Als Trans* eher dezent weiblich?
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Phillygirl
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Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 1 im Thema

Beitrag von Phillygirl »

Ich hoffe mal das Unterforum hier passt, leider fiel mir kein kurzes Prägnanter Betreff ein, deswegen weiß ich jetzt nicht wie passend der zu dem ist, was ich schreiben will. Ich hatte erst vor das in meinem Vorstellungs-Thread zu ergänzen, der eine kurzzusammenfassung meiner Trans*-Situation ist, aber da geht es dann möglicherweise unter

Ich habe mich schon früher in Gedanken - auch was die sexuelle Ausrichtung an geht - als Frau gesehen, war auch früher immer an Frauen interessiert. Wenn ich jedenfalls von Beziehungen als Frau träumte, sah ich mich dabei aber nicht als sehr feminin, eher in einer androgynen Optik. Auch heute, wenn ich mich kleide, würde ich meinen bevorzugten Alltags-Look zwar als weiblich, aber eher dezent beschreiben. Mittellange Haare, Jeans, Sneaker, Nerd T-Shirt, nur wenig Makeup,... Ich habe zwar mittlerweile auch ein Kleid und habe kein Problem damit mich auch mal etwas "sexyer" zurechtzumachen, aber das wäre dann eher was für besondere Anlässe.
Einer meiner Selbstzweifel die ich mit mir herumtrage ist, dass ich mich "nicht weiblich genug" präsentiere. Mein Look kann eben auch als androgyn oder femininer Mann durchgehen, auch wenn mein Kopf eben eine andere Sprache spricht. Ich glaube, dass dies ein wenig von meinem damaligen Damoklessschwert Alltagstest stammt. Als ich vor über 10 Jahren den Schritt in Richtung angleichende OP gehen wollte (als das noch verpflichtend für Namensänderung usw. war), war meine Panik ungemein, dass ich den Alltagstest nicht bestehe. Da ich von anderen betroffenen immer wieder hörte, dass Gutachter schon mit der Nase rümpften, wenn eine Transfrau nur dezent Kosmetik einsetzte (bspw nur um Trans-bedingte Problemstellen wie Bartwuchs zu kaschieren). Dazu widerspreche ich bspw bei Hobbys vielem gesellschaftlichem Klischeedenken.

Da ich momentan auf der Erkundung nach mir selbst bin, wo ich mich denn nun im Trans*-Spektrum einkatigorisieren kann, würde ich gerne wissen ob es hier auch andere Personen in so ein Raster fallen oder in andere Raster, die im Bereich Trans* eher ungewöhnlich sind? Ich hatte bspw. vor Jahren mal auf einer anderen Plattform Kontakt zu einem Transmann, der sich als äußerst femininer Mann fühlte. Sein Umfeld konnte nicht nachvollziehen, dass er optisch wie eine junge Frau aussah, aber dennoch eine Abneigung gegen seine Geschlechtsmerkmale hatte und sich bspw. die Brüste abband und daher die GAOP anstrebte. Leider verlor man sich aus den Augen und ich weiß nicht wie er heute lebt, ich hoffe mal es ist alles zu seinen Wünschen gelaufen...

Ich hoffe mal das war jetzt nicht alles zu konfus, da ich mich das im Zuge von Schlaflosigkeit von der Seele schreiben musste...
ExuserIn-2019-12-18
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 2 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Hi!

Ich denke, im Grunde muss jede_r selbst entscheiden, wie viel er_sie sich anpassen muss, um sich wohl zu fühlen. Das ist bei CIS-Frauen nicht anders. Stell Dich an eine Einkaufsstraße oder setze Dich in ein Café und beobachte die Menschen ... dann hast Du Deine Antwort.
Ich selbst verzichte mittlerweile auf Brustprothesen und schminke mich wirklich selten und dann eher dezent. Wenn ich mal weggehe und mir danach ist, darf der Rock auch kurz sein und die Farben knallig ... für mich angepasst an den Anlass.

Bei mir war es ein parallele Entwicklung zu meiner Transition. Wollte ich anfangs die weiblichen Tribute möglichst perfekt erreichen (und auch danach beurteilt / begehrt werden), habe ich mit der Zeit festgestellt, dass diese im Grunde so nicht zu mir passen und ich letztlich auch die Frau zeigen möchte, die ich bin. Spätestens mit der Einnahme von Hormonen habe ich mich dann auch noch von den letzten Fragmenten der männlichen Vorstellung einer perfekten Frau gelöst ...
Ich liebe es, wenn sich andere sexy, Damenhaft oder perfekt stylen - nicht falsch verstehen - aber es ist halt nicht (mehr) meine Art Frau zu sein. Im Alltag trage ich gerne Röcke und Kleider ... aber eben auch sehr oft Jeans und T-Shirt ...

Liebe Grüße
Vanessa
sbsr
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 3 im Thema

Beitrag von sbsr »

Hallo Jessica,

wenn ich ehrlich sein darf, verstehe ich die Fragestellung gerade nicht so wirklich.
Phillygirl hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 01:06 Einer meiner Selbstzweifel die ich mit mir herumtrage ist, dass ich mich "nicht weiblich genug" präsentiere. Mein Look kann eben auch als androgyn oder femininer Mann durchgehen, auch wenn mein Kopf eben eine andere Sprache spricht.

Gibt es irgendwo eine Weiblichkeitsskala, auf der Trans*frauen eine bestimmte Punktzahl erreichen müssen? Wenn Du Dich in Jeans und Sneaker wohl fühlst, ist doch alles in Ordnung, tausende Frauen machen das jeden Tag.

Nicht das Kleidchen sorgt dafür, als Frau wahrgenommen zu werden, sondern ein authentisches Auftreten. Grad im Gegenteil, nur wenige Bio Frauen gehen im kleinen Schwarzen und Glitzer Pumps in den Supermarkt. In dem Aufzug würde man bestimmt weit mehr Aufsehen erregen, als eine Trans*frau in Jeans.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 4 im Thema

Beitrag von Cybill »

Hallo Phillygirl,

nach meinen Beobachtungen fällt hier ja fast jede aus dem Raster, da es das gar nicht gibt. So wie ich es erfahren habe, dann werde ich immer dann am Besten akzeptiert, wenn ich "ich selbst" bin. Ich stelle die Transsexualität nicht in den Mittelpunkt meines Lebens, sondern akzeptiere sie wie meinen Heuschnupfen, Bluthochdruck, etc...
Im Moment sitze ich hier am PC und habe noch eine seidene Pyamahose an, einen BH und bin verstrubbelt und unrasiert, dennoch bin ich ganz ich.

Wenn ich nachher zum Dienst gehe, dann habe ich mich ganz basic-mäßig zurecht gemacht, morgen muss ich zum Arzt, da gehe ich eben ganz als die Frau, die in mir steckt. Übermorgen fahre Steine abholen, da bin ich eher kerlig (soweit ich das noch hinkriege!).

Ich genieße es, ungebunden von Geschlechtskonventionen auftreten zu können. Das empfinde ich als die große Befreiung in meinem Trans-Dasein.

Gruß

Cybill
Zuletzt geändert von Cybill am Do 28. Feb 2019, 15:29, insgesamt 1-mal geändert.
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
Sarah1354
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 5 im Thema

Beitrag von Sarah1354 »

Hallo Phillygirl,

ich fühle mich jetzt mal angesprochen...
Ich bin mir nicht sicher, aber ich mag eher die Vorstellung, dass ich meine eigene "Kategorie" bin. Es gibt einige "Aspekte", die ich auch bei anderen sehe und genauso welche, die nicht zutreffen.
Ich trage z.B. gerne Frauenkleidung und fühle mich auch zum Teil als Frau. Aber ich habe (bisher) keine Probleme mit meinen männlichen Geschlechtsorgan. Eine GaOP kommt für mich noch nicht in Frage, da sind mir die Risiken und der "Aufwand" noch viel zu groß.
Ich denke aber auch, dass dies gar nicht ungewöhnlich ist, es gibt unendlich viele "Varianten" von Trans*.

Auch kenne ich das Gefühl des Damoklesschwertes:
Vor 15, oder 20 Jahren, als ich als 16/17 jährige quasi mit dem Tragen von Frauenkleidung die ersten Erfahrungen machte, machte ich einen Ferienjob in einer Firma, Inventur im Lager. Plötzlich gab es lautes Gelächter aus dem Thekenbereich. Neugierig geworden schaute ich nach dem Grund.
Eine Zustellerin von UPS hatte ein Paket abgeliefert und trug dabei nicht die übliche Arbeitskleidung, sondern ein Rock, FSH, Pumps, lange Haare, Make-Up, etc. und war also ganz klar sehr feminin gekleidet.
Dann fragte Sie jedoch mit tiefer, männlicher Bassstimme: "Können Sie hier mal bitte unterschreiben?"
Sie war kaum aus der Halle draußen ( und musste dabei noch durch die ganze Montage gehen), da fingen alle (100% männlichen) Mitarbeiter an lauthals zu lachen. Nur ich habe nicht gelacht, mir hat es quasi das Herz gebrochen. Ich wäre am liebsten hinterher gerannt um mich zu entschuldigen und um auch die Frau kennenzulernen. Da habe ich "gelernt", dass es was absolut falsches sein muss, was ich selbst tief im inneren fühle und möchte.
Dieses Ereignis verfolgt mich irgendwie bis heute und ich lerne nur langsam, dass sich die Zeiten und die Gesellschaft geändert haben und immer noch ändern. Ich vermute, dass die Frau damals gerade Ihren Alltagstest "absolvieren" musste. Daher kann ich es sehr gut verstehen, wenn man davor Angst hat.
Ich an der Stelle der Frau hätte mich wohl am Ende des Tages umgebracht.

Nun, mittlerweile habe ich dank der richtigen Therapeutin, dieses unglaublich tollen Forums und dessen Mitglieder und der SHG "gelernt", oder bin noch dabei zu lernen, dass es (erst mal für mich selbst) ok ist so zu sein wie ich es bin. Und es ist auch ok, dass sich das eigene ich weiter entwickelt, egal in welche Richtung und egal bis zu welchem Punkt. Ich trage das, womit ich mich am wohlsten fühle. Wenns halt nur Brustprothesen sind, damit der wunderschöne Push-Up BH nicht hochrutscht, ist das für mich ok. Es tut mir gut, deshalb ist es gut.

Liebe Grüße,
Sarah
Bin auf dem Weg....
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 6 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Wenn ich daran denke, was für Mühen und welch Plagerei das bei mir früher war, als ich noch meinte, besonders weiblich auftreten zu müssen, kann ich heute noch darüber lächeln. Damals war meine Maxime, so fraulich wie nur irgendwie. Kurze Röcke, keine Hosen, High Heels, Make up über Make up, alles wurde so zelebriert, dass es möglichst weiblich aussah.
Mit der Zeit hat sich dieser Zustand mehr und mehr geändert. Vielleicht lags an der HRT, dass ich heute darauf schaue einfach nur "mitzuschwimmen" in der weiblichen Rolle. D. h. ich kleide mich so, wie's mir gefällt und meinem Alter entspricht. Dazu kam auch die Erkenntnis, dass sich mit dieser Philosophie auch ein Gefühl des Wohlbehagens einstellte, das ich auch heute noch habe. Und meine Mitmenschen haben mit mir keinerlei Probleme. Sie sehen und nehmen mich als das war, was ich bin. Eine ganz "normale" Frau, wie andere auch.
LG Christina
Nicole Fritz
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 7 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Jessica,

mit einem ähnlichen Thema bin ich gerade in diesem Forum unterwegs:
viewtopic.php?f=16&t=17786&p=234304#p233980

Es geht dort speziell um die richtigen Signale auf der Suche nach einem Partner. Wenn ich jetzt versuche die Kommentare dort auf einen Punkt zu bringen, kommt es auf eine möglichst optimale Balance zwischen dem, was man ist und auch so zeigen sollte, und dem gezielten Setzen von Signalen an. Einfach mit dem Kleidungsstil eine Rolle spielen zu wollen um irgend etwas zu erreichen, kann nicht funktionieren.

Bei mir ist es aktuell so, dass ich zu hause, wo ich praktisch nur Nachbarn oder andere Bekannte treffe, mich ganz klar nicht-binär zeige - mit einfachem Rock oder Kleid, aber ungeschminkt mit Stoppelbart. In der Öffentlichkeit versuche ich eher das Bild einer reiferen Frau rüber zu bringen. Dabei bin ich schon mal im Supermarkt die einzige Person, die einen (nicht allzu kurzen) Rock trägt. Aber eine Hose bringe ich mit meiner verhassten Rolle als Mann in Verbindung und mag keine anziehen. Obwohl ich so sicherlich mehr auffalle, fühle ich mich wohler. Damit ist es für mich richtig. Und wenn Hose, dann Leggins.

Ich denke also: Wenn man sich mit Minirock und Highheels wohl fühlt, sollte man das auch tragen. Dann sollte es auch glaubhaft rüber kommen. Versucht man dagegen eine junge Frau zu spielen, die man gefühlt nicht ist (beispielsweise das Fetisch-Bild, das CD/TV gerade am Anfang oft haben), wirkt das wohl lächerlich und wäre damit eher etwas für den Karneval. Und wer sich mit eher androgyner Kleidung wohl fühlt, sollte die tragen.

Zu dem Beispiel mit dem Transmann: Bei mir begreifen auch viele nicht, dass ich jetzt in Frauenkleidern herum laufe, wo ich doch immer ein so attraktiver Mann war. Den haben aber immer nur andere gesehen. Ich sah da nichts anderes als eine lächerliche Witzfigur im Spiegel.

Was mich jetzt geradezu erschreckt, ist dass Du nun zehn Jahre nach der OP Deine wahre Identität im Trans*-Spektrum suchst. Wie viel Wunschdenken hast Du also mit Deiner Transition in Verbindung gebracht? Da sehe ich eine ganz große Hoffnung in der neuen Rolle endlich in die Gesellschaft hinein passen und anerkannt werden zu wollen. War es wirklich ein falscher Körper oder vielleicht doch eher die Falsche Rolle? Ich frage deshalb, weil ich bei einem Outing als junger Mann höchst wahrscheinlich die vollständige Transition gemacht hätte, diese aber jetzt (Outing mit 58) nicht als den richtigen Weg für mich ansehe.

LG Nicole
Joe95
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 8 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Phillygirl hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 01:06 Einer meiner Selbstzweifel die ich mit mir herumtrage ist, dass ich mich "nicht weiblich genug" präsentiere.
Wem präsentieren? Für wen machst du das ganze?
Ich hoffe für dich und dann solltest du dich so geben wie du dich wohl fühlst.
Es gibt keinen "Transen TÜV" - was denn, der Lippenstift zu dem Nagellack? Geht garnicht, durchgefallen HERR XXX - .

Ich selbst trage Röcke, dazu oft unisex T-shirts oder Damenoberteile, bin fast immer ungeschminkt und sehe aus wie ein Mann im Rock.
Trotzdem bin ich eine Frau. Eine Transfrau, das werde ich auch nie leugnen können, aber eine glückliche Transfrau.

Bei den von dir erwähnten Gutachtern würde ich wohl mit Pauken und Trompeten durchfallen und sicherlich passe ich auch in kein Raster. Aber ich habe meinen Platz in der Gesellschaft gefunden.
Mein wohlfühl-Outfit gibt mir Selbstbewusstsein und spart mir vie Make-Up und viel Aufwand fürs Passing.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 9 im Thema

Beitrag von Phillygirl »

Danke für eure bisherigen Postings, das war sehr hilfreich. Ich mag dieses Klischeedenken selbst nicht und ich bin froh dass es so viele unterschiedliche Menschen gibt. Es war halt ein Niederschreiben der Ängste, die ich damals hatte was ich damals hatte. Wenn ich eben das dumme Schubladendenken "breche"
sbsr hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 10:46
Gibt es irgendwo eine Weiblichkeitsskala, auf der Trans*frauen eine bestimmte Punktzahl erreichen müssen? Wenn Du Dich in Jeans und Sneaker wohl fühlst, ist doch alles in Ordnung, tausende Frauen machen das jeden Tag.
Nein, natürlich nicht. Ich beziehe mich da aus damaligen Unterhaltungen mit anderen Trans* Personen, welche Probleme hatten, weil einzelne Gutachter und Psychotherapeuten teiwleise mehr auf äußerliche Erscheinung als das innere Seelenleben fokussiert waren (auch wenn sich das bei einem Psychotherapeuten ja widerspricht...)

Nicole Doll hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 12:20
Was mich jetzt geradezu erschreckt, ist dass Du nun zehn Jahre nach der OP Deine wahre Identität im Trans*-Spektrum suchst. Wie viel Wunschdenken hast Du also mit Deiner Transition in Verbindung gebracht? Da sehe ich eine ganz große Hoffnung in der neuen Rolle endlich in die Gesellschaft hinein passen und anerkannt werden zu wollen. War es wirklich ein falscher Körper oder vielleicht doch eher die Falsche Rolle? Ich frage deshalb, weil ich bei einem Outing als junger Mann höchst wahrscheinlich die vollständige Transition gemacht hätte, diese aber jetzt (Outing mit 58) nicht als den richtigen Weg für mich ansehe.

LG Nicole
Da ist glaube ich ein kleines Missverständnis, ich hatte keine OP. Ich hatte nur damals die ersten Schritte dorthin gemacht. Psychotherapie, erste Outings, dazu ein Umzug in eine neue Stadt, was ich dann nutzen wollte um mir ein neues Umfeld als Frau aufzubauen - ist ist dann nur schnell zusammengebrochen und ich habe versucht die Frau in mir wegzusperren. Die OP strebte ich damals in erster Linie an, weil sie damals ja meines Wissens noch verpflichtend war, wenn man eine Änderung der Dokumente haben wollte. Das war eher mein Antrieb, die OP sah ich eher als Mittel zum Zweck.
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 10 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Phillygirl hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 13:47 Da ist glaube ich ein kleines Missverständnis, ....
Danke für die Aufklärung. Die OP nur wegen der Berechtigung zur VÄ/PÄ machen zu wollen erscheint mir jetzt aber noch bedenklicher als das, was ich angeführt habe. Wenn ich Dich sonst richtig verstehe, bist Du ja ähnlich wie ich im Trans*-Spektrum eher irgendwo dazwischen als vollständig eine Frau.

Was die VÄ/PÄ angeht, versuche ich gerade die Möglichkeit für mich zu nutzen, die sich aus dem neuen Gesetz ergibt, bevor die Regierung da nachbessert. Ein paar "besonders Schlaue" tönen dazu dermaßen in Presse und Internet herum, dass dies wohl bald geschehen wird. Und wer nicht betroffen ist, hat eher keine Vorstellung davon, wie nervig und unangenehm diese ständige unpassende Anrede sein kann.

LG Nicole
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 11 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

ChristinaF hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 11:44 Eine ganz "normale" Frau, wie andere auch.
Hi,

genau das ist der Kern-das habe ich auch schon so in einem anderen Thread geschrieben, ich bin ein ganz normales Mädchen.

Und dezent weiblich ist doch weiblich, oder?
Was ich tue ist ein ganz normales Leben als Frau führen, so wie ich FrauSein empfinde.

Und es nimmt immens den Druck, Idealbildern nicht entsprechen zu müssen.

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 12 im Thema

Beitrag von Phillygirl »

Nicole Doll hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 15:18
Phillygirl hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 13:47 Da ist glaube ich ein kleines Missverständnis, ....
Danke für die Aufklärung. Die OP nur wegen der Berechtigung zur VÄ/PÄ machen zu wollen erscheint mir jetzt aber noch bedenklicher als das, was ich angeführt habe. Wenn ich Dich sonst richtig verstehe, bist Du ja ähnlich wie ich im Trans*-Spektrum eher irgendwo dazwischen als vollständig eine Frau.
Damals habe ich als Landei gar nicht die Zwischentöne vor Augen gehabt. In Gesprächen mit anderen Leuten war das nie ein Thema und wie gesagt vom Gesetzt her damals ja eh nicht. Daher der etwas "resolute" Plan damals bis zur GaOP gehen zu wollen

Nicole Doll hat geschrieben: Do 28. Feb 2019, 15:18 Was die VÄ/PÄ angeht, versuche ich gerade die Möglichkeit für mich zu nutzen, die sich aus dem neuen Gesetz ergibt, bevor die Regierung da nachbessert. Ein paar "besonders Schlaue" tönen dazu dermaßen in Presse und Internet herum, dass dies wohl bald geschehen wird. Und wer nicht betroffen ist, hat eher keine Vorstellung davon, wie nervig und unangenehm diese ständige unpassende Anrede sein kann.

LG Nicole
Das glaub ich gern. Ich hasse meinen Namen, weswegen ich zwischenzeitlich meinen eher neutralen 3. Vornamen genutzt habe, wenn ich Leute (in männlicher Rolle) kennengelernt habe. Genauso habe ich dann auch so ein automatisch Augenrollen, wenn ich irgendwie meinen Pass ins Spiel bringen muss, zumal ich den in einer Phase kurzer Haare gemacht habe...ich hatte schon überlegt einen neuen zu holen, damit ich wenigstens auf dem Bild weiblicher aussehe, aber das ist ja auch nur halbgar, wenn der Rest falsch ist...
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 13 im Thema

Beitrag von Céline »

Hi,
Ich schreibe mal für mich.Ich bin 50 und leider keine 20 mehr und schon deshalb achte ich darauf wie ich gesehen werde....meistens zumindest.
Im ganz normalen Alltag, wenn ich im Außendienst tätig bin verzichte ich inzwischen komplett auf Make-up.Ich brauch das nicht um mich zu zeigen.Ich bin eine Frau und stehe dazu auch wenn ich oft nicht so gesehen werde.
Wenn ich zivil unterwegs bin bin ich meistens auch sehr dezent,leichtes Make-up, Jeans und Shirt je nach Laune.
Wenn ich aber fortgehe dann style ich mich aber auch mal richtig auf wie jede andere Frau auch.Dann darf der Rock auch mal kürzer sein ,die Schuhe höher oder mal ein Kleid.Dann werde ich aber auch durchweg als Frau gesehen....Kleider machen eben Leute.
Frauen durchschauen mich dann eher als Männer.Ich glaube Männer..sorry ,sind dann irgendwie Betriebsblind sobald sie Stiefel,hohe Pumps oder einen kurzen Rock sehen (moin)
Aber im Endeffekt ist mir das alles größten Teil mittlerweile egal nachdem ich mich endlich als Frau empfinde.
Liebe Grüße
Céline
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 14 im Thema

Beitrag von Karla »

Gratwanderung..,
Nachwirkungen des -§175...
Ich habe mich mit meinem Bruder unterhalten, der eine M2F-Vereinskameradin hat:
....wenn sie sich wie eine "normale" Frau verhielte...
ich habe a) auf die 2. Pubertät verwiesen
b) solange HRT und ggf. FFS noch keine durchschlagenden Ergebnisse zeigen, bleibt dem Mädel nix anderes übrig, als mit kosmetischen Mitteln die Transition zu "belegen", damit sie nicht nach wie vor als Mann gesehen wird
...wenn sie dabei allerdings zu starke Signale sendet, läuft sie Gefahr abgestempelt zu werden...
...wie man(n)s macht...
...wenn sich "Schwanzträger" gar dadurch angemacht fühlen...
Fazit:
Ein bißchen muß "frau" tun, um nicht als Mann misgendert zu werden, ein bißchen zu viel wird aber von der Gesellschaft auch negativ ausgelegt.
...Elly war letzten Sonntag (in geschlossener Gesellschaft) mit ihren weißen HighHeelOverknees unterwegs: obwohl sie inzwischen deutlich 50+ ist, sind Kerle auf sie abgefahren... - mehr verrat ich jez nich - "der" richtige war leider nicht dabei!

LG Elly
Ein Leben ohne Möps(chen) ist möglich, aber sinnlos. (frei nach Loriot)
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Re: Als Trans* eher dezent weiblich?

Post 15 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Das hat mich jetzt neugierig gemacht.
Elizabeth hat geschrieben: So 3. Mär 2019, 22:18 ....wenn sie sich wie eine "normale" Frau verhielte...
Wie ist das zu verstehen?
Kommt sie übertrieben rüber oder eher maskulin?
Was wird von ihr erwartet?
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