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Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: Do 5. Feb 2015, 23:30
von Anne-Mette
Moin,

folgende Info/Anfrage wurde an mich weitergeleitet:

...wie eben besprochen hier noch einmal meine Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Für ein Spezialheft zum Thema "Frauen und Karriere" sind wir auf der Suche nach einem Menschen, der eine geschlechtsangleichende Operation hat durchführen lassen und so vom Mann zur Frau geworden ist.

Wir möchten wissen: Wie hat die Gesellschaft diesen Menschen nach der Operation empfangen? Wie war es, sich für einen Job zu bewerben, "Karriere" zu machen? Wie liefen Bewerbungsgespräche ab, wie reagierten Arbeitgeber? War es leicht, sich im Kollegium einzufinden?

Uns ist selbstverständlich bewusst, welch hohe Sensibilität dieses Themas erfordert. Für die Geschichte wäre es daher nicht zwingend notwendig, Namen o.Ä. von Arbeitgebern zu nennen.

Können Sie jemanden vermitteln, der Lust hat, mit uns zu sprechen?

Sie können mich jederzeit - telefonisch oder per E-Mail - erreichen.

Herzliche Grüße


Nike Laurenz

UniSPIEGEL und SchulSPIEGEL
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Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: Sa 7. Feb 2015, 15:07
von ab08
Danke, liebe Anne-Mette, für die Weiterleitung!

Vielleicht findet sich jemand... --> Allerdings rate ich hier Betroffenen ausdrücklich zur Vorsicht...
An Formulierungen wie "einem Menschen, der eine geschlechtsangleichende Operation hat durchführen lassen und so vom Mann zur Frau geworden ist" zeigt sich nämlich mangelhafte Recherche
Auch die Fixierung auf die Operation zeigt den Rückgriff auf seit längerem überholtes Material.

Spiegel, dieses Magazin schätzte ich in den 60ern und 70ern sehr, leider wurde das frühere gute Niveau nicht gehalten.
Heute wird es immer mehr zu einem zweifelhaften Blatt, daher rate ich zur Vorsicht.


Liebe Grüße
Andrea(ab)

P.S. Zwar übe ich meinen Beruf seit 2008 im korrekten Geschlecht aus... - berufliche Schwierigkeiten, die bei mir bzgl. Operation bestehen, fallen aber erst 2016 weg.
Die in meinen Augen diskriminierende Vorgabe (Op) klammert mich also z.B. aus... - Andere sind aus gesundheitlichen Gründe unoperiert. - ... :wink:
Ins genitalistischen Weltbild von Nike Laurenz passen solche Menschen halt leider nicht... *)
In dem Zusammenhang von "Sensibilität" zu sprechen und "Anonymität" vorzuschlagen, passt in meinen Augen ins Bild.

Kleiner Tipp: Anonymität schützt die Täter!
Früher berücksichtigte man das beim Spiegel - Dinge wurden aufgedeckt - Genau das schätzten die Bürger an diesem Magazin!!

Nachtrag:
@Anne-Mette - Falls eine Rückfrage an mich erfolgt, gib meinen Namen und meine Mailadresse bitte weiter. Danke! --> Für das "Spezialheft" steh ich aber sicher nicht zur Verfügung!

*) Ich kenne prominente, transsexuelle Frauen, die voll im Beruf stehen, bei denen keine Operation erfolgte, oder wo diese sich lange verzögerte. :lol:

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: Sa 7. Feb 2015, 19:21
von Marielle
Guten Abend Andrea, Hallo zusammen,

für meine Begriffe hast du bei deiner kritischen Analyse der Anfrage ein bischen übertrieben.

Sicherlich ist im Umgang mit 'den Medien' immer Vorsicht geboten, damit man nicht in irgendeiner Form instrumentalisiert wird. Aber muss man deswegen aus der Journalistin gleich eine 'Täterin' machen? Ein paar Hinweise zum richtigen Verhalten gegenüber Medienvertreter_innen, z.B. im Vorfeld klare vertragliche Regeln über Eingriffsmöglichkeiten und Freigabemodalitäten für Texte und Bilder zu schaffen, hätten m.E. besser gepasst.

Ausserdem finde ich es übertrieben, die Beschreibung (Anforderung) 'genitalistisch' und 'dikriminierend' zu nennen. Die Fragestellung lautet: Wir möchten wissen: Wie hat die Gesellschaft diesen Menschen nach der Operation empfangen? Also... wen sonst sollte man fragen, als Menschen, die eine GaOp haben machen lassen? Wenn jemand z.B. über die Arbeitsbedingungen in der Textilienproduktion schreiben will, wird man ihn vermutlich nicht diskriminierend nennen, weil er sich dazu nicht mit der Buchhalter_in des Betriebes unterhält.

Man kann den 'post-Op-Ansatz' ohne weiteres für prinzipiell falsch halten (ist er m.E. auch), aber dann sollte man dazu konstruktive Kritik bringen und nicht auf die Leute eindreschen, die sich überhaupt mit dem Thema befassen. Scheinbar neigen wir dazu, uns selbst in einer Art 'Opferrolle' zu sehen. Statt uns in dieser Rolle einzurichten, sollten wir an solchen Stellen aber lieber konstruktiv unsere Informationen und Sichtweisen und ggfs. auch unsere Mitwirkung anbieten. Wenn die dann nicht angenommen werden, ist immer noch genug Zeit, um sich darüber auszulassen.

Habt es gut

Marielle

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: Sa 7. Feb 2015, 20:07
von ab08
Marielle hat geschrieben:Aber muss man deswegen aus der Journalistin gleich eine 'Täterin' machen?
Hallo Marielle,

trotz allem steh ich dazu, was(!) ich schreibe und bin der Meinung, ich äußerte mich oben differenziert und der Sache angemessen.
Insbesondere wehre ich mich dagegen, wenn meine Beiträge "uminterpretiert" werden.

--> Ich kritisierte nur die mangelhafte Recherche. - Wer meinen Beitrag genau liest, merkt, dass sich der Begriff "Täter" auf Personen(z.B. Arbeitgeber) bezieht, die der transsexuellen Frau eventuell Schwierigkeiten machen. Keinesfalls aber auf Journalisten, aber diese Journalisten haben eben die Pflicht, Unrecht öffentlich zu machen und auf diese Pflicht wollte ich hinweisen.

Liebe Grüße, nix für ungut
Andrea

Wichtiger Hinweis bzgl "Uminterpretieren", der sich ausdrücklich nicht auf Dich bezieht, sondern uns alle mahnt:
Seit einigen Tagen hängt bei mir im Wohnzimmer meine Unterstützer-Urkunde der Kampagne http://www.stoppt-hasspropaganda.de
Gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend / Dort ist übrigens mein vollständiger Name angegeben. /
deren Checkliste http://www.stoppt-hasspropaganda.de/checkliste/ auch diesen Punkt (letzter Teil unter 4.) enthält

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: Sa 7. Feb 2015, 20:58
von Jaqueline
Der größte Teil des Forums dürfte ja ausscheiden.
Schon allein, weil die OP bereits gelaufen sein sollte.

Ganz liebe Grüsse
Jacky

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: Sa 7. Feb 2015, 21:35
von Anke
Hallo,

die Anfrage zeugt ja nicht gerade von Sachkenntnis. Allerdings würde ich der Fragestellerin nicht gerade schlechte Absichten oder fragwürdige Ansichten unterstellen. Für mich liest sich das eher so, als hätte sie das Thema übernommen, ohne sich damit auch nur ansatzweise auszukennen.

Vielleicht wäre es hilfreich, der Fragestellerin erst mal ein wenig Aufklärung zum Thema TS anzubieten. Denn abgesehen vom falsch gewählten Ansatz finde ich gestellten Fragen gut.

Liebe Grüße

Anke

Liebe Grüße

Anke

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: Sa 7. Feb 2015, 23:03
von conny
hallo,

es zeigt sich ja immer wieder, dass journalisten mit den begrifflichkeiten und den besonderen umständen von ts - warum auch immer - nicht besonders kompetent umgehen und das gilt ja nicht nur, wie wir alle wissen, für den spiegel. das gilt i.ü. auch für andere themenbereiche.

eine gewisse vorsicht im umgang mit medienvertretern ist nie verkehrt, aber gerade der hier gewünschte direkte kontakt bietet ja die möglichkeit, die dinge gerade zu rücken. wenn nicht da, wo sonst?

ich halte es für sinnvoll und geboten, direkte journalistenkontakte, wo immer sie möglich sind, auch zu nutzen.

lg
conny

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: Sa 7. Feb 2015, 23:55
von conny
hallo Claudia,

vielleicht macht es trotzdem sinn, denn kontakt aufzunehmen, vielleicht ist das thema ja veränderbar. es wäre jedenfalls schade, wenn die anfrage ins leere läuft.

lg
conny

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: So 8. Feb 2015, 08:25
von Vivian Cologne
Hm, ihr habt ja völlig recht mit eurer Kritik an Formulierung und Aufgabenstellung der Nachwuchs-Journalistin. Aber es ist noch keine Meisterin vom Himmel gefallen.

Andererseits sollten wir tatsächlich jeden einigermaßen seriösen Kontakt nutzen. Mit der "BILD"-Zeitung oder Russia Today würde ich nicht reden ...

Aber noch keine von euch hat geschrieben, dass sie auf die Anfrage antwortet. Das werde ich dann heute Nachmittag mal machen, auch wenn ich das ominöse Kriterium, das "mich zur Frau macht", nicht erfülle.

Wenn Sie dann 10 Antworten hier aus dem Forum erhält, wäre das auch nicht schlimm.

Vivian

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: So 8. Feb 2015, 08:30
von ab08
Danke, liebe Vivian (flo)

Liebe Grüße
Andrea

@all - Zum besseren Verständnis:
Dass ich oben schrieb "Für das "Spezialheft" steh ich aber sicher nicht zur Verfügung!" hatte nur mit meiner beruflichen Situation zu tun. Ich passe ich nicht ins Schema, da ich am Ende des Berufsweges stehe! Es stand überhaupt nicht im Zusammenhang mit der Kritik bzgl. OP bzw. Recherche. Informationen geb ich gern weiter.
--> Daher bat ich Anne-Mette, bei Bedarf(!), Namen und Mailadresse weiterzugeben.

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: So 8. Feb 2015, 08:35
von Magdalena
Hallo,

einerseits finden wir es gut, wenn das Thema öffentlich gemacht wird und aus dem Rand der Gesellschaft in die Mitte gerückt wird. Anderseits, ist die Frage, wie werden die Betroffenen behandelt. Das ist sicher dass, was Andrea meint. Wer sich in einer Zeitschrift der Öffentlichkeit mitteilt, muss unter Unmständen auch mit unerwünschten Begegungen im Alltag rechnen. Vielecht wäre der Journalistin eine Einladung zu einem Treffen mit einer Selbshilfegruppe zu empfehlen. So kann sie sich erstmal ein Bild machen, wie es um das Theme TS steht, und wie wir es sehen. Ich denke, die Journalistin hat eine Ausgangsituation, von der aus sie das Thema angehen will. Sie ist also keine Betroffene.

LG Magdalena

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: So 8. Feb 2015, 10:08
von Anke
Hallo,

ähnlich wie Vivian denke ich, dass es sicher nicht schlecht wäre, wenn sie mit mehreren von uns sprechen würde. Ich habe Anne-Mette schon per PN meine Bereitschaft dazu signalisiert.

Zusammen mit Andrea wären wir ja dann schon drei, was auch wegen der unterschiedlichen Umfelder sicherlich interessant für sie wäre.

Ansonsten teile ich die Ansicht von Vivian zur Nachwuchsjournalistin. Sie ist begeistert losgelaufen, ohne den notwndigen Background zu kennen. Eigentlich finde ich das sympathisch. Fehlendes Wissen lässt sich vermitteln, fehlende Begeisterung eher nicht.

Liebe Grüße

Anke

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: So 8. Feb 2015, 16:55
von Anke
Hi Claudia;

um so besser (ap)

Ich habe die Dame übrigens schon angeschrieben und bin sehr auf die Antwort gespannt.

Lieben Gruß

Anke

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: Mo 9. Feb 2015, 14:33
von ChristinaF
ups. Liege ich da richtig mit der Annahme, dass die Dame eigentlich nur Interesse an den TS-Frauen hat, die die angleichende OP schon hinter sich haben?
Eine fragende Chrissie

Re: Transsexualität und Beruf (eine Anfrage)

Verfasst: Mo 9. Feb 2015, 14:40
von Vivian Cologne
Da liegst du völlig richtig, so lautete ihre Anfrage. Ich war der Ansicht, dass diese Aufgabenstellung doch arg verkürzt ist und der Lebenswirklichkeit vieler Transfrauen nicht gerecht wird. Deshalb habe ich sie dreist angeschrieben und meine Mitarbeit angeboten.

Da ich nicht die Einzige bin, die das so sieht, wird sie jetzt eben mit Angeboten bombardiert.

Vivian