Mein Weg zu mir selbst
Verfasst: Fr 29. Mai 2026, 18:43
Ich möchte hier mal in unregelmäßiger Regelmäßigkeit ein wenig über meinen Weg zur mir selbst berichten.
Warum, werdet ihr vielleicht fragen, sind doch die Geschichten oft identisch. Das stimmt, aber dennoch ist ja jede Geschichte, jeder Weg individuell und daher, wie ich finde, gleichberechtigt. Und ich mache es für mich. Nach vielen Jahren des Unterdrückens, des Seineigenesichverleugnens bin ich auf meinem Weg zu mir selbst wieder angekommen.
Angefangen hat mein Weg sicherlich vor mehr als 40 Jahren. Ich war um die 10 / 11 Jahre alt und las in einem Magazin - ich meine, es war der Stern - einen Bericht über einen Transvestiten.
Den Begriff kannte ich nicht und er hat, wie ich finde, heute auch eher etwas abwertendes, aber zu der Zeit war er normal. Also las ich diese Geschichte und ich fand es spannend, ja, sehr ansprechend. Ich weiß nicht mehr, was ich genau fühlte, aber irgendwie konnte ich mich in den Mann hineinversetzen, ihn verstehen, dass er sich in Rocke und Kleider hüllte. Und der Artikel sprach eine Sehnsucht tief in mir an. Zumindest war da dieses Gefühl, mich auch gerne schön zu kleiden, nicht nur Hose und T-Shirt. Ich habe die Mädchen in meiner Schule schon früh beneidet, wenn sie im Sommer mit kurzen Röcken in die Schule kamen. Warum darf ich das nicht? In den 80ern war die Gesellschaft noch nicht so weit. Dazu kommt mein Aufwachsen auf dem Dorf bzw. in einer kleinen Stadt und einem katholisch geprägten Elternhaus. Da wurde selbstverständlich nicht über solche komischen Dinge gesprochen, dass ein Junge gerne einen Rock anziehen möchte und sich die Haare länger wachsen lassen möchte. Mir blieb also nur die sehr knappe Zeit, wenn ich mal alleine zu Hause war, mich auszuprobieren. Zu der Zeit wurden die Altkleider noch 2 x im Jahr vom Roten Kreuz eingesammelt und die Säcke standen im Keller, auch von den anderen Hausbewohnern. Das war "mein Kleiderschrank", eine wahre Schatzkiste. Und es gab noch Schuhe mit etwa 5 cm hohen Absätzen, die mir sogar noch etwas zu groß waren und doch einiges an Akrobatik erforderten.
So ging das einige Zeit. Ich fühlte mich in Röcken und Blusen einfach wohl. Dazu kamen dann die Strumpfhosen meiner Mutter und unter der Bluse kamen dann Socken als kleine Brüste. Das war für mich so einfach stimmig. Dann kam die Traurigkeit, wenn ich wieder in den Jungenmodus zurück musste.
Und auch die Scham, da es ja sicher eine Sünde ist, was ich mache. Die katholische Erziehung hat hier lange nachgewirkt. Aber ich konnte nicht ohne. Dieses Gefühl auf der Haut was das Eine, aber die Zufriedenheit der Seele der doch wichtigere Teil. Eines Tages wollte ich gerne mal eine weiße Strumpfhose probieren. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und ging in den Plus bei uns in der Straße. Die hatten welche in weiß, das wusste ich. Aber ich schämte mich und kaufte noch Schokolade und eine Müllermilch. So fällt es nicht so auf, dass die für mich ist, dachte ich. Denn jeder musste es mir bestimmt ansehen, dass ich die für mich wollte, dass ich ganz schlimme Dinge mache. Ich glaube, mein Kopf war hochrot an der Kasse, dass man damit Schmerzen hätte heilen können. Da es noch kein Internet gab, konnte ich mich nicht austauschen, nicht schöne Sachen einfach bestellen. Es gab nur die Versandkataloge und ich war ja noch nicht volljährig.
Rückblickend kann ich heute sagen, dass ich gerne in einer offeneren Gesellschaft aufgewachsen wäre, wo die Identität nicht in Stein gemeißelt war. Aber das kann ich nicht ändern und ich bin auch meinen Eltern nicht böse, da sie ja auch durch ihr Elternhaus entsprechend geprägt wurden und zu einer anderen Generation gehören. Und so bin ich froh, dass ich heute wieder auf meinem Weg bin. Aber bis es so weit war, ist doch noch sehr viel passiert. Das ist dann etwas für den nächsten Teil meiner Geschichte hier.
Dann möchte ich noch Danke sagen, wenn ihr es bis hierher geschafft habt zu lesen.
Warum, werdet ihr vielleicht fragen, sind doch die Geschichten oft identisch. Das stimmt, aber dennoch ist ja jede Geschichte, jeder Weg individuell und daher, wie ich finde, gleichberechtigt. Und ich mache es für mich. Nach vielen Jahren des Unterdrückens, des Seineigenesichverleugnens bin ich auf meinem Weg zu mir selbst wieder angekommen.
Angefangen hat mein Weg sicherlich vor mehr als 40 Jahren. Ich war um die 10 / 11 Jahre alt und las in einem Magazin - ich meine, es war der Stern - einen Bericht über einen Transvestiten.
So ging das einige Zeit. Ich fühlte mich in Röcken und Blusen einfach wohl. Dazu kamen dann die Strumpfhosen meiner Mutter und unter der Bluse kamen dann Socken als kleine Brüste. Das war für mich so einfach stimmig. Dann kam die Traurigkeit, wenn ich wieder in den Jungenmodus zurück musste.
Rückblickend kann ich heute sagen, dass ich gerne in einer offeneren Gesellschaft aufgewachsen wäre, wo die Identität nicht in Stein gemeißelt war. Aber das kann ich nicht ändern und ich bin auch meinen Eltern nicht böse, da sie ja auch durch ihr Elternhaus entsprechend geprägt wurden und zu einer anderen Generation gehören. Und so bin ich froh, dass ich heute wieder auf meinem Weg bin. Aber bis es so weit war, ist doch noch sehr viel passiert. Das ist dann etwas für den nächsten Teil meiner Geschichte hier.
Dann möchte ich noch Danke sagen, wenn ihr es bis hierher geschafft habt zu lesen.