Vielleicht muss ich zu meinem Beitrag / Vorschlag ergänzen, dass es meine Gewohnheit ist, die Dinge politisch / gesellschaftlich zu sehen und nicht nur auf der individuellen Ebene. Wer sich auf Letzteres beschränkt, kann meinen Ansatz wohl nur schwer nachvollziehen,
Deine Sichtweise ist legitim. Ich habe nur den Eindruck, Du unterschätzt viele TG...
@Vicky: zum "neuen Zeitalter": der Auftrag der Medien ist es, das "alte" Zeitalter zu konservieren; um konkreter zu sein, geht es um die Konservierung der Machtstrukturen und der Geschäftsmodelle der Industrie. Ein neues Zeitalter, das diese infrage stellt, muss mit allen Mitteln verhindert werden. Man ruft vlt. irgendwelche neuen Zeitalter aus, die nichts weiter sind, als irgendein neuer Modetrend, der dem Geschäft auf die Sprünge hilft, oder das einen neuen Krieg ermöglicht, um die Machterweiterung des Systems zu betreiben; darüberhinaus sind unsere Medien ziemlich konservativ, wenn man mal hinter die spektakulär animierte Fassade schaut.
Medien, und ich meine hier die klassischen Medien Funk, Fernsehen, Zeitung, haben die Aufgabe zu berichten, was ist. Sie berichten also auch über neue Tendenzen, die entstehen. Das sie dabei auch Interessen unterliegen, will ich nicht bestreiten. Aber wenn Du den "Medien" per se Deine Thesen unterstellst, begibst Du Dich in Gefahr, die Situation sehr einseitig zu sehen. Kennst den schönen Satz: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" ?
Wer einmal Leute auf der Strasse, in einer Talkshow oder Politiker / Journalisten befragt stellt allgemeines Unwissen fest über wesentliche Vorgänge, die sich z.B. geopolitisch abspielen und effektiv dem Publikum verheimlicht werden und die unsere Zukunft stark verändern werden. Man will es nicht wissen und will schon gar nicht, dass die Leute es wissen.
Das Problem besteht mMn viel eher in der Vielfalt der Berichte. Die "Wahrheit", was immer das auch sein soll, lässt sich durch die Medien nur sehr begrenzt erfahren. Damit ist die Meinungsbildung erschwert. Des weiteren liegt es an den Menschen, wie weit sie sich informieren lassen wollen.
Zum Kippen der Vorschrift zum Passing: davon, dass diese Regel auch vorher schon bedeutungslos war, habe ich sehr wenig gemerkt: unter den Menschen, die mir im Alltag begegnen, gibt es unter 10.000 nicht Einen, der diese Regel in ähnlich konsequenter Form durchbricht, wie Conchita.
Logisch. Conchita ist ein Extrem und die kommen nur sehr selten vor. Aber es gibt sehr wohl einige, die sich andrgyne Elemente leisten. Aber die sind schon so selbstverständlich, dass man sie nicht bemerkt. Ein Beispiel sind Ohrstecker. Am Anfang gab es etwas Aufregung, aber die ist schon vorbei.
Selbst das Tragen von Röcken ist noch recht selten, obwohl das schon im Modedesign propagiert wurde.
Oder nehmen wir die Kombination von femininer Frisur, sagen wir Haare zu einem gepflegten Dutt hochgesteckt und ansonsten mehr oder weniger normale Kleidung. Oder High-Heels ohne sonstiges Passing. Alles so selten, dass es in der Öffentlichkeit praktisch irrelevant ist. Ansonsten, also in nahezu 99% unserer Öffentlichkeit wird diese Regel befolgt.
Auch Frauen tragen recht selten Röcke und High Heels. Sie sind für mich nicht das, was ich als typische Weiblichkeit in der Öffentlichkeit sehe. Im übrigen wirbelst Du mir mit %-Zahlen sehr freizügig herum. Sie sind weder belegt, noch entsprechen sie meiner Erfahrung. Man kann es auch anders herum sehen. Viele Männer tragen (fast) die gleiche Kleidung wie viele Frauen, weil diese Frauen fast schon geschlechtsneutral gekleidet sind, zumindest in den kälteren Jahreszeiten.
Ob wir eine Modeindustrie brauchen, um (konsequent) androgynes Styling zu ermöglichen?
Man könnte, wie du, sagen "Nein". Dann wird die Sache aber noch einmal schwerer und kommt entsprechend seltener zur Anwendung: dann bist du komplett selbstverantwortlich für dein Outfit. Das ist gut, trauen sich aber nur Wenige.
Die meisten halten sich heute an die erwähnten Vorlagen der Modeindustrie und der Medien, um "auf der sicheren Seite" zu sein.
Du meinst, TG sollten sich gegen den heutigen Mainstream kleiden, in dem Du forderst, dass die Modeindustrie einen neuen Mainstream formt ? Dass das nicht funktioniert, hat die Modeindustrie schon erfahren. Was den mit dem Männerrock oder der Herrenstrumpfhose ? TG wollen sich weiblich kleiden, um sich den Wunsch nach Weiblichkeit zu erfüllen.
Dass es eine solche Emanzipation für Transen bisher nicht gibt, unterhält ein Angstpotenzial, das viele noch immer einschüchtert und damit die Freiheit deutlich einschränkt.
Richtig, hier liegt der Hase im Pfeffer. Und das die Angst manchmal nicht unbegründet ist, zeigt die Erfahrung. Aber in der Regel geht mehr, als sich einige vorstellen. Und hier ist Dein Ansatz, mehr weibliche Attribute durch Männer in die Öffentlichkeit zu bringen mMn richtig. Vorleben und die öffentliche Meinung verändern. Androgyn auftreten ist ein Weg, en femme ein anderer.
Aber die Lücke, an der die Emanzipation der Transen bisher scheiterte, liegt darin, dass meist nur das Individuelle gesehen wird, aber nicht das Kollektiv (das für Politik und Gesellschaft relevant ist). Beide spielen aber zusammen, besonders, wenns um eine Emanzipation geht!
Jein. Am Anfang steht immer der Einzelne. Ich muss mich entscheiden, öffentlich aufzutreten. Ich muss von meinem Tun überzeugt sein, denn sonst kann ich niemanden überzeugen. Etwas nachmachen, was andere vormachen, ist keine Emanzipation. Es zählt die eigene Einstellung.