleidern fasziniert bin, ist, dass schön weiblich und schick sind. Und alles was ich will, ist ja eine schicke Dame sein. Klingt oberflächlich, aber dazu hast du ja schon was geschrieben ;)

Nun für solch ein schönes Kleid gibt es tatsächlich wenige Anlässe. Ich hab auch so eins: Ich trage es manchmal, wenn ich in die Oper oder ins Theater gehe. Zumindest meins kann ich auch noch anziehen, wenn ich Party machen gehe. Vielleicht sind ein paar Ideen für dich, dir das Kleid trotzdem zu kaufen und einen ganz neuen Raum für dich zu entdecken, an den du bisher nicht gedacht hast.

LG
Viktoria
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Re: Der schöne Schein

Post 7 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Helga,

bischen Glitzer i der Garderobe fasziniert mich auch, etwa bei Strumpfhosen, Pullovern, T-shirts, Schals und Kleider. Ich überlege auch, wo es her kommt, denn das angebot an "Glitzersachen" ist ja doch etwas beschränkt.

Es ist so ähnlich wie mit weicher leichter "Kuschelware" wie Pullover, Jacken und so, die ich gerne trage, soweit es die Größe zulässt. Ich weiß nicht wo dieser besondere Geschmack her kommt. Aber es ist so bei mir.

Spannend darüber nachzudenken.

Liebe Grüße
Inga
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Der schöne Schein und ein neues Traumkleid

Post 8 im Thema

Beitrag von Helga »

Helga hat geschrieben: Mo 30. Dez 2019, 08:44 Die Aussicht hier und jetzt die erste Travestie- Show meines Lebens zu geben hat mich dann doch abgeschreckt und ich ließ von dem Vorhaben ab. (Was mich im Nachhinein ziemlich ärgert und den Vorsatz reifen ließ die Anprobe im neuen Jahr nachzuholen)
Schön wenn mensch die selbst gegebenen Versprechen einhalten kann. Wer hätte allerdings gedacht, daß Corona mir dieses Vorhaben auch noch erleichtern würde.
Der Besuch bei Freunden im Ostwestfälischen war auch mit einer Shopping- Tour en- femme verbunden. (viewtopic.php?p=288621#p288621)
Nach einigen eher enttäuschenden Filialisten kamen wir zu Peek und Cloppenburg. Meine Begleiterin steuerte gleich die richtige Abteilung an, nahm ein Abendkleid vom Ständer und sprach "zieh mal an!" Einer solchen Aufforderung vermochte ich einfach icht zu widerstehen und zog mich maskiert in die Umkleide zurück.
Was für eine Robe! A- Linie mit dunkelblauem Rock und silbernem Oberteil. Aufgedresst verließ ich die Umkleide im mich mit gebührenden Abstand im Spiegel zu betrachten und meinen Begleitern Gelegenheit zu geben Fotos zu machen. Dank Maske wurde nichts aus der Travestieshow. Die geduldig auf eine freie Kabine wartenden Kundinnen verzogen bei meinem Auftritt keine Miene. Was für ein Gefühl ein solches Kleid zu tragen. Spontan habe ich es zu meinem neuen Traumkleid erkoren.
Zurück in die Kabine. Kaum hatte ich mich aus dem Kleid herausgeschält, wurde mir das nächste angereicht. Dunkelviolett mit Spitzen. Auch ganz nett, aber irgendwie fehlt der Glamour. Sicherlich das richtige für die Brautmutter, die sich dezent zurückhält.
Ein drittes Kleid nahm ich mir dann selbst noch vom Ständer. Silbern glänzend mit Raffungen. Die Spaghetti- Träger waren leider nicht geeignet die BH- Träger zu verdecken. Daher nur mit eigener, masshaltiger Oberweite oder Vollbrustkorsett zu tragen. Der geraffte Schnitt kaschierte die fehlenden Hüften leider auch nicht so gut wie die A- Linie des ersten Kleides.
Mein Traumkleid aus dem Eingangspost hing leider nicht auf dem Ständer. Aber das machte nichts. Dazu später.
Das schwülwarme Wetter und die Masken machten sich langsam in der Sauerstoffsättigung bemerkbar, so dass wir den Besuch bei P&C an dieser Stelle beendeten.
Was mir beim Betrachten der Bilder nachträglich klar wird: Solche Kleider sind für Frauen wie uns gemacht. Ich bin knapp 180cm groß, der Saum liegt auf dem Boden. Um in dem Kleid laufen zu können muss ich hochhackige Schuhe tragen. Die durchschnittliche cis- Frau von 165 cm muss das Kleid kürzen. Sie kann die Proportionen garnicht mehr richtig zur Geltung bringen. Große Kleider wirken nur an großen Frauen!
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Re: Der schöne Schein und ein neues Avatar

Post 9 im Thema

Beitrag von Helga »

Wer kennt sie nicht, diese kleinen Heinzelmännchen (aus unverständlichen Gründen Coockies genannt), die sofort und an den unmöglichsten Stellen petzen, wenn mensch mal eine Internetseite besucht hat, die auf den ersten Blick so garnicht zu ihm/ ihr zu passen scheint. Es ist einfach erstaunlich auf welchen Seiten mir mein Traumkleid aus dem P&C Onlineshop (https://www.peek-und-cloppenburg.de/p/4 ... bendkleid/) vorgeführt wurde. Selbst auf hochseriösen baufachtechnischen Plattformen wurde ich immer wieder an meine speziellen Vorlieben erinnert. Aber in diesem Fall war dies auch ganz gut so, dann das ursprünglich mit ca. 260€ verpreiste Kleid war plötzlich auf 50% reduziert. Noch einige zaghafte Besuche im Onlineshop (soll ich? - soll ich nicht?), aber der Hinweis "nur noch 3 in Größe 42 vorrätig" brachte den letzten Widerstand einer typisch männlichen Pseudo- Vernunft zum Erliegen. Das Kleid wurde bestellt, per Kreditkarte bezahlt und wenige Tage später an die Packstation geliefert. Passende Glitzersandalen mit 12cm Absatz lieferte der Deichmann- Onlineshop, eine Chokerkette der Versand mit a.
Ein schönes Sommerkleid beim Shopping oder beim Spaziergang anlassbezogen adäquat vorzuführen ist kein Problem. Beim Abendkleid wird es, gerade zu Corona Zeiten, mit den Anlässen schon schwieriger. Daher sollte es zunächst einmal beim Indoor- Fotoshooting bleiben, auch um mich ersteinmal an die hohen Absätze und das so völlig andere Tragegefühl zu gewöhnen.
So reiste das Kleid mit zu meinen Freunden ins ostwestfälische, mein Gastgeber erklärte sich gern bereit als Fotograf und Einpeitscher zu agieren.
Das Anziehen ist nicht ganz einfach. Im Interesse des ungestörten Wasserfall- Dekolletees auf dem Rücken befindet sich der Reisverschluss unter dem linken Arm. Frau muss sich von unten durch einen endloss wirkenden Stoffschlauch arbeiten, Kopf und Arme durch die jeweils richtige Öffnung stecken und mit gekonnten Körperschwüngen das eng anliegende Kleid dazu bringen mit der Schwerkraft in die richtige Position nach unten zu fallen. Hierbei bleibt die Zweitfrisur am besten auf dem Ständer (und das Makeup hoffentlich nicht im Innenfutter).
Mein Fotograf wendete viel Wortwitz darauf auf meine Gesichtszüge aufzulockern, was schließlich auch mit gewissem Erfolg gekrönt war. Eines der dabei entstandenen Bilder ist mein neues Avatar.
Irgendwann fragte mein Gastgeber mich: "Was bedeutet es für dich dieses Kleid zu tragen?"
In dem Moment war das Gefühl für mich nicht wirklich beschreiblich. Ich versuchte mich in mainstreamigen Vergleichen wie: Das erste Mal Porsche fahren, das erste Mal Paragleiter fliegen, das erste Mal einen Gipfel bezwingen....
Dies mögen zwar auch Erlebnisse mit Herzklopfen und Schmetterlingen im Bauch sein, aber das traf es alles nicht wirklich. In all seiner Oberflächlichkeit ist das Gefühl dieses Kleid zu tragen viel tiefgreifender.
Ich habe im Eröffnungspost sehr ausführlich über meine Kindheit auf dem Lande und die damit verbundene beschränkte Weltsicht berichtet. Ausserdem vom Fernsehen, das mir kleine Einblicke in eine mir unzugängliche, exotisch anmutende Welt brachte. Schöne, intelligente Frauen, die so völlig anders waren, als die Frauen, die ich aus meinem Umfeld kannte. (natürlich waren auch die Männer anders). Mit diesem Kleid reihe ich mich in den Olymp dieser kindlichen Idole/ Ideale ein. Diese tollen Frauen, die ich im Fernsehen bewundern durfte sind für nicht mehr unerreichbar. Denn wenn ich will kann ich selbst eine solche Frau sein.
Das klingt jetzt sehr oberflächlich. Ist es vielleicht auch, lautet die Kernbotschaft doch: "Auch ein Bauernbursche kann wie eine Gräfin aussehen". Aber es geht sehr viel tiefer, es rüttelt an den Grundfesten meiner Erziehung, die mir so etwas wie ein Kastendenken eingebläut hat: Jeder Mensch hat mit seiner Geburt einen Platz auf dieser Welt zugewiesen bekommen, von dem er sich nicht zu entfernen hat. Punktum. Meinen Vater hat es sehr gewurmt, als er einsehen musste, dass sein Hof einfach zu klein war, als dass ich (als ältest) ihn hätte weiterführen können. Er war froh als ich eine solide handwerkliche Ausbildung eingeschlagen habe, hat es aber überhaupt nicht verstanden, dass ich im Anschluss ein Hochschulstudium begonnen habe. Eine solche Laufbahn erschien ihm überhaupt nicht angemessen. Aber dies war im wahrsten Sinne des Wortes ein anderes Jahrtausend.
Ich habe meine beschränkte "Schuster bleib bei deinen Leisten" Erziehung überwunden, durch die ich mir ein Leben lang eingeredet habe: So kannst du nicht sein, zu solchen Leuten gehörst du nicht. Die Hülle der Erziehung, die mir, unabhängig vom Crossdressing, lebenslänglich Minderwertigkeitskomplexe eingebrockt hat, bricht endlich auf.
So paradox dies auch klingen mag, schöne Kleider tuen auch meinem männlichen Selbstbewusstsein gut. Wenn mir gegenüber mal wieder ein Alphatier schaumschlagend seine Show abziehen muss denke ich einfach in mich hinein: "Spiel dich nur auf. Im Abendkleid mache ich definitiv die bessere Figur!" in dem Bewusstsein ihm überlegen zu sein kann ich seine Argumente fachlich viel besser prüfen ohne mich blenden zu lassen. Dabei stelle ich immer wieder fest: Auch die größten Gourmet- Köche kochen nur mit Wasser. Und das kann ich ihnen reichen (wenn ich so gnädig bin).
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ExuserIn-2021-04-19
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Re: Der schöne Schein

Post 10 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2021-04-19 »

Hallo Helga,

herzlichen Glückwunsch zum neuen Kleid. Es steht dir sehr gut und sitzt perfekt. (yes)

LG Katja
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Kerstin
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Re: Der schöne Schein

Post 11 im Thema

Beitrag von Kerstin »

Grüß dich Helga

Tolles Kleid und bei deiner Figur jederzeit tragbar.
Ein kleiwenigneidischguck.

LG Kerstin
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Re: Der schöne Schein

Post 12 im Thema

Beitrag von Helga »

Katja hat geschrieben: So 30. Aug 2020, 22:18 Hallo Helga,

herzlichen Glückwunsch zum neuen Kleid. Es steht dir sehr gut und sitzt perfekt. (yes)

LG Katja
Danke Katja!
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Re: Der schöne Schein

Post 13 im Thema

Beitrag von Helga »

Kerstin hat geschrieben: So 30. Aug 2020, 23:26 Grüß dich Helga

Tolles Kleid und bei deiner Figur jederzeit tragbar.
Ein kleiwenigneidischguck.

LG Kerstin
Danke Kerstin,
bei der Figur mussten diverse Pölsterchen nachhelfen.
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Re: Der schöne Schein

Post 14 im Thema

Beitrag von Helga »

Bei all den ernsten Themen, die von allen Seiten auf uns einhämmern ist es wirklich an der Zeit mal wieder an die schönen Dinge des Lebens zu denken. Die Ballsaison naht! Leider wird mein fest gefasster Vorsatz endlich mal einen Tuntenball zu besuchen wohl auch in der Saison 2021/ 2022 mangels entsprechender Veranstaltungen unerfüllt bleiben.
Immerhin scheint sich die Pandemie noch nicht bis zu den Betreiber einschlägiger Onlineshops herumgesprochen zu haben. Das Angebot ist umfangreich wie nie, die Rabatte sind hoch wie nie, genauso wie die Verlockung den Kleiderschrank mit textilen Träumen aufzufüllen, die ihr spanplattenes Zuhause in den nächsten Jahren nicht wieder verlassen werden.
Den Onlineshops konnte ich bisher widerstehen. Als ich auf ebay- Kleinanzeigen jedoch auf zwei Vintage- Abendkleider stieß, die direkt der Fernsehunterhaltung der 1970er Jahre entsprungen zu sein schienen, da wurde ich schwach und mit der Verkäuferin schnell handelseinig.
Nr.1 ist ein strahlend blau glitzerndes Neckholder- Kleid. Aufgrund des Schnittes im oberen Bereich nicht für BH's und sonstige, Träger- gehaltene Unterwäsche geeignet. Um die künstliche Oberweite an der Wunschposition zu halten musste ich auf die Unterstützung eines Vollbrust- Korsetts zurückgreifen. Als besonderes Detail wird das Kleid nicht über einen Reisverschluss, sondern über kleine, engstehende Knöpfe auf dem Rücken geschlossen. Ohne Unterstützung eine recht mühselige Angelegenheit.
Leider ließen sich die obersten Knöpfe nicht mehr schließen, um mich daran zu erinnern, dass ein männlicher Brustkorb nun mal doch etwas mehr Volumen hat.
Nr. 2 ist in grün- schwarz gehalten, mit grünem Bolero- Jäckchen. Zugegeben, damit wäre ich die Königin auf jeder Bad- Taste- Party, aber irgendwie bringt dieser Fummel sentimentale Erinnerungen an meine Kinderzeit, auch wenn unser Fernseher damals nur schwarzweiß konnte.
Beide Kleider sind mit Größe 44 ausgeschildert. Obwohl ich sonst meistens 42 trage sitzen sie recht knapp. Der Wohlstand des 3. Jahrtausends hat sich offensichtlich auch in den Kleidergrößen niedergeschlagen.
Größe 44 hatte übrigens auch das erste Kleid, das ich je getragen habe. Von meiner Mutter stibitzt.
Diese Abendkleider hätte meine Mutter mit ihren 160cm Körpergröße nicht tragen können.
Solche Kleider sind halt für besondere Frauen gemacht.
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Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
petra0103
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Re: Der schöne Schein

Post 15 im Thema

Beitrag von petra0103 »

Guten Morgen Helga,

die Abendkleider, die Du hier gezeigt hast, sind allesamt hammermäßig. Nur das schulterfreie Kleid gefällt mir nicht so gut. Vielleicht ergibt sich für Dich mal die Möglichkeit, in die Oper oder ins Theater zu gehen. Dann kommen Deine Kleider so richtig zur Geltung.
Mir geht es ähnlich wie Dir. Eigentlich achte ich darauf, meine Garderobe unter praktischen Gesichtspunkten auszuwählen. Aber bei den gezeigten Kleidern würde ich wahrscheinlich auch schwach werden. Vielleicht kannst Du die guten Stücke bei einem Spaziergang am Sonntag tragen, sich fein herauszuputzen ist nicht verboten. Es sollte aber trocken sein, da sich ansonsten das bodenlange Kleid unten mit Wasser vollsaugt.

Liebe Grüße
Petra
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