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Trans* und Arbeit

Verfasst: Do 5. Sep 2013, 12:25
von Anne-Mette
Moin,

viele haben die Erfahrung gemacht, dass es sehr unterschiedliche Bewertungen von Transidentität/Transsexualität in der Arbeitswelt geht.
Während Betroffene, die z.B. bei Behörden und größeren Firmen arbeiten, in den meisten Fällen ihren Arbeitsplatz erhalten können, oftmals sogar Unterstützung und Begleitung bekommen, werden Beschäftigte in kleineren Firmen manchmal "rausgeekelt".
Schwer wird es auch, wenn man auf Jobsuche ist. Unter dem Deckmantel "eine andere BerwerberIn ist geeigneter" (denn man "darf" ja nicht diskriminieren), werden BewerberInnen aussortiert.
"So etwas wie Sie kann ich doch nicht in meinen Laden stellen! Was sollen die Kunden denken - die laufen mir doch alle davon", wird nicht offen ausgesprochen, aber gedacht - und auch geäußert, wenn die Bewerberin den Raum verlassen hat.

Wer sich oft beworben hat - und es klappt und klappt nicht mit einer geeigneten Stellung, ist mit Recht frustriert und wird sich sagen: "Solche Untersuchungen und Maßnahmen helfen mit doch nicht weiter!"

Ich möchte aber trotzdem darauf hinweisen, dass in Berlin wieder etwas in Arbeit ist (dafür können sie keine Flughäfen bauen :mrgreen: )


Maßnahmen zur Verbesserung der Situation transgeschlechtlicher Menschen im Bereich Arbeit und Beruf

http://www.berlin.de/lb/ads/gglw/tia/

Re: Trans* und Arbeit

Verfasst: Mo 30. Sep 2013, 00:14
von Julia65
Ich arbeite nicht in einer Behörde, sondern in der Gastronomie. Ich fahre Pizza aus.
Ich habe durchweg gute Erfahrungen gemacht und konnte meinen Arbeitsplatz erhalten.
Klar, dass die Kollegen, die mich jahrelang als Mann kannten, nun auch nach 1,5 Jahre immer mal noch mit der Anrede ausrutschen, aber sie geben sich Mühe. Und, ja, ab und zu wird auch mal ein Spässchen mit meiner Transsexualtität gemacht, aber alles soweit noch oberhalb der Gürtellinie.
Beim Pizza ausfahren, war für mich im Beruf mehr die Schwierigkeit, mit den Kunden umzugehen. Denn besonders zu Begin meiner Transition, als ich noch nicht in der Hormontherapie war, war deutlich zu erkennen, dass ich keine biologische Frau bin. Ganz ganz am Anfang hatte ich sogar noch den männlichen Namen auf meinem Namenschild, aber Ohrringe, Nagellack, Leggins und Minirock etc... Und so dann mit Bartschatten, der mässig überschminkt ist, fuhr ich um 23 Uhr auch noch zu Horden angetrunkener Jugendlicher und lieferte denen die Pizza aus. Dennoch bin ich von Diskriminierungen verschont geblieben, was ich in erster Linie meinem selbstbewusten Auftreten verdanken kann, denke ich.
Ich glaube, vieles hat man auch selbst in der Hand.
LG
Julia

Re: Trans* und Arbeit

Verfasst: Mo 30. Sep 2013, 09:24
von Bianca D.
Dorothea hat geschrieben:: Bei Bewerbungen braucht man m.E. nichts angeben, wenn man die VÄ/PÄ durch hat -
Moin,

das ist auch richtig so,nur was helfen stimmige Papiere und ein ebensolches Erscheinungsbild bei einem erfahrenen Personaler? Die sind ja nicht dumm und das sich hinter der Frau eine TS verbirgt,merken die ganz schnell.Da kann man nur hoffen,auf einen offenen und unvoreingenommenen Personalchef zu geraten.
Zum Glück hatte ich diese Probleme nicht und konnte meinen Job erhalten mit Rückendeckung durch BR und GL.

Gruß Bianca

Re: Trans* und Arbeit

Verfasst: Mo 30. Sep 2013, 13:25
von Lieschen
Hallo Heidi,

liebe Grüße von "einer Perle in einer Miesmuschel"!
Natürlich ("natürlich"? Ja, weil's rel. neu ist für unsere Mitmenschen) haben TS es im Berufsleben etwas schwerer, gut einzusteigen, als die "Stinos". Aber es geht weiter! Und lasse nicht den Kopf hängen. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
"Ich glaube, vieles hat man auch selbst in der Hand." (Zitat von Julia, siehe oben)

Tschüs von der immer optimistischen Lieschen

Re: Trans* und Arbeit

Verfasst: Mo 30. Sep 2013, 13:26
von Bente
moin erstmal-

man kann nicht erwarten, dass die Vorurteile in unserer Gesellschaft so einfach per Gesetz verschwinden. Immerhin ist so ein Gesetz oder eine Verordnung moeglicherweise hilfreich, muss aber nicht (siehe "Veggie-day").
Doch ALLE Versuche mehr Toleranz und Anerkennung fuer das"Anderssein", das Abweichen von der Norm, zu erreichen sollte frau/man unterstuetzen.
Fuer T* Menschen im Beruf spielt heutzutage mM noch die Koerperlichkeit, das Passing, eine grosse Rolle. Da wird eine grosse Person mehr auffallen und sich sehr schwer umwandeln koennen. Nicht jede will eine Dragqueen sein. Die meisten wollen doch nur als Frau auch in der Oeffentlichkeit leben.

LG von der Benny

Re: Trans* und Arbeit

Verfasst: Di 1. Okt 2013, 19:21
von Tina_G
Hallo,
ich arbeite zwar in einer größeren Firma, aber ich könnte mir trotzdem niemals vorstellen, mich zu outen. Mir sind aber zwei "Fälle" in der Firma bekannt, über die ich jedoch nicht weiter recherchiert habe, weil das schon zu verdächtig wäre.
Der/die Erste hat inzwischen die Firma verlassen.
Von der Zweiten hat mein neuer Chef mit einem ziemlich abfälligen Unterton erzählt, dass er natürlich eine andere Aufgabe zugeteilt bekam, bei der kein Kundenkontakt mehr erforderlich ist.
Der Weg ist noch weit...

Liebe Grüße und großen Respekt vor den Pionieren
Tina

Re: Trans* und Arbeit

Verfasst: Mi 2. Okt 2013, 16:38
von ab08
Bin ja auch Betroffene, die es mehr oder weniger schaffte, die ursprüngliche berufliche Position zu halten. Auch wenn ich, selbst nach 5 Jahren, nicht von echter 'Normalität' reden kann.
Trotzdem bin ich heute überzeugt, dass es ohne die intensive Unterstützung meines einflußreichen, großen Berufsverbandes nicht geklappt hätte.
Auch eine 'Chefin', die bereits jemand aus dem Bereich TS persönlich kannte, und andere halfen.
Es ist sicher nicht unmöglich, aber selten leicht und manche landen leider im Abseits...
LG
ab

P.S. Gesetzliche Bestimmungen sind ja ganz schön, aber stehen nur auf dem Papier.
Ohne die entsprechende Unterstützung ist es häufig nicht leicht, Rechte durchzusetzen... Da ist Fingerspitzengefühl gefragt. ( Bin ja Jahrzehnte im Verband aktiv...)

Nachtrag:
Mit der 'Antidiskriminierungsstelle des Bundes' machte ich persönlich übrigens 2008 schlechte Erfahrungen.
Aber dort scheint sich inzwischen der Wind gedreht zu haben. Man hat offenbar dazugelernt und sieht die Probleme.

Re: Trans* und Arbeit

Verfasst: So 13. Okt 2013, 11:17
von ChristinaF
Offensichtlich haben's da Beamtinnen/Beamte im Berufsleben einfacher. Bin seit gut einem Jahr als TS geoutet und gehe auch als Frau gekleidet zur Arbeit. Keine Probleme in keiner Abteilung. Werde mit meinem weiblichen Namen angesprochen und von allen akzeptiert. Hin und wieder gibt's halt mal ein Getuschel, meist von meinen männlichen Kollegen. Aber das verstummt ganz schnell, wenn ich sie, besonders im Beisein von Frauen, anspreche.
LG
Chrissie

Re: Trans* und Arbeit

Verfasst: So 13. Okt 2013, 11:40
von Joeline
Guten Morgen,

Beruflich arbeite ich in der IT einer Privat Bank, wo auch einige Schwule und Lesben angestellt sind und daher kann ich mit einer toleranten Einstellung rechnen.... Gut ist, das 3 Kollegen schon von meinen Vorliebe wissen (smili)

Liebe Grüße joeline