Hallo ihr Lieben,
ich mische mich dann auch mal wieder in die Diskussion um eigen- und fremdbestimmt und Eigenwahrnehung und Fremdwahrnehmung ein. Natürlich kann ich nur von meinen eigenen Erfahrungen und meinen Gefühlen ausgehen.
Wie andere, vor allem Passanten auf der Straße, uns wahrnehmen, teilen sie uns ja normalerweise nicht direkt mit. Die meisten Reaktionen, die wir, wenn wir en-femme unterwegs sind, wahrnehmen, werden bewusst oder unbewusst ja auch von uns interpretiert.
Wenn ich als Katja unterwegs bin, bin ich mir durchaus darüber im Klaren, dass eine "Frau" von knapp 1,90 m Körpergröße wahrgenommen wird - und mein Geburtsgeschlecht auch spätestens beim zweiten Blick erkannt wird. Dazu muss ich nicht mal den Mund aufmachen

.
Sehr oft fällt mir auf, dass ich nicht bewusst gesehen werde - die meisten Leute in der Stadt sind mit sich selbst beschäftigt. Ich bekomme keine Reaktion, die ich auswerten kann. Also entweder absolutes Desinteresse oder Höflichkeit oder Phlegma.
Wenn ich bewusst Leute anlächle, Frauen, die keine Mädels mehr sind, wird beinahe immer nett zurückgelächelt - dies kann und möchte ich nur als positive Reaktion werten, auch wenn sie mich als Mann erkannt haben.
Wenn mir von irgendwelchen Jugendlichen, ganz egal ob Mädchen oder Jungs, Gelächter oder Sprüche hinterherwehen, kann ich wunderbar damit leben. Ihre Reaktion auf mich beruht auf Ihrer Unsicherheit - und für ihre Unsicherheit kann kann und möchte ich keine Verantwortung übernehmen.
Dass ich von Verkaufspersonal, egal ob in Ladengeschäften oder in Gaststätten, keine negativen Reaktion bekomme, kann ich von professionellem Personal erwarten. Schließlich möchten die Geld und gerne auch Trinkgeld.
Also kaum etwas verwertbares, um meine Eigenwahrnehming mit der Fremdwahrnehmung abzuklären.
Fremdbestimmt sind wir alle, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Schließlich ist auch die Erziehung und die Prägung durch die Gesellschaft, in der wir aufgewachsen sind, als Fremdbestimmung anzusehen. Natürlich kann sich man mit steigender Lebenserfahrung einen größeren Anteil an Eigenbestimmung erkämpfen - eine gewisse "Leck-mich-am Arsch" - Haltung kann da durchaus hilfreich sein.
Dass diejenigen von uns, bei denen jahrzehntelang die männlichen Hormone ihr Werk verrichten konnten, es nicht einfach haben, auch mit Hilfsmitteln auf den ersten und zweiten Blick nicht als geborener Mann erkannt zu werden, dürfte unbestreitbar sein.
Die innere Einstellung spielt meiner Meinung nach da auch eine ganz große Rolle. Wenn ich mich aufstyle und mit meinem Anblick im Spiegel völlig zufrieden bin, mich in mir, so wie ich bin, wohlfühle, dann strahle ich das auch aus. Dann bin ich auch für irgendwelche Anderen keine Lachnummer, sondern jemand, der so ist, wie er ist!
Fremdbestimmt bin da natürlich auch noch - wenn ich rausgehe, orientiere ich mich natürlich daran, wie sich die anderen Frauen kleiden und an dem, was ich vorhabe. Diese Anpassung an die "Gesellschaft" wird auch von der "Gesellschaft" honoriert - wobei ich mich da nicht als "graue Maus" sehe. Bei uns "Frauen" gibt es ja, unabhängig von Körpergröße und Statur, die Möglichkeiten Akzente zu setzen.
Ein ziemlicher Roman, für mich eher eine Ausnahme
Liebste Grüße
Katja
PS.: Natürlich hätte ich auch gerne eine Körpergröße von ca. 1,72 m, Kleidergröße max. 40, die Kurven an den richtigen Stellen, reine Haut und volles, langes, leichtfrisierbares Haupthaar - aber das hätten viele "Original"-Frauen auch gerne

.
Natürlich hätte ich gerne eine Körpergröße von ca. 1,72 m, Kleidergröße max. 40, die Kurven an den richtigen Stellen, reine Haut und volles, langes, leichtfrisierbares Haupthaar - aber das hätten viele "Original"-Frauen auch gerne ;-).