Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 10. Jan 2020, 07:55
Viele Partnerinnen von uns lehnen es ab, uns en femme zu sehen. Natürlich wirkt ein "was nicht sein kann, was nicht sein darf", aber ich habe den Eindruck, dass viele auch instinktiv auf unsere fehlende Auseinandersetzung mit unserer Männlichkeit reagieren. Sie sehen in uns vielleicht mehr als wir selber wahr nehmen. Meine Frau hat sehr positiv auf den Gedanken der Aussöhnung mit meiner Männlichkeit reagiert. Dabei verurteilt sie nicht meinen weiblichen Teil unseres Kleiderschranks. Und was Partnerinnen hier schreiben, lässt mich vermuten, dass es ihnen ähnlich geht.
Trans sein, gehört zu unserem Leben. Es ist die Auseinandersetzung mit unseren weiblichen Anteilen. Viele scheinen aus meiner Perspektive die Auseinandersetzung mit der männlichen Seite zu vermeiden. Hier wird etwas verleugnet. Unsere Partnerinnen haben einen Mann geheiratet und genau das fordern sie ein. Ich bin davon überzeugt, dass viele Partnerinnen mit unserer weiblichen Seite gut leben können, wenn wir uns aufmachen, unseren männlichen Part zu rkunden. Damit sind nicht männliche Klischees gemeint, sondern das was in uns originär männlich ist. Was das ist, muss jede/r für sich selber finden. Wichtig ist, dass wir es tun und unsere dunklen Ecken erkunden, die wir so vehement verbergen wollen. Es geht nicht um die Frage, ob wir Röcke, BH oder FSH tragen wollen. Es geht darum, dass wir uns zu Menschen entwickeln, die vollständig sind.
Liebe Vicky,
wow! Erstmal großes Kompliment für diesen Post ...ich habe den Text jetzt mehrfach gelesen und werde sicher noch über viele Punkte lange nachdenken.
Ich finde den Gedankenansatz, dass "ihr" vielleicht euren männlichen Anteil aktiv verdrängt oder verleugnen wollt (aus welchen Gründen auch immer) äußerst interessant als Ansatz.
Dazu nur ein Gedanke:
Ich habe meinem Mann mal gesagt, dass er seine weibliche Seite erstmal selbst vollständig akzeptieren und annehmen muss, also in sein "Sein" integrieren muss, ansonsten kann ich das auch nicht - wie soll ich eine Seite an ihm voll akzeptieren können, die er selbst nicht liebt, für die er sich schämt und die er lieber verstecken möchte?! Wenn ich das Gefühl habe, dass das Crossdressen voll zu ihm gehört, werde ich das als Teil meines Mannes sehen und akzeptieren können. So lange er das aber eigentlich innerlich selbst ablehnt, "wirkt" diese Seite eben fremd auf mich - und dann fällt es mir natürlich auch schwerer, damit umzugehen.
Nun, nachdem Du sagst, dass es vielleicht die männliche Seite ist, die verleugnet und verdrängt wird, komme ich darüber wieder ins Grübeln.
Wahrscheinlich ist das "Geheimnis" dass man wirklich beide Seiten in einer Art innerem Frieden in sich vereinbaren und annehmen muss, um authentisch zu sein und der Partnerin gegenüber nicht "fremd" zu wirken, auch wenn "mann" mal Frauenkleider trägt. Ich denke, das macht viel aus.
Und ja, auch ich würde ebenso, wie Deine Frau, sehr positiv reagieren, wenn mein Mann sich mit seiner Männlichkeit ebenso auseinandersetzen würde, wie mit seiner Weiblichkeit.
Dass wir alle beide Seiten in uns vereinbaren, steht für mich persönlich außer Frage, jeder Mensch hat sowohl weibliche, als auch männliche Anteile in sich vereint.
Nur stehen diese beiden Seiten in den seltensten Fällen miteinander im Frieden - und das gilt es doch zu erreichen, um ein "vollständiger" Mensch zu werden, der in seinem Wesen authentisch ist, egal, welche Kleidung er trägt.
Dies gilt für mich als Cis ebenso, wie für alle Trans*-Menschen - das glaube ich schon und da pflichte ich Dir absolut bei.
...
...und über alles andere muss ich noch nachdenken...
Alles Liebe, Carry

"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"