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Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Di 22. Sep 2020, 17:29
von Anne-Mette
Moin,

hier nachzulesen: https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 8998f8c8cc

Gruß
Anne-Mette

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Mi 23. Sep 2020, 15:51
von gagalady
Anne-Mette hat geschrieben: Di 22. Sep 2020, 17:29 Moin,

hier nachzulesen: https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 8998f8c8cc

Gruß
Anne-Mette
Immerhin sind Naturhaare ökologisch und landen nicht als Mikroplastik (wie Synthetikhaar) in der Umwelt. Und es schafft Arbeit für viele und ist eine Chance für arme Menschen. Ich find's in Ordnung (oder übersehe ich was?).
VG GL

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Mi 23. Sep 2020, 16:07
von Anne-Mette
Moin,

ich denke, dass die Widersprüchlichkeit in dem Artikel recht gut herausgearbeitet wurde.
Deshalb habe ich ihn aufgenommen.
Einerseits ermöglicht der Verkauf der Haarpracht mit dem Geld eine Art "Starthilfe" für Projekte, die in eine selbstbestimmte Zukunft führen können, andererseits nimmt er einigen Frauen die Würde, deren Tun durch die auffallend kurzen Haare für alle leicht erkennbar (oder vermutbar) ist.

Gruß
Anne-Mette

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Mi 23. Sep 2020, 19:50
von gagalady
Anne-Mette hat geschrieben: Mi 23. Sep 2020, 16:07 Moin,

ich denke, dass die Widersprüchlichkeit in dem Artikel recht gut herausgearbeitet wurde.
Deshalb habe ich ihn aufgenommen.
Einerseits ermöglicht der Verkauf der Haarpracht mit dem Geld eine Art "Starthilfe" für Projekte, die in eine selbstbestimmte Zukunft führen können, andererseits nimmt er einigen Frauen die Würde, deren Tun durch die auffallend kurzen Haare für alle leicht erkennbar (oder vermutbar) ist.

Gruß
Anne-Mette
Das Problem mit der "Würde" resp. deren Verlust ist ja kein Naturgesetz, sondern nur von der Gesellschaft konstruiert. Und mit Konstrukten unserer Gesellschaften haben wir ja in allen Kulturen so unsere Probleme und speziell auch WIR kämpfen doch auch gegen solcherlei "Konstrukte"...

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Mi 23. Sep 2020, 22:48
von Marielle
Guten Abend Gagalady,

die Würde des Menschen ist tatsächlich ein Definitionsproblem. Es ist nicht unumstritten, was diese Würde ausmacht und wann bzw. womit sie verletzt wird. Es gibt jedoch (afaik) keine anerkannte Denkrichtung, die sie als gesellschaftliches Konstrukt ansieht. Es wird allseits unterstellt, dass es sich dabei um etwas dem Menschen inhärentes handelt. Daher steht in unserem Grundgesetz, als allererster Satz, dass diese Würde unantastbar ist; nicht, dass man sie durch Änderung der (konstruierten) Rahmenbedingungen relativieren kann.


Ich, so als Teil des militanten und arbeitsscheuen Gesindels (das sind übrigens Fremdbeschreibungen), sehe es so:

Ein Gesellschaftssystem, in weiten Teilen geprägt durch das zugehörige Wirtschaftssystem, in dem der Verkauf des Körpers oder Teilen davon für manche Menschen die einzige Möglichkeit bietet, eine gewisse Teilhabe an den Benefits jenes Systems zu erreichen, verletzt aus sich selbst heraus die Menschenwürde. Ein solches System ist grundsätzlich des Menschen nicht würdig, sofern er sich als zivilisiertes und soziales Wesen verstehen will.

Wenn also jemand sich, trotz objektiv vorhandener, zugänglicher Alternativen, dafür entscheidet, seine Haare oder etwas anderes seines Körpers zu verkaufen, ist dagegen wenig einzuwenden. Wenn es diese Alternativen nicht gibt, gibt es eindeutig ein Problem mit der Würde des Menschen, der in so einem System lebt.

Marielle

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Do 24. Sep 2020, 08:42
von gagalady
Marielle hat geschrieben: Mi 23. Sep 2020, 22:48
Wenn also jemand sich, trotz objektiv vorhandener, zugänglicher Alternativen, dafür entscheidet, seine Haare oder etwas anderes seines Körpers zu verkaufen, ist dagegen wenig einzuwenden. Wenn es diese Alternativen nicht gibt, gibt es eindeutig ein Problem mit der Würde des Menschen, der in so einem System lebt.

Marielle
Hallo Marielle,
ich stimme Dir grundsätzlich zu. Speziell bei den Haaren würde ich allerdings eher nicht den Begriff Würde verwenden wollen, denn sie sind ja ein "Verschleissteil", das nachwächst. Grundsätzlich würde ich es so sehen wollen, dass jeder das Selbstbestimmungsrecht über seinen Körper behalten muss und stets selbst entscheiden können darf, was er damit macht. Ich denke da an Schönheitsops, Organspende, Su i z id und v.a.m. ALLES, was darüber hinaus geht, verletzt die Würde, also z.b. auch das Verbot, einem stark leidenden Sterbenskranken zu verweigern, seinem Leben ein Ende zu bereiten, nicht aber z.B., gewaltbereiten Demonstranten Gewalt angedeihen zu lassen, um sie zu bremsen...
VG GL

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Do 24. Sep 2020, 09:00
von Anne-Mette
Guten Morgen,
gagalady hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 08:42 denn sie sind ja ein "Verschleissteil", das nachwächst.
nun ja, wie lange dauert es, sich "schöne lange Haare" wachsen zu lassen.
Ich persönlich würde bei einem Prozess, der Jahre dauern kann, nicht unbedingt von einem "Verschleißteil" sprechen wollen.
Für mich hat es einen Hauch von Prostitution.
Die Haare sind vielleicht ein "kleines Opfer"; aber kaufkräftige Menschen meinen, sie können "in den armen Ländern" alles kaufen: vielleicht eine Niere, ein Kind, vielleicht gleich eine komplette Frau...

Ich weiß, meine Einwände werden nicht auf jeden "Fall" zutreffen.
Trotzdem wollte ich durch Verlinkung des Artikels dazu anregen, sich auch die Schattenseiten anzugucken.

Ich muss sagen, dass ich bei den genannten Nachteilen die Äußerung "Naturhaare sind ökologisch und landen nicht als Mikroplastik im Meer" als unpassend und zynisch empfinde.
Fehlt noch das Bio-Siegel....

Gruß
Anne-Mette

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Do 24. Sep 2020, 09:12
von Blossom
"Die Entscheidungen des völlig freien Menschen sind so mühelos vorhersagbar, dass nichts leichter ist, als ihn auszubeuten."
Nicolás Gómez Dávila (1913-1994) ... leider sind die meisten Menschen auf dieser Welt nicht frei, und solange sich Diejenigen, die über ausreichend Geld verfügen über jeden moralischen Anstand erheben, wird sich weder daran etwas ändern ... noch an dem von Anne-Mette angesprochenen Organhandel.

Gruß
Blossom

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Do 24. Sep 2020, 09:14
von gagalady
Anne-Mette hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 09:00
Ich muss sagen, dass ich bei den genannten Nachteilen die Äußerung "Naturhaare sind ökologisch und landen nicht als Mikroplastik im Meer" als unpassend und zynisch empfinde.
Fehlt noch das Bio-Siegel....

Gruß
Anne-Mette
Na, da bist Du aber jetzt sehr streng. Verzeih' mir, aber diese Deine Berwertung erscheint mir total heuchlerisch und gutmenschlich, kann ich nichts mit anfangen.
Im Übrigen bezog ich mich auf Synthetikhaar, das ich als optisch durchaus gelungene Alternative ansehe, aber es ist schon wieder dieses verdammte Plastik, das in den heute sinnlos verbratenen Mengen verboten gehört.
Nichts für ungut.

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Do 24. Sep 2020, 09:18
von Anne-Mette
gagalady hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 09:14 gutmenschlich
Da ich sonst meistens böse bin, wertet mich das auch; DANKE (888) (flo) (smili)

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Do 24. Sep 2020, 13:10
von sbsr
Hallo,
Anne-Mette hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 09:00 Für mich hat es einen Hauch von Prostitution.
ich wollte es nicht aussprechen, aber den Gedanken hatte ich auch. Bleibt die Frage der Moral, auf beiden Seiten. Wenn jemand freiwillig etwas von sich anbietet, seien es die Haare oder eben gewisse Dienste, ist das grundsätzlich unproblematisch.

Schwierig wird es, wenn ein Zwang ins Spiel kommt, weil damit unvermeidbar die Frage nach der Genze aufkommt. Ist finanzielle Not ein Zwang, finanzielle Abhängigkeit, das Streben nach mehr Wohlstand um den Kindern ein "besseres Leben" zu ermöglichen.

Ebenso muss man die Motivation der Kunden hinterfragen. Schön aussehen wollen, weil alle anderen auch schön aussehen und man es sich leisten kann, ist natürlich eine dürftige Begründung. Meine Frau hat nach einer zunächst falsch diagnostizierten Schilddrüsen Fehlfunktion viele Haare unwiederbringlich verloren, wäre es bei ihr deshalb mehr gerechtfertigt?

Jetzt kann man fragen, leidet meine Frau mehr darunter die Haare auf Dauer nur noch kurz tragen zu können und dass bei jeden Windstoß die Kopfhaut zum Vorschein kommt, oder die "Spenderin", die dann für 2-3 Jahre für ihren Kulturkreis unüblich kurze Haare hat.

Diese Fragen sind nicht zu beantworten, es wird immer dem Ermessen der Betroffenen überlassen bleiben. Ich verstehe es, wenn jemand sich eine Echthaar Perücke kaufen möchte. Man sollte sich nur dessen bewusst sein, dass Echthaar nicht an Bäumen wächst.

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Do 24. Sep 2020, 15:24
von Anne-Mette
sbsr hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 13:10 wenn ein Zwang ins Spiel kommt,
Ich will mich nicht in das Thema verbeißen; aber ist es nicht so eine Art Zwang, wenn wir in der Lage sind, in "armen Ländern" Haare, Kinder, Frauen... zu kaufen?
Weil sie so arm sind?
In dem Artikel befand sich eine Fotoserie mit einigen Zeilen, die beschrieben, was die Frauen mit dem Geld gemacht haben.

Gruß
Anne-Mette

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Do 24. Sep 2020, 15:51
von Blossom
vielleicht sollten wir, unabhängig von Eingangspost, einmal daran denken, dass auch hierzulande Frauen als auch Männer durchaus ihre Haare verkaufen - zum Teil sogar zugunsten der Krebsforschung spenden.
Im Internet finden sich dazu sogar Auflistungen der entsprechenden Ankäufer, als auch Preistabellen - hier An- und Weiterverkäufer als auch Perückenmacher.
Und da hier u.a. öder Vergleich mit einer Form der Prostitution fiel - Ich kann mir kaum vorstellen, dass Diejenigen, die hier zu einem Verkauf entschließen, dies so sehen.
Vor einigen Jahren hat ein Bekannter von mir seine Haare (über 90cm Länge) ebenfalls verkauft, da er sich für einen Kurzhaarschnitt entschieden hat.
Und ich persönlich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die das tun - denn so werden in einigen Monaten meine Echthaar-Extensions möglich, die mir ein deutlich befreiteres Leben verschaffen werden.
Letztlich kommen wir doch nicht umhin, dass alles einen Preis hat - wobei dieser angemessen und fair bleiben sollte (und ich spreche nicht vom Verkauf eines lebensnotwendigen Organs!)

Nun ja, sind halt meine Gedanken zum Thema, die nicht geteilt werden müssen. Ich freue mich jedenfalls darüber die Haare von Jemandem bekommen zu können, der bereit war, sich von ihnen zu trennen - in der Hoffnung, korrekt dafür entlohnt worden zu sein.

Gruß
Blossom

PS: Hier ein interessanter Link ... https://spliss-entfernen.de/haare-verkaufen

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Do 24. Sep 2020, 16:06
von Anne-Mette
Ja, hier bei uns im Lande: spenden und/oder verkaufen...

Mein Enkel hat ganz lange Haare. Als einmal das Stichwort "Kinder spenden Haare für krebskranke Kinder" fiel, meinte er: "Das mache ich auch!"
Er hat schon lange durchgehalten und wachsen lassen.

Re: Spiegel: Das Millionengeschäft mit Echthaar

Verfasst: Do 24. Sep 2020, 16:27
von Blossom
Anne-Mette hat geschrieben: Do 24. Sep 2020, 16:06 Ja, hier bei uns im Lande: spenden und/oder verkaufen...

Mein Enkel hat ganz lange Haare. Als einmal das Stichwort "Kinder spenden Haare für krebskranke Kinder" fiel, meinte er: "Das mache ich auch!"
Er hat schon lange durchgehalten und wachsen lassen.
Liebe Anne-Mette,

ganz ehrlich? Ich finde das großartig von Deinem Enkel und solche Aktionen durchweg gut.
Aber ich habe halt auch Verständnis wenn hier ein Mädel sagt, ich will sie nicht mehr und verkaufe sie. Ich kann nichts Ehrenrüriges darin sehen.

Und grundsätzlich bin ich immer für Fairtrade ... aber wo fängt das an und wo hört es auf. Damit wären wir dann am Thema vorbei.
Wenn ich wüsste, irgendwo in Asien ist eine Frau, die ihre Haare verkaufen möchte und ich könnte es direkt mit ihr ausmachen: Ich hätte kein Problem damit ihr 300-400 Euro zu überweisen, wohl wissend, welchen Gegenwert dies im betreffenden Land bedeutet ... und das allein liegt weit weit über dem, was hier in Deutschland angeboten wird (siehe meinen Link).
Perückenmacher können solche Preise gar nicht zahlen, denn ihre Artikel wären nicht mehr marktfähig, weil viel zu teuer.
Im Schnitt werden auch hier nur Preis weit unter 100 Euro gezahlt.

Meine Extensions werden etwa 600-700 Euro kosten inkl. einen Tag bei meiner Friseurmeisterin. Abzüglich ihres Lohnes, kann ich mir ausrechnen, was da noch für die Haare übrigbleibt.

Gruß
Blossom