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Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 08:57
von Fuchs18
Hi,

ich habe vor ca 2 Wochen schleichend, Stück für Stück, von meinem Mann erfahren, dass er seine weibliche Seite mehr betonen möchte, dass er sich mehr weiblich als männlich fühle, dass ich ja immer sage, man habe nur das eine Leben und nun traue er sich, das auch zu leben.

Es ist nicht ganz komplett neu für mich, dass mein Mann nicht der ist, den er mir seit Jahren vorspielt. Wir sind 17 Jahre zusammen und manchmal habe ich mich gefragt ob er nicht eigentlich tief in sich doch schwul ist, weil er mit seiner Körpersprache hin und wieder Neigungen zeigte, die darauf hindeuten ließen. Allerdings sagt er jetzt, er sei nicht schwul, er sei eben nur weiblicher als ich geahnt hätte.

Als er allerdings davon sprach "meine Schwester" zu sein und seine Männlichkeit wegbinden zu wollen, kam ich an einen Punkt, der mir deutlich sagte - Freunde ja, Ehe Ende. Das heißt nicht, dass ich ihn verlassen oder allein lassen würde und werde. Aber es heißt, dass er nicht mehr der Partner ist, den ich mir wünsche und den er 17 Jahre vorgab zu sein.

Er würde wahrscheinlich auch im Kleid draußen rumlaufen, wenn er nicht so viel Angst vor dem Gerede der Leute hätte. Und den Aggressionen anderer. Er ist und bleibt ein Softie 😉

Was ich aber eigentlich fragen wollte, langsam kommt das Thema überhaupt erst bei mir an. Seitdem er sich mir gegenüber geöffnet hat, lackiert er sich die Nägel, trägt wieder Ohrringe und backt und singt.

Unsere Kinder - zwei Teenager Jungs haben ihn schon gefragt ob er ne Midlife Crisis hätte... oder neuerdings Star-Bäcker werden möchte.

Er sagt mir gegenüber, es gehe ihm jetzt besser und gut und das reiche ihm so.

Das habe ich ihm bereits in der Millisekunde in der es aussprach, nicht geglaubt. Einfach weil ich ihn kenne und das Prinzip der Büchse von Pandora auch. Was da über 40 Jahre in ihm schlummerte bekommt jetzt Luft. Das lässt sich nie wieder zurück drängen. Das will wachsen, sich verändern und ausbreiten.

Kurzum, eigentlich weiß ich die Antwort auf meine Frage schon aber ich frag sie trotzdem:

Kann er wirklich mit dem bißchen zufrieden sein oder was kommt da noch alles???

Ich habe deutlich gemacht, dass er nicht alleine da durch muss. Freunde werden wir immer bleiben. Aber als Partnerin begleite ich den Weg sicher nur bis zu einem bestimmten Punkt. Ich mag Männer. Vor allem die Art von Mann, die er bisher vorgab zu sein. So richtig männlich. Ich hab viele Freunde auf die ich nicht stehe, weil sie eben nicht diese speziellen männlichen Attribute haben. Ich möchte nicht mit meiner besten Freundin eine Beziehung haben. Ich hab noch 2 andere beste Freundinnen, mit denen führe ich ja auch keine Ehe.

Unsere Kinder sind fast groß. Vielleicht ist es auch einfach Zeit, dass nach dem Abschnitt unseres Lebens jeder tut, was er gern tun will. Keine Ahnung. Wie gesagt, ich lebe mit dem Wissen erst 2 Wochen aber ich ahne, was es bedeutet bzw bedeuten kann.

Sorry für den langen Text und danke fürs Zuhören.

LG Katja

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 09:41
von Engelchen
Liebe Katja,

erstmal herzlich willkommen hier.

Ich denke ich bin nicht die richtige um auf deine Fragen und Ängste zu antworten.

Ich kann dich verstehen das du ihn zwar begleiten willst aber den "Mann" nicht vermissen willst.
Ja, die Büchse der Pandora - wer weiß was da noch kommt - vor allem in der Anfangsphase wenn alles auf einmal heraus will in die Welt.
Aber diese Phase legt sich auch wieder...
Das du dich im Moment sehr unsicher und auch nicht unbedingt wohl fühlst kann ich gut verstehen. (sym)

Ich hoffe ihr findet gemeinsam einen Weg zusammen...

Liebe Grüße
Lisa

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 12:54
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Katja,

was passieren wird, kann keiner sagen. Ich beschäftige mich mit dem THema seit ca. 50 Jahren und immer noch ist alles im Fluss. ICh habe mich intensiv mit meinem Thema auseinander gesetzt und ich kann für mich sagen, dass das Ausleben meiner gefühlt weiblichen Seite ist ein wichter Baustein in meinem Leben. Ich bin aber an der Kreissäge und auch bei anderen Gelegenheiten ganz Mann. So lasse ich mir beim Tanzen die Führungsrolle nicht nehmen.

Seit einiger Zeit lebe ich meine weiblichen Komponenten zuhause intensiver aus. Meine Frau geht dann etwas auf Abstand, aber sie gibt mir das Gefühl, dass sie das akzeptiert. Auch, so scheint mir, ist bei ihr so manches in Bewegung geraten. Für mich selber kommt dadurch etwas mehr Ruhe in mein Leben und die durch die Verdrängung erzeugte Verzweiflung hat abgenommen. Dafür ist der Entschluss auch die weibliche Seite zu leben, sicherer geworden.

Wenn Dein Partner gerne (und gut ?) backt, würde ich mich darüber freuen und aufpassen, dass ich nicht zunehme ;-) Im Ernst, Du hast das Recht, für Dich zu entscheiden, was gut für Dich ist. Du kannst Dich aber auch fragen, was das für Dich bedeutet und warum Du Dich gerade für diesen Mann entschieden hast, der neben seinen männlichen wohl auch weibliche Qualitäten besitzt. Ich vermute, die hast Du auch, vielleicht unbewusst, wahrgenommen ?

Inwieweit sind denn solche Qualitäten denn überhaupt geschlechtlich gebunden ? Sind da nicht Klischees in uns so tief verankert, dass wir sie als "Wahrheiten" akzeptieren ? Auf der anderen Seite musst Du Dich nicht damit beschäftigen, wenn Du es nicht willst. In meiner Sicht der Dinge bedeutet eine Liebesbeziehung in erster Linie durch den Partner zu sich selber zu finden. Dazu muss man sich aber seinen eigenen Wahrheiten stellen. Das ist ein echter Knochenjob und Dein Mann ist die Eintrittskarte. Ich empfehle das Gedicht von Khalil Gibran "Von der Liebe", das im Netz zu finden ist. Es geht in erster Linie um einen selber, nicht um den Anderen. Die übliche Sicht auf die Liebe ist auch so ein Klischee der Gesellschaft.

Das ist aber nur eine Anregung auf Basis meiner Ansicht. Ich arbeite auch noch daran. Viele stoßen sich auch an den Thesen, weil sie so radikal und so radikal anders sind. Für mich sind sie sehr spannend und mein Leben hat dadurch eine andere, aus meiner Sicht intensivere Bedeutung bekommen.

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 13:20
von Kathi87
Liebe Fuchs,

wenn die Büchse geöffnet ist, kann sie meist nicht mehr geschlossen werden. Auf der einen Seite kann dein Partner die Worte nicht zurück nehmen und du das gesagt nicht vergessen.

Wie es weiter geht wäre ein Blick in eine Glaskugel, das wird dir hier niemand wirklich beantworten können.

Vielleicht reicht ihm das wissen das du es weißt und er lässt einfach die für ihne gefühlte und benötigte Weiblichkeit aufleben.
Du solltest mit ihm reden um herauszufinden was es für ihn heißt seine Weiblichkeit auszuleben.

Und auch deine Grenzen sagen, vielleicht könnt ihr ja seine Bedürfnisse auch ohne Trennung in euer beider Leben integrieren und einen Kompromiss der lesbar ist finden?!

Ein Kompromiss kein verbiegen, das würde einen von euch auf lange Zeit unglücklich machen.

Liebe Grüße
Katharina

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 13:44
von Sophie_H
Hallo Katja,

Herzlich willkommen hier in Forum.

Ich glaube es ist ganz normal das du Fragen hast und Zweifel über wie so etwas weiter geht.
Richtige Antworten gibt es leider nicht hier im Forum, weil es völlig abhängig wäre von deinem Mann und du und was ihr beide wollt.
Erfahrungen gibt es hier aber genügend :)
Ich kann nur sagen, redet mit einander über das Thema und vergis dabei auch deine Wünsche und Grenzen nicht. Ihr seit beide dabei.

Dann meine Gedanken zu was jetzt alles passiert bei ihr: Deiner Mann hat seine weibliche Seite getont und die Frage ist wie weit er das durchziehen will. Und abhängig davon, was du damit willst. Kann es sein dass er jetzt die gebotene Raum völlig ausnutzt, wobei du dich erst noch an das Idee gewöhnen soll? Das es jetzt alles zu schnell geht? Wenn das der Fall ist dann redet darüber. Ich glaube dass auch in eine Beziehung beide Partner die eigene Grenzen und Tempo angeben dürfen, wenn einer zu schnell fahrt soll die andere mall auf die Bremse gehen. Es braucht nicht unbedingt ein Nottstop werden :) aber mann soll ja etwas gleicher Tritt halten um zusammen weiter gehen zu können.

Na ja, ich hoffe du kannst damit etwas anfangen und es gibt her auch viele Partner die im gleichen Situationen wie dir sind. Ich hoffe es geht ihr beiden Gut! (na)

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 13:53
von Momo58
Nur der Anfang? Wohl kaum, da kommt evtl. noch viel mehr auf dich, auf ihn und auf eure Kinder zu.
Ich kenne diesen schleichenden Vorgang, weil ich als Transfrau selbst betroffen bin. Das kann oft Jahre dauern oder auch schneller gehen. Er macht das sicher nicht aus Jux und Dollerei. Er leidet, weil er den weiblichen Anteil zu lange unterdrückt hat. Backen und kochen sind z. B. auch meine Leidenschaft. Das Tragen weiblicher Kleidung wirkt beruruhigend auf ihn. Er wird irgendwann sagen, dass er sich im falschen Körper fühlt und das ist tatsächlich so. Er kann nichts dafür, weil er so geboren wurde. Als er noch ein Fötus war, wuchs im 3. Schwangerschaftsmonat seine männliche Hülle. Wenn es dann aber in der Mitte der Schwangerschaft zu einem extremen Ungleichgewicht der Sexualhormone kommt (zuerst extrem viel Testosteron, dann extremer Rückgang und evtl zu viel Östrogen), dann wächst im 5. Schwangerschaftsmonat in der männlichen Hülle ein Gehirn, das in Aufbau und Funktion dem Gehirn einer Frau ähnlich ist. Das nennt man dann Geschlechtsinkongruenz oder auch Variante der Geschlechtsentwicklung.
Um die Ehe zu retten, wird er dir alles mögliche versprechen, kann es aber nicht halten. Ich kenne deinen Partner nicht, aber er könnte ja mal einen Translebenslauf schreiben. Vielleicht kommen dann Erlebnisse zum Vorschein, die schon in seiner Kindheit ein Indiz für seine jetzige Situation sein könnten. Er sollte besser eine transerfahrene Therapeutin aufsuchen, um für sich Klarheit zu finden.

Die für dich wichtige Frage ist, ob du zu einem Leben in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft fähig bist. Auch davon ist eure Ehe abhängig. Eure Pubertiere werden vielleicht zwischen Ablehnung und Annahme schwanken. Wenn du dich entscheidest, bei ihm zu bleiben, kann es sogar sein (muss aber nicht), dass du dich zum Gegenstück entwickelst und plötzlich zum Transmann wirst. Wissenschaftlich gibt es sogar die Hypothese, dass Transidentität evtl. vererblich sein könnte, einen Beweis dafür gibt es aber derzeit noch nicht. In meinem Fall deutet vieles darauf hin, denn meine Tochter hat sehr viel männliche Anteile in sich.
Ich selbst hatte das Glück, dass meine Partnerin sich auf all das einlassen konnte, aber es war ein steiniger Weg. Trotzdem sind wir heute glücklicher als früher.

Was ich dir hier geschrieben habe, kann so kommen, muss aber nicht. Es soll dich auch nicht erschrecken, aber ich möchte, dass du dir genau überlegst, wie es für dich, für ihn, für euch weiter gehen könnte.

Liebe Grüße
Manuela
.

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 13:57
von Jasmine
Liebe Katja,
auch ich kann nicht in die Zukunft sehen. Ich denke, wenn du mit deinem Mann viel redest, ist das schon sehr wichtig. Herzlich willkommen in diesem schönen Forum. Vielleicht findest du hier im Forum Antworten.
Liebe Grüße Jasmine

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 14:09
von Jaddy
Moin Katja,

du schätzt das schon ganz richtig ein, denke ich und hast auch für dich die Sache mit den männlichen Attributen klar. Bei den möglichen Lösungen gibt es schon eine recht große theoretische Bandbreite, wo es dann davon abhängt, womit ihr zurecht kommt bzw glücklich werden könnt.

Zum einen würde ich mal abwarten, wie sich dein Partner jetzt entwickelt. Viele haben nach einem gelungen Coming Out - so hört sich das für ihn an - eine euphorische Phase, in der alle Regler bis zum Anschlag aufgedreht werden. Kann gut sein, dass sich das in wenigen Wochen auch wieder runterregelt, sofern die prinzipielle Möglichkeit weiter besteht. Sprich: Das Wissen, nicht zu können/dürfen erzeugt möglicherweise mehr Druck, es zu brauchen.

Dann ist da die Frage, welche "männlichen Attribute" dir genau wichtig sind, zu welchen Gelegenheiten und bei welchen Aspekten von Beziehung. Du schreibst, er sei von je her "Softie" und scheinst ihn damit, deswegen oder trotzdem geheiratet zu haben. Vielleicht lohnt es sich, mal nachzuspüren, wie viel und welche dieser "speziellen männlichen Attribute", die du an ihm schätzt, von ihm vorgespielt waren, wie viel von ihm tatsächlich als eigene positiv empfunden werden - und wie viel von dir eher erwartet und vielleicht hineingelesen wurden, die er nie so gesehen hat. Und mal schauen, welche davon eh erhalten bleiben, wenn er sich jetzt anders entfalten kann.

Es lohnt sich nach meiner Beobachtung, die jeweiligen eigenen Bedürfnisse und Erwartungen quasi als Wünsche zu formulieren, nicht als Vorwürfe oder Ansprüche. Und dann mal gucken, wie sie erfüllt werden können. Wie gesagt gibt es eine große Bandbreite an Lösungswegen, von phasenweisem Leben, anderen Partnern für bestimmte Dinge, etc.

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 15:07
von Fuchs18
Ich hatte geantwortet aber der Beitrag war nach dem Posten weg. Ich versuche es nochmal. Kann aber sein, dass dann plötzlich 2 Beiträge auftauchen.

Also...

Ich bedanke mich für eure Antworten.

Ich selbst habe mir schon oft Gedanken gemacht ob ich tolerant bin oder nicht. Tolerant bin ich, ich habe viele Freunde (hauptsächlich übers Internet aber auch in real), die entweder schwul oder bi oder sogar trans wenn nicht gar asexuell sind.

Unser jüngster Sohn eröffnete uns letztens, dass er sich als pansexuell einordnen würde. Unser Sohn weiß, dass wir damit keine Probleme haben. Er fragte vor Jahren schon mal was wäre, wenn er schwul wär. Natürlich haben wir ihm erklärt, dass dann gar nix wär und dass das egal wäre.

Sein Kumpel hatte mir in seinem Beisein Anfang dieses Jahres mal sein Leid geklagt, dass er schwul sei aber sein Vater das gar nicht so verstanden habe und sie seither nicht mehr miteinander sprechen. Ich habe ihn ein bißchen aufgemuntert und war ziemlich traurig, dass es heut zu Tage noch solche Eltern gibt.

Aber lassen wir das mal beiseite. Ich wollte nur sagen, dass unsere Familie tolerant ist.

Ich selbst habe mich auch schon gefragt ob ich mit Frauen könnte. Verallgemeinern kann ich das nicht. Es gab eine einzige Frau, bei der ich es mir hätte vorstellen können aber mir reicht es völlig aus, mit ihr eng befreundet zu sein. Ich fühle mich einfach von weiblich nicht angezogen... Ich mag eine bestimmten Typ Mann. Den Typ Mann, der mein Mann optisch bisher auch immer war.

Jetzt ist der Bart ab. Ich trauere sehr um. Den Bart, so blöd es auch klingen mag. Er hat sich ein Epiliergerät gekauft. Alle anderen Haare sind auch weg. Die Nägel sind glänzender als meine und die Zehen hat er letztens so gruselig pink lackiert, dass ich ihm jegliche Art von Geschmack abgestritten habe. Bei Schuhgröße Badewanne war das sooooo viel pink. Ich bin dann los und habe ihm anderen Nagellack besorgt.

Ich weiß, das er Styling-Hilfe braucht. Er ist ja schlimmer als ich früher, als ich mich noch nicht so ganz in Sachen Mode auskannte und Jeans und t-shirt mein Horizont waren.

Aber... Und das meine ich leider wie ich es sage: er hat sich vom Ehemann zur besten Freundin degradiert.
Er war ohnehin seit wir zusammen sind mein bester Freund. Und es war uns immer klar, sollten wir uns mal trennen, dann trennen wir uns trotzdem nie ganz. Er spricht so oft genau das aus, was ich auch grad sagen wollte oder andersrum.. Aber nach 17 Jahren ist das einfach so Gewohnheit. Früher gingen mir seine Macken auf den Keks, heute hab ich mich dran gewöhnt.. Der Alltag stumpft ab. Und wir kümmern uns um einander.

Aber es ist ja so, dass außerhalb unsere Beziehung noch andere Menschen auf diesem Planeten wandeln. Und vielleicht braucht er jemanden, der ihn viel besser verstehen kann als ich. Und jemanden, mit dem er das so richtig ausleben kann. Das wünsche ich ihm. Aber mich spricht es nicht an. Es ist wie gesagt, als hätte ich plötzlich eine Freundin mehr dafür meinen Mann verloren.

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 15:21
von Fuchs18
Ich hab die Frage glaube 2 Mal gelesen. Was ich an ihm mochte und ob ich es unbewusst ahnte.

Es war die Seite, die ich nicht mochte. Es war die Seite, die uns jährlich einmal einen Koller beschaffte. Wir streiten uns quasi nie. Sehr ungewöhnlich, ich weiß. Aber wir leben einfach in dermaßen Eintracht und Gleichklang, weil wir uns so ähnlich sind.

Aber einmal im Jahr krieg ich den Koller weil wir im Grunde kein Sexualleben haben. Das war der Grund warum ich immer dachte er sei schwul. Wir haben vor 17 Jahren unsere Kinder zu Stande gebracht und damit war das Thema dann auch gegessen.

Er stand schon immer auf Strümpfhosen im Bett...Wurscht ob er oder ich sie trug. Das war eine Zeit lang lustig und irgendwann war es mir vor über 10 Jahren zu öde. Also haben wir seither kein Sexualleben gehabt.

Dann kam der berühmte Kompromiss. Naja, die Ehe läuft sonst, man baut und kümmert sich um das Haus, die Kinder, wer braucht schon Sex.

Aber wir sind grad erst 40 geworden und in mir schrie es regelmäßig, dass ich das schon vermisse. Und er erklärte mir regelmäßig, dass er es einfach nicht wirklich brauche. Er hasst küssen. Ich liebe küssen. Aber wir küssen nicht, weil ich ihn nicht zu etwas zwingen will, was er nicht mag.

Irgendwie sa ich ja, dass es am Ende nur die Erklärung für so vieles ist. Aber auch die Erklärung für vieles das ich vermisse und die Bestätigung, dass ich es nie erhalten werde.

Die Ehe mit meinem besten Freund ist zur Ehe mit meiner besten Freundin geworden. Und meine Chance auf ein Sexleben, das mich anspricht ist auf 0 geschrumpft.

Tja... Und was das heißt weiß ich nicht. Ich bin gar kein männermordendes Ungeheuer aber ich vermisse was.

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 15:26
von VanessaB
Fuchs18 hat geschrieben: Do 10. Dez 2020, 08:57 Kurzum, eigentlich weiß ich die Antwort auf meine Frage schon aber ich frag sie trotzdem:

Kann er wirklich mit dem bißchen zufrieden sein oder was kommt da noch alles???
Hallo,

erst einmal vielen Dank für die erklärenden und einführenden Worte, die auf mich sehr reflektiert klingen und damit eher rational, als emotional (was keine Wertung bedeutet).

In der Box der Andorra, war ja noch die Hoffnung. Wenn man sie also öffnet, befreit man diese ... oder man verliert sie ... je nachdem wie man es betrachten möchte. Ob Hoffnung nun das schlimmste Leid der Menschen ist, mag an anderer Stelle diskutiert werden.

Aber um auf Deine Frage zu antworten ... oder besser, um darauf einzugehen: "Ja, kann" und auf den zweiten Teil: "nichts, was nicht sowieso schon da ist."

Diese (meine) Antwort beschreibt aber nur eine der vielen Möglichkeiten ... welche hast Du für Dich?
Korrigiere mich bitte, aber ich lese aus Deinen Formulierungen, dass Du schon in die Glaskugel geschaut und eine vorauseilende Schutzhaltung eingenommen hast: Zuneigung Ja, Liebe vielleicht, Ehe (als Konstrukt der Partnerschaft und Ort der Sexualität?) Nein.
Korrigiere mich gerne, wenn ich es falsch verstanden haben sollte.

Und jetzt möchte ich etwas dazu schreiben, was meine ganz persönliche Sicht ist und keineswegs als Angriff zu werten ist. Ich schaue nur aus meiner Perspektive:

Warum ist diese Frage so wichtig? Und welche Hoffnung hast Du? Welche Hoffnung hat er? Was hofft Ihr gemeinsam?
Seine Baustelle ist der Umgang mit seiner weiblichen Seite. Deine Baustelle ist der Umgang mit Ihm. Was ist Eure gemeinsame Baustelle?

Ich will keine Antworten auf diese Fragen haben und es besteht auch gar kein Grund zu antworten, weil es Dinge sind, die nur Euch etwas angehen. Mit seinem Outing hat er eurer System von innen heraus angestoßen/in Bewegung gebracht. Wir sind oftmals drauf nicht vorbereitet, weil die allermeisten Problem von außen auf uns wirken - und dorthin ist unser Schutzschild gerichtet. Die Reaktion auf den inneren Konflikt ist Distanzierung, weil wir da wieder auf unsere standardisierten und von Beginn an gelernten Schablonen zurückgreifen können. Das ist völlig normal, möchte ich behaupten.

Ich persönlich kann heute nicht mehr nachvollziehen, dass die Liebe zu einem Menschen an ein Geschlecht gebunden sein sollte. Auch der Begriff Monogamie ist für mich völlig unverständlich, da ich ja schon eine feste Beziehung mit mir selbst führe. Jede folgende Beziehung ist dann ja im Grunde schon Poly, oder? Du siehst, wir definieren alle unsere Welt, wie sie uns gefällt (gefallen muss), solange wir damit "im Einklang" sein können.

Was will ich damit sagen? TransWasAuchImmer ist keine Katastrophe! Sicher selten, aber nicht ungewöhnlich. Egal ob jemand jetzt zwischen Ying und Yang pendelt oder die Seite wechselt. Also lasst der Entwicklung seinen Lauf und schaut, was entsteht. Nichts muss heute entschieden werden, außer Du willst es. Doch, je mehr Druck (oder Unterdruck) jemand in einem inneren System aufbaut, desto mehr fliegt es auseinander, wenn nicht andere Komponenten einen Ausgleich schaffen.

Alles Liebe für Euch, egal wie es sich entwickelt - Ich finde es großartig, dass Du Dich mit den Dingen auseinandersetzt.
Ich hoffe ich konnte wertschätzend einen aufweitenden (Aus)Blick auf die Dinge aus meiner Sicht geben. Namasté

Vanessa

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 16:17
von Jaddy
Das mit dem Gleichklang kenne ich. Das mit dem Sex aber auch. Weniger Lust, weniger häufig. Obwohl wir unsere Art haben. Und ich habe ein Riesenglück, dass mein Bunny genauso wenig auf penetrativen Sex steht wie ich. Sonst hätte das niemals so lange geklappt (24 Jahre kennen, 19 verheiratet). Wir haben nämlich keine Kinder als Kitt. Fun fact: Ich hatte schon immer Spass an Sex, allerdings nicht genital (bei mir). Und dachte, das sei eben so. Ich Blindfisch bin einfach nicht drauf gekommen, dass es an meiner Genitalkonfiguration liegen könnte. Kaum ist die nach meinen Vorstellungen geändert, schon _mag_ ich diesen Teil, mag mich zeigen und berührt werden.

Sprich: Da könnte in der Tat noch mehr verborgen liegen bei deinem Partnerwesen, was sich durch eine Unlust äussert, an Sex wie ihr ihn hattet. Aber wenn's so wäre stellt sich mir die Frage, könnte es denn _schlechter_ werden als jetzt? Oder eigentlich nur besser? Und mal die nächste Frage: Was wäre, wenn du diesen Teil "outsourcen" würdest? Da gibt es ja viele Modelle. Könntest das deine Beziehung überstehen? Vielleicht sogar verbessern?

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 17:04
von Patricia
Liebe Katja,

Ich kann und werde Dir keine Antwort auf deine Fragen geben, aber ich erzähle Dir einfach meine Geschichte in einer Kurzfassung, vielleicht hilft es Dir ein wenig. Das hoffe ich zumindest sehr.

Ich habe meine Ex-Freundin 2001 kennengelernt, 2002 sind wir zusammengezogen. Sie wusste bereits davor dass ich zumindest eine weibliche Seite habe und ich habe ihr damals gesagt dass ich ihr nicht garantieren kann für immer ein Mann zu bleiben. Sie sagte damals dass sie mit einem Crossdresser/Transvestiten klar käme, jedoch nicht mit einer Frau. Weil sie mit Frauen eben nicht kann, genau wie du. Sie liebte meine männlichen Attribute, meinen Bart, mein Körperbau...

Wir haben uns wirklich geliebt, haben uns sehr selten gestritten, genauso wie ihr. Wir haben zum Teil die gleichen Gedanken im gleichen Moment gehabt. Alles wäre wunderbar gewesen wenn da nicht dieser eine Punkt gewesen wäre....das Wissen dass ich mich nicht als Mann fühle.

Ich habe ihr niemals was vorgemacht, aber ich habe mich entschlossen damals an ihrer Seite als Mann zu leben und aus Liebe zu ihr habe ich das auch wirklich gewollt. Ich wollte dass meine weibliche Seele verschwindet. Ich wollte so sehr ein Mann sein. Ich wollte mit dieser Frau gemeinsam alt werden. Das war schon immer mein grösster Traum im Leben....

Ich unterdrückte alles weibliche in mir, auch das was sie anfange geduldet hat, denn ich merkte schnell dass sie damit nicht klar kam. Als ich sie fragte warum sie damit Probleme hat, sagte sie mir ich werde eine völlig andere Person wenn ich "Sie" werde. Also habe ich es so tief vergraben wie es nur ging. Bemühte mich nur noch mehr ein Mann zu sein. Und nein ich versuchte nicht nur so zu tun, Ich wollte so sein, weil ich sie so sehr liebte. Mehr als mein eigenes Leben.

Eine Zeit lang ging das halbwegs gut, aber ich wurde mit der Zeit depressiv und selbst Medikamente konnten das nicht lösen. Ich stumpfte äusserlich ab, weil ich in meinem Inneren Stück für Stück starb...
Ich habe seit 2014 mit ärztrlicher Unterstützung damit gekämpft, erfolglos, denn man kann das was mir fehlte medikamentös nicht behandeln. Ich wusste ganz genau warum ich leide. Weil ich kein Mann bin.

Im August 2019 beendete sie unsere Beziehung weil sie sagte dass sie seit Jahren nciht mehr spürt dass ich sie liebe, weil wir seit über 5 Jahren kein Sex mehr hatten, weil ich sie nur selten küssen wollte...

Ich habe sie geliebt, Ich habe sie mehr geliebt als mein eigenes Leben, denn ich wäre lieber gestorben als sie zu verlassen. Ich konnte keinen Sex mit ihr haben weil sie einen Mann im Bett erwartet hat und den konnte ich ihr nicht mehr geben. Ich habe sie nicht geküsst weil ich wusste dass sie einen Mann küssen will.

Ich weiss dass ich einen Menschen unabhängig seines Geschlechts lieben kann, denn ich liebe die Person, ihr Inneres. Ich weiss und verstehe aber wenn es Menschen gibt die Liebe mit körperlichen Attributen verbinden und nur ein Geschlecht bevorzugen. Das ist in Ordnung , so ist die Natur.

Übrigens, wir haben drei Kinder. 25,23,17 Und sie akzeptieren mich alle als die Frau die ich bin. Sie sidn in der Richtung aber alle sehr offen erzogen worden.

Es muss bei deinem Mann nicht so sein wie bei mir, aber ich wollte Dir meine Geschichte erzählen, denn dein Mann hat Dir vermutlich niemals was vorgemacht, sondern versuchte immer die Person zu sein die du in ihm gesehen hast. Aber er leidet darunter, genauso wie du jetzt.
ICh kenne Beziehungen die das überlebt haben und wo die cisFrau delutlich sagt ich stehe auf Männer, aber trotzdem mit ihrer trans Frau zusammenlebt, denn die Liebe hat am Ende gesiegt. Und um ehrlich zu sein wünsche ich Euch beiden genau das.


Liebe Grüße
Patricia

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 17:28
von Fuchs18
Jaddy hat geschrieben: Do 10. Dez 2020, 16:17 Das mit dem Gleichklang kenne ich. Das mit dem Sex aber auch. Weniger Lust, weniger häufig. Obwohl wir unsere Art haben. Und ich habe ein Riesenglück, dass mein Bunny genauso wenig auf penetrativen Sex steht wie ich. Sonst hätte das niemals so lange geklappt (24 Jahre kennen, 19 verheiratet). Wir haben nämlich keine Kinder als Kitt. Fun fact: Ich hatte schon immer Spass an Sex, allerdings nicht genital (bei mir). Und dachte, das sei eben so. Ich Blindfisch bin einfach nicht drauf gekommen, dass es an meiner Genitalkonfiguration liegen könnte. Kaum ist die nach meinen Vorstellungen geändert, schon _mag_ ich diesen Teil, mag mich zeigen und berührt werden.

Sprich: Da könnte in der Tat noch mehr verborgen liegen bei deinem Partnerwesen, was sich durch eine Unlust äussert, an Sex wie ihr ihn hattet. Aber wenn's so wäre stellt sich mir die Frage, könnte es denn _schlechter_ werden als jetzt? Oder eigentlich nur besser? Und mal die nächste Frage: Was wäre, wenn du diesen Teil "outsourcen" würdest? Da gibt es ja viele Modelle. Könntest das deine Beziehung überstehen? Vielleicht sogar verbessern?
Verzeih mir die Direktheit aber ich könnte dich Knutschen für die lustige offene Art. 😂

Ja, doch, keine Ahnung ob Eifersucht eine Rolle spielen würde. Vor einem halben Jahr ungefähr haben wir über sowas wie Outsourcing (das merk ich mir) tatsächlich gesprochen. Er meinte so sinngemäß, dass er es verstehen würde und ich war etwas überfordert.

Im Moment ergibt das alles irgendwie Zusammenhänge.
Und wenn du das so erzählst, könnte ich mir vorstellen, dass das eine Rolle für ihn spielt, wie er gern sein würde und wie er ist. Wer sich nicht wohlfühlt, lässt sich nicht berühren. (hab ich auch lang nicht gekonnt und dachte immer ich sei zu dick - bis ich festgestellt hab, dass es Leute gibt, die dick sexy finden 😜)

Re: Nur der Anfang???

Verfasst: Do 10. Dez 2020, 17:46
von Fuchs18
Patricia_cgn hat geschrieben: Do 10. Dez 2020, 17:04 Liebe Katja,

Ich kann und werde Dir keine Antwort auf deine Fragen geben, aber ich erzähle Dir einfach meine Geschichte in einer Kurzfassung, vielleicht hilft es Dir ein wenig. Das hoffe ich zumindest sehr.
...
Patricia
Liebe Patricia,

Das was du schreibst hätte direkt aus dem Mund von meinen Mann purzeln können.

Er sagt, dass er mich liebt (allerdings betont er dieses Wort immer so dermaßen komisch, weil es ihm einfach nicht über die Lippen geht und mir auch nicht). Na jedenfalls sagt er, er würde alles tun, dass ich bei ihm bleibe und er versucht alles um ein Mann zu sein.

Ich habe ihm gesagt, dass er das gleich wieder sein lassen soll. Er hat sich 40 Jahre gequält. Ich bin nicht mehr wert als er und sein Lebensgefühl ist genau so wichtig wie meines. Für mich muss er nicht tun als sei er ein Mann und leiden, wenn er sich nicht so fühlt.

Ich habe ihm vorgeschlagen, sich jemanden zum Reden zu suchen. Dabei kam raus, dass er wohl auch in irgend welchen Foren unterwegs ist und auch schon über einen Psychologen nachgedacht hat. Ich sehe das nicht als Krankheit aber der Psychologe ist hilfreich (ich brauchte letztes Jahr selbst einen auf Grund von Burnout und weiß, wie wertvoll solche Helferlein sind).

Ich weiß nicht, was ich tun werde. Ich habe keinen Plan. Er auch nicht.

Wie war das noch mit dem Outsourcing 😂 sorry 😜😉

Aber, ich möchte, dass du weißt, dass es mir leid tut, dass eure Beziehung zerbrochen ist. Aber ihr habt eine gemeinsame Zeit miteinander verbracht und wunderbare Kinder, das ist etwas wert, das kann dir keiner nehmen. Und wer weiß, was die Zukunft noch so wunderbares für dich bereit hält.

Ich drücke dir die Daumen ❤️