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Eines geschafft, das nächste vor mir
Verfasst: Di 25. Sep 2012, 23:32
von Marielle
Eigentlich hab ich das folgende im Wesentlichen für mich geschrieben. Ich stell's aber trotzdem hier rein, auch wenn es eigentlich wohl keinen Thread hergibt; Vielleicht kann jemand was damit anfangen.
Vor knapp zwei Wochen habe ich einer sehr guten Freundin (eigentlich: unserer besten Freundin) die Existenz von Marielle "gebeichtet". Das war mir sehr wichtig, weil ich nicht mehr ertragen wollte sie zu belügen, wenn ich von Sachen erzählte die eigentlich Marielle und nicht M..... erlebt oder gefühlt hatte. Statt von der Wahrheit erzählte ich von langweiligen Kongressen, Seminaren oder sonstwas. Es war nicht leicht, aber irgendwie auch unausweichlich. Das hatte ich nun geschafft und mir seit dem Gedanken gemacht wie sie es letztlich aufnehmen wird.
Gestern Abend war sie wieder bei uns; Sie war wieder da! Ich bin so glücklich darüber; Es hat sie nicht abgestossen, nicht von uns getrennt; Das ist schön. Es ist wunderbar!
In all dem Glücksgefühl fühle ich trotzdem einen Mangel; Sie hat nicht mit mir darüber sprechen können oder wollen. Ich bin sicher, dass es nicht daran liegt das sie es "totschweigen" will. Ihr fehlen wohl nur die Worte. Es ist nicht ihr Problem, es ist meins. Ich wünschte, sie würde mit mir, mit Marielle, reden können. Natürlich weiss ich, dass das schon deswegen schwierig ist, weil sie kaum etwas über Crossdresser wissen wird. Ich mache ihr keinen Vorwurf daraus; Das stünde mir auch nicht zu. Ich merke nur wie wichtig es mir ist wahrgenommen zu werden, angesprochen zu werden . Sie sieht nur einen Teil von mir, den anderen Teil werde ich ihr noch näherbringen müssen. Das habe ich jetzt vor mir.
Marielle
Re: Eines geschafft, das nächste vor mir
Verfasst: Di 25. Sep 2012, 23:39
von Anne-Mette
Moin,
das hört sich doch gut an
In all dem Glücksgefühl fühle ich trotzdem einen Mangel; Sie hat nicht mit mir darüber sprechen können oder wollen.
Das habe ich auch oft erlebt und da frage ich mich, ob die Leute tatsächlich so cool sind, dass es "normal" ist für sie, dass ich Lieferant, Kunde, Verwandter, Bekannter, Freund usw. bin und "das andere" keine große Rolle spielt.
Eigentlich geht es mir ja auch ganz gut dabei - obwohl ich mir insgeheim schon manche Frage gestellt habe.
Gruß
Anne-Mette
Re: Eines geschafft, das nächste vor mir
Verfasst: Mi 26. Sep 2012, 00:05
von Marielle
@ Hans: Ja, das war wirklich unklar geschrieben von mir; Das UNS meint meine Frau und mich.
Marielle
Re: Eines geschafft, das nächste vor mir
Verfasst: Mi 26. Sep 2012, 03:24
von Timi45
Hallo,
wenn mir jemand sowas erzählen würde, hätte ich auch Hemmungen, dieses Thema vor ihr und ihrer Frau anzusprechen. Weiß ich, wie wieweit ihre Frau darüber bescheid weiß? Will ich sowas unbedingt in Gegenwart ihrer Frau besprechen?
Ist es von ihr und ihrer Frau eigentlich erwünscht, dass ich das Thema aufgreife und darüber spreche?
Oder ist es ihr eigentlich lieber, dass ich das alles nach ihrem/seinem Outing akzeptiere und zum Alltag übergehe, ohne dieses Thema noch weiter hochzukäuen?
Vielleicht ist sie einfach nur zu schüchtern, das Thema Dir gegenüber und Deiner Frau anzusprechen, wo sie einfach nur unsicher über die neue Situation ist?
Grüße
Re: Eines geschafft, das nächste vor mir
Verfasst: Mi 26. Sep 2012, 09:26
von Lampenschirm
Als allererstes gratuliere ich dir (nein, euch) zu diesem mutigen Schritt.
Du schreibst, dass du dir wünschst, dass deine Freundin mit Marielle spricht.
Warte eine Weile und dann sage ihr das genau so.
Wir Unwissenden sind damit tatsächlich zunächst überfordert. Man hat gehört, dass es "sowas" gibt. Man hat es im Fernsehen gesehen, aber das hatte doch nie was mit dem eigenen Leben zu tun. Und dann der Kerl von nebenan. Der war doch nie tuntig, neee, das hätte man im Leben nicht gedacht. Und nu???
Ihr beschäftigt euch euer Leben lang mit eurer zweiten Seite, ihr lebt damit. Ich finde keinen Vergleich, um zu verdeutlichen, dass eingeschlechtlich lebende Menschen sich mit diesem Thema nicht auseinander setzen. Das gibt es. Klar. "Ach Gott, was mag in den Leuten vorgehen?" Und dann ist das auch wieder erledigt. Das ist so im Allgemeinen die Denkweise, bis man plötzlich mittendrin ist.
Und an dem Punkt gibt es keine Gebrauchsanweisung. Weder für euch, noch für uns. Das kann man auch mit keiner besten Freundin (also wir Eingeweihten) besprechen. Da ist man ins Vertrauen gezogen worden, weiß, wenn man die Person kennt, was für eine Überwindung und was für ein Freundschaftsbeweis das ist. Und dann muss man das halt erstmal mit sich klar kriegen.
Ich gehe mal davon aus, dass deine Freundin in ein paar Tagen bereit für weitere Gespräche ist.
LG Lampe
Re: Eines geschafft, das nächste vor mir
Verfasst: Mo 10. Jun 2013, 00:30
von Marielle
Guten Abend zusammen,
das beschriebene ist jetzt mehr als ein halbes Jahr her..... gut Ding braucht Weile.
Immer fehlte es an Gelegenheit oder Mumm...oder beidem.... bis heute.
Ja, ihr hattet recht; Sie wusste nichts damit anzufangen und ich konnte nicht zwischen Ablehnung/Desinteresse und Unsicherheit unterscheiden. Nun, es hat sich als Unsicherheit entpuppt, sie wusste nicht damit umzugehen.
Wie in einer sehr bekannten Filmszene, die nicht ganz passt, weil es ja schon eine Freundschaft gibt, aber sie wird jetzt noch besser
"N......, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft."
Grüsse von
Marielle
Re: Eines geschafft, das nächste vor mir
Verfasst: Mo 10. Jun 2013, 00:46
von Marlen
Mei is des schee!
Nun hoffe ich aber, daß Ihr nicht in eine von Nebelschwaden umhüllte Zukunft davongeht. Sondern vielleicht das Eine oder Andere über das "und so ging es weiter..." vom anderen Ende des Flugfeldes herüberklingt.
In der Tat sind das immer die Momente, die auch mir immer wieder Zuversicht gegeben haben: man offenbart sich einem wichtigen Menschen und dann kommt - mal schneller, mal langsamer - die (eigentlich ja sehnsüchtig erhoffte) positive Reaktion. Es sind dann nicht Äußerlichkeiten oder oberflächliche Gemeinsamkeiten, sondern es ist die Aussage, daß man dem Gegenüber als Mensch wichtig sei und auch weiterhin als solcher zähle, von Bedeutung sei und keineswegs als verloren gegeben werde. Und das tut soooo gut!
Ich wünsche Euch diese "wunderbare Freundschaft" von ganzem Herzen!
Liebe Grüße
Marlen
Re: Eines geschafft, das nächste vor mir
Verfasst: Mo 10. Jun 2013, 05:43
von Natascha
Marielle hat geschrieben:...In all dem Glücksgefühl fühle ich trotzdem einen Mangel; Sie hat nicht mit mir darüber sprechen können oder wollen. Ich bin sicher, dass es nicht daran liegt das sie es "totschweigen" will. Ihr fehlen wohl nur die Worte. Es ist nicht ihr Problem, es ist meins. Ich wünschte, sie würde mit mir, mit Marielle, reden können. ...
Gib Deiner Freundin etwas Zeit, dann wird das schon. Versuch nichts zu erzwingen. Ist doch irgendwo klar dass sie etwas Zeit brucht um sich daran zu gewöhnen. Das ist bei vielen Normalos so wenn man sich outet. Ich kenn das selber von meiner Outingzeit her. Manche kommen besser klar damit manche brauchen etwas. Versuch mir nur nicht zuuuu viel zu denken und bleib locker, dann wird das schon Liebes.
LG,
Tasha
Re: Eines geschafft, das nächste vor mir
Verfasst: Mo 8. Jul 2013, 01:32
von Marielle
Vielleicht interessiert es niemanden, eigentlich geht es auch nur wenige Menschen etwas an; trotzdem möchte ich gern etwas darüber schreiben, für mich. Ein ganz winziges Märchen, mit wenigen Darstellern. Aber es wird ein schönes Märchen, für mich.
Weiter oben hatte ich von Dingen berichtet, die mir wichtig waren, sind und bleiben. Insbesondere von einem für mich ganz wichtigen Menschen. Ich hatte ihr von mir erzählt, ihr davon erzählt was ich so treibe, wie ich bin, wer ich bin. Ich hatte eine scheiß Angst davor, dass ich eine Freundschaft verlieren könnte.
Erzählen und Erleben sind zweierlei Dinge, ich weiss. Eine kühn ausgesprochene Einladung: "Komm doch vorbei am nächsten Sonntag, es kommen nette Leute, Freunde; ein schöner Abend ist geplant". Ja, kühn! Ich wusste da schon das meine Worte fester, stärker sind als ich.
Nun war es Sonntag. Liebe Menschen waren bei uns, ein schöner Abend. Das Telefon! "Ich würd' gleich zu euch kommen." Ich hab's mir gewünscht, ich hatte Angst davor. Es wurde wunderschön.
Nur eines bleibt zu sagen: Danke! An die, die dabei waren, mir geholfen haben. Wie im Märchen...keine Freundschaft verloren, aus einer guten eine wunderbare gewonnnen!
Marielle
Re: Eines geschafft, das nächste vor mir
Verfasst: Mo 8. Jul 2013, 08:24
von Anne-Mette
Guten Morgen,
Wie im Märchen...keine Freundschaft verloren, aus einer guten eine wunderbare gewonnnen!
Das freut mich
Allerdings muss ich sagen - und mir ging es vor ein paar Tagen auch so bei einer Begegnung - es ist schon ein Problem, dass man teilweise Angst hat um Freundschaften oder um verwandtschaftliche Beziehungen.
Als wir vor ein paar Tagen lsogefahren sind, um einen Freund zu treffen, den wir lange nicht gesehen hatten, bemerkte ich bei meiner Frau eine gewisse Nachdenklichkeit.
Auf meine Frage hin stellte sie mir wiederum eine Frage: "weiß ..... davon?"
Nein, er wusste nicht. Es war aber kein Problem und wir haben nicht "darüber" gesprochen. Ich wollte nicht ausweichen, aber wir hatten andere Themen.
Gruß
Anne-Mette