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pro und contra Outing
Verfasst: Di 1. Jan 2013, 16:49
von Marielle
Hallo zusammen,
ich habe diesen Thread angefangen um eine Diskussion weiterzuführen, die in einem anderen Thread entstanden ist. Dort gehört das Thema der neuen Diskussion m.E. nicht mehr unter die Überschrift der Thread-Starterin. Dies ist der Ursprungs-Thread:
viewtopic.php?f=35&t=5564#p59692
Ganz kurz zusammengefasst geht es um die Frage, ob man sich in seinem direkten Umfeld als CD zu erkennen gibt oder nicht.
CPG schrieb:
Ich würde ja gern mal wissen, ob sich Nachbarn und Freunde überhaupt etwas dabei denken.
.....
Es ist natürlich die Frage, was die Leute reden, wenn man nicht anwesend ist.
Das würde ich auch sehr gern wissen. Leider gibt es nicht viele Möglichkeiten um das, betreffend die eigene Person, herauszufinden. Nur ganz selten bekommt man ja eine Meinung dazu zu hören; Einmal allerdings schon, weil jemand, ein Mann im Rock, im örtlichen Lebensmittelladen gesehen wurde. Aus den Äusserungen der beiden Bekannten meiner Frau, die wir beide für eher liberal halten, sprach Unsicherheit wie "das" zu beurteilen ist, aber keine direkte Ablehnung. Die beiden hatten natürlich keine fertige Meinung zu Crossdressern, weil sie bisher wohl nichts damit zu tun hatten. Auf meine heutige Frage hin hat meine Frau das aus der Erinnerung so wiedergegeben: "Sie haben nichts dagegen gesagt, aber ich hatte auch nicht den Eindruck das sie es einfach als gegeben und selbstverständlich hinnehmen. Kann gut sein, das die, wenn ich damit angefangen hätte, gern darüber getratscht hätten"
Ich denke eigentlich auch, dass deine Sichtweise stimmt; Viele werden viel lockerer sein als man annimmt. Aber weiss man
wer?
Darialena schrieb:
Das, was Marielle mit ihren Worten zeichnet, ist das schlechte Gewissen, das jeder Crossdresser wohl ihrer Meinung nach haben muß:.... "
Diese Aussage ist dermassen abwegig, dass mir dazu nichts einfällt. Würdest du mir bitte erklären, welche meiner Äusserungen oder Taten diese lächerlich falsche Aussage belegen sollte?
Darialena schrieb:
Nein, Marielle, das Verbrämen Deines Crossdressings gegenüber Nachbarn, Kollegen, Bekannten usw. ist KEIN Modell für andere!
Wenn du mein Posting genauer gelesen hättest, hättest du feststellen können das ich das nicht mal ansatzweise behauptet habe. Ich habe MEINE Situation beschrieben, nichts weiter. Missionarischen Eifer legts du hier an den Tag, nicht ich. Es darf und muss jede/r selbst entscheiden, wie er/sie persönlich mit dem Informieren des sozialen Umfeldes umgeht.
Ich bin und bleibe (bis auf weiteres) aber der Meinung, dass eine Abwägung von Aufwand/Risiko und Nutzen beim Outing sinnvoll ist. Hier im Forum gibt es Leute, die sich vor der Partnerin nicht outen, weil sie fürchten, sie könnten sie verlieren. Andere haben sich der Partnerin gegenüber geoutet und bei sonst niemandem, wieder andere versuchen nur in einzelnen Bereichen ihres Lebens "unerkannt" zu bleiben und noch andere sind allen gegenüber geoutet. Alle diese Positionen haben für den einen oder anderen ihre Berechtigung. Selbst die erstgenannte Variante kann ich verstehen, obwohl sie nichts für mich wäre. Warum sollte jemand seine Partnerschaft riskieren, wenn er/sie nicht darunter leidet nur gelegentlich und heimlich seiner Neigung nachgehen zu können? Über den Aspekt der Ehrlichkeit innerhalb einer Partnerschaft werde ich bei anderen nicht urteilen, das ist deren Sache. Ich selbst habe, wie vermutlich sehr viele hier, am Anfang meiner "Karriere" eine ganze Weile dieses Modell betrieben.
Darialena schrieb:
Das, worauf Marielle in ihrem Thread abhebt, ist der sogenannte gesellschaftliche Ruf. Dafür kann man sich aber im allgemeinen nichts kaufen und er ist nur insofern relevant, als Deine Partnerin in der katholischen Strick-Gruppe mitmachen will. ......
Entschuldige, aber ich habe den Eindruck, dass dein Frauenbild eine Nachjustierung brauchen könnte. Wie kommst du dazu eine der betroffenen Partnerinnen mit "katholische Strickgruppe" zu beschreiben? Wir nehmen das als versuchte Beleidigung zur Kenntnis.
Und damit du nicht weiter frei von jeder Information vor-dich-hin-argumentieren musst: Sie ist selbständige Ingenieurin für Energietechnik und in der hiesigen, übrigens evangelisch-lutherischen, Gemeinde sehr engagiert.
Unsere Entscheidung, ausser ein paar Freunden niemanden hier in der Umgebung mit "Marielle" zu konfrontieren, ist das Ergebnis der oben erwähnten Abwägung von Risiko und Nutzen. Der Nutzen für mich wäre gering. Ich kann im Haus und ausserhalb meiner "Sperrzone" tun und lassen was ich möchte. Das Risiko jemandem über den Weg zu laufen ist mir bewusst, ich nehme es mit ihrem Einverständnis in Kauf. Der Nutzen für meine Frau wäre größer; Sie bräuchte eben nicht mehr lügen oder Besucher abwimmeln usw.. Die Risiko-Seite der Sache ist folgende: Es KÖNNTE passieren, dass Nachbarn oder Bekannte sich von uns abwenden. Das wäre nicht schlimm, "die geben uns nix dazu". Aber wofür? Der Leidensdruck ist nicht annähernd groß genug, um ein entspanntes nachbarschaftliches Verhältnis möglicherweise zu stören. Es KÖNNTE passieren, dass meine Frau sich für mein Tun gegenüber Fremden rechtfertigen müsste; Nicht hinnehmbar für mich. Es KÖNNTE passieren, das wir einige unsere Kunden dermassen irritieren, dass sie zu unseren Mitbewerbern abwandern. An der Stelle wird die Sache für uns vollkommen indiskutabel.
Soviel zu meiner Sicht auf die Sache.
Gruß und ein gutes neues Jahr
Marielle
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Di 1. Jan 2013, 18:04
von Nicoletta
Hallo und ein gutes Neues Jahr,
meiner Meinung nach kommt um das Outing auf Dauer niemand herum, weil niemand auf Dauer mit einer Lüge leben kann. Also eindeutig: Outing ja. Zu fragen ist allenfalls nach dem wann, wie, wo, vor wem. Am besten gefallen haben mir Schicksalsgenossinnen, die es geschafft haben, sich einfach für alle ausnahmslos zu outen und dazu zu stehen, sicher der gesündeste Weg. Schließlich tun wir nichts Verbotenes, Unmoralisches oder sonstwie Anstößiges, wir stehen dazu zu sein, wie wir sind. Das ist doch sehr positiv.
Reaktionen des Umfeldes -- dazu ist schon vieles geschrieben worden, ist sicher nicht einheitlich, aber ebenso sicher ist die Mehrheit der Erfahrungen nicht negativ. Die meisten stören sich nicht daran, wie wir sind oder trauen sich zumindest nicht, sich daran zu stören, weil man dann ja auch in eine Schublade mit einem negativen Etikett kommt. Schön fand ich in meinem Fall ein Gespräch unter Nachbarn, dass nicht ich, sondern meine Frau zufällig mitgehört hat. Im Laufe des Gesprächs wurde deutlich, ich ich thematisiert wurde, und es gab von einer Nachbarin eine gewisse Aufregung, die sich erstaunlicherweise weniger an meinem (über knielangen) Rock entzündete als an dem weiblichen T-Shirt, das sie als zu kurz empfand und vielleicht einen Blick auf den Bauch erlaubte. Im weiteren Gespräch schaltete sich dann ein weiterer Nachbar ein, der kommentierte, was das solle, wir seien doch alle ein bisschen verrückt. Das ist doch Toleranz! Wichtig: auch en femme nicht in Ecken ducken, sondern selbstbewusst auftreten, natürlich sein, freundlich sein, geradeso wie in Anzug und Krawatte (trage ich nicht mehr, aber nur als Beispiel). Wer freilich gerne provoziert (z.B. Supermini und Netzstrümpfe jenseits der 60) darf sich nicht wundern, wenn das Echo ebenso negativ ausfällt wie im Falle einer gleichaltrigen genetischen Dame. Unsicherheit in der Beurteilung kommt fast nur bei Kindern vor. Vor zwei Tagen war es mal eine ältere Dame, die immerhin verstohlen, von mir zufällig bemerkt, sich umwandte und einen zweiten Blick riskierte. Warum auch nicht? Neugier ist eine menschlich Tugend, sonst säßen wir noch auf den Bäumen (falls wir da je gesessen haben). Auch mit Neugier kann man doch ganz entspannt umgehen und sollte sie -- habe ich nicht immer geschafft -- ganz gelassen befriedigen. Etwa als ich auf einer Wanderung von einer älteren Dame angesprochen wurde wegen meines Rocks, allerdings verbunden mit einem Lob, dass er mir gut stehe; ich habe ihr nichts von Crossdressen erzählt, wozu auch, nur die Vorzüge dieses Kleidungsstücks bei der entsprechenden Witterung und Aktivität hervorgehoben.
Dass gerade im kirchlichen Umfeld die Lage schwieriger sein kann, weiß ich auch. Die Bibel urteilt da ja eindeutig gegen uns, und wer die Bibel nicht für ein interessantes, historisch gewachsenes Literaturwerk hält, das Menschen durchaus eine Lebenshilfe sein ebenso wie manch schöner Gedichtband oder ein zauberhaftes Märchenbuch oder ein Roman, mit dem man sich identifizieren kann, sondern für unumstößliche Wahrheit, der hat ein Problem und wird wahrscheinlich versuchen, mir zumindest verbal Probleme zu machen, mich auf den "rechten" Weg zurückzuführen, meist aber mich eher ignorieren. Letzteres habe ich mehrfach erlebt, da ich gegenüber "meiner" Kirche wohne (die ich freilich seit vier Jahren nicht mehr betreten habe) und daher oftmals Klerikern und Gemeindemitgliedern begegne. Von keinem werde ich mehr gegrüßt, ein Bischof, zu dem ich gute Beziehungen unterhalten hatte, hat sogar eigens, als er meiner ansichtig wurde, einen großen Bogen geschlagen über eine Nachbarstraße, sichtlich, um mir nicht begegnen zu müssen. Das gilt aber fast nur für Kleriker oder die Frau des Priesters, während eine schlichte Verkäuferin, die aber auch fast nur zu Ostern mal in der Kirche auftauchte und vermutlich weniger "christlich" indoktriniert ist, mich nach wie vor sehr freundlich grüßt.
Soweit meine Erfahrung. Fazit: Outing? unbedingt ja. Contra? Keines, solange man nicht übertreibt.
Herzliche Grüße,
Nicoletta
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Di 1. Jan 2013, 18:44
von ExuserIn-2022-05-28
Ich hatte ja schon in dem anderen thread meine Meinung geäussert:
Outing ja, wenn die Gefahr besteht, dass man gesehen werden könnte.
Agieren ist besser als reagieren.
Aber nicht Outing bei allen nur um des Outings willen.
Wer Zimmertranse ist und bleibt braucht sich nicht bei allen zu outen hier reichen evtl ein zwei Nachbarn, die hà ufig unangekündigt in der Terassentür stehen.
Häufig en femme draussen unterwegs? Freunde und Verwandte sollten informiert sein, damit die Mutter nicht in der Einkaufszone der benachbarten Grossstadt plötzlich einen Herzinfarkt bekommt, weil der Sohn ihr en femme gegenüber steht.
Bei diesen beiden Gruppen kann ein Outing natürlich dann entfallen, wenn er en femme so verändert aussieht, dass selbst die eigene Mutter ihn aus 2 Metern Entfernung nicht mehr erkennt. In dem Fall kann man ihn ja als frühere Klassenkammeradin vorstellen, die nach langem Auslandaufenthalt wieder zurück ist, gerade aber leider etwas heiser ist und daher nicht so laut reden kann.
Auf dem Weg zur HRT und GaOp? Outing bei allen Freunden, Verwandten,Bekannten, Arbeitskollegen und Nachbarn ist ein Muss. Ohne bleibt sonst nur die Auswanderung.
LG Chrissie
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Di 1. Jan 2013, 19:10
von Lina
"@Nicoletta
meiner Meinung nach kommt um das Outing auf Dauer niemand herum, weil niemand auf Dauer mit einer Lüge leben kann."
Die Einstellung verstehe ich nun ÜBERHAUPT nicht. Wen belüge ich denn, wenn ich mir selber aussuche, wem ich was erzähle? Das ich wirklich das Paranoide, was immer wieder zum Vorschein kommt in fast jeder Coming-Out-Diskussion. Ich finde nicht, dass jeder Spacko das Recht hat alles über mich zu wissen, und jeder kann sowieso nichts vernünftiges damit anfangen. Gut, dann wird vielleicht irgend ein Nachbar eine Dame im Treppenhaus gesehen haben und meinen, dass ich das bin. Aber ehrlich, wenn ich eh den Eindruck habe, dass er zu geistig eingeschränkt ist, um zu verstehen, was Transgender ist? Habe ich etwa jemandem belogen, nur weil er sich bis St. Nimmerleinstag wundern muss, weil er das Ganze nicht versteht. Bin ich etwa dafür verantwortlich, was er versteht. Dann rennt er vielleicht weiter und tuschelt, kriegt dann vielleicht auch einen verdutzten Blick und die Antwort, "Ja, wusstest du das nicht?"
Ich finde wirklich, dass manche sich in bizarrster Weise das Leben kompliziert machen, indem sie meinen, dass jeder Hans-und-Franz das Recht hätten an ihrem Coming-Out Teil zu haben. Ich kann euch garantieren, nicht jeder kann überhaupt was Vernünftiges mit der Information anfangen.
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Di 1. Jan 2013, 21:14
von ExuserIn-2022-05-28
Hallo Lina
Ich sage Ja und Nein zu Deinen Ausführungen.
Ja sicher muss nicht jeder alles über den anderen wissen.
Nein : Wenn dadurch andere Gerüchte in die Welt kommen wie z.b. " Immer wenn ihr Mann weg ist bekommt sie Frauenbesuch" oder wenn man aus dem Haus geht oder zurück kommt wenn sie zur Arbeit ist " Immer wenn sie arbeitet bekommt er Damenbesuch" ist kein Outing eher kontraproduktiv. Wenn er immer noch erkennbar ist und dann Gerüchte aufkommen wie " Er ist schwul und läuft als Tunte rum wenn sie nicht da ist, die arme Frau" ist das auch nicht prickelnd.
Dem kann man nur entgegen wirken indem man offensiv vorgeht. Das soll nicht heissen, dass man nun losläuft und bei allen Nachbarn mit dem Satz " Hallo ich bin ne Transe" klingelt. Wenn man aber gesehen wird und es ist nur der leiseste Verdacht, dass der Nachbar einen erkannt hat ( da ich keine Perücke sondern eigene Haare, dann nur anders gestylt trage währe es z.b. bei mir fast unmöglich mich nicht zu erkennen ) sollte man offen sein, zu sich selbst stehen und den Nachbarn auf eine Tasse Kaffee einladen und ihm im Beisein der eigenen Frau die Sache erklären.
Ebenfalls Nein, wenn mann eine HRT und GaOp plant. Je früher die Umwelt Bescheid weis, desto weniger Probleme nach den Änderungen.
LG Chrissie
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Mi 2. Jan 2013, 11:53
von ChristinaF
Ach Mädels. Jetzt wollte ich auch meinen Beitrag dazu geben, nur ist von meinen Vorrednerinnen schon alles gesagt.
LG
Chrissie
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Do 3. Jan 2013, 11:21
von ChristinaF
darialena hat geschrieben:
Mein Plädoyer: es gibt keine Rezepte für gelungene Outings, sondern jede von uns muß das für sich selbst entscheiden. Und es gibt auch keine Garantie, daß nach einem Outing eitel Sonnenschein herrscht. Es gibt Chancen, aber es gibt auch Risiken.
LG darialena
Diesem Schlussatz gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Ich finde, dass du genau "den Nagel auf dem Kopf getroffen hast".
LG
Chrissie
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Do 3. Jan 2013, 13:02
von Andrea aus Sachsen
.
darialena hat geschrieben:Mein Plädoyer: es gibt keine Rezepte für gelungene Outings, sondern jede von uns muß das für sich selbst entscheiden. Und es gibt auch keine Garantie, daß nach einem Outing eitel Sonnenschein herrscht. Es gibt Chancen, aber es gibt auch Risiken.
Diesen Satz kann ich auch sofort unterschreiben.
Nicht teilen kann ich jedoch die Auffassung derer, denen es egal ist, wie andere nach dem Outing über sie denken.
Großen Wert lege ich deshalb darauf, denjenigen aus meinem Umfeld, vor denen ich mich (freiwillig oder unfreiwillig) oute, zu erklären, wie und warum ich "das" mache. Ich möchte auf keinen Fall, dass diejenigen, die es erfahren haben, aus dem allgemeinen Unwissen über unsere Sache sich ihre unqualifizierte Meinung über mich bilden. Ich denke, das ist auch in unser aller Interesse.
Ob meine Bemühungen immer auf fruchtbaren Boden fallen, steht auf einem anderen Blatt.
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Do 3. Jan 2013, 16:09
von rena
ich denke wenn es einen bedrückt,dann sollte man sich auch jemanden in der realen welt anvertrauen
in meiner derzeitigen situation wird auf jeden fall meine familie beim nächsten besuch in der alten heimat davon in kenntnis gesetzt,allerdings werde ich dann wohl nur mit meiner mutter ein sehr ausführliches gespräch führen,sollte sie mich dann verstoßen ist es nun mal nicht zu ändern was aber doch schade wäre,auf die reaktion meines idiotischen machobruders bin ich zwar gespannt,ist mir dann aber egal was er von mir hält,denn ich bleibe was ich bin
aber an der ersten stelle sollte immer die eigene frau(sofern vorhanden) stehen
liebe grüße
rena
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Fr 4. Jan 2013, 21:06
von s_Roeckchen
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:...Nicht teilen kann ich jedoch die Auffassung derer, denen es egal ist, wie andere nach dem Outing über sie denken.
Großen Wert lege ich deshalb darauf, denjenigen aus meinem Umfeld, vor denen ich mich (freiwillig oder unfreiwillig) oute, zu erklären, wie und warum ich "das" mache. Ich möchte auf keinen Fall, dass diejenigen, die es erfahren haben, aus dem allgemeinen Unwissen über unsere Sache sich ihre unqualifizierte Meinung über mich bilden. Ich denke, das ist auch in unser aller Interesse.
Ob meine Bemühungen immer auf fruchtbaren Boden fallen, steht auf einem anderen Blatt.
Kurz zu mir: Ich bin im kompleten privaten Umfeld geoutet, gehe in 20 - 100% Damenbekleidung raus, immer als Mann erkennbar wg. Bärtchen. Bei ca. 2000 "Kollegen" am Standort und meiner Funktion innerhalb dieser Firma bin ich doch sehr vielen vom Sehen bekannt. Daß die mich draussen sehen nehme ich in Kauf und es ist mir egal, was die davon halten. Meine Fam. kann damit nichts anfangen, der Kontakt ist weg (war auch vorher nicht gut), die Fam. meiner Frau hat damit kaum bis kein Problem. Freunde und Bekannte meinen, daß ich trotz "anderer" Bekleidung als Person die gleiche geblieben bin. Fremde die mich draussen ansprechen, werden je nach Frage entsprechend "bedient", informativ oder "Vorschlaghammer". Doch daß ich jetzt aktiv denen erkläre was "uns" dazu treibt? Sicher nicht! Die Informativfrager haben bereits Interesse bekundet, der Rest beläßt uns in ihrer bequemen Selbsterklärschublade, egal was wir sagen. Deshalb halte ich persönlich nichts davon quasi mit der Fahne durch die Gelegend zu laufen und Aufklärung bereiben zu wollen.
Kurz zum Outing generell: Hängt stark von der eigenen Situation, sprich (Leidens)Druck und Motivation für CD etc. ab. Was ich bisher gelesen habe waren meist Beitrage von euch, die bei sich angekommen sind, die ein Outing wie auch immer hinter sich haben. Doch wäre interessant wie es euch ging, bevor ihr soweit wart und ob euer Outing schon vor Anmeldung im Forum hier oder erst danach kam. Ausserdem sollten die emotionale und die rationale Ebene gemeinsam abgewogen werden.
Emotional: Wie geht es mir wenn ich es weiterhin vor allen/bestimmten Gruppen/keinem mehr verstecke?
Rational: Was für Vor- oder Nachteile in allen Bereichen meines täglichen Lebens können sich ergeben?
Beides zusammen führt zu einem individuellen Ergebnis wo und wie ich mich oute oder eben nicht.
Eines noch: Unterschätzt nicht unsere Erziehung, wo uns eingebimst wurde daß Mann das nicht tut, oder er ist ... (war schon wieder unaussprechlich!). Diese kulturell soziale Fessel abzulegen ist der erste Schritt zu sich selber. Und wie es weiter geht kann nach Abwägung jeder für sich selbst festlegen. Und ich hab schon den Eindruck, daß manche die diesen Schritt schon hinter sich haben, andere dazu drängen wollen. Gemach, gemach...
s'Röckchen
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Fr 4. Jan 2013, 23:41
von Vincent
Hallo Röckchen,
s_Roeckchen hat geschrieben: Was ich bisher gelesen habe waren meist Beitrage von euch, die bei sich angekommen sind, die ein Outing wie auch immer hinter sich haben. Doch wäre interessant wie es euch ging, bevor ihr soweit wart und ob euer Outing schon vor Anmeldung im Forum hier oder erst danach kam.
ich glaube Du hast es auf den Punkt gebracht:
Ein Outing in einer eigenen Findungsphase ist weder einfach noch sinnvoll, gerade wenn oder weil man noch nicht 100%ig hinter dem steht was man tut.
Das kann eigentlich nur schief gehen.
In meiner frühen Phase, als ich noch der Meinung war, ich müsste überzeugend eine Frau darstellen, um das tragen zu können, was mir gefällt, wäre ein Outing für mich undenkbar gewesen.
Ich war nicht sicher, nicht überzeugt und es war mir peinlich.
Jetzt ist, oder war, ein Outing nicht mehr erforderlich. Ich trage wonach mir ist und das, wo mir danach ist.
Die Konsequenzen?
Früher wurde ich nie auf meine Kleidung angesprochen, jetzt gibts gelegentlich mal Komplimente und selten etwas Kritik oder Kopfschütteln.
Sonst? Nichts, außer, dass ich mich wohler fühle.
Vincent
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Sa 5. Jan 2013, 03:28
von Lina
Chrissie hat geschrieben:Hallo Lina
Ich sage Ja und Nein zu Deinen Ausführungen.
Ja sicher muss nicht jeder alles über den anderen wissen.
Nein : Wenn dadurch andere Gerüchte in die Welt kommen wie z.b. " Immer wenn ihr Mann weg ist bekommt sie Frauenbesuch" oder wenn man aus dem Haus geht oder zurück kommt wenn sie zur Arbeit ist " Immer wenn sie arbeitet bekommt er Damenbesuch" ist kein Outing eher kontraproduktiv. Wenn er immer noch erkennbar ist und dann Gerüchte aufkommen wie " Er ist schwul und läuft als Tunte rum wenn sie nicht da ist, die arme Frau" ist das auch nicht prickelnd.
...
LG Chrissie
Das verstehe ich schon, aber Idioten die so reden würde ich erst gegen die Wand rennen lassen. Ich meine, Leute, die so tratschen, könnte ich unmöglich wie Freunde behandeln. Nun, an wen sollen sie das ganze Erzählen? An echte Freunde vielleicht? Die wissen ja schon Bescheid und antworten vielleicht, "wie dämlich bist du eigentlich?"
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Sa 5. Jan 2013, 05:52
von rena
hallo röckchen,
bin ja noch vor dem outing,werde es aber erstmal nur in der familie machen,wenn mich dann mal die nachbarn darauf ansprechen sollten werde ich ihnen versuchen es höflich nahe zu bringen aber ich werde nicht an jeder tür klingeln und tada schreien,emotional ist es für mich schon etwas bedrückend da ich mich ja mit niemanden so richtig in meinem umfeld darüber reden kann
rational hätte es mit sicherheit nur negatives auf der arbeit,allein dass ich ossi bin geht einem kollegen schon gegen den strich und ob dann die in meinem alter das überhaupt verstehen können nun ja warten wir mal ein paar jahre
liebe grüße
rena
Re: pro und contra Outing
Verfasst: So 6. Jan 2013, 19:53
von s_Roeckchen
Hi rena,
genau das mein ich, Du hast Dich mit Deiner Situationen auseinandergesetzt und kamst zu dem Schluß, Fam. ja, Job nein. Und erklären kann man nur denjenigen, die auch bereits sind zuzuhören, was man bei der Art der Frage gleich erkennt.
Eins noch zu mir, ich bin vor ca. 2 Jahren umgezogen und hab die neuen Nachbarn von der ersten Minute "geschockt", fast alles ältere Herrschaften > 70. Inzwischen können alle wenigstens "Guten Tag" sagen ohne gleich bei meinem Anblick zu sterben.
Im Job kommts auch drauf an, ob Du in einer Branche arbeitest, wo man immer seinen "ganzen Kerl" stehen muß, da sind markige Sprüche an der Tagesordnung, so das auch ja niemand auf den Gedanken kommt das Dein Kollege mit vollen Machoallüren heimlich zuhaus im Tütü rumläuft.
Wünsch dir alles Gute und viel Erfolg auf Deinem weitern Weg!
s'Röckchen
Re: pro und contra Outing
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 11:23
von Anne-Mette
Moin,
Aber was ich da für Kommentare zu hören bekommen habe, "ekelhaft" und "krank" waren noch die harmlosesten Ausdrücke.
Das mag zu einem großen Teil an der Art der Berichterstattung und an der Auswahl der Leute liegen.
Die Machart ist doch ähnlich wie beim "Frauentausch" und anderen Sendungen dieser Art.
Dem können wir natürlich etwas entgegensetzen; aber das bedeutet viel Aufklärungsarbeit.
Gruß
Anne-Mette