Wie soll man Trans*-Begriffe kommunizieren?
Wie soll man Trans*-Begriffe kommunizieren? - # 5

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JuliaS (†)
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 61 im Thema

Beitrag von JuliaS (†) »

Ähnlich wie Daniela erwarte ich das ich als Frau behandelt werde. Obwohl ich in meinem Umfeld recht offen mit meiner Vergangenheit umgehe geht diese dritte schlicht und einfach nichts an. Auch wenn ich alleine durch meinen Beruf mehr Leuten bekannt bin als ich überhaupt kenne, ändert dies nichts daran. Ob und wie ich Fragen nach meinem Weg beantworte hängt von der Art der Frage und den Umständen ab. Ein Kollege hat einen neugierigen Kunden dahingehend beschieden das ich Frau S sei und der Rest ihn nichts anginge, was stehende Praxis in unserem Unternehmen ist.

Ich sehe keine Notwendigkeit mich als Frau rechtfertigen zu müssen. Ich bin eine. Mein Weg und alles andere ist reine Privatsache und ich habe das Recht diese auch so zu behandeln.
"Tage wie diese, im hellen Sonnenschein"
JuliaS (†)
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 62 im Thema

Beitrag von JuliaS (†) »

Manchmal kommen einem die komischsten Ideen. Schwule Personen waren bekanntlich sehr lange u.a. in Deutschland strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt. Mal stärker, mal weniger. Einer der Gründe weshalb dies heute nicht mehr so ist dürfte die Umdeutung des eigentlih stigmatisierenden Begriffes "Schwul" oder vielleicht nicht mehr allgemein bekannt "175er" sein. Vor diesem Hintergrund wäre es doch denkbar das unsereins an Stelle des aufgezwungenen Begriffes "Trans*" mit allen Nebenbezeichnungen einfach analog zum Beispiel den Begriff "64.0er" verwenden. Dieser Begriff hat keine eigene innere Aussage, würde aber den Adressaten durchaus dazu zwingen sich mit der Themata auseinanderzusetzen. Auch würde er deutlich machen, das wir eben weder ein Anhängsel noch eine Spielart der Schwulen und Lesben sind, sondern etwas eigenständiges. Auch böte sich hier an das man einfach den 6.4. al unseren "Feiertag" okupieren könnte um auch so aus dem Schatten der CSDs zu kommen. Auch vor der Außerkraftsetzung des -§175 galt in Deutschland der 17.5 in Anlehnung in Anlehung an diesen Paragraphen in Teilen der Bevölkerung als "Feiertag der Schwulen".

Im Halbschlaf kommen einem halt die eigenartigsten Gedanken.

Eure Julia
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Marielle
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 63 im Thema

Beitrag von Marielle »

Ich verstehe die Problematik, die für manchen entstehen kann, wenn man eine seit langem vertretene Haltung revidieren muss.
Das ist gut. Es ist ein bitterer, aber wichtiger, Prozess für die Selbstfindung.
Auch verstehe ich die Dynamiken, die durch Gruppenidentitätsprozesse hervorgerufen werden.
Das glaube ich, bei deiner Erfahrung, ohne Weiteres. Aber auch davon kann man sich emanzipieren, wenn man will.


Liebe Rosi, soll ich etwa deine Antwort-PN, mitsamt den darin enthaltenen Beleidigungen, auch hier beantworten? Das werde ich nicht tun, weil es so gar keinen Bezug zu der Überschrift des von dir eröffneten Threads mehr hat. Nur: Den letzten Satz deiner letzten PN an mich solltest du noch mal lesen, wenn irgendmöglich mit ein wenig erhöhter Selbstreflektion.

Und vielleicht dies noch zum Erkenntnisgewinn: Du hast bei diesem Thema ein Problem, für das du nicht direkt etwas kannst, weil du es wohl nicht verstehst. Dieses 'Problem' ist die Position meiner Frau. Sie sieht einen Unterschied zwischen dir und sich selbst. Keinen Unterschied, der sie oder dich zu einem besseren oder schlechteren Menschen machen würde und auch keinen Unterschied, der eine negative Ungleichbehandlung von irgendjemandem rechtfertigen würde; das nicht. Es ist nichtmal ein Unterschied, der aus sich selbst heraus wichtig wäre. Es ist nur ein winziger, neutraler Unterschied, der sich aus euren verschiedenen Lebensgeschichten und deinem Umgang damit ergibt. Du wirst verstehen, dass ich ihrem Urteil ein kleines bisschen mehr zuneige.

Trotz allem: Hab es gut

Marielle
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 64 im Thema

Beitrag von Marielle »

Liebe Rosi,

lies die Offenbarung bitte nochmal genau durch.

Der Unterschied liegt nicht in deinem Frau-Sein. Es geht um deinen Umgang damit.

Hab einen guten Tag

Marielle
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eilinfox
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 65 im Thema

Beitrag von eilinfox »

Hm, ich habe es mir mehrmals durchgelesen.
Ganz verstanden habe ich es nicht.
Anne-Mette
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 66 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

und das ist ja DAS PROBLEM!

Wenn Trans*-Begriffe so kommuniziert werden, dann werden sie in der Regel nicht verstanden.
Nun könnten sich geneigte ZuhörerInnen auf die eine oder andere Seite schlagen und sagen: "... aha, so ist das, das habe ich jedenfalls ansatzweise verstanden, aber...".
Es bleibt zu viel Ungeklärtes übrig, als das ich das ABER streichen möchte.
Versucht doch mal, ob es einen vielleicht klitzekleinen gemeinsamen Nenner zu finden; in welchen Punkten könnte es eine Übereinstimmung geben?

Gruß
Anne-Mette
gaby37
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 67 im Thema

Beitrag von gaby37 »

Hallo zusammen,

ich lese diesen Thread schon sehr lange still mit und habe gerade am Anfang ob der komplexen Begriffe und Beschreibungen starke Zweifel gehabt ob ich mit meinem Ingenieursstudium noch genügend Bildung habe um hier mitreden zu können"¦

Ich kann viele Standpunkte verstehen, bzw. nachvollziehen.
- Die am Anfang genannte Furcht vor dem "Verschwinden von Gruppen" wenn sie nicht genannt werden
- Die Vorteile eines (Ober-)Begriffes für alle
- Die daraus resultierende Furcht in einer Masse unterzugehen ohne diesem "Gemeinbild" zu entsprechen
- Das eigene Geschlecht hängt nicht vom eigenen Körper ab, sondern vom eigenen Verstand
- Der Wunsch beides im Einklang zu haben
- Der Wunsch, auch von anderem dem eigen erkannten Geschlecht vorbehaltlos zugeordnet zu werden.

Einige Dinge habe ich aber nicht verstanden und vielleicht ist ja jemand bereit das mal etwas detaillierter aufzudröseln

1) Da ich "nur" ca 5-10% meiner Lebenszeit eine Frau sein möchte, wie passe ich da in dieses Raster "Gehirngeschlecht"?
2) Wenn jemand schon immer eine Frau/Mann war und der Körper nicht dazu passt, wie soll er/sie (geht ja in beide Richtungen)
das dann sinnvoll kommunizieren um eine Änderung herbei zu führen? Jedes Mal einen Roman erzählen?
3) Einerseits sind wir alle Individuen mit individuellen Geschichten, und so gar nicht vergleichbar. Andererseits lese ich in fast
jeder Neuvorstellung die Satzteile: "ging mir genauso", "habe ich auch so erlebt", "du beschreibst mein Leben", und dergleichen mehr.
Also wohl doch viele wieder in einer so verhassten Schublade. Warum wird immer wieder die, zumindest teilweise, Gleichartigkeit
negiert, das lernen können aus Erlebnissen von anderen?

Ganz lieben Gruß
Gaby
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JuliaS (†)
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 68 im Thema

Beitrag von JuliaS (†) »

Hallo Gaby,

aus meiner Sicht möchte ich dir gerne deine Fragen beantworten, wenn die Antworten vielleicht etwas lakonisch ausfallen, so ist dies nicht gegen dich gerichtet, noch zeugt es davon das ich dich nicht respektiere / ernst nehme.

1. Dann fällst du nicht unter 64.0 und bist eher der Franktion der "Teilzietfrauen" vulgo Crossdresser zuzuordnen
2. In diesem Falle ist es eigentlich nicht zu begründen und man ist eben Frau bzw Mann. Alles andere ist freiwillig und in epischer Breite eher ein Thema der Gespräche in einer Therapie bzw mit Hilfeleistenden
3. Es gibt viele Paralelen und Ähnlichkeiten in den Lebensläufen, wenn dies als Schubladen bezeichnet wird, dann sei es drum. Worauf es eigentlich ankommt ist die Fremdverordnung dieser Schubladen durch Dritte, die die Zusammenhänge bzw Problematiken nicht bzw nicht letztendlich verstehen.

Worin ich eher ein Problem bei Beegrifflichkeiten sehe ist die Fremdverordnung dieser. In diesem Zusammnehang sehe ich, wie bereits geäußert, den "Trans" Bestandteil als sehr missverständlich. Er macht nicht bzw nur unzureichend deutlich welche Ursachen die Handlungen der unter F64.0 fallenden haben. Es ist nicht (ganz) freiwillig. Auf meine Person bezogen so hatte ich zwar die Wahl ob ich weiterhin als Mann leide und nicht wusste was mit mir wirklich los ist bzw den Verdacht der Transsexualität negiere/ignoriere oder die fachlich fundierte (gehe fest davon aus) meines Therapeuten akzeptiere und die Konsequenzen ziehe. Letzteres hat mir eigentlich erst ermöglicht zu leben und nicht mehr nur zu existieren.
So lange jedoch die Medien lieber Glamor- oder Tränendrüsen Artikel über uns schreiben und wir uns dafür her geben, wird dieser Aspekt nicht bzw nur unzureichend wiedergegeben.

Eine nachdenklich optimistische

Julia
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gaby37
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 69 im Thema

Beitrag von gaby37 »

Hallo Julia,

es ist keine deiner Beführtungen eingetreten, denn ich bin eine Teilzeitfrau, Crossdresser und sicher kein 64er, aber ich habe nicht zuletzt durch dieses Forum meinen Platz gefunden - auch bei meiner Frau.
Und ja, ich lebe diesen Teil mehr oder weniger stealth, mehr weil außer meiner Frau und einem befreundeten Ehepar keiner etwas weiß, weniger weil ich rausgehe und mich nicht sonderlich um die Nachbarn schere, obwohl ich nicht geoutet bin.

Trotzdem sehe ich mich mit dem Transbegriff konfrontiert.
Trans bedeutet doch nur das sich etwas ändert, oder?
Generell hat es zwei Möglichkeiten (stark vereinfacht):
1) "Geistiger Defekt", ist die heute überholte Sichtweise von damals, daher auch noch die 64
2) körperlicher "Fehler", ist die heute übliche Sichtweise, allerdings immer noch unter der 64, aber ich glaube das ist gerade in Änderung

Bleibt also nur das Problem, das die Mehrheit immer noch eher an "Geistiger Fehler" statt an körperlichen denkt. Das wäre dann die Aufgabe aufklärend zu wirken.
Und ja, es wäre wahrscheinlich einfacher, wenn es dafür einen neuen Begriff gäbe.

Problemmatisch wird es nur dadurch, finde ich, das ich als TzF/CD keinen körperlichen Fehler verspüre, obwohl ich aufgrund meines Wunsches TzF/CD zu sein, nicht zur Mehrheit der männlichen Bevölkerung gehöre. Ich habe wohl eher einen "Geistigen Defekt".

Wenn wir nun für die "schon immer Frau" gewesenen und die "nur zeitweilig Frau sein wollenden" separate Begriffe haben, wird eine gemeinsame Strategie nicht einfacher
Von den ganzen Zwischenstufen und was es sonst noch gibt mal ganz zu schweigen.

Eine nachdenkliche Gaby
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 70 im Thema

Beitrag von JuliaS (†) »

Hallo Gaby,

von einem geistigen Defekt bei dir würde ich nicht sprechen. Wenn ich es benennen müsste, so würde ich es als eine "nicht durch die Mehrheitsgesellschaft akzeptierte und tollerierte Neigung/Vorliebe" bezeichen. Fetischistische Überlegungen lasse ich mal außen vor..

Gruß

Julia
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gaby37
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 71 im Thema

Beitrag von gaby37 »

Hallo Julia,
danke für die Blumen, aber unter uns bin ich nicht ganz soooo wählerisch :-), sonst schon :-)

Aber es bleibt dabei: die Unterschiede sehe ich in der "Position" des Fehlers - bei den einen ist er körperlich, bei den anderen nicht.
Ob ich das nun als "Geistigen Defekt", "Nicht heilbare Veranlagung/Vorliebe" oder sonst was nenne ist in diesem Thread nicht wichtig.
Die Frage ist, für mich, ob wir uns auf Gemeinsamkeiten einigen können - und damit auf eine gemeinsame Kommunikation gegen über der "noch Normgesellschaft".

Gruß Gaby
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 72 im Thema

Beitrag von JuliaS (†) »

Hallo Gaby,

mit mir findest du eine Schnittmenge. Und sei es "Menschen die zu dem stehen was sie sind und was sie machen".

Gruß

Julia
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 73 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Abend zusammen,

das Schaubild hat wirklich was schönes: Die herkömmlichen Geschlechternormierungen kommen darin nicht mehr vor.

Man könnte glauben, den lieblichen Duft von Fortschritt in der Nase zu haben.


Wenn dann noch hergeleitet wird, dass es diese Begriffe, als Kategoriekennzeichnungen, gar nicht geben dürfte
Da passt Du genau so gut wie jeder andere Mensch auch super rein. Die "Geschlechts-Punke" 100% Mann und 100% Frau stellen dabei die extremen Marker dar. Diese 100% wird aber vermutlich kein Mensch (Gehirn) aufweisen.


mag man fast glauben, dass alles gut werden kann.


Und das bislang so groß erscheinende Problem der Abgrenzung zwischen Trans*-Menschen und Transsexuellen? Erledigt; durch eine simple Schnittmenge.

Großartig! Wie wunderbar das duftet.


Habt es gut

Marielle
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 74 im Thema

Beitrag von gaby37 »

Hallo,

ja, schön gemalt - und wie nennenn wir nun diese kleine "6-fach-Schnitmenge" in der Mitte?
Bitte um Vorschläge.

Gruß Gaby

PS: Ich wusste gar nicht das die Homo*-Menschen eine Abweichung zwischen ihrer Identität und ihrem Körper haben
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Andrea aus Sachsen
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Re: Wie soll man Trans*„Begriffe kommunizieren?

Post 75 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Rosi_ hat geschrieben:Dazu habe ich eine Grafik gefunden, die das besser verdeutlicht.
Was mir daran zuerst auffiel: Transsexuelle Menschen und Trans*-Menschen scheinen etwas völlig verschiedenes zu sein, von der geringen Schnittmenge mal abgesehen. Deinen bisherigen Beiträgen konnte ich ja schon entnehmen, dass du mit trans* so deine Probleme hast, aber könntest du Rosi, diese Unterschiede aus deiner Sicht noch einmal kurz erläutern?
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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