Aria hat geschrieben: Do 2. Mai 2024, 19:57Du hast Leichtathletik gemacht, dann weisst du ja bestens über die unterschiedlichen Hürdenhöhen bescheid. Die der Frauen ist bei den 400 m 25 cm niedriger als bei den Männern. Wenn da nun eine 185 trans Frau gegen eine 167 cis Frau antritt, deren Verhältnis Körper/Rumpflänge obendrein ein ganz anderes ist, finde ich das einfach extrem unfair. Und so geht es mir bei vielen Sportarten, wo, zu dem Muskelmassen- noch der Körperproportionen-Vorteil dazu kommt.
Eine interessante Sache. Es gibt diesen Satz, was der Unterschied zwischen Männern(tm) und Frauen(tm) ist: 10cm. Gemeint sind die Standardlängen. Diese 10cm bewirken zB, dass das Dreieck Lenkrad, Autositz, Pedal für kürzere Menschen ungünstig sind, die dann knapp hinter dem Lenkrad hängen müssen, statt entspannt mit Abstand, und das betrifft im Durchschnitt mehr Frauen als Männer.
Aber weltweit betrachtet sind die Unterschied noch beträchtlicher. Ich habe mal in meiner Lieblingsdatenquelle geschmökert:
https://ourworldindata.org/human-height
Ergebnis: Die durchschnittlichen Körperlängen von erwachsenen Männern auf der Welt
unterscheiden sich je nach Land und Region um bis zu 20cm. Die von Frauen
ebenfalls.
Schön zusammen gefasst in dieser Grafik:
mean-height-males-vs-females.png
Zu sehen ist der Abstand von der Mitteldiagonalen. Das ist der landesinterne Unterschied zwischen Männern und Frauen. Durchschnittlich 10cm.
Interessanter finde ich aber, dass es durchaus viele Länder gibt, in denen die Frauen durchschnittlich deutlich größer gewachsen sind, als die Männer in anderen.
Zehn Zentimeter, aber in die andere Richtung. Statistisch.
Heisst zum einen: Bei Wettbewerben wie den von Dir beschriebenen Hürdenläufen, aber auch Laufen generell etc werden statistisch eine Menge Männer und Frauen aus bestimmten Ländern benachteiligt bzw andere bevorzugt. Und zwar
innerhalb ihres cis Geschlechts bzw Liga. Bis zu 20cm Unterschied! Dass die benachteiligten Länder im globalen Süden liegen und die bevorzugten im Norden... nunja, das war erwartbar; nicht wahr?
Heisst zum anderen: Statistisch sind Frauen aus "einigen" Ländern den Männern aus "anderen" körperlich überlegen, während die Frauen aus den größenmässig (und anderweitig) benachteiligten Ländern sich dann wohl komplett aus dem Leistungssport verabschieden können. Falls es denn darauf ankommt.
Leistungssport ist nicht mal innerhalb seiner binären Klassen fair. Dazu hatte die kanadische Studie sehr eindeutige Befunde. Sie stellten fest, dass innerhalb der untersuchten Länder zwischen den Geschlechtern erhebliche Unterschiede in der Ressourcenverteilung bestehen. Übersetzt: Männer bekommen mehr Sportförderung und Unterstützung als Frauen. Die kanadische Studie sagt auch, dass diese unterschiedliche Förderung viel mehr Einfluss auf die Spitzenleistung hat, als die Unterschiede der Körper (nach Jahren der Hormonumstellung).
Und ich gehe jede Wette ein, dass die Unterschied zwischen den Ländern in Nord und Süd noch mal mindestens genauso unterschiedlich ist.
Ich finde also, dass die Frage der Fairness nicht so einfach cis/trans und nicht einfach anhand der Körpergröße beantwortbar ist.