Hallo Betty,
für mich (!) ist es eine Frage des Gleichgewichts von "Erkenntnis und Verantwortung".
1. Erkenntnis
Mit 6-10 Jahren (also ohne jeglichen sexuellen Hintergrund) fand ich gefallen an der gegengeschlechtlichen Kleidung.
Warum - konnte und wollte ich nicht wissen - war einfach schön. Die spielerische Erkundung wurde durch das
Umfeld nicht verurteilt aber schon der Hinweis gegeben: "das ist nicht für Jungens".
1. Verantwortung
Ich bin ein Junge - ich habe so etwas nicht zu tragen! - woran ich mich dann auch hielt, um der "Jungensrolle"
gerecht zu werden. Damit wurde aus dem "geduldeten Erkunden" eine Art "Verbot". Aus diesem Verbot heraus
würde ich für mich das erste mal behaupten das mir "ETWAS" fehlt. (Also eine Art Verlangen) Was wusste ich zu diesem
Zeitpunkt noch nicht wirklich.
2. Erkenntnis
Die Zeit von 10 -16 Jahren würde ich als entspannte Phase betrachten, in der zwar sicherlich gewisse Berührungen
zur Thematik da waren, aber vieleicht auch durch die konsequente Hirnwäsche der gesellschaftlichen Umgebung
(wie Jungens in dem Alter unter sich nun mal so sind) - ich würde schon sagen, kpl. unterdrückt wurden, um nicht aus
der gesellschaftlich zugesprochenen Rolle zu fallen oder als schwach zu gelten. Mit der Aufklärung trifft man dann auch auf
die "Sonderfälle" sprich Homosexualität und auch um mit heutigen Begriffen zu arbeiten Transsexualität einschließlich
deren Derivate wie CD ect. Und da war doch was, dieses Gefühl? Ich - einer dieser Sonderfälle? Nein! Weg mit dem Spuk!
Das ist die erste Erkenntnis in die richtige Richtung, aber noch ohne wirkliche Folgen.
2. Verantwortung
Mit der ersten Partnerschaft (und den folgenden bis zur Familiengründung) übernimmt man durch die "vorgesehene Rolle" Verantwortung.
Es ist auch die Zeit des Ausprobierens und Erkundens. Was jetzt in die "Thematik" fällt, geht (ich behaupte in 95% der Fälle) nur im "Geheimen".
Als "Betroffener" schleicht sich jetzt ein "Verlangen" aufgrund unterschiedlichster Reize (Kleidung, Schuhe ....) ein. Am Anfang sicher nur
in Gedanken, durchspielt man Szenarien und den "Rollentausch" - Aber warum? Der Gedanke an so etwas darf nicht sein!
Im Endeffekt ist es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr weit bis zur ersten Feinstrumpfhose...
Die Glücksgefühle jetzt etwas zu physisch zu besitzen, welches zur "falschen" Rolle gehört halten aber nur kurz. Die Verantwortung...
Jetzt beginnt ein zermürbendes Spiel aus Heimlichkeiten, nachgegebenen Verlangen, Totalverweigerung zum Thema (einschließlich der Entsorgung
aller Schätze) Trauer, Unverständniss, Wut und nach einiger "Enthaltsamkeit" wieder dem Verlangen - und das Ganze wieder von vorne.
In der Zwischenzeit werden nicht so manche Beziehungen 25 Jahre alt mit einigem Nachwuchs anhin.
Mit der Verantwortung wächst das Verlangen, welches aber nur heimlich (ohne Wissen der Partnerin / Partner) gelebt werden kann.
Verantwortung in einer Partnerschaft heist aber auch Ehrlichkeit. Und genau da liegt die Crux. Welche Verantwortung ist besser?
Das "Ganze" so geheim wie möglich und unehrlich gegenüber dem Partner irgendwie "durchzustehen" oder die Verantwortung gegenüber
dem Versprechen "immer ehrlich zu sein" ?
Ich habe lange gekämpft und Dank Internet die Möglichkeit gehabt mich auszutauschen - mich zu finden. Und ich habe die 2. Verantwortung
gewählt meiner Partnerin gegenüber ehrlich zu sein. Es gibt jetzt für mich bestimmte Freiräume aber auch Regeln - so der Stand.
Partnerschaften sind dynamisch - was also in Zukunft wird, kann ich nicht vorhersagen. Aber den anderen Teil unserer Persönlichkeit abzustellen,
wird egal wie man es versucht nicht funktionieren. Ist auch nicht wegtherapierbar

. Verlangen entsteht durch Entzug. Und ich lasse mir
keinen Teil meiner Persönlichkeit mehr entziehen (diese Erkenntnis muss man erstmal haben!) Treibmittel bei der eigenen Entwicklung
ist sicherlich auch das Alter und die Ziele die man im Leben erreicht hat. Nach dem man alle Kraft in Karriere, Familie, Kinder, Haus ...
gesteckt hat und (bei mir Anfang 40) das erste mal zurückblickt, stellt man fest, das man etwas unterdrückt hat, was jetzt sein Recht und seine
Zeit fordert (es ist so eine Art Belohnung von der man glaubt, das sie jetzt einem zusteht - fast ein kleines bischen Egoismus).
LG Tessa.