Nicki hat geschrieben:Lina hat geschrieben:Ich will nicht sagen oder beraten, was du tun sollst, aber das hier verstehe ich überhaupt nicht
@Gibt es für uns nur die Optionen damit zu leben oder den TS Weg zu gehen?
Wie kommst du eigentlich darauf? Es gbit doch tausende Varianten dazwischen, darunter die, die einfach sagen, - heute bin ich eher Frau, dann kleide ich und style mich so - und an anderen tagen, - heute ist eher der Mann in mir dominierend ...
Das Doppelleben besteht nur darin, dass es als Doppelleben betrachtet wird.
Wo siehst du denn tausend Varianten? Ich sehe nur 4: komm damit klar und halte es geheim, komm damit klar und lebe es offen aus, lebe als Frau oder lebe als Mann. Die ersten beiden Varianten sind nix für mich. Die Transition zur Frau wäre mein Favorit, doch für eine erfolgreiche oder unbeschwerliche Zukunft wäre der Weg als Mann der bessere (als Mann hätte ich an meinen Körper und meiner Art erst mal nichts auszusetzen - von Feintuning abgesehen).
Das Doppelleben existiert auch nicht nur, weil ich mein Leben als solches betrachte. Es ist einfach so. Störend ist es wenn ich Entscheidungen treffe, wie zum Beispiel: zum Körper im Allgemeinen (Muskelaufbau, Augenbrauen zupfen, Form der Fingernägel etc.), zu Finanzen (beide haben teure Interessen) oder zur Wohnungseinrichtung (sie hätte gerne alles irgendwie plüschig, gut riechend und Pink, er würde sie am liebsten in eine Werkstatt umbauen, was auch öfter mal vorkommt). Auch in der Persönlichkeit habe ich so etwas wie ein Doppelleben, glaube ich. Ich verstelle mich zwar nicht, aber es ist schon so, dass ich in einer Sache unterschiedliche Empfindungen habe, je nach Präsenz des einen oder anderen Geschlechts. So zum Beispiel möchte er sehr wohl Frauen/seine Freundin beschützen, sie hingegen würde es schöner finden, wenn sie beschützt wird. In Beziehungen ist das regelmäßig ein Thema für mich.
Z.T. siehst du es ähnlich wie ich - z.T. aber auch nicht. Dadurch sind wir also schon über die vier Varianten hinaus, die du siehst. Darüber hinaus gibt es genügend Leute deren Sichtweise ich nicht mal nachvollziehen kann - die aber schon. Das sind also weitere Varianten, die innerhalb des Denkbaren liegen.
Ja, ich kann nachvollziehen, dass die komplette Transition eine attraktive Lösung sein kann und ich verstehe auch voll das Argument, dass - nehmen wir es völlig wie ich es rein subjektiv sehe - dass durch mögliche berufliche Benachteiligung die Aussicht zu einem Leben in Armut erschreckender ist als die Option in Teilen des Lebens noch die Männerrolle zu leben. Das ist für mich zwar nicht der einzige Grund eine komplette Transition abzulehnen, aber es ist ein wesentlicher Grund.
UND am allerwichtigsten: Das ist eine Entscheidung, die ich getroffen habe. Ich hätte mich auch anders entscheiden können. Egal was daraus gekommen wäre, hätte ich die Entscheidung auch für mich selbst getroffen. Nicht andere, nicht die Gesellschaft, nicht meine Eltern oder Verwandte sondern ICH.
Und so treffst du auch deine Entscheidungen selber ... und du kannst wie alle andere Menschen zwischen unterschiedliche Optionen wählen. Einige Optionen sind einfach da, andere musst du selber schaffen.
Die Tatsache, dass du unterschiedlich empfindest je nachdem in welchem Umfeld du dich befindest ist aber auch nichts Neues - so geht es allen Menschen. Wenn das zu einem Doppelleben für dich wird könnte es durchaus damit zu tun haben, welche Empfindungen, du in dem einen oder anderen Umfeld - sei es Gender-bezogen oder nicht - hast aber stark unterdrückst oder vortäuscht, wenn die nicht vorhanden sind. Sonst wüsste ich nicht, wie es zu einem Gefühl des Doppellebens werden sollte. Da hast du auch selber die Entscheidungsgewalt.
@So zum Beispiel möchte er sehr wohl Frauen/seine Freundin beschützen, sie hingegen würde es schöner finden, wenn sie beschützt wird.
Das ist z.B. ein gutes Beispiel. Mir geht es genau so. Ich liebe es, wenn ich en femme mit Freunden unterwegs bin und wie wollen mich schützen. Zumindest als Geste - ganz verlasse ich mich auch nicht darauf. Wenn ich en femme bin tun die es gerne. (Spannend, dass das so viel ausmacht) Wenn ich irgendwie geschwächt - z.B. krank oder einfach nur traurig bin ist es auch schön, dass meine Partnerin da ist für mich.
Aber in einem Risiko beladenen Umfeld verstehe ich gut, wenn Frauen sich gerne von mir Schützen lassen - meine Partnerin oder auch andere. Schließlich habe ich darin reichlich Ausbildung und Kampferfahrung. ICH sehe darin kein Doppelleben. Wenn eine Bekannte oder Freundin durch eine bedrohlichen Gegend gerne zum Taxi, Hotel oder zur U-Bahn eskortieren lässt, damit sie nicht beraubt oder von Besoffenen begrapscht wird - oder über Kopfsteinpflaster sich stützen lässt, damit die HighHeels nicht beschädigt werden, der habe ich keine Bedenken anzuvertrauen, wie die Jungs auf mich aufpassen, wenn ich en femme bin - und dass ich das schön finde.
Wenn DU entscheidest daraus ein Doppeleben zu machen, dann entscheidest DU das. Es ist nicht für dich entschieden worden. Und aus meiner Sicht bringt es dir auch nur wenig, das weiter so als "Arbeitsthese" festzuhalten.