Transgender Rememberance Day
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Anne-Mette
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Re: Transgender Rememberance Day

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

aus Österreich kommt diese Meldung:

Frasl/Traschkowitsch/Brunner zum Transgender Day of Remembrance: Gemeinsam der Opfer gedenken
Mit Information und Aufklärung Ängsten und Vorurteilen entgegenwirken

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_ ... r-gedenken

Gruß
Anne-Mette
nicole.f
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Re: Transgender Rememberance Day

Post 2 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Heute Abend trifft sich die Transgender Siegen Gruppe im andersROOM in Siegen, um Transphobie in Deutschland, NRW und möglicherweise Siegerland und Umgebung zu recherchieren und zusammenzutragen. Das Treffen ist offen für alle Interessierten, ab 18:00 Uhr, Ende offen.

Von Gwen Araujo hatte ich gehört und auch was ihr traurigerweise widerfahren ist. Das das allerdings verfilmt wurde, wusste ich noch nicht.

Späte Siebziger, frühe achziger Jahre, ja, das war auch meine Haupt-Leidenszeit. Obwohl ich mir nicht wirklich darüber bewusst war, was ich denn eigentlich sei, so war ich offenbar für alle anderen bereits anders genug, um ausgegrenzt und gemobbt zu werden. Das war keine schöne Zeit. Es reichte damals bereits, irgendwie anders zu sein, um Gefahr zu laufen, an den Rand gedrängt zu werden. Dazu brauchte man nichteinmal Homosexuell oder Trans* zu sein. Glücklicherweise sind wir dann Anfang der achziger aus dem stressigen Rheinland (Gegend um Leverkusen) in die Pfalz gezogen. Die Pfälzer waren deutlich entspannter und dort fand ich dann andere "andere", bei denen ich dann nicht mehr so arg auffiel. Wären wir in Leverkusen geblieben, ich glaube ich wäre daran zerbrochen.

Die achziger waren für mich eigentlich geprägt von einer gesellschaftlichen Auffächerung. Es bildeten sich immer mehr Gruppen, die sich vom Mainstream abkoppelten und eine eigene Lebensart, Gesinnung oder Weltanschauung vertraten und die auch breiteren gesellschaftlichen Zulauf bekamen. Das waren keine Randgruppen mehr, keine kleinen vereinzelten Phänomene, sondern breite Volksbewegungen - Friedensbewegung, Atomkraftgegner, Frauenbewegung, Homosexuellenbewegung. Vieles von dem hatte in den achziger Jahren einen wahren Boom.

Die Gesellschaft musste mehr und mehr damit zurecht kommen, dass es signifikante Gruppen mit sehr konträren Ansichten gab. Glücklicherweise wurden auch die Auseindersetzung zwischen den Gruppen und innerhalb der Gruppen friedlicher, die Stimmung wurde pluralistischer. Man lernte zuzuhören, zu verstehen und argumentativ zu entgegnen, statt emotional und womöglich gewalttätig. Natürlich waren debatten weiterhin hitzig, aber die blanke Stammtisch Ablehnung nahm etwas ab.

Ich denke schon, dass sich eine Menge getan hat und das wir heute eine deutlich offenere und pluralistischere Gesellschaft haben, als es in den 70er oder zumindest frühen 80er Jahren war.

Aber sind wir deswegen bereits am Ziel? Und können wir uns nun bequem zurücklehnen?
Nein, das denke ich nicht.

Es ist noch lange nicht alles so, wie man es sich wünschen könnte. Immernoch sind gesellschaftliche Randgruppen immer wieder gefährdet und ich denke, das wird nie aufhören. Es ist wohl leider ein menschlicher Mechnismus, dass für Ungemach immer wieder Randgruppen veranwortlich gemacht werden, statt das eigentlich Problem zu benennen. Randgruppen wird es immer geben, also bedürfen diese auch einem kontinuierlichen und dauerhaften Schutz. Also müssen wir auch kontinuierlich auf uns aufmerksam machen, denn wir sind, da hilft alles nichts, eine Randgruppe. Nur durch Aufmerksamkeit und kontinuierliche Aufklärung können wir im Bewusstsein bleiben und damit helfen zu verhindern, dass es zu Übergriffen kommt.

Daher halte ich den TDoR auch für wichtig, nicht nur für uns, sondern auch, dass wir dies in die Öffentlichkeit tragen. Auch um die Opfer zu betrauern, aber vor allem um darüber Bewusstsein zu schaffen und mit zu helfen, weitere Opfer zu vermeiden. Glücklicherweise gab es in Deutschland im vergangenen Jahr keinen direkt auf Transphobie zurückzuführenden Todesfall. Auch letztes Jahr wohl nicht, dafür aber zwei in 2012 (wenn ich mich recht erinnere). Doch direkt Todesfälle, wie der von Gwen Araujo, sind die Spitze des Eisbergs. Wieviele Menschen sich selbst das Leben nahmen, bleibt meist im Dunkel. Ich kann mich erinnern, das hier im Forum im letzten Jahr von mindestens einer berichtet wurde. Diese Fälle finde ich mindestens ebenso tragisch, denn in den meisten ist diesen Menschen auch Gewalt angetan worden - psychische Gewalt, die sie in diese Situation und in den Tod getrieben hat.


Vielleicht können wir ja auch hier im Forum mal etwas sammeln, was uns an Transphobie in Deutschland bekannt ist?

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
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Vivian Cologne
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Re: Transgender Rememberance Day

Post 3 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne »

"A Girl Like Me" liegt noch auf meiner Festplatte, halb geguckt. Ich muss zugeben, dass mich diese wahre Geschichte auch mitgenommen hat. Und zwar so sehr, dass ich mir die zweite Hälfte aufgespart habe.

Ja, heute ist der Tag des Gedenkens an die Opfer von Transphobie. Was bedeutet dies für unser tägliches Leben? Wie tragfähig ist die Toleranz in unserer Gesellschaft?

Ich bin es gewohnt, angestarrt zu werden. Wenn es dabei bleibt, macht es mir nichts aus, manchmal amüsiert es mich. Wie leicht kann Neugierde in Aggression und Hass umschlagen?

Gestern Abend habe ich mal wieder den Fehler gemacht, zu viel in sozialen Netzwerken rumzusurfen. Anlässlich einer Breitseite der "Jungen Freiheit" gegen "Genderismus" entwickelte sich eine lebhafte Diskussion auf der Facebook-Seite der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Und da waren sie wieder, die ach so besorgten Eltern, die den Untergang des Abendlandes befürchten, weil ihre Kinder behutsam (wie ich finde) oder rücksichtslos (wie viele Konservative finden) mit den Themen Sexualität und Geschlecht konfrontiert werden sollen.

Und dort trauten sich auch die wieder aus der Deckung, die uns gerne auf einsame Inseln verfrachten würden, wo wir dann in aller Ruhe unserem unsittlichen Treiben nachgehen könnten. Ja, wir Transmenschen werden von solchen Personen automatisch mit einsortiert, auch wenn wir hundertmal erklären, dass sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität zwei Paar Schuhe sind. das hören diese Ignoranten nicht, und manche von denen würden uns gerne Gewalt antun. Und wie der heutige Tag zeigt, sie tun es.

Die Idee mit der einsamen Insel gab es schon, der Führer hatte bekanntermaßen Madagaskar ausersehen, um der "Judenplage" Herr zu werden. Dass diese Idee transphoben Hirnlosen gefällt, wundert mich jetzt nicht.

Vivian, auch heute Abend in Siegen dabei
Lieschen
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Re: Transgender Rememberance Day

Post 4 im Thema

Beitrag von Lieschen »

Hallo,

ich geb's zu: ich hatte wieder vergessen, um was es bei diesem Tag geht. Insofern danke schön für deine Erinnerung!
Hier ist eine knappe Beschreibung dazu: http://maedchenmannschaft.net/heute-tra ... emembrance

Anne-Mettes Beitrag vom 13. November passt auch gut zu dem Thema (Hasskriminalität):
http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... t=lieschen

Zu deiner Frage "Aber sind wir heute wirklich weiter?" möchte ich dir aber widersprechen. Ich denke, wir sind weiter. Und sogar viel weiter. Zumindest in Deutschland. Aber auch in Holland bin ich noch nicht angepöbelt (geschweige denn körperlich angegangen) worden. Obwohl es auch da bestimmt Menschen gegeben hat, die mich "gesehen" haben.

Deshalb: alles ist/wird gut!

Tschüs, Lieschen
An die Rausgemobbten und/oder Ausgeschlossenen, die hier evtl. (nur) noch still mitlesen (Hugo, Darialena, Breakfast@Tiffany, ingedie2te u. A.): bitte schreibt mir doch kurz, in welchen Foren ihr euch jetzt aufhaltet.
lieschen-77ätgmx.de
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