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Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen
Verfasst: Do 6. Sep 2012, 16:07
von Anne-Mette
Aus dem Bundestag: Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen
Es ist immer wieder interessant, was im Bundestag behandelt wird - und was an "kleinen Anfragen" kommt, so dieses mal eine Anfrage der LINKEN
Recht/Kleine Anfrage
Mittels einer Kleinen Anfrage (17/10576) will sich die Fraktion Die Linke über die Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen in Deutschland informieren. Die Fraktion fragt die Bundesregierung unter anderem nach der Zahl der Menschen, die sich jährlich gegen oder ohne ihren Willen in einer psychiatrischen Einrichtung befinden. Darüber hinaus will sie wissen, wie viele medikamentöse Behandlungen psychisch erkrankter Menschen jährlich in Deutschland stattfinden, ohne dass der Behandelte zugestimmt hat.
Da bin ich schon mal auf die Antwort gespannt.
Gruß
CPG
Re: Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen
Verfasst: Do 6. Sep 2012, 18:18
von Lina
Heidi hat geschrieben:Mich würde auch interessieren, wie das in den neuen Bundesländern ist und wie sich die Zahl der Zwangsbehandelten von VOR 1989 zu heute geändert hat.
Das wäre mal wert, von der Linken(EX-SED) beantwortet zu bekommen.
Aber bitte die realen Zahlen.

Gibt es denn zuverlässige Zahlen von vor 1989?
Re: Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen
Verfasst: Fr 7. Sep 2012, 06:28
von exuser-23-02-2013
Heidi hat geschrieben:Mich würde auch interessieren, wie das in den neuen Bundesländern ist und wie sich die Zahl der Zwangsbehandelten von VOR 1989 zu heute geändert hat.
Die wissen halt, wovon sie sprechen ...
Andererseits muss ich eingestehen, dass ich die Frage überaus berechtigt finde, auch wenn sie von einer Partei kommt, die diesbezüglich moralisch sicher nicht die beste Adresse ist. Dennoch ist es ureigene Aufgabe der Opposition, auch solche Dinge immer wieder zu überwachen, handelt es sich dabei doch um massive Grundrechtsbeschränkungen und in der Regel auch um freiheitsentziehende Maßnahmen ohne wirkliche richterliche Kontrolle, da deren Beschlüsse vollständig von medizinischen Gutachten abhängen.
Re: Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen
Verfasst: Fr 7. Sep 2012, 07:25
von Salmacis
Jetzt lehne ich mich mal zurück und sehe zu, wenn "Wessis" über Sachen sprechen, von denen sie nur aus dem Fernsehen wissen ...
Aber nein, ich trage lieber konstruktiv zum Thema bei als mich populistischem Blödsinn hinzugeben.
Ich selbst habe meinen Dienst in einer psychatrischen Anstalt absolviert. Es ist ohne weiteres
nicht möglich jemanden Zwangseinzuliefern. Dies geschieht nur wenn diese Person straffällig wird in Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung z.b. Drogensucht, oder sich ein permanenter Zustand der Verwirrtheit einstellt und keine Aufsichtsperson da ist, z.b. Senior mit Alzheimer verirrt sich alleine irgendwo und wird aufgegriffen.
Und selbst dann haben Angehörige im Nachhinein das Recht, diesen zu "befreien". Es ist nicht so, dass da draußen ein Transporter herumführt und Leute die anders aussehen und reden in Zwangsjacken abtransportiert.
Und natürlich sitzen da teilweise Menschen gegen ihren Willen, vor allem in der Forensik

Oder auch die geistig behinderten, die auf Kleinkindniveau sind, auch die wollen lieber raus als hinter Sicherheitsschleußen zu sitzen, das geht aber meist nicht anders.
Und Medikamente gegen den Willen? Die Patienten müssen sie selbstständig nehmen, sie reißen sich nicht darum, aber geschluckt wird aktiv. Wenn ich unter Schmerzen ins Krankenhaus komme, kaum fähig vor Schrei und Krampf was zu sagen und am Tropf evtl. Morphium bekomme habe ich dazu auch nicht mein Einverständnis gegeben.
Manche psychisch Erkrankten wissen oftmals nicht was gut ist und was nicht. Die Psychotherapie und -analyse sind weitreichende Fächer, die wir hier ohne große Ausbildung, kaum fassen können. Und das schließt unsere Politiker mit ein, alle samt.
Re: Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen
Verfasst: Fr 7. Sep 2012, 07:46
von Sabrina Verena
Hallo!
Auch wenn ich beruflich aus einem anderen Bereich komme.
Erfahrungen in der Betreuung von psychisch kranken Menschen habe ich auch. Ich habe während meines Zivildienstes und anschließend, zusammen 4 Jahre in einer Therapeutischen Wohngruppe für autistisch Behinderte gearbeitet. Die Krankheitsbilder waren individuell, daher bekam Jede/r eine individuelle Therapie und entsprechende Neuroleptika. Die Bewohner/innen haben die Medikamente selber aktiv genommen. Nur wenn Eine/r ausgerastet ist musste er/sie ggf. ein Beruhigungsmittel zwangsweise einnehmen, uind dies auch nur zur Schadensabwehr. Die Bewohner/innen waren freiwillig in der Wohngruppe untergebracht, sie hätten jederzeit in die geschlossene des Landeskrankenhauses oder einer anderen Einrichtung wechseln können.
Wie Salmacis schon gesagt hat Zwangseinweisungen finden bei Straffälligkeit statt, sind aber nicht erfolgswirksam, da bei einer Therapie der Patient/ die Patientin selber aktiv an sich arbeiten muss. Daher sind Rückfälle hier die Regel.
LG
Verena
Re: Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen
Verfasst: Fr 7. Sep 2012, 11:29
von exuser-12-02-2013
Hallo
ich finde es ein bisschen ungerecht, die Linkspartei für die Untaten ihrer Vorgängerpartei verantwortlich zu machen. Insbesondere, weil die ganzen Parteibonzen von damals heute als lupenreine Demokraten in den großen Volksparteien sitzen.
Aber zurück zum Thema:
Ich habe gehört, dass Suizidgefährdete oder solche die es schon versucht haben, zwangseingewiesen werden.
Stimmt das, oder ist das nur ein Gerücht?
Re: Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen
Verfasst: Fr 7. Sep 2012, 11:51
von Sabrina Verena
Hallo Sophie, schön mal wieder von Dir zu lesen!
Ich kann nur aus meinem Umfeld berichten. Ein Mitglied meiner Familie hat mal aus Protest versucht sich das Leben zu nehmen. Eine Zwangseinweisung fand nicht statt. Aber noch im Krankenhaus wurden Gespräche geführt.
Liebe Grüße
Verena
Re: Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen
Verfasst: Fr 7. Sep 2012, 12:27
von exuser-23-02-2013
Sophie_90 hat geschrieben:Hallo
ich finde es ein bisschen ungerecht, die Linkspartei für die Untaten ihrer Vorgängerpartei verantwortlich zu machen. Insbesondere, weil die ganzen Parteibonzen von damals heute als lupenreine Demokraten in den großen Volksparteien sitzen.
Heute und nur die Bonzen - schön wäre es ja. Nach der Wende fusionierten heimlich still und leise CDU West und Ost sowie FDP und ihr ostdeutsches Pendant LDPD - und zwar nicht nur personell, also mitsamt einer großen Zahl an Wendehälsen, denn die Mitglieder in den anderen Blockparteien waren in der ganz großen Masse keineswegs oppositionell, sondern - viel wichtiger - auch bei den Parteivermögen. Und da in der DDR Partei(en) und Staat nicht wirklich sauber getrennt waren, wird über so manches gemunkelt, gerade die Wendezeit lässt sich aber kaum aufklären. Diesbzüglich unbelastet sind nur SPD (die Ost-SPD war ja eine Neugründung) und Grüne, die bekanntlich mit dem Bündnis 90 fusionierten. Ergo trifft Deine Aussage nicht auf die Volkspartei
en, sondern nur auf eine einzige Volkspartei, die auch gerade die Kanzlerin stellt, und deren Mehrheitsbeschafferin zu.
Die Linke, übrigens ein Zusammenschluss aus der SED äh PDS und der westdeutschen WASG, einer Truppe, die heute wahrscheinlich schon wieder in der Bedeutungslosigkeit versunken wäre, hat übrigens nie Kehraus gehalten und auch die Vermögensverhältnisse - siehe oben - wurden nie wirklich bereinigt. So viel zu diesem Thema, die "arme" Linke steht in diesem Fall nicht zu Unrecht in einem zweifelhaften Licht.
Sophie_90 hat geschrieben:Aber zurück zum Thema:
Ich habe gehört, dass Suizidgefährdete oder solche die es schon versucht haben, zwangseingewiesen werden.
Stimmt das, oder ist das nur ein Gerücht?
Ein Gerücht, welches nicht tot zu kriegen ist. Hier hängt vieles vom Arzt und dessen Einschätzung ab, wobei in solch Fällen sich auch die Richter durchaus ein eigenstädiges Bild machen, denn auf deren Beschluss kommt es letztlich an. Es gibt keine Rechtsgrundlage, die eine Selbsttötung verbietet oder auch nur den Staat veranlassen würde, hier präventiv zu agieren, soweit für die Suizidabsicht keine Erkrankung kausal ist und damit beißt sich die Katze in den Schwanz. Eine Krankheit kann zur Zwangseinweisung führen, muss es aber nicht, ohne Krankheit ist eine zwangsweise Einweisung rechtlich nicht haltbar.
Re: Zwangsbehandlung psychisch erkrankter Menschen
Verfasst: Fr 7. Sep 2012, 14:33
von exuser-12-02-2013
Danke für die Erklärungen.
Die ganze Sache scheint wohl etwas aufgebauscht zu sein, bin aber trotzdem auf die Antwort der Bundessregierung gespannt. Wie lange dauert es eigentlich, bis die Anfrage bearbeitet ist?