Hallo Caju,
caju hat geschrieben: Mo 10. Jun 2019, 19:35
Hallo ihr Lieben,
ich habe ja schon als Jugendliche meinen Wechsel in die weibliche Rolle vollzogen und bin jetzt vor kurzem den letzten Schritt mit der GaOP gegangen.
erstmal meine Glückwünsche zu deinem zurückgelegten Weg in solch jungen Jahren! Auf den ersten Blick sollte man meinen, dir lägen damit alle Wege offen ...
caju hat geschrieben: Mo 10. Jun 2019, 19:35
Jetzt kann ich mir auch vorstellen mit einem Partner eine engere Beziehung mit körperlicher Nähe einzugehen.
Würdet ihr dem Partner von eurer Vorgeschichte erzählen oder eher nicht und wenn ja, wann und wie würdet ihr das machen?
... aber deine Fragestellung ist die gleiche, welche transidente Frauen jeglichen Alters umtreibt.
Zusätzlich zu den vielen Bedingungen, unter denen "normale" Menschen PartnerInnen suchen, kommen bei Transfrauen pre- und post-OP noch folgende hinzu:
- Findet mich ein potentieller männlicher Hetero-Partner ggf. noch immer zu männlich, auch mit Neovagina?
- Findet mich ein potentieller männlicher homosexueller Partner ggf. schon zu weiblich, auch pre-OP?
- Findet mich eine potentielle weibliche Hetero-Partnerin ggf. schon zu weiblich, auch pre-OP?
- Findet mich eine potentielle weibliche homosexuelle Partnerin ggf. noch immer zu männlich, auch mit Neovagina?
Obendrein musst du dich aufgrund deines jungen Alters mit den Querelen um Familiengründung / Kinder usw. herumplagen. Die gesamte konservative Bandbreite potentieller männlicher Partner fällt allein dadurch bereits weg.
Wer darauf von Anfang an abzielt, ist 200%ig weg, wenn du die Karten auf den Tisch legst. Um es aus eigenen Erfahrungen (und nein, ich schiebe dir nicht meine Erfahrungen unter, sondern nutze diese nur rein informativ) kurz und schmerzhaft zu schreiben: Der Zeitpunkt, wann du "es" sagst, bestimmt das Ende des Kontakts. Es liegt zunächst in deiner Hand, ob du das Ende nach dem ersten oder dritten Treffen haben möchtest, vor oder nach dem ersten Intimwerden. Eines steht zu 99,99999% fest: Er / sie ist danach weg.
Es geht gar nicht mal darum, was du zwischen den Beinen hast. Wenn du auf der "falschen" Seite geboren wurdest, bekommst du keine Chance - no way, no mercy. Die Welt ist kein Ponyhof, kein Gnaden-Asyl, keine Kuschel-Ecke. Wer nicht in die gesellschaftlichen Normen passt, ist draußen. Da kannst du ein noch so feiner Mensch sein. Es interessiert niemanden.
Das kannst du prima im täglichen Leben austesten, wie sich dieselben Menschen
- nach der Kenntnis deines Geburtsgeschlechts
dir gegenüber verhalten.
Eine weitere herrliche Empirie ist das Schalten verschiedener Kontakt-Anzeigen auf zig Portalen wie Parship, eDarling, ElitePartner bis hin zu Echte Menschen, Bildkontakte, Joyclub usw. Dabei hatte ich folgende stufenweise "Enthüllungen" getestet:
Foto, Profiltext mit der Andeutung einer "nicht alltäglichen, besonderen Frau"
Ergebnis: Das Postfach quoll über, massenhaft PN, Komplimente, Date-Anfragen. Ausnahmslos
alle sprangen spätestens beim ersten Date ab, nachdem ich meine widerwärtige Erbsünde verriet, keine geborene Frau zu sein - pfui! Sind ja schließlich alles anständige Leute, die mit solchem Schweinkram nix am Hut haben wollen. Für die meisten sind "Transfrauen" lediglich verkleidete Kerle, die ganztags quasi dauergeil in Nylons herumlaufen. Da können auch noch so viele Dokus im TV nichts ändern.
Obendrein waren etliche schwer beleidigt, so elendig "hereingefallen" zu sein. Die schämten sich bis ins Mark dafür, mich attraktiv gefunden zu haben! Leider hatte ich nie so viele Taschentücher für die Ärmsten bereit, wie sie gebraucht hätten ... Andere wurden aggressiv und da war ich dann schneller weg, als sie gucken konnten.
Foto, Profiltext mit der klaren Ansage, keine geborene Frau zu sein
Ergebnis: Post und Komplimente nahmen um ca. 1/3 ab. Doch die verbleibenden 2/3: siehe oben. Das tut einfach nur weh. Besonders, wenn wirklich sehr charmante Schreiben dabei waren, die z.B. den witzigen Profiltext oder meine ideenreiche Beantwortung irgendwelcher Profilfragen erwähnte, die Sympathien weckten; mal von den Komplimenten zu den Fotos ganz zu schweigen.
Foto, Profiltext mit der unübersehbaren Ansage, eine transidente Frau zu sein, ohne Erwähnung, ob pre- oder post-OP
Ergebnis: Das war's dann. Bis auf ein paar perverse Widerlinge auf etwas feuchteren Portalen (hab nur die Harmlosesten probiert, den Rest tat ich mir nicht an) gab es keine Anfragen mehr, keine Komplimente.
Ich bin durch mit dem Thema. Endgültig.
Fazit: Der Mensch spielt absolut keine Rolle, weder das Aussehen, erst recht nicht deine "inneren Werte". Du musst vor allem auf der "richtigen" Seite geboren sein. Was du im Schoße trägst, ist zweitrangig - ja unwichtig, weil das beim letzten Test auch keiner wusste.
Die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen findest du 1000x schneller, als einen anderen Menschen, der dich um deiner selbst Willen liebt. Nicht umsonst klammern sich Betroffene in solcher Verzweiflung und Opferbereitschaft bis hin zur Selbstaufgabe an die Partnerin: Sie wissen, dass sie niemals wiederfinden, was sie haben. Einsamkeit tötet - früher oder später. Das ist das Gift der modernen Zivilisation, insbesondere der sog. "Randgruppen".
Und zum Thema, "es" zu beichten, wird mir regelmäßig übel, darum nochmals, wenn auch schon oft geschrieben:
Nicht ein Trans*Mensch hat i.d.R. ein Problem damit, zur Vergangenheit zu stehen, sondern die Mitmenschen machen ein Problem daraus, damit umzugehen!
-Diva