Guten Morgen liebe Community
Ich finde den Artikel eigenartig und ich mag ihn schlicht und ergreifend nicht.
Gleich am Anfang gibt es für mich einen Widerspruch. Entweder hat der Doc hier doch keine Erfahrung mit dem Thema oder er versteht die Bedeutung vom Wörtchen "Phänomen" nicht (Beides finde ich doof).
Phänomen = seltene, bemerkenswerte, auffällige Erscheinung (laut Deutsch Wörterbuch)
Im Text schreibt er dann unmittelbar danach: "Bei Sterbenden ist das Todesröcheln eines der Symptome, die den nahen Tod ankündigen.".
Für mich ist das ein Widerspruch. Entweder ist dieses Geräusch nun ein Phänomen, also selten, oder es ist ein Symptom was dazu gehört?!
Für mich die im ambulanten Palliativteam bei uns im Kreis hier tätig ist, gehört es eindeutig dazu, weil der Schluckreflex der erste Reflex ist der ausfällt
Ganz ehrlich ich habe mich unwohl gefühlt beim lesen dieses Artikels. Warum? Weil in meiner Wahrnehmung die Priorität auf den Personen liegt, die den Sterbenden begleiten (möchten) und nicht auf den Sterbenden. Und da liegt in meiner Wahrnehmung die Priorität falsch. Natürlich stimmt es, dass die Familie des Sterbenden oft damit überfordert ist, aber da sind dann die Fachkräfte gefragt ganz klar, deutlich und mitfühlend Aufklärung zu leisten und nicht mit ner Chemiekeule (und das auch noch zu Versuchszwecken

) dieses natürliche Geräusch zu unterbinden. Und die Nebenwirkung/diesen Nebeneffekt (der trockene Mundraum) der im Text erwähnt wird auch noch in Kauf zu nehmen und diesen bewusst dem Sterbenden zuzumuten, obwohl genau dieses Thema (trockener Mundraum) eher eine Last für den Sterbenden ist. Wir vom Paliativteam zeigen den Angehörigen, wie sie den Sterbenden mit der passenden Mundhygiene (und wie im Artikel erwähnt Seitenlage) wahrhaftig unterstützend begleiten können. Denn das ist für mich Hilfe und nicht was in diesem Artikel bzgl Medikamenten beschrieben wird.
Für viele ist es die erste Erfahrung mit Sterbenden und Unwissenheit macht bekanntlich immer Angst egal bei welchem Thema. Aufklärung, Ruhe, Geduld und Mitgefühl ist in unserer Tätigkeit das beste Werkzeug und ich habe da persönlich schon richtig gute Erfahrungen gemacht.
Ich kommuniziere mit den Familienangehörigen immer, dass der Schluckreflex das erste ist was aussetzt und das Gehör das letzte. Genau diese Kombination so mitzuteilen schenkt der Familie eine wichtige Aufgabe, so meine Erfahrung. Wenn der Sterbende zu keinen Reaktionen mehr fähig ist, versuche ich die Angehörigen immer daran zu erinnern, dass ihr geliebter Mensch sie trotzdem noch wahrnimmt und gewohnte Stimmen und Geräusche aus dem Alltag schenken dem Sterbenden Ruhe&Frieden. Für mich ist es auch in diesen Situationen klar ein Gewinn den Fokus auf Positives zu legen, anstatt die Familie in der Wahrnehmung des negativen Geräusches zu bestärken.
In der Regel bin ich so offen, dass möchte ich auch hier mitteilen, dass die Familie sich da schon in den Prozess der Trauer hineindenkt, was viel zu früh ist. Jetzt für den Sterbenden wahrhaftig da zu sein, ihm wahrhaftig helfen zu können, ist ein sehr wichtiger Punkt der nach dem Tod eine große positive Stärke in der Trauer entwickeln kann. Zu wissen, dass man helfend im Sterbeprozess dabei war und man sich nicht nur in Tränen an das Leben des geliebten Menschen klammernd hingegeben hat, kann den Familienmitglieder bei der Trauerarbeit nach dem Tod echt Frieden&Ruhe schenken.
Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass ich ebenso bei Aria bin, was das Thema "aushalten" angeht. Auch Stille die schon viel früher oft ein Thema wird, will gelernt sein auszuhalten. Unsere Welt ist so aktiv und laut, dass es den Menschen mittlerweile unangenehm ist, Stille zu hören und erleben zu müssen.
Der Taktgeber bleibt für mich ganz klar der Sterbende, und wenn wir einfühlsam uns an seine Seite begeben und wir unser Ego nicht mit hinzunehmen, dann können wunderbare und sehr wertvolle Erlebnisse der Verbundenheit erschaffen werden
Namaste
Zusatz:
Achso eines hätte ich fast vergessen.
Natürlich leben in manchen Haushalten auch Kinder, die bzgl Sterben eines engen Familienmitgliedes mit betroffen sind. In solchen Fällen kommen wir dann immer im Team zu der Familie. Warum? Weil Kinder keinesfalls beim Thema Tod ausgeschlossen werden sollten. Für Kinder das Thema Tod hinter einer Tür (lieb gemeint) zu verbergen, ist viel zu oft falsch. Kinder sind nur kleine noch unreife Menschen, sie sind unwissend aber nicht doof!
Kinder können damit umgehen, wenn man sie nicht damit alleine lässt, wenn man sie nicht ausschließt. Und sie brauchen genauso die Chance sich in diesen Prozess "einleben" zu können, wie jedes andere Familienmitglied auch. Für mich sind sie definitiv gleichberechtigt! Ich empfinde es als viel schwerer für ein Kind, wenn ein Familienmitglied von jetzt auf gleich nicht mehr da ist. Und außerdem erschaffen wir damit die nächste Generation die es lernt nicht mit dem Tod besser umgehen zu können.