Uniklinik Erlangen verklagt
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Anne-Mette
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Uniklinik Erlangen verklagt

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

Weil sie sich von den Ärzten an der Uniklinik Erlangen falsch behandelt fühlt, verklagt Michaela Raarb das Klinikum.
Darüber - und über die Demonstartionen - wurde auch schon an anderer Stelle berichtet.
Trotzdem hier noch der Link zu "Nordbayer.de": http://www.nordbayern.de/region/nuernbe ... -1.4736967

Gruß
Anne-Mette
ab08
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo,

nun wird es spannend!!
Am Donnerstag, den 17.12. 2015 erfolgt die Verkündung des Urteils :wink:
http://www.t-online.de/nachrichten/pano ... woche.html
Micha Raab bekommt vielleicht endlich eine Entschädigung für die Tortur!

Liebe Grüße
Andrea
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

danke Andrea )))(:

Nordbayern.de schreibt auch dazu: http://www.nordbayern.de/region/nuernbe ... -1.4851739

Gruß
Anne-Mette
ab08
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 4 im Thema

Beitrag von ab08 »

Aktuelle Nachricht:

http://www.br.de/nachrichten/mittelfran ... e-100.html

Micha Raab bekommt Schadensersatz + Schmerzensgeld ---> Höhe wird noch festgelegt ---> Urteil aber noch nicht rechtskräftig!!
Der nächste Schritt ist getan, aber es dauert noch (Berufung durch die FAU?)

Liebe Grüße
Andrea
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

auch die SÜDDEUTSCHE äußerst sich dazu:

http://www.sueddeutsche.de/bayern/proze ... -1.2787048

Bedenklich finde ich, dass u.a. ein Gutachter zu diesem Urteil gekommen ist: "damals sei es Konsens gewesen, intersexuellen Menschen die Diagnose zu verschweigen, um keinen Schock auszulösen".

Immerhin, es gibt Schmerzensgeld, weil nicht genügend über die Behandlungs- und OP-Folgen aufgeklärt wurde.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 6 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

... und die taz dazu: http://www.taz.de/Aerzte-verschwiegen-I ... /!5262453/

Gruß
Anne-Mette
gaby37
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 7 im Thema

Beitrag von gaby37 »

Hallo Anne-Mette
Anne-Mette hat geschrieben:...
Bedenklich finde ich, dass u.a. ein Gutachter zu diesem Urteil gekommen ist: "damals sei es Konsens gewesen, intersexuellen Menschen die Diagnose zu verschweigen, um keinen Schock auszulösen"......
Zu meinem Leidwesen kann ich nicht erkennen, was an der Erkenntnis, das es damals so gewesen ist, und das es falsch war, bedenklich ist.
Kannst du das bitte näher erläutern?

Gruß Gaby
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 8 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ja, gerne )))(:

bedenklich eher im erweiterten Wortsinne.
Wenn es damals "Stand des Wissens der Medizin" war, dann möchte ich darüber nachdenken/bedenken, ob das wirklich so war.
Daran habe ich allerdings Zweifel.
Viele "Fälle" wären zu vermeiden gewesen, wenn Ärzte mehr Mut gehabt hätten NICHT zu operieren.
Bedenklich finde ich auch die "Vertuschungstaktik" zum Thema INTERSEXUALITÄT, als wären wir etwas, das ungefragt passend gemacht werden müsste.
... und ja nicht darüber reden.
Zu meinem Urteil "bedenklich" bin ich nicht nur durch eigene Empfindungen gekommen, sondern auch durch das Buch "Ich war Mann und Frau" von Christane Völling und die Erlebnis-Schilderungen von ALEX (Tintenfischalarm).
Ich bin mir sicher, dass Mediziner auch damals einen anderen Umgang mit intersexuellen Kindern und Erwachsenen hätten wagen können.

Bedenklich finde ich auch, dass wir noch zu wenig tun, um den heute gültigen Standard auf einen menschenwürdigen Stand zu bringen.
Außer einer kleinen Korrektur des Personenstandsrechtes, die nicht einmal besonders ausgegoren und hilfreich ist, ist nichts passiert.

Nicht, dass später wieder mal jemand kommt und sagt: "... naja, das war 2015 eben sol!"

Gruß
Anne-Mette
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 9 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo, ein ganz herzliche Danke, liebe Anne-Mette,

an jene, die bisher wenig über Intersexualität gelesen haben:
Entschuldigt bitte meine, in dem Zusammenhang sehr deutliche, Stellungnahme:

zwischengeschlecht.org enthält einiges zur Historie: http://blog.zwischengeschlecht.info/?q=Naujoks
"Intersex-Genitalverstümmelungen als Treibstoff für "wissenschaftlichen Fortschritt und Karriere" — sogar "echten" Hermaphrodit ganz elegant und spurlos aus der Welt geschafft — Tausendsassa Prof. Dr. Naujoks in bester Gesellschaft: von James Marion Sims über Josef Mengele bis John Money, EuroD$D, Judith Butler usw."

Viele, in dem Bereich tätige, Mediziner wußten/wissen aufgrund ihrer Ausbildung nach dem letzten Weltkrieg höchstwahrscheinlich recht gut Bescheid... :wink:
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ergänzung zu obigem Prozess:

Ulrike Löw, die sehr kompetente Gerichtsreporterin der Nürnberger Nachrichten, verfasste unter der Überschrift
"Anerkannt werden, wie Gott uns schuf" einen ausgezeichneten halbseitigen Artikel
+ einen Kommentar mit dem Titel: Nicht einfach wegoperierbar,
die in der Ausgabe vom Freitag, den 18.12.2015 auf Seite 14 erschienen. (Leider im Netz bisher nicht verfügbar) *)

Ich zitiere einen interessanten Teil: "Damit kein Missverständnis entsteht: Kein eindeutiges Geschlecht meint nicht, dass Menschen wie Michaela Raab - der Deutsche Ethikrat geht von etwa 80 000 Intersexuellen in Deutschland aus - kein Geschlecht haben. Es handelt sich auch nicht um fehlerhafte Männer oder Frauen, und schon gar nicht um kranke Menschen. Eher ist es wohl so, dass die Geschlechtereinteilung in weiblich und männlich nicht genügt."

Liebe Grüße
Andrea

*) Am Freitag verteilte ich Kopien in der Klinik und nächsten Montag gebe ich weitere in der Schule an interessierte Kolleginnen/Kollegen, insbesondere aus den Fachbereichen Biologie und Ethik, weiter.
Nachtrag: Bei Ulrike Löw bedankte ich mich inzwischen per E-Mail.
Zuletzt geändert von ab08 am Sa 19. Dez 2015, 17:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 10 im Thema

Beitrag von Veronika »

Hallo zusammen,

Ich habe ein wenig quer gelesen, auch im von Andrea angeführten Blog.
Ich bin entsetzt und sprachlos zugleich das in der heutigen zivilisierten Gesellschaft in Deutschland so etwas passiert. Da schwindet das Vertrauen in die Ärzteschaft. Nur weil es Menschen gibt die nicht in das gesellschaftliche Muster Mann oder Frau passen werden diese von einigen Ärzten belächelt und falsche Diagnosen gestellt und falsche Medikamente verabreicht. Von OP's die ohne Zustimmung ausgeführt werden.
Diesen Ärzten muss Berufsverbot erteilt werden sowie Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden.
Den Betroffenen kann ich nur mein Mitgefühl aussprechen.

LG Veronika
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 11 im Thema

Beitrag von gaby37 »

Hallo
@Anne-Mette,
Danke für deine Erklärung.
Zu meinem Leidwesen kenne ich dich leider nicht persönlich um es besser einschätzen zu können, daher finde ich es bedauerlich das, das du mit deiner Wortwahl "Bedenklich" eine Rhetorik gewählt hast, die eine Meinung suggeriert, die du anschließend, auf detailirte Nachfrage, wieder relativieren kannst, indem du eine alternative, aber unübliche Verwendung für dich reklamierst.
Bedauerlich das du glaubst das nötig zu haben. Du hast mehr drauf und kannst das besser. (yes)


@AB08
Ich habe das verlinke Dokument recht umfassend gelesen.
Ja, ist schon sehr schlimm was so manche "Medinziener" da von sich gegeben haben, bzw unreflektiert übernommen haben.
Ich frage mich nur warum wir ihnen nicht vorwerfen nur Plagiate verfast zu haben - bei allen aktuellen Dissertationen machen wir das doch auch.
Viel schlimmer an der Seite finde ich jedoch, dass paraktisch jedwede Medinzinerschelter sich auf Vorgänge aus dem 19ten jahrhundert - also 1800-1900, dann auf die Nazizeit, primär um 1930-1935 und auch bis 1945, sowie die nach dem Ende des Krieges wegen wichtigerer Probleme nicht sofort aus dem Vekehr gezogenen Mediziner bis 1950/55, beziehen.
Also kurz: alles Vorgänge von vor mindesten 60 Jahren. Leider fehlt jedweder Bezug auf die letzten 50-60 Jahre.
Das erweckt bei mir leider nur "einen reißerichen Eindruck ohne aktuelle Substanz" - schade.

Ich würde mir mehr Daten über aktuelle Fälle aus den letzten 40 Jahren wünschen um mir ein aktuelles Bild machen zu können, was heute noch fälschlicher weise opperiert wird und nicht heuteigen Medizinern die Fehler ihrer "geistigen" Vorfahren zur legen.

Gruß Gaby
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 12 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Gaby,

sicher, Wurzeln /verfügbare Quellen liegen häufig auch in der Vergangenheit.
- Es bleibt aber Tatsache, dass geschlechtzuweisende Operationen ohne medizinische Notwendigkeit bei uns und anderswo(!) auf der Welt andauern.
- Juristische Schritte sind schwierig, weil in der Mehrheit der Fälle die Tatsachen von Beteiligten aus Interesse (Ärzte) bzw. Scham (Eltern,Kinder) vertuscht werden.
Offizielle Kritik wird missachtet, bzw. es werden keine Konsequenzen gezogen z.B. die Anhörung des Deutschen Ethikrates (7-2011) und seine Stellungnahme
http://www.ethikrat.org/presse/pressemi ... ng-07-2011 führten bisher zu keinen sichtbaren Ergebnissen...
Für juristische Konsequenzen sind übrigens die zu kurzen Verjährungsfristen das Hauptproblem.
Da in der Regel Neugeborene oder Kinder operiert werden, bleibt Opfern(!) der Klageweg versperrt.
Prozesse wie durch Christiane Völling (2008) und nun durch Micha Raab(2015) leisten daher hier in Deutschland Pionierarbeit.

Sicher zwischengeschlecht.org drückt es meist drastisch aus. Aber das Problem der Operationen, die gemacht werden, um ein naturwissenschaftlich falsches Schema aufrechtzuerhalten, bleibt.
Es geht im Grunde weniger um Medizinerschelte, sondern um, wie Ulrike Löw es am Ende ihres Kommentars in der NN vom 18.12.2015 so treffend ausdrückt:
"Doch es sind die Betroffenen selbst, die einmal getroffene Entscheidungen ausbaden. Und Intersexualität, auch dies zeigt dieser Prozess, lässt sich nicht so einfach wegoperieren.
Was wir als Einzelne beitragen können? Mehr als Schubladendenken anzubieten, ist ein Anfang."


Liebe Grüße
Andrea
Zuletzt geändert von ab08 am So 20. Dez 2015, 16:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 13 im Thema

Beitrag von gaby37 »

Hallo Ab08

mittendrin, und wenig markiert, steht der aus meiner Sicht wichtigeste Punkt:
Für juristische Konsequenzen sind übrigens die zu kurzen Verjährungsfristen das Hauptproblem.
Denn alle anderen Konsequenzen trägt ja nur der/die Betroffenen.

Was kann man oder wir denn tun, um hier längere Verjährungsfristen durchzusetzen - wo wäre da der Hebel?
( by the way: due weist bestimmt wie lange sie zur Zeit sind,oder)

Gruzß Gaby
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 14 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

es sind keineswegs nur Informationen aus der entfernteren Vergangenheit verfügbar.

Geneigte LeserInnen mögen z.B. in das Buch "Mein intersexuelles Kind" von Clara Morgen schauen, erschienen im Transit Verlag
oder
"Ich war Mann und Frau" von Christiane Völling.

Außerdem hat Lucie Veith vielfach in Aufsätzen, Büchern, Fernseh- und Radiosendungen über ihr eigenes Schicksal und die Situation intersexueller Menschen berichtet.
Dabei ist sie auch auf die nähere oder fernere Vergangenheit eingegangen.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Uniklinik Erlangen verklagt

Post 15 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Gaby,

zunächst wäre es nett, wenn Du mich mit meinem (echten) Vornamen "Andrea" anschreiben würdest.
Mein Kürzel ist alt und nur der damals nötigen Anonymität geschuldet. Wenn Du in mein Profil schaust, merkst Du, dass dies heute anders ist. ;-)

Zu Deiner Frage: Bin keine Juristin(vgl.Profil) und kenne also keine exakten Verjährungsfristen, was bei den Zeitspannen auch nicht nötig ist. Beim Durchsetzen anderer Fristen wäre ich also auch nicht die richtige Ansprechpartnerin... - ABER - Am Diskurs beim Deutschen Ethikrat 2011 beteiligte ich mich, weil es nötig war, denn ich kann mich zurückhaltend ausdrücken. --> Das fällt Betroffenen, aufgrund ihrer vorherigen Erlebnisse schwer, sie drücken sich dann oft "reißerisch" aus. Das ist verständlich, gibt aber die Möglichkeit, diese Person dann vom Dialog auszuschließen. Als ETEKAR damals gesperrt wurde, meldete ich mich daher kurz zu Wort.

Im Bereich Intersexualität Zusammenhänge einigermaßen zu verstehen, ist sicher nicht einfach, aber
wer einige Bücher liest und Menschen wie z.B. Lucie Veith zuhört (Siehe Anne-Mette), versteht manches besser.

Liebe Grüße
Andrea


Anmerkung: In eigener Sache bin ich juristisch erfahrener, konnte z.B. die Zwangspensionierung rückgängig machen, weil ich die GaOp aufschob.
Ich hatte Glück und war über die Verhältnisse informiert, die sich übrigens seit 2008 kaum änderten. vgl.http://www.queer.de/detail.php?article_id=25258
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