Reisen als Transmensch - US-Artikel
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Vivian Cologne
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Reisen als Transmensch „ US„Artikel

Post 1 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne »

Im Online-Magazin "Autostraddle" fand ich dank Facebook einen höchst spannenden Artikel zum Thema "Reisen als Transmensch".

Die Berichte hier im Forum, die ich kenne, waren eher ermutigend. Der Tenor der amerikanischen Transfrau, die von ihren Reisen berichtet, dämpft das eher. Wobei die US-Provinz danach für uns gefährlicher zu sein scheint als Saudi-Arabien und Afghanistan zusammen. Die Kommentare dazu sind genauso lesenswert wie der Artikel. Mich hat es a bisserl ins Grübeln gebracht.

http://www.autostraddle.com/please-step ... an-246912/

Vivian
Zuletzt geändert von Vivian Cologne am Di 29. Jul 2014, 13:17, insgesamt 1-mal geändert.
Ninakadin
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Re: Reisen als Transmensch „ US„Artikel

Post 2 im Thema

Beitrag von Ninakadin »

Hmh, also ich wäre da nicht so ängstlich.

Warum sollte man denn als Transfrau z.B. nicht in die Türkei reisen können?
Ich war auch schon ohne Vornamensänderung (aber mit DGTI-Ausweis) in den USA, die haben zwar etwas länger in den Reisepass geschaut, das war es aber auch. Und ich war in dieser Woche auch oft auf öffentlichen Toiletten. Aber vielleicht ist das in der Provinz auch wirklich eher ein Problem, das allerdings mit dem passenden Namen / Personenstand erledigt sein sollte.
Ist natürlich auch ein Frage des Passings, wenn das schlecht ist, steigt die Gefahr unangenehmer Situationen.

Mal abgesehen von europäischen (völlig problemlosen) Ländern war ich dieses Jahr auch schon in Ägypten, mit VÄ/PÄ, Null Probleme. Allerdings gibt es auch so einige Länder, die ich nicht besuchen würde, bei Russland mal angefangen.

Aber wer so ängstlich in die Kontrollen hineingeht, der zieht die Probleme auch an.

LG,

Nina
Vivian Cologne
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Re: Reisen als Transmensch „ US„Artikel

Post 3 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne »

Danke, Nina, für deine ermutigende Einschätzung!

Passing ist ja immer ein "Gesamtkunstwerk", spiegelt bei aller Oberfläche auch unsere Gefühle und Unsicherheiten. Wenn es wirklich zu Übergriffen übel gelaunter Menschen kommt, nutzt mir der jetzige Ergänzungsausweis und irgendwann demnächst der richtige erst mal nix.

Die Autorin schildert auch ihre Erfahrungen mit dem Sicherheitspersonal auf Flughäfen und anderswo. Diese Situatioen empfinde ich nicht als so dramatisch, wie sie es erlebt hat, aber ich habe auch noch keine eigenen Erfahrungen damit - das kommt erst noch.

Eine spannende Frage dahinter ist wohl auch, ob wir als Transfrauen in vielen Situationen nicht genauso gefährdet sind wie Biofrauen, wenn wir zum Beispiel allein unterwegs sind - oder eben doch mehr, wenn unser Gegenüber Irritation in Aggressivität umwandelt.

Vivian
ReaGirl

Re: Reisen als Transmensch „ US„Artikel

Post 4 im Thema

Beitrag von ReaGirl »

Wird sicher solche und solche fälle geben. Ich hab mir auf jedenfall auch gedacht, also in der transistion muss ich jetzt nicht unbedingt in manche länder reisen, das kann ich ja auch nachher noch tun. Andererseits musste die person im artikel wegen der arbeit herumreisen, das natürlich bitter.

Und zum thema angst. Das läßt sich bei manchen nicht einfach so abstellen egal wie sehr man es versucht. Manchmal sitzte ich beim mittagessen so entspannt es nur geht, aber die hände zittern. Wenn einem dann etwas runterfällt und man zieht die aufmerksamkeit nochmehr auf sich wirds kaum besser ;) Gut ich bin gesundheitlich bissl vorbelastet, aber es ist eindeutig auf den stress zurückzuführen den man unterdrückt. Also egal wie entspannt man versucht zu sein, es wird genug geben die trotzdem unterbewusst signale senden, und dabei einfach auffliegen müssen.

@ vivian ich glaube wir haben sicher in manchen bereichen mit biofrauen überschneidungspunkte, dennoch glaube ich das die transfrau sicher zusätzliche probleme hat, denn wir haben auch noch die ewig gestrigen hinter uns her, bio frauen nicht. Heißt nicht das biofrauen jetzt keine probleme haben. Mann/frau kennt wirklich jeder, das dazwischen ruft dann angst vor dem unbekannten hervor.
Lina
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Re: Reisen als Transmensch „ US„Artikel

Post 5 im Thema

Beitrag von Lina »

Mit dem Haufen schlecht gebildeten und schlecht ausgebildeten Leute, die sie in den USA eingestellt und mit den blauen TSA Uniformen ausgestattet haben, würde ich auch nur Probleme erwarten.

Dazu kommt noch, dass es gleich Strafanzeigen geben kann, wenn jemand meint man hätte nicht die richtige Toilette benutzt - etwas worüber es in Deutschland keine Gesetzte gibt. (Soweit ich weiß in keinem Land in Westeuropa.)
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Re: Reisen als Transmensch „ US„Artikel

Post 6 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Lina hat geschrieben:Dazu kommt noch, dass es gleich Strafanzeigen geben kann, wenn jemand meint man hätte nicht die richtige Toilette benutzt - etwas worüber es in Deutschland keine Gesetzte gibt. (Soweit ich weiß in keinem Land in Westeuropa.)
Mir ist es sogar vor zwei Jahren auf Istrien passiert, dass ich von einer Aufsichtsperson ausdrücklich aufgefordert wurde, die Damentoilette zu benutzen. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht einfach nur, weil die frei war, denn dass der mich für eien Frau gehalten haben könnte, glaube ich kaum trotz lange Haare und Marlenehose. Ich neige dazu, dass das einfach eine rein praktische Erwägung war.

LG Nicoletta
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Re: Reisen als Transmensch „ US„Artikel

Post 7 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Hallo!
Ein für mich ganz wichtiger Unterschied zwischen Deutschland, Europa und vielen anderen Ländern ist schlicht und ergreifend die Rechtssicherheit und wo diese gilt.

In praktisch der gesamten Euro Zone haben wir sehr harmonisierte Rechte, auch und gerade Menschen- und Persönlichkeitsrechte. Diese schützen uns in der Regel vor direkten staatlichen Übergriffen. Je formaler die Situation, desto höher ist im Prinzip auch der Schutz. An einer Grenzkontrolle würde ich mir in der gesamten EU und auch in den USA keinerlei Sorgen machen. In allen diesen Ländern wäre falsches Verhallten der Beamte stark sanktioniert, denn alle diese "westlichen" Länder haben ein sehr ähnlich gestricktes Antidiskriminierungsgesetz. Ein Verstoß führt für die Kollegen direkt in ein saftiges Dienstaufsichtsverfahren,

Problematisch wird es auch in diesen Ländern, wenn wir die Hierarchie hinab steigen. Nicht jedem sind diese Regelungen und der Sinn davon bekannt. Der letzte Dorfpolizist an den Rändern der EU hat davon nicht unbedingt etwas gehört oder verstanden. Hier könnte man dann doch schonmal falsch behandelt werden - doch das kommt leider auch in Deutschland vor und dies sogar auch in unserer ach so liberalen Hauptstadt. Doch auch dort gelten diese Gesetze und sind im Zweifelsfall einklagbar. Danach nützen sie einem zwar nicht mehr, aber man kommt wenigstens sicher aus der Sache wieder raus und der sich falsch verhaltendee Beamte bekommt eine Strafe.

Wovor ich allerdings richtig Angst habe, aber das auch nicht erst seitdem ich offen trans* lebe, sind Staaten, in denen es nicht immer rechtsstaatlich zugeht und in denen ich nicht immer Rechtssicherheit habe. Der Dorf-Sherrff irgendwo in Utah, Kansas oder sonstwo in USA kann ganz schön unerfreuliche Sachen mit einem anstellen, ohne das man auch nur den Hauch einer Chance hätte. Da verhält man sich lieber so konform wie nur irgend möglich - oder fährt noch besser gar nicht erst dahin. Gleiches kann einem entsprechend auch in vielen anderen Ländern passieren, in denen das Recht schonmal gerne verbogen wird, weil es irgendjemandem gerade so besser gefällt. Und das müssen gar nichtmal ausgezeichnete "Schurkenstaaten" sein. Das passiert in der Türkei wie in Russland, in Saudi wie in China. Es reicht einfach ein bisschen Pech und man ist dran, ohne eine berechenbare Chance, wieder da raus zu kommen. Und dabei spielt trans* wie gesagt keine besondere Rolle, es könnte aber wohl ein Auslöser sein.

Man kann ja über Europa und die EU sagen was man will, aber das ist schon ein verflixt guter Platz zum leben. Es gibt, glaube ich, keinen sichereren Staat oder Staatenbund, als die EU. Sicher in jeder Hinsicht, eben auch rechtssicher. Langsam erkenne ich, welch hohes Gut das ist und noch viel mehr, seitdem ich offen trans* leben *muss*. Ich konnte und kann es mir nicht aussuchen so zu sein, wie ich nunmal bin. Wie schrecklich wäre dann die Vorstellung, dass der Staat in dem ich lebe mir meine höchst persönliche Entfaltungsfreiheit einschränken würde. Nicht auszudenken. Doch bevor wir ins zu große Frohlocken verfallen, auch in Deutschland ist es noch nicht sooo lange her, dass wir auch hier ganz schreckliche Gesetze hatten - erst 1969 wurde der -§175a STGB novelliert und damit offene Homosexualität nicht mehr strafbar, die erste Fassung des TSG ist von 1980 und bis heute gibt es immernoch viele gesetzgeberische Baustellen. Es ist aber schon heute sehr viel besser, als an den meisten anderen Orten.

Eher praktisch betrachtet hatte ich gerade das Vergnügen, einen Inlandsflug von Köln nach Berlin mit Air Berlin zu haben. Da mein Ausweis noch männlich ist, war also das Ticket auch auf den männlichen Namen ausgestellt, ich aber mehr als eindeutig weiblich unterwegs. Die einzige Stelle, an der ich überhaupt den Ausweis vorzeigen musste, war beim Einchecken vom Gepäck. Und auch die waren völlig entspannt und haben nichteinmal mit der Wimper gezuckt. Keine Regung. Bei der SIcherheitskontrolle habe ich natürlich gepiept und wurde wie selbstverständlich nun von der Dame abgetastet. Auch hier kein Murren, zucken oder komischer Blick, alles völlig normal. Ein Flughafen wäre auch ein ganz schlechter Ort für eine Szene - das wissen auch die. Also wenn man denen keinen Anlass gibt, dann ist das alles völlig harmlos.
Eine bekannte Hackerin machte ihre erste größere Reise kurz nach dem Outing in die USA, nach Las Vegas. Und damals hatte sie noch kein sonderlich großartiges Passing, wie das eben bei vielen von uns am Anfang noch ist. Null Probleme, weder beim Abflug in England, noch bei der Ankunft in Vegas oder auf dem Rückflug.

Das ist der offizielle Teil, sozusagen. Doch wie sieht es mit der Bevölkerung aus? Recht haben und Recht bekommen können ja schon durchaus sehr divergieren?
Auch wenn ich ohne Probleme sofort so wie ich bin in die USA einreisen würde, wäre ich dann mit meinen Reisezielen im Land sehr vorsichtig. Denn unter der amtlich verordneten Ordnung ist die Zivilisationsdecke vielerorts erschreckend dünn! Selbst in angeblich so liberalen Städten wie New York fallen jedes Jahr wieder Trans* Menschen schlimmsten Gewalttaten zum Opfer. In einem Land, in dem eine Frau mit Jeans Hose schon als lesbisch gilt, verwundert mich das auch nicht sehr. Ich wäre also noch vorsichtiger, als ich es zuvor schon war, wohin ich ginge. Auf den Hauptstraßen wird man sicher sein. Doch wer auf etwas extravagantes Nachtleben steht, sollte sich gut auskennen.

Das ist natürlich auch in Deutschland nicht viel anders, jedoch für mein Empfinden weniger stark verbreitet. Was aber hier doch deutlich sicherer ist, dass wenn dann die Staatsmacht dazu kommt, dass man dann wieder halbwegs sicher sein kann. In den USA könnte man schnell selbst zum/r Täter/in werden und erstmal ein paar Tage im Knast verbringen. Über andere Länder wie Russland möchte ich mir akut gar keine Gedanken machen müssen - keine 10 Pferde würden mich dahin bekommen und das schon seit Jahren. Ein Freund von mir hat mal fast ein halbes Jahr im russischen Knast verbracht, weil er eine halbe Stunde zu spät an der Grenze war, sein Visum war um eine halbe Stunde abgelaufen! Das muss man sich mal vorstellen... Ich möchte mir nicht vorstellen, wie das wohl verlaufen wäre, wenn mir dies heute passieren würde.

Für Trans* Menschen die "stealth" leben, wird das kaum ein zusätzliches Problem sein. Sie haben die ganz normalen Probleme, die jeder andere Tourist auch hat.
Doch für sichtbare Trans* Menschen? Doch, ich denke schon, dass man sich darüber Gedanken machen sollte und lieber etwas vorsichtiger sein, als man es vorher schon war.

PS: Ja, ich mache mir da gerade auch so meine Gedanken, nicht nur in diesem Posting... dieses Jahre werden wir nicht mehr zum Urlaub kommen, zuviel Arbeit. Aber so im April nächstes Jahr wollen wir dann mal 2-3 Wochen ins Warme. Warm, Sonne, Meer, Strand, Badehose - ÄÄÄÄHHHHH - eben nicht Badehose, sondern Badanzug oder Bikini! Hier kann man ja noch mit Kleidung die Wirkung auf Dritte steuern. Doch mit nur noch ein paar Quadratzentimeter Stoff, wird das zur Herausforderung. Da habe ich dann also doch etwas Bedenken, dann verstärkt aufzufallen. Das wird noch spannend! :)

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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