Frieda hat geschrieben: Mi 13. Feb 2019, 02:49
Wenn unser Tun unser Handeln anderen Leid zufügt (im schlimmsten Fall auch noch bewusst), dann ist es Egoismus!
Liebe Frieda,
das ist mir viel zu einfach. Jedes Tun hat Nachteile für Andere. Wir können nicht konfliktfrei in einem Paradies leben. Das Schlüsselwort an dieser Stelle ist für mich "Verantwortung". Und die hat man für sich selber und für Andere. Damit meine ich das in dem Sinne, wie es St. Exupery beschrieben hat:
Wie sind für die Verantwortlich, die wir uns vertaut gemacht haben
Marie beschreibt eine Situation, in der sie frei entscheiden könnte. Aber ist sie wirklich frei ? Hier tut sich ein innerer Konflikt auf, der nur schwer zu bewältigen ist. Dabei geht es eben nicht nur um die Situation im Augenblick der Entscheidung, sondern auch um das Danach. Verrät man seine eigenen Bedürfnisse oder die Partnerschaft ? Im Kern geht es mMn nicht darum, ob sie mit jemanden ins Bett geht, sondern es geht viel mehr um die Frage, wie man leben will: in der Beziehung oder eben nicht.
Die Krux ist, wir können nicht beides (gleichzeitig) haben. Jede Entscheidung hat ihre Konsequenzen. Auch wenn sie auf das Erlebnis verzichtet, rüttelt die Möglichkeit dazu an den Vereinbarungen der Beziehung. Auch das Bewusstsein, standhaft geblieben zu sein, deutet darauf hin, dass man sich seiner selbst gar nicht so sicher ist. Das belastet auch unausgesprochen eine Beziehung. Leid ist vorprogrammiert, da die Beziehung geschwächt wird.
Grundsätzlich ( Bi oder nicht ) ist die Frage doch : Bist Du in Deiner Ehe glücklich.
Wenn ja , dann sollte es keine anderen Personen geben, es sei denn Du würdest an besagter Person so viel Gutes finden das es die Trennung von Deiner Frau rechtfertigt
Diese Annahme halte ich für weltfremd. Sie wird zwar immer wieder propagiert, das macht sie aber nicht wahrer. Wir setzen uns als Menschen viel zu sehr unter Druck, wenn wir glauben, dass zu einer guten Ehe gehört, niemals Zweifel daran zu hegen. Ich denke, es ist eher anders herum, eine Ehe ohne Zweifel ist eine tote Ehe. Es verändert sich nichts mehr. Persönliche Entwicklung findet nicht (mehr) statt.
Man kann den Spieß herum drehen. Die Zweifel und die Versuchung sind Anlässe, die Dinge zu überdenken sowie Veränderungen und Entwicklungen einzuleiten. "Liebe Dich selbst und freue Dich auf die nächste Krise" heißt ein bekannter Buchtitel. Glück liegt nicht darin, keine Versuchung zu spüren, Glück liegt darin, mit den Herausforderungen fertig zu werden. Das ist nicht einfach, schon gar nicht für den/die Partner/in. Der Versuchte ist kein Täter und de/die Partner/in ist kein Opfer. Ulla (Drachenfrau) hat es in einem anderen Fred auf den Punkt gebracht:
Hättet ihr euer Leben, frei, authentisch, offen, ehrlich und klar gelebt, wärt euch eurer Gefühle und Bedürfnisse sowie der eigenen Verantwortung für euch selbst bewusst gewesen,
DANN GÄBE ES NICHTS IN EUCH; DAS ENTTÄUSCHT SEIN KÖNNTE.
Sie zitiert auch einen Buchtitel: "Heilung braucht Wahrheit, Was Du nicht lebst, lässt Dich nicht leben." Das bedeutet nicht, die Versuchung zu leben, sondern sich ehrlich mit der Versuchung auseinander zu setzen. Nicht die Versuchung ist schlecht, sondern das Verdrängen und fehlende Offenheit. Das gilt so für beide Seiten.
Albert Einstein hat einmal gesagt, dass wir Probleme nicht mit den Mitteln lösen können, die uns die Probleme beschert haben. Eine Krise, eine Versuchung ist ein solches Problem, dass nur mit einer anderen Denkweise gelöst werden kann.
Meine Meinung