Seite 1 von 1

DLF: Aufstieg und Zukunft der mRNA„Medizin „ Erst Corona, dann den Krebs

Verfasst: So 20. Mär 2022, 10:38
von Anne-Mette
Therapien gegen Herzinfarkt, vererbte Krankheiten, Immunstörungen und sogar Krebs.

Ich bin da noch skeptisch; aber hier ist der Link:

https://www.deutschlandfunk.de/mrna-cor ... obal-de-DE

Re: DLF: Aufstieg und Zukunft der mRNA„Medizin „ Erst Corona, dann den Krebs

Verfasst: So 20. Mär 2022, 10:55
von Jasmine
Zitat aus dem Artikel:
Pioniere ahnten schon vor Jahrzehnten eine Revolution in der Medizin durch das Botenmolekül mRNA voraus. Nach Investoren, die bereit gewesen wären, Geld in ein mRNA-Abenteuer zu stecken, suchten sie lange vergebens. Doch die Pandemie brachte die Wende. Werden wir als nächstes den Krebs besiegen?

Wir sind ein Industrieland und behaupten modern zu sein. Warum sind wir dann in der Medizin erst auf dem jetzigen Stand? Vielleicht ist eine jahrelange Versorgung mit Medikamenten für die Pharmaindustrie gewinnbringender als die kurzfristige Heilung.

Nachdenkliche Grüße Jasmine

Re: DLF: Aufstieg und Zukunft der mRNA„Medizin „ Erst Corona, dann den Krebs

Verfasst: So 20. Mär 2022, 17:11
von Jaddy
Ein bisschen schade, dass Katalin Karikó erst so spät im Artikel vorkommt, dabei hat sie als erste auf die Möglichkeiten hingeweisen, Experimente gemacht und diesen Riesenschritt mit dem Uridin statt Thymin gemacht. Meines Wissens auch die Header- und Footer-Sequenzen, um die Proteinsynthese überhaupt zu starten. Auf jeden Fall ist die Technologie einfach genial und abgesehen von den technischen Details, auch genial einfach.

Das muss eins sich mal klar machen: Für praktisch jedes Protein, also auch Enzyme, Hormone, Medikamente (auf Proteinbasis) kann heutzutage die RNA-Sequenz berechnet werden, die eine Körperzelle zur Herstellung programmiert. Das hier will ich haben, so muss das Rezept aussehen. Und die RNA-Sequenz kann direkt vom Computer her aus dem Synthesizer hergestellt werden, komplett mit Start- und Endsequenz, die daraus mRNA macht. Die Verpackung in Lipidhüllen bleibt immer gleich, fertig der Impfstoff, das Medikament. Zum Beispiel um einen einzelne Sorte Krebszellen bei genau einer Person für das Immunsystem zu markieren - statt mit einer generellen Chemotherapie den ganzen Körper zu stressen.

Das ist ein qualitativer Sprung vom Faustkeil zum Laserskalpell. Und dies lag mindestens 20 Jahre in den Schubladen, weil sich keine Finanziers für die Reifmachungsphasen finden liessen.

Re: DLF: Aufstieg und Zukunft der mRNA„Medizin „ Erst Corona, dann den Krebs

Verfasst: So 20. Mär 2022, 17:51
von Nora_7
Ich wünsche mir, dass diese pauschalen ideologischen Verunglimpfungen der Pharmabranche aufhören. Unternehmen sind zum Gewinn verdammt, sonst macht der Staat sie dicht. Und es gab und gibt noch sehr viele Indikationen, denen Pharmainnovationen guttun würde. Z.B. auf dem Gebiet der Seltenen Krankheiten (-> Orphan Drugs), aber auch z.B. gegen Alzheimer. In diese Forschung fließen Milliarden.

Die mRNA-Technologie ist seit 30 Jahren bekannt, und davon waren die letzten 10 Jahre primär durch Forschungen zur Tumortherapie geprägt. Ziel war - einfach formuliert - durch DNA-Defekte mutierte Krebszellen gezielt durch reparierte Zellen zu ersetzen. Der Begriff "personalisierte Therapie" entstand. Dabei ging es nicht um Massenprodukte wie Impfstoffe, sondern um patientenspezifische Einzelanwendungen aus dem Labor. Dafür brauchte man keine großen Fertigungsanlagen.

Durch Corona hat es einen schnellen Shift gegeben, weil sich mRNA-Impftoffe rasch im Computer designen lassen. Wirklich limitierender Faktor sind die klinischen Studien, die langwierig und teuer sind. Und man sich auch entscheiden muß, mit welcher Variante man die superaufwendige Phase II/III Prüfungen geht. Am Beispiel CureVac sieht man, welche Konsequenzen eine falsche Entscheidung hat.

Aus den Gewinnen der Impfstoffproduktion wird jetzt neben weiteren Impfstogffen auch wieder verstärkt in Tumortherapien durch automatisierte Synthese investiert - wie halt Autos, die in verschiednen Ausstattungen und Farben vom selben Band laufen. Als Individuallösungen gibt es damit auch keine klinischen Studien. Das ist im deutschen Gesundheitswesen aber nicht vorgesehen, wir haben ja den AMNOG-Prozess (der viel Innovation verhindert), daher muß grundsätzlich ein Vergütungsantrag bei der Krankenkasse gestellt werden.

Nora_7

Re: DLF: Aufstieg und Zukunft der mRNA„Medizin „ Erst Corona, dann den Krebs

Verfasst: Mo 21. Mär 2022, 07:27
von Dali
Nora_7 hat geschrieben: So 20. Mär 2022, 17:51 Ich wünsche mir, dass diese pauschalen ideologischen Verunglimpfungen der Pharmabranche aufhören. Unternehmen sind zum Gewinn verdammt, sonst macht der Staat sie dicht. Und es gab und gibt noch sehr viele Indikationen, denen Pharmainnovationen guttun würde. Z.B. auf dem Gebiet der Seltenen Krankheiten (-> Orphan Drugs), aber auch z.B. gegen Alzheimer. In diese Forschung fließen Milliarden.
Und ich würde mir wünschen, dass die Pharmaindustrie nicht mehr gewinnorientiert arbeiten darf, damit auch die Ärmsten Zugang zu Medikamenten bekommen, ohne vielleicht als großes Versuchslabor herhalten zu müssen, wie es in der 3. Welt immer wieder vorkommt. Oder dass die Medikamentenherstellung im Deutschland, oder zumindest Europa bleiben würde, statt sie in Billiglohnländer zu verschieben, um noch mehr Kohle zu scheffeln. Oder dass die Verfügbarkeit von Medikamenten sichergestellt ist und nicht in stürmischen Zeiten wie diesen plötzlich wegbricht, wie z.B. eine Reihe Medikamente gegen Epilepsie, die nicht mehr zu haben waren.

Aber wir werden da wohl beide enttäuscht werden.

Mit welchem Recht darf man mit dem Leiden und mit Krankheit immer noch Geld verdienen? So gesehen leben wir immer noch im finstersten Mittelalter.
Für mich gibt es Grundrechte, mit denen man eben nicht ohne Ende Geld machen darf. Gesundheit, Wohnen, Grundnahrungsmittel, Wasser, Strom.

Re: DLF: Aufstieg und Zukunft der mRNA„Medizin „ Erst Corona, dann den Krebs

Verfasst: Mo 21. Mär 2022, 09:34
von Nora_7
Dali hat geschrieben: Mo 21. Mär 2022, 07:27 Und ich würde mir wünschen, dass die Pharmaindustrie nicht mehr gewinnorientiert arbeiten darf, damit auch die Ärmsten Zugang zu Medikamenten bekommen, ohne vielleicht als großes Versuchslabor herhalten zu müssen, wie es in der 3. Welt immer wieder vorkommt. Oder dass die Medikamentenherstellung im Deutschland, oder zumindest Europa bleiben würde, statt sie in Billiglohnländer zu verschieben, um noch mehr Kohle zu scheffeln. Oder dass die Verfügbarkeit von Medikamenten sichergestellt ist und nicht in stürmischen Zeiten wie diesen plötzlich wegbricht, wie z.B. eine Reihe Medikamente gegen Epilepsie, die nicht mehr zu haben waren.

Aber wir werden da wohl beide enttäuscht werden.

Mit welchem Recht darf man mit dem Leiden und mit Krankheit immer noch Geld verdienen? So gesehen leben wir immer noch im finstersten Mittelalter.
Für mich gibt es Grundrechte, mit denen man eben nicht ohne Ende Geld machen darf. Gesundheit, Wohnen, Grundnahrungsmittel, Wasser, Strom.
Wie kann man nur so naiv sein.
Und Lebensmittel? Und Getränke — was alles darf nicht kommerziell sein? Ach ja, Kleidung ist ja auch ein Grundbedürfnis. Zurück zur erfolglosen Planwirtschaft des Ostblocks auf Grundlage vergemeinschafteten Eigentums? Wieviel Innovation hat diese Wirtschaftsform hervorgebracht? Wie viele Medikamente. So gut wie nichts. Rußland hat zwar einen genialen Covid-Impfstoff, kann ihn aber nicht in der benötigten Qualität produzieren.

Sollen wir viel bezahlen, andere bekommen das gleiche für umme, einfach so? Das Vermögen de facto enteignet werden? Das archaische marxistische Weltbild hat nie funktioniert und wird auch nie. Aus einem einfachen Grund: Die Menschen sind unterschiedlicher als die Betonideologen glauben und lassen sich auch nicht beliebig formen. Nicht daran gedacht, dass auch Menschen zueinander im Wettbewerb stehen? Vereinheitlichung des Verhaltens funktioniert nur mit Gewalt — s. Nordkorea, Rote Khmer, religiöse Extremisten. Und natürlich die DDR.

Kreativität läßt sich meistens nicht vergemeinschaften, Menschen wollen auch belohnt werden. Und die Vielfalt bei Produkten geht völlig verloren — angesagt war und ist Einheitsbrei. Nein, diese verklärte Welt wird sehr schnell tief ernüchternd, wenn man die ganze Kette der Konsequenzen und Wechselwirkungen durchspielt — was passiert (überall), wenn was eintritt? Sehr spannend diese strategische Bewertung, die nichts mit naivem Glauben an eine vermeintlich bessere Welt zu gemein hat. Nein Danke, aus den Zeiten bin ich raus. Natürlich werden auch in der Pharmaindustrie schwere Fehler gemacht — wie überall auch — s. Spiegel, Dreyer im Ahrtal — über 130 Tote auch infolge persönlicher Inkompetenz und Arroganz. Oder die unglaubliche Naivität der letzten Regierungen. Und auch der Grünen. Willkommen in der realen Welt, die Spielregeln bestimmen andere.

Nothilfe für einzelne, ja. Wir haben uns persönlich über einige Jahre um 2 Afrikaner gekümmert (und halten weiterhin Kontakt), aus einem der ärmsten Länder. Aufenthaltsgenehmigung durchgeboxt Sprachkurs, Wohnung + Einrichtung, Ausbildung, Unterstützung bei der Jobsuche. Sie arbeiten jetzt beide voll ausgebildet in guten Positionen - Pflege und Energietechnik, werden mit der entsprechenden Berufserfahrung später in ihr Land zurückkehren. Ihr erstes verdientes Geld habe sie nach Hause geschickt, und damit wurde die erste Wasserleitung im Dorf gebaut.

Ich bin nicht bereit, global zu spenden für z.B. ein diktatorisches afrikanisches Land voller Korruption. Wie soll man auch dort eine Produktion aufbauen? Mit den Betroffenen die nötigen Fähigkeiten und Infrastrukturen aufzubauen — gerne.

Ich habe sowohl bei der SPD wie bei den Linken mehrfach angefragt, was sie unter "sozialer Gerechtigkeit" verstehen (Definition) und nach der Rolle der Eigenbeteiligung/des Eigenverhaltens dabei. Nie eine Antwort bekommen. Alles Seifenblasen.

Nora_7


Ergänzung:
Sinnlos ist, permanent und ohne Gegenleistung Werte in ein Faß ohne Boden zu pumpen. Am Ende haben alle nichts.
Sinnvoll ist, Strukturen vor Ort zu entwickeln, die in Eigenverantwortung die Zukunft sichern.
Und noch zur Medikamentenverfügbarkeit:
Der Preisdruck der Kostenträger auf die Hersteller führt zu immer mehr Konzentration in der Produktion und damit auch zu höherem Produktionsrisiko und -ausfällen. Manche Hersteller bei Generika machen Dumpingangebote, bei denen geringste Kostensteigerungen zum Ruin führen bzw. das Produkt einfach nicht mehr geliefert wird. Ich habe selbst derartige Verhandlungen geführt, da wird ein Hersteller gegen den anderen ausgespielt.

Re: DLF: Aufstieg und Zukunft der mRNA„Medizin „ Erst Corona, dann den Krebs

Verfasst: Mo 21. Mär 2022, 11:57
von Dali
Nora_7 hat geschrieben: Mo 21. Mär 2022, 09:34 Wie kann man nur so naiv sein.
Ganz im Gegenteil. Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt.
Ich weiß selber, dass das was ich geschrieben habe, niemals zu verwirklichen ist.
Dazu war der Mensch schon immer zu gierig und zu kurzsichtig.
Solange es Grenzen gibt, sei es geografisch, kulturell, religiös oder sonstwie (und die wird es immer geben), sehe ich da keine Aussicht auf Erfolg.

Re: DLF: Aufstieg und Zukunft der mRNA„Medizin „ Erst Corona, dann den Krebs

Verfasst: Mo 21. Mär 2022, 13:57
von Nora_7
Dali hat geschrieben: Mo 21. Mär 2022, 11:57 Dazu war der Mensch schon immer zu gierig und zu kurzsichtig.
Die wenigsten Menschen sind in der Lage, die multiplen Abhängigkeiten und Konsequenzen von Entscheidungen zu bewerten. Am schlimmsten im Ergebnis sind diese Entscheidungen in der Politik. Für mich war diese Fähigkeit immer mein USP im Beruf.

Und "kurzsichtig" kann ich unterstützen, "gierig" ist deutlich zu verallgemeinernd. Meine Empfehlung: Nicht vom Einheitsmenschen träumen, sondern mit der Realität umgehen.

Nora_7