Ja, ja... 30 Zentimeter... dazu fällt mir doch gleich eine kleine Geschichte ein.
Ein Mann kam eines Abends in seine Stammkneipe. Er machte einen sehr nachdenklichen Eindruck, bliebe kurz an der offenen Tür stehen, schaute zurück, schüttelte den Kopf und trat dann endgültig ein und an die Theke. Als er den Wirt sieht hellt sich seine Miene plötzlich auf.
"Wirt, wenn ich dir etwas zeigen kann dass dir absolut die Sprache verschlägt, kriege ich dann den nächsten Monat lang mein Bier kostenlos?"
Der Wirt lächelt überlegen, denn er hält sich für einen welterfahrenen Mann dem nichts so leicht die Sprache verschlagen kann. "Abgemacht!" schlägt er also ein.
Der Gast öffnet seine Jacke, greift hinein und stellt einen 30 Zentimeter großen Zwerg auf den Tisch. Es ist ein echter, erwachsener Mensch aus Fleisch und Blut - nur auf 30 Zentimeter verkleinert! Obendrein spricht er auch - piepsig, aber deutlich - "Ich bin ein österreichischer Schriftsteller!" Dem Wirt verschlägt es volle fünf Minuten die Sprache, in der er nichts tut als den Kleinen anzustarren.
Schlussendlich findet er aber dann doch wieder Worte. "Das Freibier den Monat lang kannst du haben. Aber wie wäre es mit einem Jahr - wenn du mir verrätst, wo der her kommt?"
"Abgemacht!" lacht der Gast. "Über die Straße ist doch der Stadtpark. Halte dich an der ersten Gabelung rechts, wo es unbeleuchtet ist. An der nächsten Gabelung stehen doch diese drei Birken in einem Dreieck. Und in der Mitte davon schwebt eine Fee, die dir einen Wunsch erfüllt."
Der Wirt nickt, trägt seiner Frau auf mal eben die Theke zu übernehmen und hastet hinaus in die kalte Nacht, in den Stadtpark, an der ersten Gabelung rechts ins stockfinstere, und zur zweiten Gabelung zu den drei Birken im Dreieck. Während er so durch die Dunkelheit stolpert muss er über seinen Gast kichern. Wer würde sich schon einen Zwerg wünschen? Er würde es besser machen. Und tatsächlich, zwischen ihnen schimmert etwas - eine Fee!
"Hallo Wirt - du hast einen Wunsch frei!"
Der Wirt sammelt sich und spricht es aus. "Ich will zehn Millionen in kleinen Scheinen!"
Die Fee schwingt ihren Stab und spricht "So sei es!" und verschwindet.
Auf der Lichtung erscheint die Erfüllung seines Wunsches - zehn Ferkel, jedes hat eine Zitrone im Maul. Der Wirt schaut erst groß, ist enttäuscht - dann geht er nachdenklich zurück in seine Kneipe zurück, gefolgt von den Ferkeln.
"Tolle Wunschfee, du Scherzkeks!" meint der Wirt zum Gast. "Du hättest mir ja ruhig sagen können dass die Fee schwerhörig ist! Zehn Millionen in kleinen Scheinen wollte ich, und bekommen habe ich zehn Zitronen in kleinen Schweinen!"
Der Gast bleibt gelassen. "Tja, hättest du mal nachgedacht. Glaubst du etwa, ich habe mir einen 30 Zentimeter langen Simmel gewünscht?"
Feen sind ein Völkchen dass es liebt mit Menschen Scherzen zu treiben - nicht eben auf die sanfte Art. So auch mit diesem Mann, der einen vermeintlichen Segen mit sich herum trägt, der sich aber alsbald als Fluch herausstellt: ein bestes Stück von einem halben Meter Länge! Nun braucht es aber so viel Blut darin wenn er erregt ist, dass er verständlicherweise einfach in Ohnmacht fällt. So ist er nun Mitte 40 - und immer noch Jungfrau.
Sein bester Freund hat aber nun eine Lösung gefunden.
"Es gibt da eine Fee in diesem Tanzpalast in der großen Stadt, die ist der Schrecken aller Männer. Sie ist einfach wun-der-schön, aber wenn sie zu dir "Nein" sagt, wird dein bestes Stück zehn Zentimeter kürzer. Und bisher soll es noch keiner geschafft haben, sie herumzukriegen. Das klingt doch wie die perfekte Lösung für dich!"
Also fährt der Mann in die große Stadt und findet die Fee, die gelangweilt an einer Säule nahe der Tanzfläche lehnt.
"Hallo, schöne Frau - wie wäre es mit uns beiden?" Der Anmachspruch mit nahezu Sicherheit, eine Abfuhr zu bekommen.
Die Fee schaut ihn gelangweilt von oben bis unten an und sagt "Nein." Der Mann spürt ein ziehen in den niederen Regionen. Und als er auf der Toilette nachschaut was da passiert ist, beginnt er fast vor Freude zu weinen - sein bestes Stück ist tatsächlich zehn Zentimeter kürzer! Natürlich, das ist immer noch problematisch so, aber nun weiß er ja Bescheid, wie er das Problem lösen kann.
Er holt also zwei Getränke an der Theke und nähert sich erneut der Fee. "Schöne Frau, das war eben etwas plump von mir. Vielleicht kann ich das mit Drink wieder gut machen, und wir lernen uns doch noch näher kennen?"
Die Fee hat nun einen schon leicht ärgerlich-irritierten Gesichtsausdruck. "Nein!" Ziehen in den unteren Regionen. Der Mann schaut nach. 30 Zentimeter! Aber er will sicher gehen. 20 will er, damit ist er wohl immer noch gut bestückt, und das macht auch bestimmt keine Probleme. Also, auf zum dritten Akt.
Die Fee sieht den Mann sich schon im Gedränge nähern und brüllt ihn an, noch während der Mann gerade den Mund zum sprechen öffnet. "Wie oft denn noch? Nein, nein und nochmals NEIN!" Ziehen, ziehen und nochmals ziehen in den unteren Regionen...
Üblicherweise ist die Reaktion männlicher Zuhörer besonders auf die zweite Geschichte ein gepresstes Lachen und ein Gesichtsausdruck als hätten sie in eine Zitrone gebissen. Weibliche Zuhörer lachen hingegen meist undamenhaft lauthals los. Ich finde sie einfach göttlich.
