HeikeCD hat geschrieben: Fr 15. Nov 2024, 15:40
Flagge zeigt man am besten mit guten sachlichen und fachlichen Argumenten.
Das würden wir uns wünschen. Tatsächlich (Studien) sind Menschen mit rechten Weltbildern nicht mit Fakten zu gewinnen. Weil rechte Politik keine Faktenpolitik ist, sondern Gefühlspolitik. Gefühle von Anspruch, Stärke, verlorenem Paradies der Vergangenheit, geheimen Bedrohungen, die "das Volk" an seinem wahren und rechtmässigen Glück hindern. Umberto Ecos 14 Kennzeichen faschistischer Ideologie.
Du kannst Menschen zigmal vorrechnen, dass nicht "Migration" Schuld ist an ihren Miet-, Energie- und Lebensmittelpreisen. Nicht mal illegale. Sie "fühlen" es einfach. Insbesondere, wenn in ihrer Umgebung gar keine Zugewanderten sind.
Du kannst ihnen zeigen, dass trotz gestiegener Anzeigebereitschaft und Sensibilität gegenüber Gewalt und anderer Kriminalität das Leben in D noch nie so sicher war, gerade in den Gebieten, die sich am unsichersten wähnen. Sie "fühlen" das einfach anders, nämlich so, wie es ihnen Bild, XY und Krimis in ihren Geschichten vermitteln.
Du kannst ihnen auf Punkt und Komma mit simplen Schulexperimenten und Dreisatz vorrechnen, dass der Klimawandel real ist, dass wir Menschen das verursachen und dass es richtig heftig wird, auch teuer und unangenehm für uns hier und was wir tun müssten. Sie "fühlen" das einfach nicht.
Du kannst ihnen auch vorrechnen, dass erneuerbare Energien inzwischen auch mit Speichern billiger und sicherer sind als fossile oder gar nukleare. Dass fossile und nukleare Energie auf einer starken wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit mit nicht gerade freundlich gesonnenen und tendenziell instabilen Ländern beruht. Dass wir eh veraltete Kraftwerke und Netze erneuern müssen. Sie "fühlen" es einfach nicht so wie "da steht Kraftwerk, das kann ich dampfen sehen, deshalb Strom".
Du kannst ihnen mit ausführlichen Studien und Powerpoints und Berichten aus vielen entwickelten Ländern zeigen, dass unser Schulsystem nicht nur materiell unglaublich hinterher hängt, sondern auch die frühe Sortierung, die fehlende Einzelbetreuung, die Abhängigkeit von der sozialen Herkunft und die schlecht bezahlten, überforderten Lehr- und Betreuungskräfte effektiv Bildungs- und Lebenserfolg verhindern. Sie "fühlen" einfach, dass bloss wieder Zucht und Ordnung wie damals her müsse und dann müssten sich die Kinder einfach nur wieder richtig anstrengen.
Du kannst ihnen hundert mal erklären, dass queere Menschen einfach nur genauso am Leben teilhaben möchten. Wohnen, arbeiten, Familie haben, Kinder aufziehen, Hand in Hand spazieren gehen, sich kleiden wie sie mögen. Dass es ihnen nichts wegnimmt und sie zu nichts zwingt ausser gleichem Respekt wie für ihre Peers. Dass trans Personen mehr Angst vor ihnen haben, als dass sie als cis Leute irgendwas zu befürchten haben. Sie "fühlen" es einfach anders, wenn sie den Märchen von Schwarzer, Weidel & Co folgen.
Wir brauchen nicht mehr Fakten. Die haben wir seit langem. Zu all den Themen, die ich da angerissen habe. Wir brauchen die besseren Erzählungen um die Fakten so zu vermitteln, dass sie auch emotional ankommen.
Riffreporter hatte da am Wochenende Artikel dazu mit Bezug zur Klimakrise. Leider alle hinter Paywall und noch nicht archiviert.
Ich habe die PDFs mal exportiert
https://cryptpad.digitalcourage.de/driv ... ZxFs2bE9E/ und werde sie einige Tage stehen lassen.