Das fehlende Puzzleteil
Das fehlende Puzzleteil

allgemeiner Austausch
Vanessa_T
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 1 im Thema

Beitrag von Vanessa_T »

Hallo, Annika,

ich versuche mal eine Antwort aus meiner Sicht (Ich glaube auch, dass es da kein allgemeingültiges Patentrezept gibt, sondern jede von uns muss das mit sich selbst ausmachen). Deine Definition zugrunde legend, gehöre ich wohl zu einer dritten Gruppe, sprich ich habe mich zwar en femme vor die Tür gewagt, aber bis jetzt auch nur zweimal und ausserdem gehe ich äusserlich mal ganz locker nicht als Frau durch.

Bei mir hat es (Karneval mal aussen vor, weil das zähle ich nicht) dafür auch locker drei Jahrzehnte gebraucht, also gut Ding hatte ganz schön viel Weile. Irgendwie hat sich dann soviel angestaut, dass es plötzlich so weit war. Sprich mein erster Ausgang war überhaupt nicht geplant. Ich stand vor'm Spiegel und dachte nur "Was wäre wenn..." und dann ging es auch schon los. Also gar keine Zeit, grossartig Bedenken aufzubauen, vielleicht auch eine gewisse "Mir doch egal"-Einstellung, die hilfreich war, obwohl ein Auffliegen bspw. gegenüber den Nachbarn eine mittlere Katastrophe wäre.

Der zweite Ausgang zwei Tage später war dann geplant, also reichlich Zeit für Herzklopfen. Was mir da geholfen hat, war eben diese Planung, so nach dem Motto gute Vorbereitung, Risiken minimieren usw. Aber entscheidend blieb dieses Gefühl, dass es jetzt einfach so weit ist und mich nichts mehr aufhalten kann. Also eine klare Bauchentscheidung meines weiblichen Ich's (Der Mann in mir ist eigentlich ein ziemlicher Kopfmensch), was Dich jetzt wahrscheinlich nicht so wirklich weiterbringt. Ich könnte sagen "Hör einfach auf Dein Bauchgefühl, irgendwann bist Du soweit". Was mir persönlich aber total geholfen hätte, wäre eine Begleitung gewesen. Da wäre es bestimmt schon wesentlich früher dazu gekommen. Also vielleicht gibt es so jemanden bei Dir oder Du hast die Möglichkeit, Dich dabei professioneller Hilfe sprich eines Makeover-Service zu bedienen?

LG, Vanessa.
"An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser".

Charlie Chaplin
Joanna

Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 2 im Thema

Beitrag von Joanna »

Hallo Annika,
wenn ich mir dein Bild so anschaue, dann würdest du bestimmt allemal als Frau durchgehen. Leider ist die Auflösung nicht so toll und ich kann es nicht vergrößern, aber das was ich sehe, Figur, Gesicht, Haare gefällt mir. Ich finde, wir beide haben sogar, wenn wir gestylt sind, ein bisschen eine Ähnlichkeit. Du siehst gut aus.

Ich gehe regelmäßig en femme aus. In der Öffentlichkeit. Ich traue mich unter die Menschen, gehe Bummeln in der Stadt, schon auch mal etwas einkaufen (Schuhe z.B.), gehe auch ganz frech auf die Damentoilette etc...

Das ganze ist aber über die Jahre gewachsen. Früher bin ich auch nur ganz heimlich raus. Zuerst nur nachts, später dann auch tagsüber. Dann aber im Abseits. Auch musste ich zunächst auch noch an meinem Outfit arbeiten. Ich habe, so glaube ich jedenfalls, immer mehr und mehr perfektioniert. Ich gehe zwar immer noch nicht ohne Herzklopfen raus, aber ich genieße es. Auch, wenn ich neugierige Blicke auf mich ziehe. Mein Outfit ist immer damenhaft elegant, aber auch ein bisschen sexy. Rock oder Kleid auch gerne mal ein bisschen kürzer.

Wenn ich Leuten direkt begegne, dann schaue ich ihnen immer direkt auch in die Augen. Dann nehmen sie ihre Blicke meist etwas zurück.

Fang langsam an, Annika. Und trau dich. Mach dich schön und geh raus. Immer mehr. Du wirst sehen, es ist wunderbar

Liebe Grüße Joanna
Inga
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 3 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Annika,

nach draußen gehen ist einfach ein tolles Gefühl, was ich nicht mehr missen möchte.

Ich halte es da mit den berühmten Worten von Martin Luther: "Hier stehe ich und kann nicht anders." Auch als Frau gekleidet bin ich nicht verkleidet, sondern drücke mich aus. Ich bin auch dann eben ich.

Ich wähle dann meist auch eher alltägliche unauffällige Kleidung, um nicht noch die Blicke anderer auf mich zu ziehen. Ich finde es wesentlich leichter, in einer fremden Stadt nach draußen zu gehen als zu Hause, weil mich da erst mal niemand kennt oder niemand erwartet.

Übrigens: Gute Gelegenheit finde ich auch den Besuch eines Gruppentreffens oder Stammtisch. Denn da treffe ich auf Gleichgesinnte und komme mir nicht so "ausgefallen" vor.

Liebe Grüße
Inga
Andrea aus Sachsen
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 4 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Ich hatte für meinen Weg in die Öffentlichkeit die Hilfe einer Einrichtung in Anspruch genommen, die sich auf die Verwandlung Mann zu Frau spezialisiert hat und einen auf Wunsch auch nach draußen begleitet. Ich wollte so erst einmal sehen, was mit Kleidung, Frisur (Perücke) und Makeup möglich ist und Fehler vermeiden, die ich vielleicht selbst nicht gleich als solche erkannt hätte. Bereits zuvor hatten mich Erlebnisberichte anderer CD fasziniert. So etwas wollte ich unter optimalen Bedingungen unbedingt selbst einmal probieren.
Das Ganze hatte schließlich einen durchschlagenden Erfolg: Der erste Blick in den Spiegel komplett als Frau zurechtgemacht und danach die ersten Begegnungen mit Leuten, die mich wie selbstverständlich als Frau ansprachen, das hatte mich derart beeindruckt, dass alle noch vorhandenen Hemmungen mit einem Schlag verschwanden. Seit diesem Tag gehe ich völlig entspannt als Frau unter die Leute, als wäre es das normalste der Welt. An anderer Stelle hatte ich bereits darüber berichtet: http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... f=6&t=4017
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
colibri
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 5 im Thema

Beitrag von colibri »

Hallo Annika.B

Wie bei den meisten hier habe ich auch Hemmungen gehabt und einige Zeit gebraucht, bis es soweit war (wie lange, weiss ich nicht mehr, es ging schrittweise). Da ich weiss, dass ich nie komplett als Frau durchgehe, wäre ich nie dahin gekommen, wenn das Kriterium "Perfekte Frau" heisst. Irgendwann habe ich mir gesagt: ich muss nicht bei anderen perfekt ankommen, sondern es muss mir selbst gefallen. Und damit bin ich dann los gegangen. Wenn es auch noch anderen gefällt, um so schöner (ist auch schon vorgekommen), ist aber kein Muss.

Liebe Grüsse,
colibri
Céline
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 6 im Thema

Beitrag von Céline »

Hallo Annika,
Also mein erstes Mal als Kelly in der Öfentlichkeit ist noch gar nicht allzulange her.Ich hab lange überlegt wie,wo und den richtigen Zeitpunkt zu wählen.Dann war für mich klar das ich auf keinen Fall irgendwo im Dunkeln rausmöchte sondern sofort in die Öffentlichkeit(Hab einen Bericht in "Das erste Mal"geschrieben)also hab den Besuch einer Selbsthilfegruppe in München gewählt.Wichtig war mir auch das ich keine Perücke tragen wollte.Beim austeigen aus dem Auto in München haben mir die Kniehe gezittert wie noch nie.Dann hab ich tief Luft geholt und bin ausgestiegen.Von da an war es als hätte ich einen Schalter umgelegt und lief völlig selbstbewußt zwischen den Leuten.
Das war einer meiner glücklichsten Tage im Leben (smili)
Wichtig ist meiner Meinung nach nicht zu auffällige Kleidung,Selbstbewußtes auftreten und bei Blickkontakt einfach lächeln (smili).Schräge Blicke bekomme ich nur wenn ich als androgyner Mann unterwegs bin,als Frau noch nie bisher.
Heute frage ich mich warum ich solange gewartet habe....
Liebe Grüße
Kelly
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
lilijana
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 7 im Thema

Beitrag von lilijana »

Hallo Annika,
Annika.B hat geschrieben: Ich frage mich, was haben die, die sich das am Ende trauen, was die, die sich bisher noch nicht getraut haben (noch) nicht haben?
Welche Einstellung braucht Frau? Was muss Frau denken? Wie muss Frau die Welt sehen? Wie tickt so jemand?

Was mich interessieren würde ist, welche Einstellungen, Werte, Eigenschaften, Einstellungen oder Ansichten glaub Ihr haben Euch dabei am Meisten geholfen das in die Tat umzusetzen?
Diese Fragen kann ich vielleicht für dich nicht beantworten, aber was mir geholfen hat.
Annika.B hat geschrieben:Welche Einstellung braucht Frau?
Ich bin eine Frau und für Frauen ist es selbstverständlich vor die Tür in die Öffentlichkeit zu gehen, machen doch jeden Tag unzählige Frauen, z.B. Einkaufen gehen, jemanden besuchen, etc...
Annika.B hat geschrieben:Werte
Ich bin gerne gesellig und neugierig.
Annika.B hat geschrieben:Eigenschaften und Einstellungen
Motiviert und unerschütterlich sein!

Liebe Annika, ich habe mir auch beim ersten mal so viele Gedanken gemacht, die waren alle umsonst.
Am meisten hat mir geholfen, ich habe ein Outfit gewählt in dem ich mich wohlfühle, bin in eine andere Stadt gefahren wo mich keiner kennt und war den ganzen Tag unterwegs.
Geh bitte nicht irgendwo Nachts alleine in irgendeiner dunklen Ecke alle auf Tour. Ein bisschen scheissegal Einstellung (sollen die anderen doch von mir denken was die wollen, Hauptsache mir geht es gut) gehört dazu.
Meine Geschichte von meinem ersten Ausflug ist hier im Forum nachzulesen.http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... f=6&t=9989

Viele liebe Grüße
Lilijana
Manche Menschen brauchen lange, bis sie geboren wurden.
gaby37
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 8 im Thema

Beitrag von gaby37 »

Hallo Annika,

du fragst nach Einstellung, wie die Welt sehen und wie "ticken", nach Werten und Ansicht.
Eine interessante Herangehensweise.

Ich weiß nicht ob diese Eigenschaften und Ansichten eine Rolle spielen - ich glaube eher nicht.
Es ist eher das Verlangen endlich mal dazu (die allgemeine Gesellschaft, die drausen rumläuft) gehören zu wollen. Häufig ist es eher die Frage, wie kommt man(n) ungesehen aus dem Haus /Wohnung und wieder zurück, denn meist will man sich zu diesem Zeitpunkt nicht bei den Nachbar outen.
Also ist zuerst dieses Problem zu lösen. Später geht das meist einfacher
Mein erster richtiger Ausgang war im Winter, nach dem Dunkel werden, einmal über den Weihnachtsmarkt.
Das hat viele Risiken minimiert und ich konnte erste Erfahrungen im "als Mann erkannt werden" sammeln -es waren nur einige wenige die das wohl mitbekommen haben ( bei meiner Größe und dann schlecht sitzender Perücke kein Wunder).
Aber mit diesen Erfahrungen konnte ich dann aufbauen.
Das Magenkribbeln vor dem Verlassen der Wohnung bzw. später dann nochmal beim ersten Verlassen des Autos sind immer noch da.

Als Antwort auf deine Frage bleibt eigenlich nur übrig:
Was muss Frau denken: Ich bin eine Frau
Welche Einstellung: Ich bin weiblich und das ist gut so ( frei nach einem bekannten Politiker)
und die Welt sehen: so wie sie ist: Bunt und schön.

Gruß Gaby

PS: Und wie schon geschrieben:
Triff dich zu einem Stammtisch, dort sind häufig ( kann man vorher klären) Möglichkeiten zum Umziehen vorhanden, so dass du Äußerlich als Mann das Haus verlassen kannst und die notwendige Bekleidung in einer Tasche mitnehmen kannst.
_______________________________________________________________________________________________
Frauen werden aus Blumen geboren, Männer aus Kohlköpfen. Ich bin aus einem Blumenkohl.
Sandy123
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 9 im Thema

Beitrag von Sandy123 »

Hallo Annika,
lilijana hat geschrieben: Ein bisschen scheissegal Einstellung (sollen die anderen doch von mir denken was die wollen, Hauptsache mir geht es gut) gehört dazu.
Ich gebe da lilijana vollkommen recht, ich habe es bsiher immer so gemacht, dass ich mir die Sachen eingepackt habe, nach Frankfurt gefahren bin und mich dort umgezogen habe. Anschließend noch einmal tief ausgeatmet und dann mit dem Gedanken - Schei** drauf was die anderen denken - die Tür geöffnet und losgegangen.
Es gibt ja aber auch ''Geschäfte'' die dir bei deinem ersten Spaziergang helfen können, z.B. Transnormal aus FFM wie mir bei meinem 2. Mal, vllt. gibt es sowas auch bei dir in der Gegend, aber wenn du so aussiehst wie auf deinem Bild würde ich mir an deiner Stelle keine Sorgen machen, darauf machst du eine echt tolle Figur :-)

Und falls doch was sein sollte: Hinfallen, aufstehen, Krone richten weitergehen ;-)

Ansonsten wünsche ich Dir in jedem Fall viel Spaß wenn du zum ersten mal en Femme herausgehst, es wird dir Gefallen :-)
Lg Sandy

PS. Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten ;-)
Katja-H
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 10 im Thema

Beitrag von Katja-H »

Liebe Annika,

ich habe mit den Tragen von Damenwäsche angefangen und war innerhalb einiger Jahre soweit, dass ich mich komplett als Frau gestylt habe - natürlich immer noch als Mann zu erkennen.

Damenwäsche unter der normalen Bekleidung oder unter dem Mantel war ja keine Schwierigkeit - damit konnte ich immer rausgehen. Komplett als Frau gestylt bin ich nur in meiner Freizeit auf Geschäftsreise, also nicht zuhause. Und irgendwann musste ich einfach raus - ob ich als Frau durchging, muss ich bezweifeln. Mittlerweile ist es für mich etwas normales, als Frau rauszugehen, einkaufen zu gehen, mit einer Gruppe in einer Gaststätte essen gehen usw.

Was ich brauchte, war die Anynymität, die mir eine fremde Stadt gab - und dann wusste ich, ich bin Frau, wenn ich als Frau gestylt bin. Ich fühle mich dann als Frau komplett und und in mir ruhend und in meinen Körper gehörend. Und warum sollte ich mich dann nicht auch in der Öffentlichkeit aufhalten?


Ganz liebe Grüße

Katja
Natürlich hätte ich gerne eine Körpergröße von ca. 1,72 m, Kleidergröße max. 40, die Kurven an den richtigen Stellen, reine Haut und volles, langes, leichtfrisierbares Haupthaar - aber das hätten viele "Original"-Frauen auch gerne ;-).
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 11 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Annika,

ich gehe seit fast 20 Jahren raus. Nicht immer und nicht häufig, aber immer wieder. An Anfang stand das Herzklopfen, selbst bei Nacht und, Nebel oder beim Waldspaziergang. Heute bin ich beim Gang auf die Straße relativ entspannt. Meine Erfahrung ist, dass Bilder, vor allem kleine, nichts taugen, um die Wirkung en femme abzuschätzen. Dazu gehört so vieles mehr, was wir nicht für uns selber beurteilen können. Jula Böge hat einige Dinge aufgeschrieben, die ich für wesentlich halte.

Als Mittfünfzigerin, ca. 1,85 m groß, gebe ich mich keiner Illusion hin: Ich werde en femme trotzdem erkannt. Aber genau das ist es, was für mich sehr viel einfacher macht, auf die Straße zu gehen. Ich bin viel entspannter. Wenn ich erkannt werde, brauche ich mich nicht hinter Makeup zu verstecken. Ich muss mich nicht heimlich umschauen, nur um zu sehen, ob andere schauen. Es würde mich natürlich interessieren, was andere sehen und denken, aber sie würden es mir nicht erzählen, auch wenn ich sie fragen würde.

Ich gehe, wenn ich en femme auf die Straße gehe, i.d.R. voll gedressed, also keine "Halbheiten". Dabei geht es mir nicht darum, anderen als Frau zu erscheinen, sondern um meine Weiblichkeit auszudrücken. Das ist für mich ein fundamentaler Unterschied. Ich trage Kleidung, in der ich mich wohl fühle und nicht die, die Weiblichkeit besonders betonen soll. D.h. kein Minirock, sondern Damenjeans, keine High Heels, sondern ganz normale, dem Wetter angepasste Damenschuhe. Ich werde so viel eher als Frau ernst genommen. Ich dränge mich dadurch nicht auf, erscheine nicht als "Freak", sondern zeige, dass ich ein ganz normaler Mensch bin, der dazu gehören möchte. Dazu gehört auch, mich ein wenig weiblich zu bewegen, es aber nicht durch übertriebenen Ausdruck zu karikieren. Mein persönlicher Erfolg ist, dass ich mich en femme, wenn schon (noch) nicht gänzlich selbstverständlich, aber doch ziemlich "normal" verhalte. Mit "normal" meine ich hier, dass es für mich mehr und mehr normal wird en femme auf die Straße zu gehen.

Ich bin es, die viel dazu beitragen kann, akzeptiert zu werden.

Das heißt nicht, dass ich als "graue Maus" herumlaufe. auch ein Paar Damenjeans und ein paar Stiefel mit einer dem Wetter angepassten Damenjacke können sehr weiblich wirken. Ich lege nur sehr wenig Makeup auf, gehe aber dafür en femme ins Schwimmbad. Dort werde ich mit ausgesuchter Freundlichkeit behandelt, nachdem ich mich in der Verwaltung vorgestellt habe. Ich habe bisher noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich falle nicht sehr auf, aber es dürfte einige geben, die mich etwas genauer anschauen. Aber was soll's ? Ungewöhnkich dicke oder dünne, auch besonders modisch gekleidetete Menschen fallen auf. Jeder neue Trend wird erst beäugt, bevor er "normal" wird. So ist es mit uns auch. Ein Menn en femme wird immer weniger auffallen, je selbstverständlicher er/sie sich bewegt.

In diesem Sinne: macht was aus Euch.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 12 im Thema

Beitrag von Theresa »

Hallo ihr Lieben,

Hallo Vicky_Rose, ich glaube, Du bringst es auf den Punkt. Ich sehe es genau so: Weniger ist mehr. Ich polstere Po, Hüften und Oberweute auf und schnüre mir eine Taille, was ich als durchaus angenehm empfinde. Dezenter Schmuck und Makeup mit sehr wenig Farbe gehören dazu. Die steht mir nicht, kann ich nicht mit umgehen und weil ich recht ausgeprägte Schlupflieder habe wäre es ohnehin fast sinnlos. Nagellack und Lippenstift sind erkennbar aber dezent. So fühle ich mich wohl. Der (wadenlange) Rock bleibt leider im Schrank ob wohl ich mir damit sehr gut gefalle. Der wird von Bio-Frauen auch so gut wie nicht mehr getragen, besonders bei Temperaturen unter 20 Grad.
Trotz dem bleibt bei mir trotz dem eine gehörige Portion Unsicherheit die ich bisher nicht ablegen konnte.

Zum Beispiel gestern: Nach mehreren Wochen Abstinenz hatte ich mal wieder endlich mal die Gelegenheit, Theresa aus zu führen. Das klappte ganz gut. In der kleinen Nachbarstadt war nicht viel los und ich wollte endlich mal Camoflage ausprobieren. Also ab in die Filiale einer Drogeriekette. Das Mädel war total nett und super freundlich. Hat mich sogar geschminkt um den richtigen Farbton zu ermitteln. Was ich sonst so benutze hatte ich mitgebracht um zu zeigen wo ich "technisch" stehe. Alles Super gut und ich war happy. Endlich habe ich die Normalität empfunden, die ich mir wünsche. Angespornt durch das schöne Erlebnis wollte ich auf dem Weg zum Auto einen Umweg durch die wenig besuchte Fußgängerzone nehmen.
Und da war sie plötzlich wieder, diese elende Unsicherheit die mich kurze Zeit später zum Abbrechen des Ausflugs brachte.
Auch mir ist klar: mit 190 cm Länge werde ich immer auffallen. Dies aber strebe ich aber mit dem geringst möglichen Peinlichkeitsfakteor an.
Die innere Einstellung, das es richtig ist, so wie es ist, scheint mir wichtig zu sein und die Einstellung es nicht allen Recht machen zu können. Daran muss ich arbeiten.
Ich denke, da hilft nur Üben.
Bald geht es weiter: Lüdenscheid, ich komme.....
Zuletzt geändert von Theresa am Mi 25. Nov 2015, 10:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 13 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ja Theresa, genau das meine ich. Praktizieren bringt Sicherheit in der Zuversicht, das Richtige zu tun. Und das wirkt auf die Ausstrahlung und die Sicherheit im Auftreten. Und die stärkt auch wieder die Zuversicht.
Dies aber strebe ich aber mit dem geringst möglichen Peinlichkeitsfakteor an.
Aber was genau ist denn peinlich ? Dieser Frage nachzugehen führt mMn direkt zur eigenen Einstellung und zur Frage, wie weit man selbst- oder fremdbestimmt ist. Sehr lohnenswerte Gedanken ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 14 im Thema

Beitrag von Theresa »

Das finde relativ einfach zu beschreiben:
Wenn man sich wie eine super tolle Frau fühlt und verhält, sich aber zum Affen macht weil man schon auf weite Entfernung als dicker großer Mann in Frauenkleidung war genommen wird, -als Freak. Wenn Eigen und Fremdwahrnehmung stark voneinander abweicht. Da gibt es sicher unterschiedliche Ansichten aber das ist meine... ;-)
Ich mag so wenig wie möglich auffallen.
Klar, ein wenig mehr Selbstbewusstsein würde mir gut tun doch das kann auch leicht über das Ziel hinaus schießen und dazu führen, nichts mehr zu merken, obwohl das sinnvoll wäre. Man lebt nicht im luftleerem Raum und sollte schon mit den Menschen, die einen umgeben, halbwegs kompatibel sein. Das könnte man "fremdbestimmt" nennen, finde das aber durchaus sinnvoll wenn man sich nicht selbst als "bunter Vogel" sieht.
(Wobei mir auffällt, dass ich mein Avatar ändern sollte ;-) )
Viele Grüße

Theresa
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Re: Das fehlende Puzzleteil

Post 15 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

sich aber zum Affen macht weil man schon auf weite Entfernung als dicker großer Mann in Frauenkleidung war genommen wird, -als Freak. Wenn Eigen und Fremdwahrnehmung stark voneinander abweicht. Da gibt es sicher unterschiedliche Ansichten aber das ist meine... ;-)
Ich möchte Deine Ansichten ein wenig hinterfragen (ich bin manchmal etwas nervig ... :wink: ). Was bedeutet "Sich zum Affen machen" ? Wer stellt denn die Regel auf, ab wann man sich zum Affen macht ? Ich sehe das eher als eine Schere, die im eigenen Kopf arbeitet. Es geht um die Frage, wer hier die Deutungshoheit über meine Person hat. Lasse ich es zu, dass andere Regeln aufstellen oder noch schlimmer, denke ich mir Regeln aus, von denen ich denke, dass sie andere aufgestellt haben könnten (Stichwort vorauseilender Gehorsam) ?

Ist es nicht so, dass die eigene Bereitschaft Fremd- und Selbstwahrnehmung zur Deckung zu bringen, darauf hinausläuft, dass ich mich unter die Kriterien der Fremdwahrnehmung stelle ? Es ist praktisch einzige Möglichkeit, diese Deckung herzustellen. Und das ist Fremdbestimmung pur.

Ich will nicht damit sagen, dass jemand als Freak herumlaufen soll. Ich will damit sagen, dass es völlig normal ist, wenn jemand als Freak herumlaufen will und es tut. Das muss anderen nicht gefallen. Aber das ist in erster Linie ihr Problem. Auf sich selber zu hören, heißt immer ein Stück weit gegen den Strom zu schwimmen und eigene Wege zu gehen. Das und nur das verändert unsere Gesellschaft und schafft auf Dauer Akzeptanz für unser Anliegen. Wir verändern in einem langsamen Prozess die Gesellschaft. Das ist doch einmal eine Perspektive, oder ?

Diese Gedanken sind einfach, aber radikal. Als Menschen bewegen wir uns immer in einem Spannungsfeld von Dogmatismus (völliger Fremdbestimmung) und Individualismus (völlige Selbstbestimmung). Wo wir uns selber positionieren, hängt sicher von vielen Randbedingungen ab und so ist jeder Ort dazwischen richtig, solange er dem eigenen Wesen entspricht. Und dieses eigene Wesen ist darüber hinaus entwicklungsfähig. Wie weit ich dabei gehe, ist eine persönliche Entscheidung. Und wie jede Entscheidung hat das Konsequenzen. "Love it, change it or leave it" ist der vereinfachte Motivationssatz dazu. Fühle ich mich im Rahmen der Regeln wohl, von denen ich denke, dass sie existieren, ist ja alles bestens. Fühle ich mich dabei unwohl, sollte ich versuchen, etwas in meinem Sinne zu ändern oder die Situation auch ganz zu verlassen. Nichts tun und maulen, hilft mir selber am wenigsten. Es ist die sicherste Methode zum Unglücklichsein.

Watzlawick schrieb einmal: man kann nicht nicht kommunizieren. Frei nach diesem Satz möchte ich sagen, dass man auch nicht nichts tun kann. Selbst im vermeintlichen Nichtstun steckt die aktive Akzeptanz der Lebensumstände.

Das ist letztlich die Freiheit, die wir haben. Und wir müssen mit den Konsequenzen leben. Womit wir nicht leben müssen, ist die Schere im eigenen Kopf.

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Viele Grüße
Vicky

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