Dieser "stereotypenbasierte Unfug" (in Gestalt der zwei damals renommiertesten Münchener Gutachter) hat mir immerhin erst die Hormontherapie und schließlich die Mamma-Augmentation für mein Weiterleben in der öffentlich MÄNNLICHEN (!) Rolle (weswegen ich dafür auch nie einen "Alltagstest" in der weiblichen Rolle absolvieren mußte) befürwortet, und die KK hat's daraufhin auch bezahlt. Und das schon vor 20 Jahren - zu einer Zeit also, in der der transsexuelle Weg generell noch weitaus "stereotyper" vorskizziert wurde als heute. Für die damalige Zeit galt mein Ansinnen als Pioniertat...Marielle hat geschrieben: So 16. Sep 2018, 12:02
magst du mal erläutern, was genau du unter einem "hochentwickelten Gutachtersystem" verstehst?
Meinst du damit diesen stereotypenbasierten Unfug, der im Zuge von TSG-Verfahren zu durchlaufen ist?
Die Stereotypen in der Begutachtung sind im Übrigen größtenteils auch gar nicht auf dem Mist der Gutachter gewachsen, sondern spiegelten allgemein übliche, kollektive Vorstellungen der damals noch sehr jungen Trans-Gemeinde selber - sozusagen ein frühes, noch unreifes Ergebnis kollektiver Bewußtwerdung. Wenn ich in den 80er Jahren TS-Selbsthilfegruppen besuchte (damals Viva in München und Transidentitas in Offenbach/Frankfurt), dann war da der allgemeine Tenor, dass ein "echter" MzF-TS SELBSTVERSTÄNDLICH das ganze Programm von Epilation bis komplette GA-Op nahm, seinen rechtlichen Status änderte und den Rest seines Lebens als Frau lebte, ohne Wenn und Aber. Wer davon abwich, der war nach den Vorstellungen der meisten, damaligen TS gar nicht transsexuell, sondern "bloß" ein Transvestit - und das wiederum galt nicht als Veranlagung, sondern bloß als "sexuelle Perversion", mit "denen" wollte eine "anständige" TS nix zu tun haben
Ich kann es heute als wohl wichtigsten, sozialen Beitrag verbuchen, den ich in meinem Leben geleistet habe, dass ich mich damals als so ziemlich Erster überhaupt in der deutschsprachigen TS-Szene intensiv für die differenziertere Sichtweise eingesetzt habe, die sich dann so ganz allmählich auch durchgesetzt hat. Die Freiheit, mit der wir heute - körperlich, sozial, rechtlich - unseren Weg individuell irgendwo "dazwischen" wählen können, galt noch in den frühen 80ern - unter den TS selber! - als völlig undenkbar; "komplett oder gar nicht" war damals die unhinterfragte Devise. Den Weg aus diesem starren Korsett heraus und hin zu der uns heute schon so selbstverständlich erscheinenden Freiheit haben die professionellen Gutachter maßgeblich mitgetragen. Ich kann mich da über "Stereotypen" nicht beklagen.
Wer freilich einen Gutachter bloß als Hindernis auf seinem Weg ansieht anstatt als professionelle Hilfe zu einer angemessen abgesicherten Selbstfindung vor entscheidenden, unumkehrbaren Schritten; wer den Gutachter anlügt, wer ihm unreflektiert Stereotypen vorspielt, nur um seinen Servus zu kriegen - der braucht sich dann auch nicht darüber zu beklagen, dass FÜR IHN das ganze Gutachten am Ende tatsächlich nur stereotyper Unfug war. Vorzugsweise eben solche Leute sind es, über die dann später die EpochTimes berichtet
Dass mich Gauland (oder Höcke, oder gar die offen lesbische Weidel??) eines Tages wegen meiner Transsexualität nach Stadelheim bringen und erschießen läßt, glaube ich nun wenigerMarielle hat geschrieben: So 16. Sep 2018, 12:02 Btw: Kennst du die Lebensgeschichten von Edgar Jung und Ernst Röhm?
Herzliche Grüße
Wally