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Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 06:42
von Christine DarkJoker
Hallo ihrs

Ich hab da mal ein oder zwei Interessante Fragen. (smili)

Aber erstmal ein Bisschen Hintergrund :wink:

Ich war im Gespräch mit einer Freundin. Sie erzählte mir von ihrer Tochter die jetzt mitten in der Pubertät ist und ich sag mal, auf dem tripp ist "ich bin lesbisch". Dieses finden wir beide nicht schlimm. Sie erzählte mir dann vom Gespräch zwischen ihr und ihrer Tochter.

Mutter: "mir ist es völlig egal wen du nach Hause bringst, nur sag vorher wen du mit bringst! Den es ist eine blöde Situation für Mich, deiner Begleitung und Dich."
Tochter: "geht klar, dann muss ich mich noch in der Familie outen"
Mutter: "Blödsinn wenn dann mach ich das! Oder musst du dich outen wenn du nicht lesbisch bist?"

Und hier die Fragen. :?:
Warum müssen wir uns zu unserem Geschlecht oder Sexualität outen?

Und noch ein intressanter Satz kam von meiner Freundin
"Outing ist diskriminierend"
Seht ihr das auch so?

Ich finde es geht niemanden was an, was für eine Sexuelle Einstellung ich habe oder was für ein Geschlecht ich bin. Und irgendwie finde ich auch das Outing eine art Diskriminierung ist, zu mindestens wenn es von einem erwartet wird das man es macht.

Bin gespannt auf eure Meinungen. (ap)
Viele Grüße Christine

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 09:06
von ExuserIn-2020-11-14
Christine DarkJoker hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 06:42 Warum müssen wir uns zu unserem Geschlecht oder Sexualität outen?
Müssen wir das?

Wenn ich an meinen Anfang als CD/TV/Enby zurück denke, gab es da eigentlich nicht wirklich ein Outing. Mein Cousin, die einzige Person, mit der ich noch engen Kontakt hatte, wusste schon lange von meinem "Frauenkleider-Fetisch". Und sonst habe ich einfach nur den Stil meiner Kleidung von männlich nach weiblich geändert, mit einer kurzen Übergangsphase als Teilzeitfrau. Mit zunehmender Erkenntnis des nicht Binären wurde daraus in meinem privaten Umfeld immer mehr eine Teilweise-Frau.

Ich denke, das entscheidende ist, dass wir es aufgeben statt einfach wir selbst zu sein irgendwelche gesellschaftlichen Normen oder Klischees darstellen zu müssen. Da ist ständig ein Druck und die Angst, dass irgendwer etwas bemerken könnte. Wenn dann endlich die Wahrheit heraus kommt, ist das eine riesige Erleichterung. Dann ist es endlich raus, das coming out.

In meiner Kindheit stand es noch unter Strafe schwul zu sein. Dann war es nicht mehr strafbar, aber trotzdem traute man sich nicht es offen zu zu geben. Mit transsexuell war es ähnlich. Wer es in seiner dem körperlichen Geschlecht zugeordneten Rolle einfach nicht aushielt, sah nur eine Chance darin vollständig zu transitionieren und dann in der neuen Rolle nicht aufzufallen. Die meisten, wie ich auch, versuchten einfach mit der falschen Rolle irgendwie zurecht zu kommen.

Das Problem ist: Mann oder Frau, homo oder hetero, schwarz oder weiß. Die Welt ist aber bunt. Und wenn wir es schaffen das auszuleben, müssen wir unseren Körper auch nicht an irgend eine Norm angleichen.

Gruß Erika

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 09:34
von lilly.fae
Christine DarkJoker hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 06:42
Tochter: "geht klar, dann muss ich mich noch in der Familie outen"
Mutter: "Blödsinn wenn dann mach ich das! Oder musst du dich outen wenn du nicht lesbisch bist?"

Und hier die Fragen. :?:
Warum müssen wir uns zu unserem Geschlecht oder Sexualität outen?

Und noch ein intressanter Satz kam von meiner Freundin
"Outing ist diskriminierend"
Seht ihr das auch so?

Ich finde es geht niemanden was an, was für eine Sexuelle Einstellung ich habe oder was für ein Geschlecht ich bin. Und irgendwie finde ich auch das Outing eine art Diskriminierung ist, zu mindestens wenn es von einem erwartet wird das man es macht.
Hallo Christine (888)

Ich finde das man sich in keiner Weise "outen" muß, und wenn es kein "MUß" ist kann es auch nicht diskriminierend sein, oder ? Diskriminierend finde ich ist das verhalten von jenen Personen, welchen ich als mein "Ich" gegenüberstehe, und diese ein Problem damit haben. Egal welche Ausrichtung man hat, derjenige soll sein Leben leben. (smili)
Allerdings ist das "Outing" welches von vielen Personen vollzogen wird auch ein Akt der Befreiung, damit sie das sein können was sie möchten. Ein zwingendes Outing, halte ich jedoch schon für Diskriminierend, denn niemand hat das Recht mich zur Offenlegung meiner Sexuellen Einstellung oder meinem Geschlecht was ich bin oder sein möchte zu zwingen. Allein das Wort "ZWINGEN" ist schon Diskriminierung.
Und ob der Satz von der Tochter :"geht klar, dann muss ich mich noch in der Familie outen" jetzt von ihrem wie du schreibst " lesbisch sein trip" kommt was ich eher vermute, würde ich jetzt nicht mit soviel Gewicht in die Waagschale werfen.
Wenn sie lesbisch ist dann ist sie es eben und früher oder später wird das jeder mitbekommen ob mit oder ohne "outing". ))):s

Ich hoffe du kannst mit den Zeilen etwas anfangen

:heartpulse: Lilly

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 09:44
von Marlene K.
Christine DarkJoker hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 06:42 ...
Und hier die Fragen. :?:
Warum müssen wir uns zu unserem Geschlecht oder Sexualität outen?

Und noch ein intressanter Satz kam von meiner Freundin
"Outing ist diskriminierend"
Seht ihr das auch so?
...
Liebe Christine,
danke für diese tolle Frage...

Hier stellt sich mir die Frage was das genau ist, dieses outen.

Wenn ich ab dem zwanzigsten Lebensjahr privat einfach mit meinem Mann aufgetaucht bin und auch offensichtlich verliebt in der Öffentlichkeit auftrat, war ein Outing im Sinne von offensiv erklären selten nötig. Im beruflichen Umfeld habe ich immer erst nach längerer Zeit von meinem Leben erzählt, damit ich zunächst der Fachmann und dann der Schwule war...

Als Frau und Trans ist aus den selben Gründen ein Outing meist nicht nötig.

Die zweite Frage kann ich für mich so beantworten:
Ein gefordertes Outing, eine Erklärung, ist eine Diskriminierung. Resapektvolle Fragen sind es nicht.
Zwangsoutings gehen gar nicht. Jede*r muss selber entscheiden, wie viel Mensch von sich nach außen zeigt.

Noch mal danke für die spannende Frage. Ich bin gespannt, wie die anderen das für sich sehen.

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 09:53
von Céline
Guten Morgen,
Ich hab jetzt echt überlegen müssen da es gar nicht so einfach ist darauf eine Antwort zu finden.
Im Grunde aber sind wir niemanden Rechenschaft schuldig was wir tun, wie und wer wir sind aber....und das ist nur auf mich bezogen versuchte mich immer zu Rechtfertigen und eine gewisse Entschuldigung zu finden. Eigentlich total bescheuert das ich mich selbst immer allenerklärt habe und es noch tue. Mir hat das nie was ausgemacht weil es ein Teil meiner Transition war und weil es für mich irgendwie eine" Vorgabe" der Gesellschaft war.
Genauso war es als ich festgestellt habe das ich mich für Männer interessiere. Aber damit ging ich wesentlich lockerer um, geradezu frech manchmal. Es ist mir egal was die Menschen denken. Mein Leben, meine Regeln...
Was mir aber aufgefallen ist das sehr oft andere Menschen für mich sprechen wollen und ich immer Gesprächsthema bin und immer etwas exotisches und besonderes sein werde. Ein Fremdouting hierzu finde ich immer noch frech und unverschämt da ich entscheide wem ich mich öffne und wem nicht.
Aber so funktionieren eben viele Menschen das sie oft für andere sprechen und die Initiative ergreifen wollen um in gewisser Weise im Mittelpunkt zu stehen
Es hat bei mir gedauert bis ich psychisch so weit war über dem Ganzen zu stehen und darüber Lächeln zu können.
Céline

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 11:28
von Helga
Hallo Allerseits,
mit wem mensch ins Bett geht, welche Neigungen mensch hat, ob ein Mann privat Frauenkleider, Latexmasken, Babywindeln oder Krachlederne trägt geht grundsätzlich niemanden etwas an. Nicht die Freunde und Bekannten, auch nicht die Eltern, insbesondere aber nicht den Arbeitgeber. Es gibt kein Muss!
Aus Gründen der Praktikabilität kann es zweckmäßig sein sich den Menschen zu offenbaren die im gleichen Haushalt leben.
Ob ein (Ehe) Partner aus moralischen Gründen unterrichtet werden sollte, darüber scheiden sich auch hier im Forum die Geister.
Natürlich kann mensch das Bedürfnis haben sich anderen gegenüber zu offenbaren um die Last der Heimlichkeit los zu werden.
Sollte ein Arbeitgeber durch eigene Nachforschungen an entsprechende Informationen gelangt sein (in Zeiten von Corona haben Privatdetektive und andere Melder Hochkonjunktur) hat er diese für sich zu behalten, zu löschen, zu vernichten. Gibt es diese Info an irgendjemanden weiter macht er sich strafbar.
Ein Outing durch Dritte verletzt in hohem Maße die Persönlichkeitsrechte.
Liebe Grüße
Helga

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 12:40
von Helga
Zum Themanbereich "Outing durch Dritte"
https://de.wikipedia.org/wiki/Kie%C3%9Fling-Aff%C3%A4re
Die Zeiten sind zum Glück vorbei.
Liebe Grüße
Helga

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 12:47
von Lavendellöwin
Christine DarkJoker hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 06:42 Und noch ein intressanter Satz kam von meiner Freundin
"Outing ist diskriminierend"
Seht ihr das auch so?

Ich finde es geht niemanden was an, was für eine Sexuelle Einstellung ich habe oder was für ein Geschlecht ich bin. Und irgendwie finde ich auch das Outing eine art Diskriminierung ist, zu mindestens wenn es von einem erwartet wird das man es macht.
Hi Chrissie...

hmm, das kann aus vielen Richtungen gesehen werden-und nein, es ist nicht einfach da DIE ANTWORT zu finden.

Okay...ich mal wieder gegen den Strom, hin zur Quelle.
Diskriminierend ist dann etwas wenn es als herabwürdigend empfunden wird, es ist für mich aber nicht herabwürdigend
wenn jemand sagt du bist trans oder pan, naja meist wars dann schwul, denn ich bin das ja und empfinde so.
Es gibt Begriffe die ich herabwürdigend finde-so wie Transe, denn das ist meist negativ konotiert.

Mhm..nenn es nicht Outing, sondern einfach nur, ich rede drüber wie ich mich empfinde und fühle-was ist daran
falsch, ich finde es wichtig mich mitzuteilen und habe auch kein Problem über Sexualität zu reden, denn das
ist ja nichts schlimmes-oder?
Gut ich binde niemand wild Fremden meine Lebensgeschichte auf die Nase-aber warum sollte ich ein Problem
haben über einen Teil meines Lebens mit der Familie oder Freunden und sogar Bekannten zu reden?
Ich finde es gut sich auch ausserhalb einer bestimmten Community ganz normal über sich unterhalten zu können.

Da kommen auch manchmal Fragen, die beim reflektieren und weiterkommen helfen.
Und der Austausch ist fruchtbar, für alle irgendwie.

Alsoooo wenn die Tochter grad Lust hat zu sagen "ich stehe auf Frauen" find ich das richtig und wichtig für sie.
Denn es ist ihr Leben.

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 13:34
von Svetlana L
So ein Outing muss ja nicht immer durch eine persönliche Erklärung geschehen, wie Ralf-Marlene schon geschrieben hat. Es kann auch durch "Fakten schaffen", z. B. durch Erscheinen mit dem_der Partner_in zur betrieblichen Weihnachtsfeier oderoderoder, passieren. Ich glaube, diese ganze Outerei hat auch damit zu tun bzw. wird auch vielfach verlangt/vorausgesetzt, weil in vielen Köpfen immer noch drin ist, dass das eine normal ist und das andere eben nicht. Und deshalb müssen sich cis- und heterosexuelle Menschen auch nicht outen. Da müsste m. E. der Hebel angesetzt werden. Wenn man es genau betrachtet, dann sind wir ständig umgeben von heteronormativen Sterotypen, sei es das frisch verliebte Pärchen in der Werbung, sei es das Familienfoto auf dem Schreibtisch der Kollegin oder die Wochenend- und Urlaubsberichte von Mann, Frau, Kindern (und machmal noch der Hund). Oder hat schon mal jemand eine junge Frau in der Werbung sagen hören: "Die richtige fehlt mir noch. Deshalb parshipe ich jetzt!" Vor ein paar Wochen wurde doch eine Studie veröffentlicht, dass queere Menschen in der Werbung akzeptanzfördernd sind, Sichtbarkeit also ein wichtiges Kriterium ist. Und das kann natürlich auch außerhalb der Werbung realisiert werden! Und bis es dann völlige Normalität ist, auch homosexuell und/oder trans*, inter*, bi oder sonstwas zu sein, und ein Outing gar nicht mehr erforderlich ist, brauchen wir wahrscheinlich noch den 11. Oktober.

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 13:51
von Jasmine
Worüber reden wir hier?
Da kommt also eine Tochter mit ihrer Freundin, also zwei Menschen! Was gibt es da zu erklären? Ob sie nun mit einer Frau oder einem Mann kommt ist meiner Meinung nach egal. Warum muss man überhaupt über die Partnerwahl oder seine Einstellung diskutieren? Das ist doch für Außenstehende uninteressant. In einer aufgeschlossenen Gesellschaft sollte es hier gar keine Erklärungspflicht geben. Eine Freundin von mir erscheinte bis vor kurzem (vor Corona) mit einem Mann. Nun ist sie mit einer Frau zusammen. Wo ist das Problem? Es gibt keins. Wenn wir 4 uns treffen, haben wir eine gute Zeit zusammen und fertig.
Liebe Grüße Jasmine

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 14:24
von Marlene K.
Svetlana L hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 13:34 ...ein Outing gar nicht mehr erforderlich ist, brauchen wir wahrscheinlich noch den 11. Oktober.
Liebe Svetlana,
was meint hier der 11.Oktober?
Klär mich auf, ich bin alt genug...
Grüße nach Schöneberg

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 15:41
von Christine DarkJoker
Hi ihrs

da habt ihr ja schon richtig viele Antworten gegeben (ap)

Also sortiere ich das mal alles ein wenig :D
Daisy Gaga hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 09:13 Ich denke grundsätzlich auch das es diskriminierend ist. Kein Heterosexueller muss sich outen, aber alle anderen schon? Was soll das?
ABER, wenn eine Person das Bedürfnis hat mit seiner Familie und seinen Freunden über seine Sexualität zu sprechen, dann sollte diese Person es auch tun dürfen, und zwar selber. Niemand möchte doch das jemand anderes anderen über unsere Sexualität berichtet.
So sehe ich das zumindest.
Genau die Frage stelle ich mir auch. Warum muss ich mich Outen nur weil ich nicht der Norm entspreche?
Und klar wenn man selbst sich outen will dann ist es ok aber es sollte oder eher darf kein muss sein.
lilly.fae hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 09:34 Ich finde das man sich in keiner Weise "outen" muß, und wenn es kein "MUß" ist kann es auch nicht diskriminierend sein, oder ? Diskriminierend finde ich ist das verhalten von jenen Personen, welchen ich als mein "Ich" gegenüberstehe, und diese ein Problem damit haben. Egal welche Ausrichtung man hat, derjenige soll sein Leben leben. (smili)
Klar wenn die Person dann ein problem damit hat wie man ist dann ist es erstmal deren Problem und nicht meins :wink:
Allerdings ist das "Outing" welches von vielen Personen vollzogen wird auch ein Akt der Befreiung, damit sie das sein können was sie möchten. Ein zwingendes Outing, halte ich jedoch schon für Diskriminierend, denn niemand hat das Recht mich zur Offenlegung meiner Sexuellen Einstellung oder meinem Geschlecht was ich bin oder sein möchte zu zwingen. Allein das Wort "ZWINGEN" ist schon Diskriminierung.
Auch hier ist klar wenn ich gezwungen werde von wen auch immer mich zu Outen dann ist es Diskriminierend.
Und ob der Satz von der Tochter :"geht klar, dann muss ich mich noch in der Familie outen" jetzt von ihrem wie du schreibst " lesbisch sein trip" kommt was ich eher vermute, würde ich jetzt nicht mit soviel Gewicht in die Waagschale werfen.
Wenn sie lesbisch ist dann ist sie es eben und früher oder später wird das jeder mitbekommen ob mit oder ohne "outing". ))):s
Nun also sie hat eine Freundin. Ob es dann auch so weiter bleibt ist eine andere Frage.
Es könnte sich also auch wieder ändern daher meine Wort wahl. Denn sie ist noch jung und soll sich in ruhe erforschen und finden.
Ralf-Marlene hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 09:44 Wenn ich ab dem zwanzigsten Lebensjahr privat einfach mit meinem Mann aufgetaucht bin und auch offensichtlich verliebt in der Öffentlichkeit auftrat, war ein Outing im Sinne von offensiv erklären selten nötig. Im beruflichen Umfeld habe ich immer erst nach längerer Zeit von meinem Leben erzählt, damit ich zunächst der Fachmann und dann der Schwule war...

Als Frau und Trans ist aus den selben Gründen ein Outing meist nicht nötig.
Klar man kann in der Öffentlichkeit einfach so auftreten und gut.
Meine Frage geht aber mehr in richtung Freundeskreis und Familie, bei Partner und bestehende Beziehung ist es noch mal was anderes das wegen schließe ich es erst mal aus.
Die zweite Frage kann ich für mich so beantworten:
Ein gefordertes Outing, eine Erklärung, ist eine Diskriminierung. Resapektvolle Fragen sind es nicht.
Zwangsoutings gehen gar nicht. Jede*r muss selber entscheiden, wie viel Mensch von sich nach außen zeigt.
Ja so sehe ich es auch, ich mag sogar Respektvolle neugierie Fragen, da man so sich selbst Reflektieren kann.
Céline hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 09:53 ....und das ist nur auf mich bezogen versuchte mich immer zu Rechtfertigen und eine gewisse Entschuldigung zu finden. Eigentlich total bescheuert das ich mich selbst immer allenerklärt habe und es noch tue. Mir hat das nie was ausgemacht weil es ein Teil meiner Transition war und weil es für mich irgendwie eine" Vorgabe" der Gesellschaft war.
Genauso war es als ich festgestellt habe das ich mich für Männer interessiere. Aber damit ging ich wesentlich lockerer um, geradezu frech manchmal. Es ist mir egal was die Menschen denken. Mein Leben, meine Regeln...
Ja das Rechtfertigen kenn ich zu gut, mich nervt es allerdings.
Sehr intressant finde ich, dass du sagst ("Vorgabe" der Gesellschaft) aber gibt sie das den Wirklich vor? Oder nehmen wir es einfach an das es so ist.
Was mir aber aufgefallen ist das sehr oft andere Menschen für mich sprechen wollen und ich immer Gesprächsthema bin und immer etwas exotisches und besonderes sein werde. Ein Fremdouting hierzu finde ich immer noch frech und unverschämt da ich entscheide wem ich mich öffne und wem nicht.
Aber so funktionieren eben viele Menschen das sie oft für andere sprechen und die Initiative ergreifen wollen um in gewisser Weise im Mittelpunkt zu stehen
Es hat bei mir gedauert bis ich psychisch so weit war über dem Ganzen zu stehen und darüber Lächeln zu können.
Sowas finde ich unmöglich. Aber schon das du jetzt darüber Stehen kannst, das ist wirklich wichtig sonst macht es einen kaputt.
Helga hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 11:28 mit wem mensch ins Bett geht, welche Neigungen mensch hat, ob ein Mann privat Frauenkleider, Latexmasken, Babywindeln oder Krachlederne trägt geht grundsätzlich niemanden etwas an. Nicht die Freunde und Bekannten, auch nicht die Eltern, insbesondere aber nicht den Arbeitgeber. Es gibt kein Muss!
Aus Gründen der Praktikabilität kann es zweckmäßig sein sich den Menschen zu offenbaren die im gleichen Haushalt leben.
Natürlich kann es zweckmäßig sein, aber doch bitte ohne zwang.
Ob ein (Ehe) Partner aus moralischen Gründen unterrichtet werden sollte, darüber scheiden sich auch hier im Forum die Geister.
Natürlich kann mensch das Bedürfnis haben sich anderen gegenüber zu offenbaren um die Last der Heimlichkeit los zu werden.
Ich hab ja schon weiter oben gesagt Partner und bestehende Beziehung lasse ich erst mal außen vor.
Und klar ist es Befreiend wenn man durch ein Outin aus der Heimlichkeit raus kommt. Aber warum ist es eine Heimlichkeit warum kann es nicht einfach normal sein.
Aber diese Frage ist auch wieder was Anderes.
Sollte ein Arbeitgeber durch eigene Nachforschungen an entsprechende Informationen gelangt sein (in Zeiten von Corona haben Privatdetektive und andere Melder Hochkonjunktur) hat er diese für sich zu behalten, zu löschen, zu vernichten. Gibt es diese Info an irgendjemanden weiter macht er sich strafbar.
Ein Outing durch Dritte verletzt in hohem Maße die Persönlichkeitsrechte.
Also da gibs es für mich nur eins Anzeige und Kündigung. Sowas geht mal so gar nicht.
Aber das schließe ich auch aus. Es geht nur um den "Muss ich mich outen".
!EmmiMarie! hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 12:47 Diskriminierend ist dann etwas wenn es als herabwürdigend empfunden wird, es ist für mich aber nicht herabwürdigend
wenn jemand sagt du bist trans oder pan, naja meist wars dann schwul, denn ich bin das ja und empfinde so.
Es gibt Begriffe die ich herabwürdigend finde-so wie Transe, denn das ist meist negativ konotiert.
Nun ja wenn man selbst in eine Schublade gesteckt wird ist es für mich ok aber dann bitte in die Richtige.
Sicher ist es Diskriminierend wenn ein Outing oder eine Zuschreibung wenn sie richtig ist, als negtiv bzw herabwürdigend genutzt wird.
Egal ob einem persönlich gegen über oder dritten.
Mhm..nenn es nicht Outing, sondern einfach nur, ich rede drüber wie ich mich empfinde und fühle-was ist daran
falsch, ich finde es wichtig mich mitzuteilen und habe auch kein Problem über Sexualität zu reden, denn das
ist ja nichts schlimmes-oder?
Gut ich binde niemand wild Fremden meine Lebensgeschichte auf die Nase-aber warum sollte ich ein Problem
haben über einen Teil meines Lebens mit der Familie oder Freunden und sogar Bekannten zu reden?
Ich finde es gut sich auch ausserhalb einer bestimmten Community ganz normal über sich unterhalten zu können.

Da kommen auch manchmal Fragen, die beim reflektieren und weiterkommen helfen.
Und der Austausch ist fruchtbar, für alle irgendwie.

Alsoooo wenn die Tochter grad Lust hat zu sagen "ich stehe auf Frauen" find ich das richtig und wichtig für sie.
Klar das sagte ich ja weiter oben drüber reden ist toll und wie du sagst fruchtbar.
Da gehe ich auch mit dir. Die Tochter soll frei sich ausleben können.
Svetlana L hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 13:34 So ein Outing muss ja nicht immer durch eine persönliche Erklärung geschehen, wie Ralf-Marlene schon geschrieben hat. Es kann auch durch "Fakten schaffen", z. B. durch Erscheinen mit dem_der Partner_in zur betrieblichen Weihnachtsfeier oderoderoder, passieren. Ich glaube, diese ganze Outerei hat auch damit zu tun bzw. wird auch vielfach verlangt/vorausgesetzt, weil in vielen Köpfen immer noch drin ist, dass das eine normal ist und das andere eben nicht. Und deshalb müssen sich cis- und heterosexuelle Menschen auch nicht outen. Da müsste m. E. der Hebel angesetzt werden. Wenn man es genau betrachtet, dann sind wir ständig umgeben von heteronormativen Sterotypen, sei es das frisch verliebte Pärchen in der Werbung, sei es das Familienfoto auf dem Schreibtisch der Kollegin oder die Wochenend- und Urlaubsberichte von Mann, Frau, Kindern (und machmal noch der Hund). Oder hat schon mal jemand eine junge Frau in der Werbung sagen hören: "Die richtige fehlt mir noch. Deshalb parshipe ich jetzt!" Vor ein paar Wochen wurde doch eine Studie veröffentlicht, dass queere Menschen in der Werbung akzeptanzfördernd sind, Sichtbarkeit also ein wichtiges Kriterium ist. Und das kann natürlich auch außerhalb der Werbung realisiert werden! Und bis es dann völlige Normalität ist, auch homosexuell und/oder trans*, inter*, bi oder sonstwas zu sein, und ein Outing gar nicht mehr erforderlich ist, brauchen wir wahrscheinlich noch den 11. Oktober.
Da kann ich noch was zu sagen was mir meine Freundin noch erzählt hat.
Sie war bei Ihren Eltern und da kam dann die Frage auch "Hat die Kleine den schon ihren Ersten Freund?"
Ihre Antwort war dann ein "Nein eine Freundin". Das hat bei der Großmutter erst mal ein klein Schock verursacht, weil es so plötzlich kam.
Der Großvater hat dann gleich drauf gesagt, dass die Tochter sich dann ja noch Outen muss.
Und hier kam dann die gegen Frage "Warum? Du musst dich ja auch nicht Outen das du Hetero bist!"

Aber ja in Werbung sieht mal nur Normal Pärchen bzw wenn es um Dating plattformen geht, sieht man immer nur Hetero personen nie was anderes ein Satz könnte da schon viel helfen.
Ich verstehe allerdings nicht was du mit dem 11. Oktober meinst.

Und weiter gehst mit dem Nächsten Antworten bin weiter gespannt was von euch noch kommt. (ap)
Viele Grüße Christine

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 15:50
von Svetlana L

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 16:49
von Christine DarkJoker
Vielen danke für den Link (ki)
Jetzt sind wir etwas schlauer (smili)

Re: Outen?

Verfasst: Sa 11. Jul 2020, 18:11
von Aria
Christine DarkJoker hat geschrieben: Sa 11. Jul 2020, 15:41 Da kann ich noch was zu sagen was mir meine Freundin noch erzählt hat.
Sie war bei Ihren Eltern und da kam dann die Frage auch "Hat die Kleine den schon ihren Ersten Freund?"
Ihre Antwort war dann ein "Nein eine Freundin". Das hat bei der Großmutter erst mal ein klein Schock verursacht, weil es so plötzlich kam.
Der Großvater hat dann gleich drauf gesagt, dass die Tochter sich dann ja noch Outen muss.
Und hier kam dann die gegen Frage "Warum? Du musst dich ja auch nicht Outen das du Hetero bist!"

Aber ja in Werbung sieht mal nur Normal Pärchen bzw wenn es um Dating plattformen geht, sieht man immer nur Hetero personen nie was anderes ein Satz könnte da schon viel helfen.
Also, erstens muss sich niemand outen. Es sei denn, er/sie, möchte das, weil es ein Akt der Befreiung darstellt. Zweitens müssen wir akzeptieren, dass wir in einer Zeit leben, wo gerade damit begonnen wird, Andersartigkeit - in welcher Form auch immer - als normal anzusehen. Ich finde, wir sind manchmal viel zu schnell "beleidigt" wenn uns nicht so entsprochen wird, wie wir es erwarten und von unsereins kennen. Da bewegen wir uns doch recht häufig noch in einer Blase und schliessen von uns auf den Rest der Bevölkerung.

Ich meine, man muss sich das mal vorstellen, wie lange es erst her ist, wo "schwul sein" noch als etwas abartiges angesehen wurde. Gerade kürzlich habe ich eine Doku über Walter Sedlmayer's Tod gesehen. Der war 1990. Wie entsetzt waren die Leute, als es geheissen hat, er wäre schwul gewesen und hätte Kontakt zur SM-Szene gehabt. Ich war damals 10, kann mich aber noch sehr gut daran erinnern, wie sehr es die deutsche Bevölkerung getroffen hat. Denn bis dato, wusste man nix von seiner Homosexualität. Er doch nicht, der Vorzeige-Bayer!

Wie gesagt, das ist 30 Jahre her. Was sind schon 30 Jahre? Ausserdem muss man mal bedenken, dass es ziemlich viele Leute gibt, die in ihrer zeit stehen bleiben. Nicht jeder entwickelt sich weiter - aus welchen Gründen auch immer Von daher ist es nicht gerade verwunderlich, wenn wir immer noch auf solche Zeitgenossen stossen, die eben diese Denke haben und meinen, man müsse sich outen. Denen muss man dann erklären, dass da eben nicht so ist und heute viel weniger gesellschaftliche Zwänge herrschen, wie noch vor 30 Jahren.

Ich schätze aber, es wird noch weitere 30 Jahre brauchen, bis wir an einem Punkt sind, wo jeder so leben kann, wie er/sie möchte, ohne sich gross erklären zu müssen.