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Wie geht man damit um?

Verfasst: So 12. Okt 2025, 10:37
von Vincent
Mein Sohn ist seit ein paar Jahren in psychotherapeutischer Behandlung.
Es macht auf alle Beteiligten, meine Frau, mich meinen Sohn und den Therapeuten den Eindruck, dass alles zusammenpasst, gut läuft und mein Sohn liebt es dort hinzugehen, soweit also alles bestens.

Bei der Therapie sind natürlich auch die Eltern regelmäßig in Elterngesprächen über den Verlauf und zum Feedback der Lebensumstände des Patienten einbezogen, natürlich nicht über den Inhalt der Therapie selbst.
Zu einem dieser Gespräche vor vielleicht 3 Jahren trug ich, ganz unbedarft, ein Kleid.
Das wurde zu meiner Überraschung unmittelbar zum Thema des Therapeuten.
Mein Sohn hätte das noch nie erwähnt.
Ob ihn das belasten würde, wie wir damit zuhause umgingen usw.
Meine Frau und ich sagten ihm absolut einig und überrascht, dass das bei uns, bei unseren Söhnen und in unserer Umgebung schlicht kein Thema sei, einfach nur Kleidung.

Seitdem kommt bei fast jedem Treffen irgendwie, und sei es nur in ein er Radbemerkung, das Thema auf, obwohl der Therapeut angemerkt hat, dass er bei meinem Sohn nachgefragt hat, wie er seinen Vater in einem Rock sieht. Als Antwort erhielt er wohl sowas wie verständnisloses Achselzucken ob dieser Frage.

Beim vorletzten Treffen, ich trug einen kurzen Rock und eine gemusterte Strumpfhose“ ging mir fast der Hut hoch, als mir der Therapeut „lobte“, dass ich „ES“, was immer er auch damit meint, nicht nur im Keller ausleben würde, sondern fast wie selbstverständlich im normalen Leben.
Ich fuhr ihm massiv über dem Mund, dass es schlicht Kleidung sei, und es unerheblich sei ob einröhrig oder zweiröhrig und vor allem, dass nicht ICH das Thema hier sei.

Das saß – dachte ich, bis er am Freitag wieder mit einer kleinen Spitze ums Eck kam, obwohl ich ganz normalmännlich Jeans und Sweatshirt trug.
In anderem Zusammenhang würde ich vermutlich sagen, es gibt auch andere Anbieter einer Dienstleistung, hier ist das natürlich etwas anderes – alleine überhaupt einen Therapeuten zu finden und dann noch einen, der so gut passt – da überwiegen die Bedürfnisse meines Sohnes.

Eigentlich bräuchten der Therapeut und ich mal ein längeres persönliches Gespräch, am besten bei mir zuhause, damit er sehen kann und verstehen, was Sache ist und nicht in seinen Kopf will.
Das ist einerseits unrealistisch, andererseits wäre es mich auch zu blöd.
Ich muss mich doch nicht erklären, warum ich manchmal lieber ein Kleid als eine unbequeme Jeans trage.

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: So 12. Okt 2025, 10:45
von ExUserIn-2026-04-08
Vincent hat geschrieben: So 12. Okt 2025, 10:37 überhaupt einen Therapeuten zu finden und dann noch einen, der so gut passt
Wie passt diese Aussage zu Deinem Problem mit dem Therapeuten ?

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: So 12. Okt 2025, 11:01
von Jaddy
Stark bleiben! Gerade weil das für euch inkl euren Sohn kein Thema ist, sollte dieser Therapeut mal auf seine eigenen Probleme hingewiesen werden, die er offenbar hat, wenn Menschen nicht binär-klischeeig genug sind.

Ich denke, ich würde den Spiess umdrehen und seine Fixierung problematisieren. Ob ihn das nicht in seiner Professionalität beeinträchtigt. Ob er das schon mal in der Supervision angesprochen hat. Wie er im Alltag mit diesem Problem lebt. Und_oder ganz anders spiegeln: Loben, dass er mit der Nase so unbefangen in die Öffentlichkeit geht. Was denn seine Familie und Freunde dazu sagen. Irgend sowas.

Das ganze hat schon einen ernsten Hintergrund, denn wenn er offenbar nicht davon lassen kann, könnte das auch auf die Therapie deines Sohnes durchschlagen.

Naja, du wirst das schon machen :)

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: So 12. Okt 2025, 11:06
von Céline
Guten Morgen,
Therapeuten und Psychologen stellen oft Frafen die vielleicht unbequem oder gar unverständlich erscheinen. Meine Therapeutin die mich 7 Jahre begleitete aber die Psychologen und meine Psychologin die meine Gutachten erstellten und meine erste Begegnung mit Psychologischer Hilfe waren stellten mir oft Fragen die ich im Moment nicht verstand. Manchmal sogar etwas verärgerten. Doch in ruhigen Momenten in denen ich Zeit hatte über mich und mein Leben nachzudenken verstand ich den Zusammenhang der Fragen und Kommentare.
Zudem geht es ja um Euer Kind und vielleicht gibt es ja Dinge die zuhause nicht besprochen werden und unter Umständen etwas anderes noch im Raum steht. Ich weiß ich schreibe da etwas was vielleicht fragwürdig erscheint aber ich bin da sehr ehrlich.
Viele Grüße

Céline

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: So 12. Okt 2025, 15:04
von Joo
Hallo Ihr,

ich finde ja, zumindest hinterfragen und sich ein Bild vom familiären Hintergrund seines Patienten darf und muss sich der Therapeut machen. Ich selbst sehe mich als non-binären Transgender und bin dennoch immer überrascht, wenn mir auf der Straße eine Seelenverwandte begegne. So selbstverständlich ist es also auch heute noch nicht, als Mann in Frauenkleidern in die Öffentlichkeit zu gehen.
triage hat geschrieben: So 12. Okt 2025, 11:28 Dazu möchte ich anmerken, dass es verhältnismäßig ist den Therapeuten darauf hinzuweisen, dass du nicht willst das er Bemerkungen über deine Kleidung macht Du kannst ihm ganz ruhig sagen, dass du dir die einzelnen Vorfälle notiert hast und dir vorbehältst, ihn aufgrund unprofessioneller dem Berufsverband zu melden, ggf. auch aufgrund sexualisierender/ diskriminierender Bemerkungen, durch die du dich belästigt/herabgewürdigt gefühlt hast, anzuzeigen. Aber eher normal sprechen und wenn möglich, die Stimme gleichgültig klingen lassen. Schau dabei etwas desinteressiert, so als ob du einen Goldfisch im Glas betrachtest.


Ich weiß nicht, ob eine solche zuspitzend-aggressive Herangehensweise im Interesse des Patienten ist. Es geht hier ja nicht um die Befindlichkeit des Vaters, sondern um den Sohn. Ich denke mal, ein gewisses Grundvertrauen sollte schon vorhanden sein, oder ich würde den Therapeuten wechseln.

LG Joo

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: So 12. Okt 2025, 15:43
von Momo58
Wie geht man damit um? Ich würde klar Stellung beziehen: ja ich bin enby und bin glücklich damit und die Probleme meines Sohnes liegen mir am Herzen.

Was deine sonstigen Schilderungen angeht, habe ich den gleichen Eindruck wie einige hier: dem Therapeuten würde eine Supervision sicher gut tun, oder eine Weiterbildung in Sachen LSBTIQ+.

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: So 12. Okt 2025, 16:45
von Nico
Ich persönlich finde es extrem unprofessionell immer wieder darauf zurückzukommen, obwohl es offensichtlich keine Rolle in der Therapie spielt.
Hatte selber mal eine Therapeutin, die mich immer wieder gefragt hat, auf welches Geschlecht ich stehe, obwohl ich ihr die Frage schon beantwortet habe und für mich auch keine Rolle gespielt hat. Das hat natürlich die Therapie behindert.
Da es die Therapie von deinem Sohn ist, finde ich es am wichtigsten, dass er sich wohl fühlt und es ihm weiterhilft. Ob du mit dem:der Therapeut:in klar kommst, ist zweitrangig.
Wenn du das Gefühl hast, dass es sich negativ auf die Therapie oder verschiedene Beziehungen auswirkt, wurde ich schauen, ob es eine Alternarive gibt. Davon unabhängig würde ich nochmal sehr deutlich von deiner Seite aus das Gespräch suchen.

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: So 12. Okt 2025, 18:54
von Miranda Cruz
Obwohl ich keine Therapeuten kenne und nicht weiss, wie die ticken, habe ich das Gefühl, der hier hat selber ein Problem. Er fühlt sich unsicher in deiner Gegenwart und ihm ist so unwohl bei deinem Anblick, dass er Spitzen austeilen muss.
Nach all diesen Vorfällen wäre mir an deiner Stelle nicht mehr wohl bei dem Gedanken, dass er mit deinem Sohn während der Therapie allein ist.

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: So 12. Okt 2025, 19:53
von Magdalena
Hallo,

ich weiß jetzt nicht, warum ist Dein Sohn in der Therapie. Und was soll mit der Therapie erreicht werden. Welchen Einfluss des sozialen Umfeldes kann auf Deinen Sohn wirken.
Ich erinnere mich an die Sitzungen bei meinem Psychologen. Er wollte/musste herausfinden ob bei mir eine Identitätstörung (Mann zu Frau) vorhanden ist. Wie ist mein soziales Umfeld. Wie beeinflusst es mich. Mein Psychologe stellte dazu viele Fragen, auch unangenehme.
Viel hatte mit Vertrauen zu tun. Meinem Psychologen schenkte ich das Vertrauen und legte mein damaliges Leben auf den Tisch. So konnte er mein wahres Ich erkennen.
Also kann ich nur sagen, sprecht offen mit dem Therapeuten.
Sollte aber weiterhin mit dem Therapeuten alles aus dem Ruder laufen, bleibt nur sich einen anderen Therapeuten zu suchen. Auch ich war mit meinem ersten Psychologen unzufrieden. Erst nach einem Wechsel zu einem anderen Psychologen wurde ich ernst genommen.

Viele liebe Grüße von Magdalena

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: So 12. Okt 2025, 23:39
von Frieda
Hallo Vincent❣️

Ich hab mir deinen Post und alle Reaktionen durchgelesen.
Höchstwahrscheinlich wurde auch schon alles gesagt.
Ich selbst und auch meine Kinder, wir waren jeder schon in Therapie, um unsere Vergangenheit aufzuarbeiten. In diesen Jahren habe ich/wir die Erfahrung gemacht, dass das Verhältnis (die Chemie) zwischen Therapeut und Klient/Patient essenziell ist❣️
Und mMn ist es egal, wie gut die Beziehung zwischen deinem Sohn und dem Therapeuten ist. Die Elternteile können nicht vollkommen ausgeschlossen werden und deswegen denke ich, dass die Beziehung vom Therapeuten und dir, immer Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Therapeuten und deinem Sohn haben wird.
Wie gesagt es ist meine persönliche Meinung❣️
Und ... Ich würde definitiv einen anderen Therapeuten suchen, auch wenn ich äußerst lange Wartezeiten in Kauf nehmen müsste❣️

Ich wünsche dir/euch von Herzen alles ALLES Gute❣️

🙏

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: Mo 13. Okt 2025, 08:17
von Olgy
Für viele Menschen ist das Thema "Crossdressing" und "Nichtbinarität" ein unbekanntes Land und Psychologen sind nur Menschen.
Als ich meinem Therapeuten zuhause das erzählte, hat er erst über Fetisch geredet, dan het er mich als "Großdresser" benannt :lol:
Und zuletzt redet er über meine feminine Seite als von der anderen Person.
Einziges, was du da machen kannst-den Therapeuten aufklären.
Und klar die Grenzen setzen

Gruß
Olgy

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: Mo 13. Okt 2025, 09:45
von Maya
Vincent hat geschrieben: So 12. Okt 2025, 10:37 Es macht auf alle Beteiligten, meine Frau, mich meinen Sohn und den Therapeuten den Eindruck, dass alles zusammenpasst, gut läuft und mein Sohn liebt es dort hinzugehen, soweit also alles bestens.
Vincent hat geschrieben: So 12. Okt 2025, 10:37 Zu einem dieser Gespräche vor vielleicht 3 Jahren trug ich, ganz unbedarft, ein Kleid.
Das wurde zu meiner Überraschung unmittelbar zum Thema des Therapeuten.
Mein Sohn hätte das noch nie erwähnt.
Ob ihn das belasten würde, wie wir damit zuhause umgingen usw.
Diese Konstellation ist sicher auch für einen Therapeuten höchst selten.
Kind in Behandlung; Papa kommt im Kleid/Rock dazu.
Ich denke eher, der missbraucht euch als Studienobjekte. Dazu sogar noch bezahlt.
Eine extrem seltene Chance für ihn, sich weiterzubilden.

Dem käme ich genau so bei, wie Jaddy es beschrieben hat.
Stell den mal gewaltig in den Senkel, dann hält der künftig auch den Ball flach.

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: Mo 13. Okt 2025, 11:10
von Vincent
Danke für Eure vielen Antworten und verschiedenen Meinungen (dr)

Weil die Frage aufkam:
Grund für die Therapie meines Sohnes ist sein ausgeprägtes ADHS, Ziel ist ihm zu helfen seine Impulse besser zu erkennen und zu kontrollieren - er ist auf einem sehr guten Weg.

Es ist also keinerlei familiärer Hintergrund vorhanden, der es erfordern oder rechtfertigen würde, auf die Besonderheiten der Eltern einzugehen, bzw. sie zu hinterfragen. Das wäre eher bei meinem jüngeren Sohn begründet, der gerne Kleider trägt und es auch manchmal mag für ein Mädchen gehalten zu werden.

Daher sehe ich auch keinerlei Gefahr dass "mein" Thema Einfluss auf die Therapie haben könnte - es nervt nur mich persönlich, ebenso wie meine Frau. Es ist mittlerweile so, dass ich mir Gedanken mache was ich trage, ob ich meine Ruhe will, oder ihn "provozieren".
Nennenswerte Gedanken mache ich mir, außer zu besonderen Anlässen, sonst nie über meine Kleidung im Bezug auf Geschlechtskonformität, weder privat, noch beruflich.

Was mir zu denken gibt, ist dass dieser Therapeut, seiner Aussage nach auch jugendliche Patient:innen hat, bei denen die Geschlechtsidentität ein Thema ist.
Ich frage mich reagiert er so weil oder obwohl er dieses Thema kennt?
Vermutlich passe ich nicht in seine Schemata schon gar nicht was das Alter betrifft und damit, dass das für mich alles kein Thema mehr ist, dass einer Bearbeitung bedarf.

Ich glaube künftig erde ich seine Bemerkungen ignorieren und versuchen mich nicht zu ärgern

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: Mo 13. Okt 2025, 12:45
von Frieda
Vincent hat geschrieben: Mo 13. Okt 2025, 11:10 Weil die Frage aufkam:
Grund für die Therapie meines Sohnes ist sein ausgeprägtes ADHS, Ziel ist ihm zu helfen seine Impulse besser zu erkennen und zu kontrollieren - er ist auf einem sehr guten Weg.
Hallo Vincent, ich melde mich nochmal ganz kurz zu Wort❣️

Wenn ichs durch meine Tochter nicht wüsste, würde ich nicht nochmal schreiben.
Meine Tochter ist Ergotherapeutin und therapiert regelmäßig (mehrmals pro Woche) Kinder mit ADS und/oder ADHS. In der Ausbildung wird dieses Thema beim Beruf des Ergotherapeuten definitiv behandelt und geschult. Auch Praktikas im Bereich der Pädiatrie gehören dazu.

Falls euer Sohn schon in Ergotherapie ist, dann vergiss meinen Post.😉
Falls nicht, vielleicht ist es ja eine Anregung/Idee❣️

🙏

Re: Wie geht man damit um?

Verfasst: Mo 13. Okt 2025, 13:04
von Frieda
Maya hat geschrieben: Mo 13. Okt 2025, 09:45 Diese Konstellation ist sicher auch für einen Therapeuten höchst selten.
Kind in Behandlung; Papa kommt im Kleid/Rock dazu.
Hallo Maya❣️👋

Ähm ich traue mich mal zu sagen, dass das wahrscheinlich gar nicht mehr sooo selten ist.
Ich gehe mit meinem Jungen auch hin wieder zur Therapie wegen schulischen Konfrontationen.

Dabei kam das Thema um Michi auch auf den Tisch. Michi&ich, wir glaubten Michi wäre etwas Besonderes, als wir es der Therapeutin erzählten. Dem war zu unserer Überraschung gar nicht so. Soll heißen, für die Kindertherapeutin war Michi (als ein Elternteil) nicht die erste Transfrau in Ihrer Praxis und das Thema betrifft Sie im Berufsalltag immer wieder mal.
Worüber ich ehrlich gesagt froh bin, weil es zeigt, dass dieses Thema langsam aber sicher in unserer Gesellschaft an unterschiedlichsten Punkten immer sichtbarer wird❣️👍

Ich will gar nicht besserwisserisch klingen, liebe Maya. Ich wollt nur erzählen, was wir erlebt hatten.😊

🙏