Seite 1 von 1
Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: So 30. Okt 2011, 23:30
von Anne-Mette
Auf atme-ev.de heißt es:
"Es sind Guidelines in Form von Empfehlungen, die menschenrechtskonform sind und den medizinischen State of the Art repräsentieren. Sie stellen damit international ein absolutes Novum dar, gehen die anderen international gebräuchlichen Richtlinien doch alle von einem Pathologiekonzept aus und stellen damit gemäss der Kritik des Europäischen Menschenrechtskommissars eine Verletzung der Menschenrechte dar." So Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Udo Rauchfleisch in seinem Geleitwort. Damit erteilen diese Guidelines, wie auch Prof. Dr. Udo Rauchfleisch den deutschen "Standards zur Behandlung und Begutachtung Transsexueller" wie auch den internationalen "Standards of Care" eine klare Absage.
http://atme-ev.de/index.php?option=com_ ... n&Itemid=2
Re: Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: Mo 31. Okt 2011, 07:33
von wonsti
Was das "Pathologiekonzept" betrifft, ist der Umgang bei heutiger Rechtslage eine Gratwanderung.
Würde man keine "Krankheit" zugrunde legen, wäre die Basis für ärztliches Wirken, egal welcher Disziplin, das von Kassen getragen wird, nicht gegeben.
Erstmal wäre das auch nicht im Interesse des einzelnen.
Re: Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: Mo 31. Okt 2011, 08:13
von Anne-Mette
Moin,
der Satz
"Transsexualität gehört sicherlich zu den am besten erforschten Phänomenen, weshalb es hier auch kaum noch offene Fragen gibt."
Das ist mir auch "aufgestoßen".
Wenn ich hier Informationen und Links veröffentliche, so geht damit nicht automatisch eine (positive) Wertung einher.
Aber sicherlich sind solche Empfehlungen eine Diskussionsgrundlage.
Es werden in dem Artikel Mitarbeitende genannt, die sich durchaus "Lorbeeren verdient haben" für ihren Einsatz für transidentische Menschen. Da ist natürlich auch Herr Prof.emer.Dr. rer.nat. Udo Rauschfleisch zu nennen und hervorzuheben.
Gruß
CPG
Re: Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: Mo 31. Okt 2011, 10:53
von Anne-Mette
Moin,
natürlich sollte das Wort der Betroffenen Grundlage für eine menschenwürdige Begleitung sein.
Wenn man sich mit dem Thema Transidentität auseinandersetzt, erlebt man, dass es Bestrebungen gibt, wesentliche Verbesserungen zu erreichen. Andererseits ist es natürlich ein "Markt", der etlichen Leuten ein gutes Einkommen sichert und der bei "genormten Voraussetzungen" besser zu bedienen ist.
"Transsexualität gehört sicherlich zu den am besten erforschten Phänomenen, weshalb es hier auch kaum noch offene Fragen gibt."
Aber "so ganz ohne Fragen" ist das Them auch für Experten nicht, wie z.B. das Buch "Transsexualität - Transidentität - >>Begutachtung, Begleitung, Therapie<< (Udo Rauchfleisch) zeigt.
Da wird auch beschrieben, wie sich der Weg in den letzten Jahren entwickelt hat. Leider ist der allerneueste Stand der Gesetzteslage noch nicht berücksichtig. Das ist der Nachteil an Büchern; Teile werden oft von Änderungen überholt.
Ich weiß überhaupt nicht, wie der o.g. Satz in die Empfehlungen gelangen konnte(?)
Ich schrieb, dass meiner Meinung nach das Wort der Betroffenen Grundlage sein sollte für eine weitere Vorgehensweise. Leider haben nicht viele Betroffene die Kraft, neben dem persönlich schwierigen Weg politische Arbeit zu leisten. Weiterhin handelt es sich bei den Betroffenen natürlich nicht um eine feste Gruppe - ganz zu schweigen davon, dass die Lobby für so eine "Minderheit" sehr klein ist und man aus diesem Grund kaum mit Unterstützung rechnen kann.
Gruß
CPG
Re: Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: Mo 31. Okt 2011, 14:46
von Anne-Mette
Moin,
da muss ich Dir mindestens teilweise widersprechen.
So schreibt z.B. Rauchfleisch in dem von mir benannten Buch:
"Die Änderung im Verständnis des Transsexualismus hat sich auch in der Bezeichnung niedergeschlagen. So wird heute statt Transsexualismus zum Teil auch der Begriff der Transidentität verwendet. Damit soll ausgedrückt werden, dass es sich nicht in erster Linie um die Sexualität und ihre Ausrichtung geht, sondern um die Frage der Identität".
und weiter
"Da mir beim Abrücken vom Pathalogiekonzept der Begriff Transidenttät zutreffender zu sein scheint...werde ich sie im weiteren Verlauf meiner Darstellung verwenden."
Weiter Beispiele in der Fachliteratur gibt es.
Gruß
Anne-Mette
Re: Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: Mo 31. Okt 2011, 16:44
von Anne-Mette
Man muss natürlich beachten, dass diese "Empfehlungen"
international zu sehen sind
Es sind Guidelines in Form von Empfehlungen, die menschenrechtskonform
sind und den medizinischen State of the Art repräsentieren. Sie stellen damit international
ein absolutes Novum dar, gehen die anderen international gebräuchlichen Richtlinien
doch alle von einem Pathologiekonzept aus und stellen damit gemäss der Kritik des Europäischen
Menschenrechtskommissars eine Verletzung der Menschenrechte dar.
Auch wenn wir "ein Europa" sind, gibt es doch in den einzelnen Ländern für transidentische Menschen durchaus sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Bedingungen. Die Empfehlungen stammten aus der Schweiz; sie sind also nicht als "deutsche Gebrauchsanweisung" misszuverstehen - sondern als Diskussionsbeitrag nach der Kritik des Europäischen Menschenrechtskommissars wegen der Verletzung der Menschenrechte im Zusammenhang mit Einstufung "Transidentität/Transsexualität=Krankheit".
Gruß
CPG
Re: Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: Di 8. Nov 2011, 10:19
von Cybill
Michi2011 hat geschrieben:Eine irritierende Aussage auf dem Link:
"Transsexualität gehört sicherlich zu den am besten erforschten Phänomenen, weshalb es hier auch kaum noch offene Fragen gibt."
Wenn es tatsächlich so wäre, aus welchen Gründen ist es für uns TS so schwer, selbst im medizinischen Bereich (einschließlich Psych) akzeptanz zu erhalten? Recht häufig werden wir selbst von diesen Menschen "belächelt"!
Vielen Dank für den Link, CPG.
Gruß Michi
Michi spricht hier ein Grundproblem der Debatte an:
Die Auseinandersetzung mit dem Pänomenen des Abweichens geschlechtlichen Erlebens findet immer unter der bewussten und unbewussten Einbeziehung eigenem Erlebens statt. Wissenschaftlichkeit im Sinne von Objektivität und Reliabilität ist daher nur äußerst schwer zu erreichen. Daher ist die Kritik an der Aussage absolut angebracht. Nach meinem Kenntnissstand ist diese Behauptung auch nicht haltbar.
Was die Rüge an die Psychologen betrifft, so muss ich ebenfalls beipflichten. Möchte aber zu Bedenken geben, dass die Mehrzahl derer, die dieses Fach studiert haben und studieren, selbst von "Störungen" im Erleben und Verhalten betroffen sind.
Dummerweise therapiert kaum jemand aus, bevor er/sie das Studium beginnt. (Schuster/Schuh-Phänomen) Dazu gesellt sich die häufig mangelhafte persönliche Reife der Studienabgänger, die in er Regel keine anderen beruflichen und gesellschaftlichen Einblicke genossen haben.
Daher bitte ich um eine Generalamnestie für eine Branche, die vergessen hat, was Qualia* sind.
* die
http://de.wikipedia.org/wiki/Qualia
bringt es gut auf den Punkt. Daher kann man/frau nur selbst feststellen, was man/frau ist.
Gruß
Cybill
Re: Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: Di 8. Nov 2011, 10:22
von Anne-Mette
Moin,
Daher bitte ich um eine Generalamnestie für die Branche.
Das könnte Dir so passen
Aber vielleicht hast Du bei der katholischen Kirche mehr Glück, da gibt es zwar keine Amnestie, aber...
Gruß
Anne-Mette
Re: Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: Di 8. Nov 2011, 10:27
von Cybill
Dann wenigstens Mitleid für die halbwegs Seriösen!
Re: Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: Di 8. Nov 2011, 20:30
von Bianca D.
Cybill hat geschrieben:Dann wenigstens Mitleid für die halbwegs Seriösen!
OK! Ist dir gewährt
LG Bianca
Re: Guidelines Transsexualität: Die "Altdorfer Empfehlungen“
Verfasst: Do 10. Nov 2011, 22:58
von Piaandreas
Katharina hat geschrieben:Ich betrachte mich als gesund (im Sinne unseres Themas), und kein Psychologe bekommt mich in seine Praxis, um mir via Gutachten zu bestätigen, dass ich dem "gewünschten Krankheitsbild" entspreche. Trotzdem kann ich nahezu 24/7 öffentlich als Frau leben und nehme unvermeidbare Einschränkungen - auch die körperlichen "Nachteile" , die mich schlichtweg nicht mehr interessieren, als das kleinere Übel hin, denn: Das bin ICH!
LG Katharina
Hallo Katharina,
Zustimmung !! Als ich angefangen habe so zu leben war es dass was ich wollte, aber jetzt ca 2 Jahre später habe ich festgestellt das ich mehr möchte und mich damit "anfreunden" muss, dem "gewünschten Krankheitsbild" zu entsprechen.
Ich habe für mich festgestellt das die Entscheidung den Weg der Pia weiterzugehen genauso schwierig gewesen ist wie damals das Outing!
LG Pia