Ob die eigentliche Ironie der Angelegenheit zur Sprache kommt, dass nämlich Littman ein soziales Konstrukt zur Unterminierung eines biologischen Faktums einsetzen will, wodurch biologische Determinierung selbst zum Konstrukt würde, sei dahingestellt.
Da musste ich doch erst nachdenken und dann schmunzeln.
Aber im Ernst: Die Frage ob die gesellschaftliche Einstellung zum Thema Trans, in welcher Richtung auch immer sie betrieben wird, dogmatischen Charakter bekommt, sollte langfristig keine Rolle spielen. Es sollte jedoch bereits heute klar sein, dass das Thema keinen monokausalen Hintergrund hat. Damit ist es eigentlich obsolet, pubertierenden Mädchen, die "plötzlich" trans-relevante Symptome zeigt, ihnen diese per se abzusprechen.
Auch pubertierende Mädchen wollen ernst genommen werden und ich meine, man sollte sie auch ernst nehmen. Auch wenn sie minderjährig sind, kann man sich als Eltern mit ihnen auseinander setzen. Ich nehme eine Studie, der auch noch methodische Fehler bescheinigt werden, und diese scheinen mir wohl begründet, nicht ernst.
Ich folge eher einer grundsätzlichen Herangehensweise, wie sie in einem anderen Artikel der NZZ gestellt wird:
zumindest zu einem gewissen Grad können wir, individuell und als Kollektiv, entscheiden, wie wir damit umgehen.
https://www.nzz.ch/feuilleton/geschlech ... ld.1345306
Es gilt, diesen "Grad" weiter in Richtung Selbstbestimmung zu drehen und damit unabhängiger vom Dogma der Bestimmtheit (durch Genital, Hormone, Gehirn ...) weiter zu befreien. Das ist ein Akt der Toleranz und der Akzeptanz.
Edit: Ich möchte noch auf den Unterschied zwischen "bestimmen" und "wählen" hinzuweisen. Das Geschlecht frei zu wählen, ist mMn nicht möglich. Zu stark wirken die unterschiedlichen Einflüsse auf uns ein. Mit "bestimmen" meine ich die Entscheidung wie ich leben möchte, weil es neben den gegebenen Umständen mindestens noch eine weitere Kategorie gibt, der ich unterliege: den Willen. Wie die Gesellschaft mit dem Willen Einzelner umgeht, bestimmt den Grad der Freiheit, den diese Gesellschaft zulässt. Und genau hier erwarte ich, dass man meinen Willen respektiert. Damit negiere ich nicht natürliche und kulturelle Einflussfaktoren, wie das bei einer freien Wahl wäre, sondern es geht um mehr. Warum fällt das der Gesellschaft so schwer ?