Na, das hat ja nicht lange gedauert bis zum ersten Kniesehnen-Reflex-Spruch. Ich finde diese Standard-Reaktionen so ermüdend. Nicht nur die üblichen Pauschal-Reflexe gegen bestimmte Religionen, sondern auch die Phrasen aus der Politik, die schon so erwartbar und vorhersagbar sind, dass ich die Texte fast mitsprechen kann. Ich bin deshalb nicht "geschockt". Nicht mal überrascht. Die eigentliche Frage war eher, aus welcher Richtung irgendetwas passiert, so vergiftet und zum Kulturkampf das Thema Queerness inzwischen gemacht wird.
Es ist übrigens nicht mal sicher, ob das eine speziell queerfeindliche Tat war, oder die Veranstaltung "nur" eine passende Gelegenheit war, um viele Menschen zu erwischen. Der Tatort war einige hundert Meter von der Veranstaltung entfernt. Es ist auch noch lange nicht sicher, wer wen angestachelt und vielleicht gesteuert hat.
Aber selbst wenn explizite Queerfeindlichkeit im Spiel sein sollte, naheliegender Verdacht, sollten alle, wirklich alle beschämt die Klappe halten, die ansonsten alles mögliche "zu woke", "zu viel Regenbogen", "zu viel Sternchen" finden, die "in Vielfalt kein Staatsziel" sehen und die reaktionäre cis-binär-hetero Konventionen durchsetzen wollen. Alles, was ich jetzt von Merz, Klöckner, usw höre, ist pure Heuchelei, die ihren kleinen, aber in der Breite merkbaren Anteil an Queerfeindlichkeit im Alltag schlicht und absichtsvoll ignoriert.
Es sollten auch alle beschämt die Klappe halten, die jetzt einseitig auf eine bestimmte Menschengruppe verweisen, statt die ganze Bandbreite an Queerfeindlichkeit endlich zur Kenntnis zu nehmen. Diverse CSDs, andere queere Veranstaltungen und einzelne Personen wurden und werden systematisch von Rechtsextremen angegriffen - neben der allgemeinen Diskriminierung, dem Entzug von Geldern, usw. Gestern wurde der CSD-Demo-Zug in Berlin von einem Balkon aus mit Softair-Munition beschossen. Neonazi-Schläger terrorisieren einzeln und in Gruppen CSDs und andere. In den letzten 10 Jahren haben sich die angezeigten queerfeindlichen Taten verzehnfacht. Rechtsextreme und Religiöse aller Couleur geben sich da nichts. Aber die massgebliche Politik stellt Programme zum Schutz queeren Lebens und zur Demokratieförderung ein.
Der "Hintergrund" ist deshalb aus meiner Sicht eher zweitrangig und deshalb finde ich jeden Fingerzeig auf eine einzelne queerfeindliche Ideologie wirklcih zum

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Aber natürlich wird dieser Vorfall jetzt von den "gesichert rechtsextremen" bis weit in die "bürgerliche Mitte" hinein pauschal gegen migrantisierte Menschen und bestimmte Religionen instrumentalisiert werden - und damit auch queere Menschen unwillkommen umarmt. Aber sorry: Es geht nicht um Religion und nicht um migrantisierte Menschen. Es geht um Feindlichkeit gegen queere Menschen aller Art. Es geht um die Opfer.
Also: Trauer und Bestürzung sind angemessen. Jegliche Fingerzeige allein auf "die da" sind verwerfliche instrumentalisierende Heuchelei.