Der Duden definiert die Wortbedeutung von Meinung so:
"persönliche Ansicht, Überzeugung, Einstellung o.ä., die jemand in Bezug auf jemanden, etwas hat (und die sein Urteil bestimmt)"
Wiki differenziert:
Persönliche Meinung Umgangssprachlich, in der Sozialpsychologie und in einigen weiteren Wissenschaften versteht man unter Meinung eine von direkter Betroffenheit, von individuellen Wertvorstellungen, Geschmack und/oder Gefühlen geprägte Einstellung eines Menschen gegenüber einem bestimmten Gegenstand. [...]
Öffentliche Meinung Persönliche Meinungen können zur öffentlichen Meinung werden, wenn sie in einer Gesellschaft öffentlich diskutiert und als vorherrschend und repräsentativ betrachtet werden.
Also ganz grob: Eine Meinung spiegelt eine persönliche Einstellung wider und bestimmt das persönliche Urteil; insbesondere über bestimmte Menschen. Deshalb ergibt sich sich sofort die Frage, welche Konsequenzen eine Meinung haben wird/kann. Wenn irgendwer der Meinung ist "Viren existieren nicht, Impfungen sind gefährlich und diese Corona-Sachen unnötig", passiert im besten Fall nichts oder er erkrankt eben, mit was für Folgen auch immer. Kann aber auch sein, dass er
aufgrund seiner Meinung ne Menge Leute ansteckt, beim Besuch im Altenheim ne halbe Belegschaft ausrottet oder ähnliches. Oder er - oder einer, der seine Meinung von ihm übernimmt - schiesst den Typ in der Tankstelle nieder, der ihn zum Masketragen aufgefordert hat. Und falls er seine Meinung z.B. als (US)Gesundheitsminister durchsetzen kann, hat das gravierende Folgen auf sehr sehr viele Menschen: Impfungen für Kinder und vulnerable Gruppen werden gestrichen, Forschung und Weiterentwicklung, usw.
Also: Kaum eine Meinung ist frei von Konsequenzen. Und die können, wenn sie sich auf konkrete Menschen bzw Merkmalsgruppen bezieht, blitzschnell zu (gruppenbezogener) Menschenfeindlichkeit werden. Deshalb muss meiner Meinung nach (

) auf eine problematische Meinungsäusserung sofort die Frage folgen, was daraus folgen soll. Insbersondere, wenn es um Menschen geht.
Was bedeutet also "Es gibt [meiner Meinung nach] nur zwei Geschlechter" konkret? Die Person sucht sich eine beliebige (und immer unzureichende) Definition, nach der alle Menschen als ausschliesslich männlich oder weiblich kategorisiert werden? Alles andere existiert nicht? Nix dazwischen, kein Spektrum, keine Varianten? (Mal ganz abgesehen davon, dass in sämtlichen rational basierten Professionen, die sich mit irgendwelchen Aspekten von Geschlecht befassen, die binäre Idee outdated ist.)
Der übliche Korollar solcher Meinungen ist in der Regel "ich möchte, dass diese Leute (in meiner Welt) nicht existieren". Was soll das für die betroffenen Menschen bedeuten? Konkret für jene, die mit dieser strikten Zweigeschlechtlichkeit nicht zurecht kommen. Sollen die als nicht existent betrachtet werden? Gelten die Menschen- und Persönlichkeitsrechte nicht für ihre Belange? Können sie wie alle anderen am Leben teilnehmen? Was ist mit ihren gruppenspezifischen Bedürfnissen wie zB Medizin?
Das lässt sich wie oben am Viren-Beispiel komplett durchdeklinieren. Von der persönlichen Ebene - "Meiner Meinung nach bist du nicht {trans, inter, nichtbinär, ...}, deshalb nehme ich mir das Recht, deine Belange nicht zu respektieren" (Namen, Gender, Teilhabe, ...) - bis zur professionell funktionalen - "Als Politiker*in sorge ich für die Ausgrenzung dieser Leute, die meiner Meinung nach nicht existieren [sollten]".
In unter drei Schritten sind wir bei Marina Weisband, die sinngemäss gesagt hat, dass es mit Leuten, die die Existenz anderer in Frage stellen, keine Kompromisse geben kann. Nicht ganz wörtlich zitiert: "Wie soll ein Kompromiss aussehen? Nur ein bisschen Ausgrenzung? Nur ein bisschen Vernichtung?"
Deshalb kann - natürlich - eine Meinung Hass(rede) sein. Eine
veröffentlichte Meinung kann mühelos Hass erzeugen. Menschen können sich dadurch legitimiert fühlen, die "Meinung" in Taten umzusetzen. Von der persönlichen Diskriminierung oder Beleidigung bis hin zu tätlicher Gewalt.
Im Detail könnte eins diskutieren, ob "Hass" ein zu starkes Wort ist. Andererseits sind hate speech und Hassrede inzwischen stehende Begriffe.