Anrede
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Tatjana_59
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Anrede

Post 1 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Hallo zusammen,

ich habe schon lange kein Thema mehr eröffnet, aber jetzt muss ich weil ich immer wieder genervt werde.

Dass wir immer mal wieder falsch angesprochen werden kennt vermutlich hier jede/r.
Meist klappt es ja ganz gut mit der richtigen Ansprache, vor allem bei mir fremden Personen.
Von Fremden werde ich mittlerweile richtig eingeordnet.
Meine nähere und nahe Verwandt/Bekanntschaft hat sich daran gewöhnt mich richtig anzusprechen, bis auf zwei Unverbesserliche, da behaupte ich aber dass einfach zuwenig Hirn vorhanden ist.
Nun gibt es eine Personengruppe, in erster Linie Berufskollegen die mich zunehmend nervt.
Jede/r einzelne der *Kollegen* weiß mittlerweile von meiner Pä/Vä, kennen den Namen Tatjana, und immer wieder kommt die Frage.
Wir kennen uns jetzt schon länger wie 30 Jahre.
Wir kennen uns nun schon so lange.
Ich kenne dich noch als Jugendlichen.
Usw usw.
Dann immer fast dieselben Worte.

Ich darf trotzdem schon noch Gerhard sagen?
Auf mein klares NEIN, Gerhard gibt es nicht mehr, werde ich blöd angeschaut, manchmal mit den wiederholten Worten, aber ich kenne dich doch schon so lange.....
Einwände wie, meine Tanten, Onkels, Geschwister kennen mich ihr Leben lang und sprechen mich mit Tatjana an, verpuffen mit, das ist ja etwas anderes.

Ich hätte nie gedacht dass mich das so stark nervt, aber es wird mit jeder dieser blöden Frage schlimmer.
Was geht in den Hirnen solcher Leute vor?

Musste ich jetzt loswerden da ich gerade den Fall wieder hatte und aus der Haut fahren könnte.

Gruß Tatjana
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Marielle
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Re: Anrede

Post 2 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Tatjana,

ich nehme an, dass das etwas mit der jeweiligen Definition von 'richtig' und 'falsch' angesprochen werden und auch mit der persönlichen Bedeutung von Geschlecht bzw. der (relativ geringen) Bedeutung von Geschlecht in loseren, entfernteren persönlichen Beziehungen zu tun hat.

Wie Menschen von ganz ausserhalb jemanden Anreden, hängt davon ab, wie sie diese Person wahrnehmen und einordnen; eine andere Möglichkeit die 'richtige' Anrede zu finden, haben sie einfach nicht, weil sie nichts über die Person wissen.

Menschen, die ganz nah dran sind, haben viele Informationen und kennen die Bedeutung, die das sprachliche Geschlecht der Anrede haben kann. Damit können sie die 'richtige' Anrede aus der Sicht des/der Angeredeten anwenden.

Wenn Menschen nicht auf die äusserliche Beurteilung anhand der Erscheinung (bzw. des Passings) bezugnehmen (müssen), weil sie jemanden persönlich(er) kennen, ihnen aber die Bedeutung von Geschlecht nicht sooooo klar ist, könnte es sein, dass sie als 'richtige' Anrede die Anrede empfinden, die sie mit der ihnen bekannten Person verbinden und dabei, aus unserer Sicht, die Bedeutung unterschätzen, die Geschlecht haben kann.

Lass dich nicht ärgern (888) ,

Marielle

PS: Ich hab noch ein paar m.E: missverständliche Wörter geändert, nachdem ich den Beitrag eingestellt habe.
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Tatjana_59
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Re: Anrede

Post 3 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Marielle hat geschrieben:Hallo Tatjana,

i

Wie Menschen von ganz ausserhalb jemanden Anreden, hängt davon ab, wie sie diese Person wahrnehmen und einordnen; eine andere Möglichkeit die 'richtige' Anrede zu finden, haben sie einfach nicht, weil sie nichts über die Person wissen.

N

Wenn Menschen nicht auf die äusserliche Beurteilung anhand der Erscheinung (bzw. des Passings) bezugnehmen (müssen), weil sie jemanden persönlich(er) kennen, ihnen aber die Bedeutung von Geschlecht nicht sooooo klar ist, könnte es sein, dass sie als 'richtige' Anrede die Anrede empfinden, die sie mit der ihnen bekannten Person verbinden und dabei, aus unserer Sicht, die Bedeutung unterschätzen, die Geschlecht haben kann.

Lass dich nicht ärgern (888) ,

Marielle

PS: Ich hab noch ein paar m.E: missverständliche Wörter geändert, nachdem ich den Beitrag eingestellt habe.

Hallo Marielle,

Zum Teil kann ich dir recht geben, in Bezug auf fremde Menschen.
Bei mir geht es aber genau um die die mich kennen.
Die haben mich zum Teil sogar gefragt in meiner Anfangszeit nach dem Outing was mit mir los ist.
Jahre später, nachdem die den Prozess fortschreitend miterlebt haben dann diese bescheuerten Fragen.
Wobei diese Frage **aber ich darf dich schon noch Gerhard nennen** eher eine Feststellung ist.

Bei Fremden ist es mir egal wie ich angeredet werde.
Zumindest eher egal.
Die kennen mich nicht, und aus irgendwelchen Gründen sehen sie den Mann in mir, sprechen mich so an.
Denke mir dann allenfalls, heute stimmt an mir etwas nicht, meist dürfte es die Stimme sein.
Fremde kläre ich auch nicht auf, warum auch?

Eine in meinen Augen ganz blöde Berufskollegin kam zu mir ans Geschäft. (Ich bin im Markthandel).
Firmenname muss sichtbar abgebracht sein.
Sie sah mein Firmenschild und sagte,
Jetzt hast du es ja endlich und darfst dich Tatjana nennen. Sie eindeutig meinen Weg.
Ich sagte ihr, ja, endlich bin ich auch vor dem Gesetz Frau Tatjana S.
Darauf sie, aber ich darf dich schon noch Gerhard nennen.
Glaub mir, der Kamm schwoll mir an bis zu den Wolken.

Die Frage, wenn mir mal dein alter Name rausrutscht usw.
Die kennt vermutlich jede/r von euch.
Damit kann ich sehr gut leben.
Ich denke dass das ganz normal ist wenn man sich länger kennt.

Gruß Tatjana
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Re: Anrede

Post 4 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Tatjana,

natürlich ist das normal. Und die "Programmierungen" sind auch bei vielen Leuten sehr fest verankert. Das ist aber aus meiner Sicht nicht das eigentliche Thema.

Du bist diejenige, die sich ärgert. Wie heißt es so schön: "jede/r ist für ihre/seine Gefühle selber verantwortlich". Die Frage ist also, warum Du nicht ganz ruhig sagen kannst, dass Du jetzt Tatjana bist. Es ist verständlich, dass es nervt, dass man das immer wieder wiederholen muss. Aber der Ärger in Dir hat mMn mehr mit Dir, als mit den anderen Menschen zu tun. Vielleicht lohnt es sich, darüber nachzudenken.

Aus meiner Erfahrung macht es einen Riesenunterschied, wie man mit Situationen umgeht, die einen wütend machen. Aber das Interessante für mich ist, dass ich es tatsächlich steuern kann, ob und wie stark ich mich ärgere, meistens jedenfalls. Bei Bedarf kann ich mehr erzählen. Das war anfangs nicht einfach zu verstehen, aber es geht.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Tatjana_59
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Re: Anrede

Post 5 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Vicky_Rose hat geschrieben:Hi Tatjana,

natürlich ist das normal. Und die "Programmierungen" sind auch bei vielen Leuten sehr fest verankert. Das ist aber aus meiner Sicht nicht das eigentliche Thema.

Du bist diejenige, die sich ärgert. Wie heißt es so schön: "jede/r ist für ihre/seine Gefühle selber verantwortlich". Die Frage ist also, warum Du nicht ganz ruhig sagen kannst, dass Du jetzt Tatjana bist. Es ist verständlich, dass es nervt, dass man das immer wieder wiederholen muss. Aber der Ärger in Dir hat mMn mehr mit Dir, als mit den anderen Menschen zu tun. Vielleicht lohnt es sich, darüber nachzudenken.

Aus meiner Erfahrung macht es einen Riesenunterschied, wie man mit Situationen umgeht, die einen wütend machen. Aber das Interessante für mich ist, dass ich es tatsächlich steuern kann, ob und wie stark ich mich ärgere, meistens jedenfalls. Bei Bedarf kann ich mehr erzählen. Das war anfangs nicht einfach zu verstehen, aber es geht.
Hallo Vicky_Rose,

wenn du meine Postings richtig gelesen hast, weißt du dass die Leute um die es sich handelt zum Teil mehrmals von mir darauf hingewiesen wurden.

Ich nehme mal ein total anderes Beispiel.
Deine Tochter/Sohn räumen ihre Zimmer nicht auf.
Du sagst sie sollen es machen, da nichts geschieht sagst du es immer wieder.
Wenn du dich so verhältst wie du is mir rätst, musst du nur deinen Ärger runterschlucken und positiv damit umgehen.
Es nervt dich dann nicht mehr, selbst wenn vor lauter Müll irgendwann die Maden unter der Tür durch quellen.
Ist sicher ein Beispiel in total anderer Richtung, trotzdem durchaus zu vergleichen.
Ich kann jedenfalls nur bedingt gleichgültig damit umgehen.

Gruß Tatjana
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Re: Anrede

Post 6 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Tatjana, Vicky,

die Situationen in denen das passiert ist kann ich nicht wirklich beurteilen, weil ich nicht dabei war und auch, weil ich solche Situationen nicht erleben kann, da es mir persönlich egal ist, wie die Leute mich anreden. Ich kann mich ja selbst in unserer Sprache nichtmal eindeutig benennen (das ist aber eben nur mein Umgang damit und keinesfalls eine drängende Empfehlung an dich, also bitte nicht falsch verstehen).

Was Vicky schreibt ist ein guter Ansatz, denke ich. Andererseits greift es aber zu kurz. Natürlich hat es immer auch etwas mit einem selbst zu tun, wenn man sich über das Verhalten anderer Leute ärgert, es bleibt aber doch ein Geschehen, an dem zwei Personen beteiligt sind. Das sollte man ganz sicher auch, aber eben nicht nur, auf sich selbst runterbrechen.


Wenn man etwas erfolgreich in Ordnung bringen oder reparieren will, muss man verstehen wie es funktioniert. Die richtige Frage hast du schon gestellt: Warum tun die das? Lass uns doch mal zusammensammeln, welche Gründe uns dazu einfallen. Dann kannst du vielleicht den richtigen herausfinden.

Vielleicht!, das kannst letztlich aber nur du beurteilen, ist es böse gemeint. Aus deinem Beitrag von heute morgen könnte man es so herauslesen. Dann ist es eine Art von Mobbing, gegen die man z.B. vorgehen kann, in dem man es in der gemeinsamen Bezugsgruppe (z.B. die der Markthändler_innen) offensiv zum Thema macht. Klappt gut, wenn man genug Unterstützer_innen findet (Wortführer_innen und Leitpersonen sind ganz wichtig dabei), geht aber voll nach hinten los, wenn die anderen überwiegend auch so drauf sind wie die Kollegin.

Unkenntnis als Grund scheidet zwar scheinbar aus, so wie du es beschreibst, ich bin da aber nicht sicher. Kann die Kollegin verstehen, wie wichtig der Name auf dem Schild an deinem Stand und die dazugehörige Anrede für dich sind? Wirklich verstehen? Kann sie überhaupt verstehen, dass es dich ärgert, dir wehtut, wenn sie den alten Namen benutzt? Hat ihr das jemand erklärt? In der Schule wird sie es nicht gelernt haben. Und: In der Community wird m.E. meistens ein ziemlich schräges Bild, verbunden mit einem seeehr hohen Anspruchsniveau, gezeichnet, wenn es um Erklären, Verstehen, Anerkennen und Respektieren geht. Es ist für die allermeisten Menschen aber noch lange nicht trivial, wenn jemand (den sie als Mann kennen) sagt, er ist eine Frau. Wir sind normal, aber ganz bestimmt noch nicht üblich. Wenn es dieser Grund sein sollte, hilft nur reden, informieren und erklären.

Dann könnte es auch noch ein total missglückter Versuch einer (Wieder-)Annäherung an eine Person (dich) sein, der letztlich auch auf mangelndes Verstehen (nicht zwingend auch mangelndes Verständnis!) hinauslaufen würde. In einem solchen Versuch könnte allerdings auch das Bemühen stecken, dich zu 'korrigieren'. Aber auch dann geht es irgendwie um's fehlende Verstehen. Es muss erklärt werden, warum man sich selbst aus einer so massiven gesellschaftlichen Norm, wie Geschlecht es nach wie vor ist, herausnimmt und das daran nichts zu korrigieren ist, weil es für dich gut ist und es niemandem schadet.


Vielleicht fallen dir oder jemandem sonst noch andere mögliche Gründe ein, die man in Erwägung ziehen kann?

Wenn du am Ende zu dem begründeten Schluss kommst, dass es Mobbing ist: Hau drauf, wenn du eine gute Chance siehst. Wir können dir ggfs. mit Mailingaktionen an Kollegen, Kunden, Marktbetreiber usw. oder entsprechender 'Öffentlichkeitsarbeit' helfen.

Wenn es kein Mobbing ist, nimm dir Zeit für Erklärungen; viel Zeit. Im Gegensatz zu dem, was in der Community oft so erzählt wird, erlebe ich, dass es Monate und Jahre dauern kann, bis Menschen (auch solche, die einem wohlgesonnen sind) annähernd verstehen, worum es uns geht. Und ich glaube nicht, dass grade ich nur von ausnehmend doofen Zeitgenoss_innen umgeben bin.

Hab es gut

Marielle

PS zum neuen Beitrag von dir: Du hast schon Recht mit dem Beispiel. Man muss nicht alles runterschlucken. Aber mal andersrum betrachtet: Ich hab mein Zimmer damals auch nicht aufgeräumt, nur weil Mutti das ein paar mal angeordnet hat. Ich bin bis heute ein unordentlicher Mensch, habe allerdings irgendwann verstanden, das es Mutti irgendwie wichtig war, dass mein Zimmer nicht wie nach einem Erdbeben aussieht und dass es auch ganz praktische Vorteile hat, wenn unterm Bett keine stinkigen Socken und leeren Flaschen rumliegen. Es war eine Fragen des Lernens, des Erklärt bekommens und des Verstehens. So ähnlich wie die Sache mit dem Geschlecht bei den anderen, glaube ich.
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Re: Anrede

Post 7 im Thema

Beitrag von ab08 »

Tatjana_59 hat geschrieben:Ich darf trotzdem schon noch G. sagen? Auf mein klares NEIN, ...
Hallo Tatjana,

es gibt Menschen, die haben Schwierigkeiten damit, Transsexuelle normal zu behandeln.
Genauso wie es Menschen gibt die Schwierigkeiten damit haben, mit Mitmenschen anderer Hautfarbe normal umzugehen.
Natürlich finden diese Menschen für sich selber Ausreden, warum das so ist "ich kenne dich doch schon so lange....." bzw. "sie sind der erste Dunkelhäutige, dem ich persönlich begegne..."usw.
Trotzdem geht das nicht. Spätestens nachdem die NÄ/PÄ durch das Amtsgericht erfolgte, haben das alle zu respektieren.
Höfliche, empathische Menschen benötigen den juristischen Zwang aber nicht und benehmen sich bereits richtig, wenn sie vom Umstand Kenntnis erhalten. :wink:

Andererseits werden Regeln häufig gebrochen. Damit müssen wir alle leben.
Mehr noch, wer sich an Regeln hält, erntet oft sogar Unverständnis:
Gestern wartete ich an einer Fußgänger-Ampel, da Rot. Einer, der zwischen den Autos durchlief, zeigte deutliche Abehnung, ob meines Verhaltens.
Egal, ich lauf halt, besonders vor einer Schule, nicht bei Rot rüber..
.

Liebe Grüße und ich wünsch Dir viel Kraft
Andrea

P.S. Ähnliches Verhalten war selten, ist bei mir auch schon länger her (2008) aber(!) Uneinsichtige begegnen mir auch heute bisweilen noch.
Je nachdem, wie ich drauf bin, reagiere ich unterschiedlich:
- Es kann aber durchaus sein, dass Begriffe wie Transphobie, Rassimus fallen ev. inclusive entsprechender Erläuterungen.
- Oder, dass ich dieses Verhalten (inclusive Namen) im Kollegen/Freundeskreis rumerzähle und mit Freunden/Freundinnen ausführlich erörtere*)....!!!
*) Frei nach dem Motto "Vielleicht habt ihr eine Idee, wie wir ihm/ihr das klarmachen können?"
- Oder...
Zuletzt geändert von ab08 am Di 19. Apr 2016, 12:41, insgesamt 1-mal geändert.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
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Re: Anrede

Post 8 im Thema

Beitrag von triona »

Tatjana_59 hat geschrieben:,,. Was geht in den Hirnen solcher Leute vor?
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Diesen Typ von "Kumpel" kenne ich auch.
Kann mit solchen festgefahrenen Leuten auch nix anfangen.
Aber ärgern lohnt sich nicht. Blöd ist nur, wenn es Leute sind, denen man nicht immer aus dem Weg gehen kann. Wenn mir so eineR kommt und nach mindestens 2 höflichen und gutwilligen Aufforderungen nicht einlenkt, oder dies wenigstens versucht, dann rede ich ihn/sie so lange auch falsch an, bis es vlt mal verstanden wird.

Meine beiden hartnäckigsten Fälle - allerdings nicht so hirnlos respektlos wie deine Kollegin auf dem Markt, sondern eher bisserl ratlos und hilflos - waren 2 gute Kunden. Bei denen verbot sich selbstverständlich aus naheliegenden Gründen, daß ich sie deswegen zu hart anfaßte. Ich habe es erfolgreich mit Aussitzen versucht.

Der bzw die einen (es sind 2 Brüder) haben mehrere Jahre dazu gebraucht, bis sie sich durchringen konnten, auf eine Anrede mit Herr oder Frau L. oder Vornamen und möglichst auch auf Personalpronomen ganz zu verzichten. (Einfach nur ein geschlechtsneutrales "du" und "dein" reicht ja im unmittelbaren persönlichen Gespräch meist völlig aus.) Die Frauen von denen und ihre Angestellten und auch ihre Kunden hatten die Änderung nach recht kurzer Zeit drauf, z.T. schon bevor es "offiziell" war.

Der andere ist ein vergleichsweise jüngerer und eigentlich ein anpassungsfähiger und erfolgreicher Kaufmann, bei dem ich mich über die hartnäckigen Anpassungsschwierigkeiten wirklich wunderte. (Seine Frau und seine Angestellten hatten es auch sehr schnell drauf.) Als ich ihn nach vlt 2 Jahren mal in einer ruhigen Minute in einem entspannten Gespräch zum Freitag Nachmittag nach getaner Arbeit ohne Alltagshektik freundlich darauf angesprochen hatte, eierte er ziemlich verlegen grinsend herum. "Das sei er halt schon so lange gewohnt." Und gab zu, daß er damit irgendwelche Schwierigkeiten hätte, die er sich selber auch nicht so recht erklären könnte. Einen Anspruch auf weiterhin fortgesetzte Falschanrede wie von deiner Kollegin geäußert wollte er daraus allerding nicht ableiten.

Nach vlt 2 Jahren ging er auch dazu über, von der "Firma L." zu sprechen, wenn er mich z.B. quer durch die Halle rufen mußte oder mit anderen in meiner Anwesenheit über mich sprach. Vorige Woche - nach mittlerweile fast 8 Jahren - habe ich von ihm zum ersten mal ein "sie" gehört. Mal sehen, ob sich das jetzt festigt. Ich arbeite dort nächste Woche wieder mal ein oder 2 Tage lang.


liebe grüße
triona
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Re: Anrede

Post 9 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo Tatjana,

ich kann dich gut verstehen. Und ich kann und will dieses Verhalten auch nicht nachvollziehen. Im weiteren Umfeld habe ich auch so einen Fall und ich habe dann auch recht deutliche Worte gefunden. Mein Gefühl dabei war, dass die Person sich geweigert hat, die (neue) Realität anzuerkennen und zu akzeptieren.

Am Anfang gab es den einen oder anderen (es waren interessanter Weise immer Männer) der Schwierigkeiten hatte sich umzustellen. Aber das Bemühen war immer da und sie haben sich dann auch gleich entschuldigt, wenn es mal wieder schief ging. Damit konnte ich gut leben und umgehen, mittlerweile hat sich das auch erledigt.

Aber so eine Verweigerungshaltung ist etwas völlig anderes und in so einem Fall kann ich auch nicht einfach darüber hinweg sehen.

Liebe Grüße

Anke
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Re: Anrede

Post 10 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

wenn du meine Postings richtig gelesen hast,
Das habe ich, deshalb habe ich meine Antwort geschrieben ... Wenn Menschen nicht verstehen wollen oder können und immer wieder den selben Fehler machen, bist Du diejenige, die damit umgehen muss. Wenn Du Dich jedes Mal darüber aufregst, ist es Dein Problem. Du kannst entscheiden, wie Du damit umgehen willst.

Oder anders gesagt, wer sich aufregt, will sich aufregen...

Wenn Autofahrer lahm durch die Gegend schleichen und ich nicht vorwärts komme, kann ich noch so viel hupen. Sie sind nicht verantwortlich für meine Aufregung. Das ist etwas anderes als die Verantwortung für ihren Fahrstil. Ich kann diesen Menschen nicht vorwerfen, dass sie langsam fahren.

Vielleicht gibt es Alternativen für Dich ? Du könntest z.B. sie mit "Tante" statt "Onkel" ansprechen. Oder auf "Gerhard" nicht reagieren. Oder Du könntest Dich fragen, was Dich wirklich daran aufregt. Könnte es sein, dass Du Dich nicht akzeptierst fühlst ? Du hast für Deinen Weg sehr viel getan. Die Menschen sehen sich selber, aber nicht Dich als Person. Wäre das ein Ansatz, um mit ihnen darüber zu reden ? Vielleicht musst Du Deine Gefühlslage anders beschreiben, damit sie Dich verstehen ?

So wie ich die Situation verstehe, bist Du die Einzige, die etwas daran ändern kann. Die Anderen sind, zumindest zur Zeit, offenbar unfähig dafür.

Oder ist der Gedanke falsch ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Anrede

Post 11 im Thema

Beitrag von Fabiane »

Hallo Tatjana,

ganz gleich, was in den Köpfen Deiner Berufskollegen vorgeht, aus meiner Sicht fehlt es ihnen an Achtung Dir gegenüber. Umso mehr, nachdem Du deutliche Worte mit ihnen gewechselt hast. Wenn sie diese penetrant ignorieren, grenzt es für mich schon an Mobbing. Vielleicht fühlen sie sich durch Deine Deutlichkeit auch in die Ecke gedrängt, machen zu und geben umso störrischer und verbohrter raus. Oder sie gehören zu denen, die Leute ausgrenzen, die nicht in ihr starres Schema passen (oder deswegen dauerirritiert sind). Und die leider zu wenig auf die Qualitäten der Einzelnen und zu viel auf ihr Geschlecht schauen.

Ich wünsche Dir die Gelassenheit, die vielen Mitmenschen, die Dich als Tatjana annehmen, gedanklich und gefühlsmäßig höher zu gewichten (und wertzuschätzen) als die vergleichsweise wenigen Ewiggestrigen, die Dich frusten. Wahrscheinlich sagt sich das leichter, als es getan ist, weil frau/man am Arbeitsplatz ja oft eng "aufeinander sitzt". Vielleicht gelingt es Dir trotzdem.

Liebe Grüße
von Fabiane
triona
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Re: Anrede

Post 12 im Thema

Beitrag von triona »

Oh, da sind ja während ich meinen letzten Beitrag schrieb und kurz danach noch einige andere gute Beiträge gekommen.

Ergänzen möchte ich hier noch einen völlig anders gelagerten Fall, den ich vorvoriges Jahr erlebt habe. Auch wenn die Beweggründe und die Umstände dabei deutlich anders waren als in Tatjanas Beispiel und bedingt auch in meinen eigenen von oben. Aber es könnten durchaus einige Parallellen oder Analogien zu den bisherigen Fällen erkennbar sein, die zum besseren Verständnis dienen. Böswilligkeit war allerdings wohl auch hier nicht im Spiel.

Es handelte sich um eine liebe und nette junge Frau, die ich ca 2 oder 3 Jahre immer einige mal im Jahr anläßlich einer Konzertreihe in einer benachbarten Stadt getroffen hatte. Sie kannte mich nie aus meiner früheren Zeit, die damals ja schon ein paar Jahre zurück lag. Gleichwohl dürfte sie mir meine Vergangenheit durchaus angesehen und vor allem angehört haben. Wir hatten - wie viele der ständigen Besucher dieser jährlichen Konzertreihen - ein recht herzliches und freundschaftliches Verhältnis - auch wenn dieses in solchen Zusammenhängen bisweilen oder meist recht oberflächlich sein mag. Verbindet doch die meisten da nicht viel mehr als die Liebe zur selben Musik und einige schöne "gemeinsam" verbrachte Abende. Auf jeden Fall aber immer Umarmung zur Begrüßung und Busserl hier und Drücken da, auch bei gemeinsamem Tanz, wenn man sich schon öfter gesehen hat.

Diese Frau kannte mich nie unter einem anderen Namen als meinem richtigen - in diesem Fall Michaela. (Ihren Namen kenne ich auch, aber der tut hier nichts zur Sache.) Und auch den übrigen Menschen in dieser Umgebung ist mein alter Name völlig unbekannt. Auch werde ich in diesem Kreis seit einigen Jahren stets richtig angesprochen, in dierkter wie auch in indirekter Rede - zumindest wenn ich selber dabei bin. Dürfte also auch bei möglicherweise vorhandenen und mehr oder weniger begründeten Zweifeln auch von daher bekannt sein, was Sache ist. Auch hat sie zuvor in mehreren Gesprächen mit mir eine gewisse Art von Bewunderung geäußert, und daß sie es gut finden würde, was ich mache - was auch immer sie sich darunter vorgestellt haben mag. Ich dachte mir, daß es klar ist: Vermutet meine Vergangenheit oder glaubt diese zu kennen, hat aber die Begebenheiten akzeptiert und weiß sich entsprechend zu benehmen.

Dann geschah es an einem Abend gegen spät, als nach dem Tanzen die Musik schon leiser war. Mit einem gewissen Stirnrunzeln und völlig unvermittelt, aber in ernstem Ton die Frage: "Bist du eigentlich nicht in Wahrheit Michael?" Ich war zuerst ganz baff. Ich habe dies in ruhigem und freundlichem Ton aber entschieden verneint. Dann druckse sie bisserl rum und meinte dann aber ziemlich entschieden und mehrere Male, daß es wohl doch so wäre. Ich war dann doch ziemlich geknickt und habe sie kurz an mich gedrückt und dabei sind mir fast die Tränen gekommen. Ich habe ihr gesagt, wie sehr sie mich damit verletzen würde - ob sie dies wolle oder nicht.

Es folgten ihrerseits nur noch ein paar unklare Äußerungen über Gott. Daraus schloß ich, daß sie wahrscheinlich wesentlich stärker religös beeinflußt ist, als ich zuvor vermutet hätte. Für weitschweifige ernsthafte Erklärungen oder gar eine tiefere Erörterung über Religion und Glauben war aber der Abend zu spät und meine Lust zu gering. Meine Aussage, daß ich selber wohl besser wissen müßte als sie und andere, wer oder was ich bin, hat sie nicht überzeugt. Meine kurz geäußerte Empörung über die bekannten Alles-Besserwisser (wie z.B Pfaffen, Psychologen, Ärzte, die meisten "Wissenschaftler" usw ), die in Wahrheit von vielen Sachen überhaupt keine Ahnung haben, konnte sie wahrscheinlich auch nicht wirklich nachvollziehen.

Wir sind dann auch bald beide nach hause gegangen - wie alle, die Veranstaltung war zu Ende. Danach habe ich sie noch ein paar mal gesehen, aber es waren außer kurzem Begrüßungswinken keine weiteren Gespräche mehr. Im vorigen Jahr war sie dann auch nicht mehr bei den Konzerten.


Bemerkenswert erscheint mir auch ihre spontane Annahme, daß mein - angeblich wahrer - alter Name ausgerechnet "Michael" gewesen sein müßte. Könnte ich doch vorher auch August, Friedrich oder Hermann-Josef gehießen haben. Aber etwas anderes als ein "A" dran- oder wegmachen können sich manche Leute wohl nicht vorstellen, wenn man sich nicht gerade Chantal-Yvonne ausgesucht hat.


liebe grüße
triona
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Re: Anrede

Post 13 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Erst mal vielen Dank für eure Antworten, da ist schon einiges dabei was ich für mich nutzen kann.
Mehr dazu morgen, hab jetzt leider nicht die Zeit näher auf alle einzugehen, das mache ich morgen in aller Ruhe.

Lg Tatjana
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