Im Kindergarten (1968 - 1971) war ich schon neidisch auf ein knallrotes Kunstlederkleid eines Mädchens. Sogar im Alter von vielleicht 5 Jahren habe ich manchmal heimlich den Rock meiner 4 Jahre älteren Schwester angezogen.
In der 1. Klasse war ich neidisch auf die sehr langen geflochtenen Zöpfe von Zwillingsschwestern in meiner Klasse.
Als ich einige Jahre später (ich weiss nicht mehr ob durch Fernsehen, Zeitung oder was auch immer) den Begriff Transvestit lernte, ordnete ich mich dem zu. Ich lernte auch als junger Erwachsener dann, dass das durch sexuelle Bedürfnisse ausgelöst würde, bzw. sexuelle Lust bereiten würde. Ich empfand beim Tragen von Frauenkleidung ebenfalls oft sexuelle Lust, aber mich verwirrte viele viele Jahre, wie das dann schon im Kindergarten sein konnte.
Dass es zu der frühen Zeit, also noch lange vor meiner Pubertät, schon von sexueller Lust geleitet war, wage ich doch schwer zu bezweifeln. Wenn ich mich angestrengt zu erinnern versuche, was ich damals als Kind fühlte, war es meinst nur ein riesiger Wunsch, und enormer Neid, und ein euphorisches Gefühl bei der Vorstellung ein Mädchen zu sein, aber sexuelle Lust? Noe, eher nicht. Aber es ist schwer, sich so gut zu erinnern.
Wegen der aber später empfundenen begleitenden Lust ordnete ich mich selbst als Transvestit ein. Punkt. Ich habe mal, das muss wohl so in den 80ern gewesen sein, in einem Lexikon das Wort Transvestit nachgeschlagen und erinnere mich bis heute sehr gut daran was da stand. Es war nur ein Satz, der in etwa wie folgt lautete:
Transvestit: Meist durch sexuellem Verlangen angetriebener Drang, Kleidung und Verhalten des anderen Geschlechts anzunehmen. - PUNKT ENDE AUS.
Ich entschloss mich also damit zu leben und es niemals irgendjemandem zu verraten und hoffte und betete, ja nie erwischt zu werden, weil das das Allerschlimmste und Peinlichste wäre, was man sich überhaupt vorstellen könnte. Denn das wäre in Etwa so, wie das was Doc Brown zu Marty Mc Fly sagte, als der ihn fragte, was passieren würde, wenn er in die Vergangenheit reisen würde und seinen eigenen Vater töten würde, ehe er ihn selbst hätte zeugen können. Ein Universum vernichtendes Paradoxon!
Und ich habe aufgepasst. Ich habe ja sowas von aufgepasst. Und ich wurde NIEMALS erwischt.
Ich glaube, es waren die späten 80er oder die frühen 90er als man gelegentlich Berichte in Zeitschriften oder auch mal Dokus im TV über Transsexualität oder Transvestiten sah. Ich sog diese immer begierig auf, wenn mir sowas begegnete, immer stets darauf achtend, dass mir mein Interesse nicht angemerkt wurde.
Erst mit dem Aufkommen des Internets ( wann war das? Mitte der 90er? ); ich war als Computerfreak von Anfang an dabei, dauerte es nicht lange, dass ich nach dieser Thematik recherchierte. Sofort stiess ich auf entsprechende Foren. Eines der ersten Foren diesebezüglich, die mir bekannt wurden, war das Transgener-Forum in Östereich. Dort las ich, ähnlich wie hier im Forum heute, Berichte über Outdoor-Erlebnisse und Beschreibung von Begrifflichkeiten. Es wurde der Begriff Transvestitismus erklärt und auch der Begriff Transsexualität. Und auch der Unterschied. So lass ich Berichte von Transsexuellen und von Transvestiten.
Da ich die sexuelle Komponente nicht so massgebend empfand, wie es meist bei Berichten von Transvestiten geschildert wurde, insbesondere war das der Fall im Bereich von "forced feminisation" habe ich anfangs, und später auch immer mal wieder Transsexualität für mich in Betracht gezogen. Aber eine Sache lies mich immer wieder davon ab. Die Tatsache, dass ich immer wieder nur Berichte las, in denen Transsexuelle "leiden" würden. Dass sie ihren Penis abgrundtief hassen würden. Dass sie den unbedingt loswerden müssten und schon oft mit Messer in der Hand überlegten, es selbst zu erledigen. Das war bei mir nie der Fall. Ich habe meine Genetalien nicht verabscheut. Ich habe mich nicht davor geekelt.
Erst viele Jahre später, auch wieder bei der Lektüre von Berichten im Internet (ich las später, so in den Jahren ab 2003 etwa, immer wieder auch Fachberichte von Psychologen und Fachleuten), las ich davon, dass es das noch mehr Facetten gibt. Zwischenbereiche, fliessende Übergänge. Ich erführ von Transsexuellen, dessen Transsexualität sich anscheinden aus einem transvestitischen Fetischismus entwickelt zu haben schien.
Ich las Schalgabtausche von Professoren, die sich darüber ausliessen, ob sich eine Transidentität aus einem Transvestitismus entwickeln kann, ober ob der Transvestitismus eine Vorstufe (oder Symptom) einer ohnehin von Anfang an vorhandenen, aber nicht sofort zum Vorschein gekommenen Transsexualität sei.
Ich allerdings, so war mir klar, dass ich mich da finden würde. Denn das sexuelle Interesse am Frausein wich mehr und mehr davon. Aber der Neid auf alle Frauen, wegen deren weiblichen Erscheinungsbild, der Kleidung, ja einfach der Neid auf deren Weiblichkeit wuchs stärker denn je. So ca. seit 2007 konnte ich keinen einzigen Schritt mehr aus dem Hause machen, ohne jeder Frau, der ich begegnete, neidvoll hinterherzublicken.
Es war vorgekommen, dass ich ein ernstes Gespräch mit meiner jeweiligen Partnerin bekam, weil sie merkte, dass ich mal anderen Frauen hinterhersah. Aber ich wagte ja nicht, zu sagen, dass ich das aus Neid tat.
Eigentlich liess ich vor ca. 5 bis 7 Jahren die Transseualität für mich zu. Ich gestand sie mir ein. Aber ich habe mich nicht geoutet und mich keinem Psychologen anvertraut und keine Transistion angestrengt, weil ich Angst davor hatte, alleine leben zu müssen. Denn ich wollte immer einen liebenden Partner um mich wissen. Meine Beziehungen hielten leider alle nicht. Meine Transsexualität hat vermutlich ihren Teil dazu beigetragen, dass die Beziehungen scheiterten.
Vor etwa 5 bis 7 Jahren begann etwas zu kippen: Der Wunsch, eine Frau zu sein, mich nicht mehr verstellen zu müssen wuchs allmählich über den Wunsch nach Partnerschaft. In 2007 / 2008 habe ich im Second Life einen weiblichen Avatar geschaffen und habe viele Monate eine Shopping Mall geleitet, als Frau und (im Gegensatz zu vielen anderen, die das versuchten) bin ich nie aufgeflogen oder habe mich verdächtig gemacht, im realen Leben ein Mann zu sein.
Nachdem ich 2010 meine letzte Beziehung beendet hatte, zog ich mich für ca. 9 Monate ins Second Life zurück. Ich nahm an einem GOR Rollenspiel teil und spielte zunächst als Sklavin. Dort war es bekannt, dass häufig Männer Frauenrollen spielten und auch versuchten sich als Real-Frau auszugeben. Aber es wurde belächelt, weil jeder spätestens nach einigen Tagen oder Wochen eh auffliegen würde. Das war bei mir nicht so. Erst nach Monaten, als ich mich mit vielen schon angefreundet hatte und auch Dinge aus dem realen Leben erzählt wurden, habe ich mich denen offenbart, weil ich ein schlechtes Geweissen bekam, denn mir wurde viel Vertrauen entgegen gebracht.
Zunächst wurde mir das nicht geglaubt. Ich musste Fotos zeigen um klarzumachen, dass ich wirklich ein Mann war.
Erstaunlicherweise wurde das nur zur Kenntniss genommen und ich wurde nach wie vor wie selbstverständlich als Frau behandelt. "Nee, das passt nicht, du bist manchmal viel zu zickig. Für mich bist du die Johari, auch wenn dir da was zwischen den Beinen baumelt."
Da ich mich nur noch in diese virtuelle Welt flüchtete und mein reales Leben darunter zu leiden begann, fasste ich Anfang 2012 den Entschluss mich zu outen und meinen Weg zu gehen.
LG
Julia
Ulrike-Marisa hat geschrieben:... ohne dass ich allerdings durch meine fämiliäre Bindungen alles möglich machen kann, bzw. einen vollständigen TS-Weg als Frau beschreiten könnte; CD/TV sind da nicht so meine Richtung.
Ich finde es immer sehr traurig, wenn jemand wohl die TS für sich erkannt hat, aber sich in einer Situation sieht, der nicht nachgeben zu können, wegen familiären oder beruflichen Gründen. Ich bin sicher, manchmal kann es sein, dass man allen Barrieren zum Trotz, seinen Weg gehen muss.
Edit hat noch Tippfehler beseitigt.