Spoiler / Warnung: Nun kommt ein Bericht über den Abend, könnte für die eine oder andere langweilig werden, da nichts spektakuläres passiert ist
Wie das so ist mit Planung, die hält bis das Leben dazwischen kommt
Mein Plan war, das keiner der Gäste es vorher weiß, sich in aller Ruhe fertig zu machen, früher dort zu sein, damit ich die erste in der Runde bin.
So könnte ich mit dem Gastgeber und seiner Frau schon einmal kurz allein sein, dann würden die einzelnen Freunde eintrudeln und jeder würde einen kurzen Moment für sich Zeit haben, sich daran zu gewöhnen.
Allerdings wurde der Plan zuvor schon durchkreuzt.
Er 1: "Soll ich dich mitnehmen?" Ich: "Nein, ich denke ich fahre selbst." Wollte da flexibel bleiben.
Er 2: "Oh, wenn Du selbst fährst, kannst Du mich dann mitnehmen." Er 3:"Wenn Du 2 mitnimmst, könntest Du dann auch bei mir rumfahren?" Ich:"Klar, kein Problem."
Was normalerweise wirklich kein Problem ist.
Was soll 's. Augen zu und durch, dachte ich mir
Ich habe mich also den Nachmittag über fertig gemacht. Verschiedene Optionen vor dem Spiegel ausgewählt und war letztlich knapp in der Zeit.
Die letzte Nagellackschicht musste unterwegs trocknen
Und weil die Frage/Anregung aufkam: Ich trage eigentlich nur "klassisch/modern", denke ich. Braune Chelsea Boots, blaue Skinny Jeans, congnacfarbener Gürtel, bordeauxfarbenes langärmliches Oberteil mit farblich passendem Nagellack und Uhrarmband
So holte ich acht Minuten zu spät, was für mich überhaupt nicht üblich ist, meinen ersten Freund ab.
Zugestiegen, kurzes Hallo, ganz normal geredet, wie immer.
Zweiten Freund eingesammelt, das gleiche Spiel, und gemeinsam zum Gastgeber gefahren.
In meinem Kopf rappelte es wie verrückt. War das ein "Oh mein Gott, holt mich hier raus"-Totschweigen, oder ein "OK, dann ist das also Michaela, warum nicht"-Umgang?
Angekommen beim Haus des dritten Freundes begrüßt er uns an der Tür mit seiner Frau. Ich: "Überraschung!", mein Herz klopft bis zum Hals, als wir in den Flur gehen.
Kurze Umarmung zur Begrüßung, Sie:"Gut siehst Du aus." Ich bedanke mich und wieder der Gedanke: "Höflich, oder wirklich ernst gemeint"? Das muss ich noch übern einfach hinzunehmen und nicht gleich ins Grübeln zu verfallen.
Nun setzen wir uns an den Tisch, versorgen uns mit Getränken und Knabberkram und warten auf den letzten in der Runde.
Mein Puls hat sich noch nicht wirklich beruhigt, weil ich auf jeden Blick und jede kleine Änderung zu sonst achte.
Ich mache mich damit echt verrückt, denke ich und rede mir ein:"Versuche die Normalität zu genießen!", als der letzte im Bunde kommt.
Es kann losgehen, wir bauen das Spielfeld auf und der Abend geht so normal weiter wie immer.
Ich merke irgendwann, dass ich nicht mehr darauf achte, nicht mit meinen rot lackierten Fingernägeln als erstes zu den Karten zu greifen, den Lippenstift beiläufig von der Kaffeetasse zu wischen, damit es keiner sieht.
Und, und, und. Ab dort war es für mich ein normaler Abend, bis zum Aufbruch.
Alle stehen im Flur, ziehen sich an, natürlich schauen alle mal rüber zu mir, was ich wie anziehe, das ist normal, sie sind auch neugierig, das war auch für sie kein normaler Abend. Premiere, eben
Kurze Verabschiedung, Danke sagen, Umarmungen, Ich fahre den ersten Freund nach Hause.
Den zweiten lasse ich in der Stadt raus, wo seine Freundin wartet. Herzklopfen, ich halte an und wo ich stehe ist es taghell, sie sieht mich und winkt begeistert.
Ja, das war dann noch eine unfreiwillige Zugabe
Im Nachhinein schreibe ich allen, dass ich hoffe, sie nicht allzu sehr überrumpelt zu haben und bedanke mich für den Abend und dass sie so toll sind.
Es kommen nur aufbauende Nachrichten zurück und dass das nunmal ich bin und für alle völlig in Ordnung.
Ein toller "normaler" Abend
LG, Michaela